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Wackelt Draisaitls Stuhl?

Peter Draisaitl im Derby bei der DEG am 02.02.2018. Foto: mcfly37.de
Peter Draisaitl im Derby bei der DEG am 02.02.2018. Foto: mcfly37.de

Es ist wiedermal soweit. Kurz vor der Länderspielpause steht der KEC auf einem inakzeptablen Tabellenplatz, die Lokalpresse zählt den Trainer – und dieses Mal auch den Sportdirektor – an, und wenn in Wolfsburg und Bremerhaven nicht zwei deutliche Siege aufs Eis gezaubert werden, dann wird wohl alles den Gang nehmen, der sich in den letzten Jahren schon zu einer traurigen Tradition entwickelt hat. Im aktuellen Fall wäre eine plötzliche Unzufriedenheit mit dem Spiel der Mannschaft allerdings erstaunlich, denn wenig überraschend schließt sich die Performance nahtlos an das an, was bereits in der vergangenen Saison unter diesem Coach auf dem Eis gezeigt wurde. – Ein Kommentar.

Der viel zitierte “Stallgeruch”

Als Peter Draisaitl nach dem Rauswurf von Cory Clouston als neuer Headcoach der Kölner Haie präsentiert wurde, war sein Bezug zu Köln und den Haien das größte Pfund, mit dem man gewuchert hat. Keine glamouröse, mit Auszeichnungen und Titeln gespickte Vita als Trainer. Was Draisaitl mitgebracht hat, war der viel zitierte „Stallgeruch“. Sonst nichts.

Damals war es ein Feuerwehreinsatz und auch wegen der mannschaftsinternen Probleme mit niedrigen Erwartungshaltungen verknüpft. Draisaitls Bilanz aus seiner ersten Spielzeit als Bankboss der Haie war letztendlich allerdings nicht mehr als unteres Mittelmaß. Haarscharf an den Pre-Playoffs vorbeigeschrammt und im Viertelfinale gegen Nürnberg in letzter Instanz chancenlos. Fraglich, ob ein Trainer mit anderem Namen nach einer solchen Saison ein weitergehendes Vertragsangebot bekommen hätte.

Draisaitl war erste und einzige Wahl

Draisaitl erhielt eine Vertragsverlängerung zu einem Zeitpunkt, als noch nicht mal sicher war, ob die Kölner Haie die direkte Playoff-Qualifikation schaffen. Sportdirektor Mark Mahon gab damals zu Protokoll, dass es für den KEC keinen anderen Kandidaten gegeben habe. In der Kommunikation nach außen war Draisaitl also erste und einzige Wahl. Schon damals sorgte diese Aussage für Unverständnis – besonders vor dem Hintergrund der seinerzeit auf dem Markt befindlichen, teils hochkarätigen Alternativen.

Vorgefunden hatte Draisaitl nach der Clouston-Entlassung extrem strukturierte Arbeitsabläufe. Sein Vorgänger hatte ihm eine Mannschaft hinterlassen, die zu dem Zeitpunkt zwar sehr konteranfällig war, allerdings zumindest solide Specialteams vorweisen konnte. Speziell das Unterzahlspiel war einer der Bereiche, der in der vergangenen Saison bis zuletzt gut funktionierte. Draisaitl hatte auch von Anfang an angekündigt, nicht viel ändern zu wollen. Die Umstellung auf das 1-2-2 im Backcheck war dann auch die einzige, signifikante Umstellung, die er vorgenommen hat. Selbst bei der Suche nach neuen Konstellationen in den Sturmformationen kam er nach vielen Experimenten wieder bei dem Line-Up an, wie es sein Vorgänger bereits hat spielen lassen.

Der Kader für die aktuelle Saison wurde von Mahon und Draisaitl gemeinsam zusammengestellt. Im Rahmen von Draisaitls Vertragsverlängerung sagte der KEC-Sportdirektor mit Blick auf die Kaderplanung: „Ich entscheide hier nichts alleine. Es sind immer alle eingebunden in den Prozess, wer kommt und wie alles aussehen soll. Ich habe Peter von Anfang an in alle Entscheidungen eingebunden, weil ich finde, dass das der richtige Weg ist. Den kommenden Kader werden wir also gemeinsam zusammenstellen.“

Spielanlage wie in der vergangenen Saison

Inzwischen nun beklagt Draisaitl sich über sein On-Ice-Personal, an dessen Zusammenstellung er mitgewirkt hat. Die Zusammenarbeit zwischen Trainer und Team ist allerdings keine Einbahnstraße. Wenn der Headcoach eine konsequentere Umsetzung seiner Taktik fordert, dann wird das nicht passieren, ohne dass er die Mannschaft von eben dieser Taktik auch überzeugt.

