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Draisaitl war erste und einzige Wahl

KEC-Headcoach Peter Draisaitl im Training - Foto: Steffen Thaut

Die erste Vertragsverlängerung beim KEC geht an den Headcoach. Noch vor Ende der Hauptrunde einigt sich der Club mit Peter Draisaitl. Die Verantwortlichen sind von seiner Arbeit so überzeugt, dass es keine Überlegungen zu anderen Kandidaten gab, wie Sportdirektor Mark Mahon bestätigt. Dass die Vertragslaufzeit nicht kommuniziert wird, lässt aber ein Fragezeichen mit großer Aussagekraft stehen.

Draisaitl: „Es geht nicht um mich.“

Schon Anfang des Jahres hatte Peter Draisaitl signalisiert, dass er gerne über die laufende Saison hinaus Headcoach der Kölner Haie bleiben würde. „Es ist ja kein Geheimnis. Natürlich würde ich gerne weitermachen“, so Draisaitl damals. „Aber es geht hier nicht um mich. Es geht um die Kölner Haie. Wenn es den Haien gut geht, dann geht es uns allen gut.“

Und so ist es wenig überraschend, dass er als Person auch nach seiner Vertragsverlängerung nicht im Mittelpunkt stehen möchte. „Der Vertrag an sich macht mich noch lange nicht glücklich. Ich werde schon allein kein glücklicher Trainer sein, wenn dieses Jahr nicht gut ausgeht“, erklärt er. „Da kann das Papier aussehen wie es mag. Das ist nicht das, worin ich Zufriedenheit finde.“ Der Erfolg des Clubs steht über der Person Draisaitl. Der Erfolg des Clubs ist genau das, woran er mitarbeiten möchte: „Ich bin froh, dass Mark und ich mit dem ganzen Team hier jetzt planen können.“

Keine anderen Kandidaten

Die Frage, ob es neben dem aktuellen Headcoach andere Kandidaten für den Posten gegeben hat, beantwortet KEC-Sportdirektor Mark Mahon kurz, bündig und entschieden: „Nein.“

„Ich bin sehr zufrieden mit Peter. Es passt. Die Kommunikation ist gut. Er zieht sein leistungsbezogenes Modell durch. Er ist der richtige Mann“, führt Mahon dann weiter aus. Genauso überzeugt ist er auch vom gesamten Trainerstab mit Greg Thomson, Thomas Brandl und Jonas Forsberg, deren Verträge ebenfalls verlängert wurden.

Über die Bewertung und Einschätzung des On-Ice-Personals waren Sportdirektor und Headcoach von Beginn an im Austausch. Den Kader für die kommende Saison gestaltet Draisaitl mit. „Ich entscheide hier nichts alleine“, erklärt Mahon. „Es sind immer alle eingebunden in den Prozess, wer kommt und wie alles aussehen soll. Ich habe Peter von Anfang an in alle Entscheidungen eingebunden, weil ich finde, dass das der richtige Weg ist. Den kommenden Kader werden wir also gemeinsam zusammenstellen. Hoffentlich finden wir die richtigen Ingredienzien, um mindestens mehr Konstanz zu haben.“

Spielerverträge liegen noch auf Eis

Während die Besetzung der Trainerposition über die aktuelle Saison hinaus nun geklärt ist, liegen die Gespräche mit den Spielern nach wie vor auf Eis. Hier sollen Entscheidungen erst nach den Playoffs fallen, auch wenn man damit riskiert, den einen oder anderen Akteur zu verlieren, den man schlussendlich gerne gehalten hätte.

„Die Gefahr hat man immer. Aber in einer Saison wie unserer jetzt, in der wir inkonstant gespielt und die Erwartungen nicht erfüllt haben, muss man dieses Risiko eingehen“, meint Mahon. „Sicherlich haben wir bei dem einen oder anderen Spieler Tendenzen. Den Punkt Konstanz habe ich jetzt oft genug angesprochen. Wer hier konstant Leistung gezeigt hat, wird vielleicht mit einem Vertrag belohnt, wenn er in Köln bleiben will.“

Mahon: „Wir brauchen eine bessere kämpferische Leistung.“

Eine grundlegende Philosophie-Änderung erwartet Mahon zur kommenden Saison nicht. Eine stabile Defensive soll auch weiterhin die Basis im Kölner Spiel bleiben. Was sich aber ändern und vor allem verbessern soll, ist der Kampfgeist in der Mannschaft. Dafür gilt es, das richtige Personal zu finden. Eine Steigerung in diesem Punkt soll aber auch schon in der aktuellen Saison eintreten.