Der Spielaufbau aus der eigenen Zone, spielerische Wege durch die neutrale Zone und kontrolliert ins Angriffsdrittel – das sind Werkzeuge, die der Headcoach seinem Team mitgibt. In Zeiten der – auch in der DEL längst Standard gewordenen – Videoanalyse sollte es diese Werkzeuge variantenreich und auf den jeweiligen Gegner angepasst geben. Nachdem nun mit dem Umbruch in der Mannschaft aber auch die letzten Cloustonschen Elemente speziell aus dem Spielaufbau der Haie aus der eigenen Zone verschwunden sind, wirkt das Team bisweilen planlos.

Nichts von dem, was in der aktuellen Saison von den Haien auf dem Eis geboten wird, sieht in der Anlage anders aus als das, was die Mannschaft in der vergangenen Saison unter Draisaitl gezeigt hat. Schon in der abgelaufenen Spielzeit können die Resultate aus Club-Sicht nicht zufriedenstellend gewesen sein. Erstrecht nicht zum Zeitpunkt der Vertragsverlängerung für Draisaitl, selbst wenn man von Clubseite darauf vertraut hat, dass das Eliminieren der Quertreiber in der Mannschaft vor der aktuellen Saison für bessere Arbeitsbedingungen für alle Beteiligten sorgt.

Keine adäquate Visitenkarte abgegeben

Sollte es nun also erneut zu einem Trainerrauswurf beim KEC unter der Saison kommen, dann wäre er dieses Mal vermeidbar gewesen. Wo Clouston bei seiner Amtsübernahme noch eine echte Wende eingeläutet und damit seinerzeit eine Vertragsverlängerung gerechtfertigt hat, hat Draisaitl mit der abgelaufenen Spielzeit keine adäquate Visitenkarte abgegeben. Zumindest keine, die den Ansprüchen eines Top-Clubs gerecht geworden wäre.

Dass es tatsächlich keinen anderen Kandidaten für den Trainerposten beim KEC für die Saison 2018/19 gegeben haben soll, ist schwer nachvollziehbar. Der gesamte Vorgang passte in der Wahrnehmung auch nicht zum Wesen von Sportdirektor Mark Mahon, der eher mit Akribie und detaillierter Analyse aufwartet. Auch wenn die Verpflichtung eines Trainers in seinen Zuständigkeitsbereich fällt, steht speziell im Fall von Peter Draisaitl die Frage im Raum, wie einsam diese Entscheidung tatsächlich war. Wo „Stallgeruch“ für die Verpflichtung als Interims-Coach ausgereicht hat, hat es den Anschein, als hätten alte Verbindungen in höhere Etagen bei der Weiterverpflichtung zumindest geholfen. Sollte das tatsächlich der Fall sein, wird es sich auch in der Länge des Geduldsfadens mit dem aktuellen Übungsleiter widerspiegeln. Spätestens dann muss aber die Frage erlaubt sein, auf wie gesunden Füßen die Personalpolitik bei den Kölner Haien insgesamt steht.

Über den Autor: Henrike Wöbking

Henrike schreibt für haimspiel.de seit 2005 und wurde von Ex-NHL-Spieler Jason Marshall gelobt für "the best interview I ever did". Sie zeigte sich hauptverantwortlich für das Abschiedsvideo von Dave McLlwain. Außerdem ist sie Buchautorin und schrieb den Roman "Auf Eis" vor dem Hintergrund der Playoffs 2002.

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  • Marcel B sagt:

    Tobias Viklund verlässt die Haie mit sofortiger Wirkung, aus persönlichen Gründen!

  • haiemaus sagt:

    Der erste Spieler zieht bereits die persönliche Notbremse.

    Für Viklund waren die Fußstapfen von Lalonde, Erikson und Ehrhoff wohl doch eine Nummer zu groß…

    Irgendwie hab ich jetzt auch wieder ein déjà-vu zur Vorsaison, wo uns unterjährig auch die Spieler verlassen haben…
    Wir drehen uns im Kreis.

  • Umland sagt:

    ich finde so wie es jetzt beim KEC aus sieht sollte mann unbedingt den ges,.Stab entlassen den der Fisch stinkt vom Kopf aus ,denn nur den Trainer entlassen wird überhaupt nichts bringen

  • Alexander sagt:

    Man sollte wieder einen Teamleiter einstellen um Trainer und Sportdirektor zu entlasten auch über einen Motivations-Trainer wie schon 2002 (mit Chris Hamilton)wo wir das letzte mal Meister geworden sind macht Sinn.

    Wer kümmert sich eigentlich aktuell um das Video Coaching und das Zusammenschneiden der Video Bilder?Ich weiss das sowas teuer ist es muss ja nicht alles sofort passieren aber es muss was passieren damit man nicht vor leeren Zuschauerrängen spielt.

    Ich mache mir große Sorgen um die Zukunft es kann nicht sein das uns immer wieder Spieler mit Verrag in der Saison verlassen.

  • […] der aktuellen – und damit im zuverlässigen jährlichen Turnus wiederkehrenden Trainerdiskussion – ist auch die Auflösung von Spielervertägen eine Konstante, an die sich Haie-Fans in den […]

  • Bernd Schumalski sagt:

    In Köln lässt sich kein Mittelmaß verkaufen, erst recht nicht bei diesen finanziellen Möglichkeiten. Wenn man aber auf dem Eis bestenfalls durchschnittliches Personal hat, und in der sportlichen Leitung Personen schalten und walten lässt, die 12 Jahre (circa) im japanischen Eishockey tätig waren bzw. als Trainer auch nichts gross gerissen hat, dann ist es nur sehr schwer, die Erwartungen zu erfüllen.

    Was meiner Meinung nach ebenfalls eine Rolle dabei spielt, ist die viel zu grosse Halle. Wenn bei einem Fassungsvermögen von gut 18000 Zuschauern, die Halle bestenfalls zur Hälfte gefüllt ist, fehlt die entsprechende Atmosphäre. Wenn dann auch noch eine Saison wie diese dazu kommt, verprellt man den Rest an Zuschauern auch noch.

    Alles in allem stimmt es hinten und vorne nicht. Auch wenn heute gegen Wolfsburg gewonnen wurde, würde es mich nicht wundern, wenn wir in Bremerhaven wieder einen Rückfall erleiden würden

  • Andreas P. sagt:

    Das gute ist, das es bald Auf- und Abstieg gibt. Dann treffen die Haie endlich wieder auf Gegner auf Augenhöhe. Dazu passt dann auch das Bild, was sie in den letzten Jahren abgeben.
    Eigentlich kann man nach Heimspielen die Interviews aus dem Archiv abspielen: „ … war ganz peinlich … wir schämen uns … muss besser werden …“ immer das gleiche Bla-Bla, aber keine Änderung.
    Dazu zu die letztjährige Werte-Diskussion … auch Ziel verfehlt. In Summe ein Desaster. Vielleicht ja mit dem neuen Trainer ab Dezember … nur welcher Trainer will sich das noch antun?

  • Bossy sagt:

    Es ist doch eigentlich kaum noch zu fassen: da bettelt die Mannschaft (anders kann ich die Taktik des Scheibenschießens auf Wesslau nach eigener Führung nicht bezeichnen) in beiden Spielen des Wochenendes bis in die letzten Spielsekunden darum, dass ihnen die Gegner doch bitte, bitte noch Punkte abnehmen, und dann klappt das nicht!

    Und die Haie-Fans werden somit auch, zumindest zunächst einmal, um das auf jeden Fall unterhaltsame Engagement eines Larry Huras gebracht.

    Ausgestattet mit einem Ego von der Größe des Sonnensystems und dem Versprechen der unbedingten Sofort-Wirkung wäre das schöne Haie-Leben der diversen Alibi-Spieler und notorischen Schön-Quatscher, die mit einer schon erstaunlichen Routine und Unverfrorenheit die (unter)durchschnittlichsten Leistungen des Teams als völlig ausreichend befinden und zum Maß aller Kölner-Haie-Dinge erklären wollen, endlich mal vorbei gewesen.

    Denn, und das wäre nach vielen Jahren auch für den letzten Mohikaner noch mal eine neue Erfahrung gewesen, es gibt tatsächlich auch noch Trainer, die man nicht integrieren kann.

    So aber durfte ich gestern Abend noch die hämische Freude eines DEG-Fans darüber vernehmen, dass der aktuelle Trainer auch am 18.11. noch hinter der Bande stehen wird, der vierte Derby-Sieg in Folge ist damit schon fest eingeplant.

  • Sockenträger sagt:

    Als erstes würde ich mal den Mahon mit seinem großen Maul rauswerfen, gefolgt von den Co Trainern Brandl und Thomson. Mir kommt es komisch vor das der Headcoache entlassen wird und nichts ändert sich. Wenn es dann wirklich nicht besser wird kann man den Draiseidl immer noch rauswerfen. Ich bin der Überzeugung das da irgendwo ein Hacken sitzt der raus muß.

  • hairalle sagt:

    Zunächst einmal stellt sich mir die Frage, warum es beim KEC nicht läuft? Hier sind ja schei bar sooo viele Experten und Schlaumeier, die den Karren aus dem angeblichen Dreck ziehen könnten.
    Peter Draisaitl wurde übel und auf hinterhältige Art und Weise vor die Tür gesetzt wie Uwe Krupp seiner Zeit auch!!! Geht man so mit eben jenen um, die sich mit dem Club verbunden fühlen und versuchen das beste draus zu machen? Ich denke nicht.
    Zu erst sollten mal die Herrn Gesellschafter entlassen werden. Dort sitz das Übel!
    Einen Trainer so kurz vor den Playoffs zu entlassen bringt unruhe und nervosität mit sich. Man kann und wird NIE alle Spiele gewinnen und eine Meisterschaft kan NIE garantiert werden. Wir reden hier nicht von Wirtschaft oder dem überwirtschafteten Fußball. Es lebe der Sport und darum geht es.
    Jeder der sich zu besseren berufen fühlt und meint er kann alles soll eine Trainerlizenz machen und es anzupacken! #Jämmerlich

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