„Wir brauchen eine bessere kämpferische Leistung, damit wir die Verbindung zu unseren Fans nicht verlieren“, erklärt Mahon. „Man kann Spiele verlieren, aber man muss in jedem Spiel kämpfen. Wir hoffen, dass wir auf einem richtigen Weg sind. Wir haben die Pause sehr gut genutzt. Ich hoffe, die Mannschaft spielt kämpferisch stärker, konzentrierter und fokussierter und am Ende des Tages konstanter. Über die kämpferische Leistung gewinnt man nicht nur Spiele, sondern baut auch die Beziehung zu den Fans auf. Das ist für uns sehr, sehr wichtig.“

Vorbild Nationalmannschaft

Das wünscht sich auch Peter Draisaitl von seinem Team. „Ich erwarte, dass wir für den Rest der Saison das gute Gesicht der Mannschaft sehen“, so der Headcoach. Was er außerdem von seiner Mannschaft verlangt, klingt im Subtext durch, als er auf die Auftritte der DEB-Auswahl in PyeongChang angesprochen wird, die gerade mit einer erneut geschlossenen Teamleistung ins Finale des Olympischen Turniers eingezogen ist. Draisaitl lobt nicht nur die Arbeit von Marco Sturm, sondern unterstreicht einen Punkt, der die Nationalmannschaft auszeichnet: „Bei dieser Truppe stellt sich vor allem keiner auch nur einen Millimeter über das Team.“

Man gewinnt den Eindruck, dass es für die Kölner Haie „back to basics“ gehen soll – zurück zu traditionellen Eishockey-Tugenden: Teamspirit, Kampfgeist, Einsatzwille. Wieviel davon im aktuellen Kader steckt, soll der Rest der Saison zeigen. Das sind Dinge, auf die der Headcoach bei der bestehenden Mannschaft nur bedingt Einfluss hat. Bestehen müssen Peter Draisaitl und der restliche Trainerstab gegen die Konkurrenz in der Liga auf den eigenen Posten – heißt vor allem taktisch und in der Arbeit mit und an der Mannschaft.

Schweigen über Vertragslaufzeit

In der Endrunde trennt sich auch hinter der Bande die Spreu vom Weizen. Dass dem Trainer das Vertrauen über diese Saison hinaus bereits vor den Playoffs ausgesprochen wird, zeigt, dass die Verantwortlichen von seinen Fähigkeiten überzeugt sind. Es klingt bei Sportdirektor Mark Mahon nicht danach, dass man einfach nur Ruhe auf dem Posten haben will. Die Olympia-Pause war dafür angedacht, eine Entscheidung über die Zukunft von Peter Draisaitl bei den Kölner Haien zu treffen. Vielsagend ist aber das Schweigen über die Vertragslaufzeit. Auch wenn Verträge jederzeit gekündigt werden können, hätte eine Jahreszahl hier eine deutlich stärkere Aussagekraft als die reinen Lippenbekenntnisse zum neuen, alten Headcoach. So bleibt die Frage offen, wie groß die Überzeugung in der Chefetage wirklich ist und ob die angestrebte Konstanz auf dem Eis zumindest planmäßig auch von Kontinuität hinter der Bande begleitet werden soll.

Über den Autor: Henrike Wöbking

Henrike schreibt für haimspiel.de seit 2005 und wurde von Ex-NHL-Spieler Jason Marshall gelobt für "the best interview I ever did". Sie zeigte sich hauptverantwortlich für das Abschiedsvideo von Dave McLlwain. Außerdem ist sie Buchautorin und schrieb den Roman "Auf Eis" vor dem Hintergrund der Playoffs 2002.

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5 Kommentare

  1. Alexander
    25.02.2018

    Nachdem die Deutsche Eishockey Nationalmannschaft bei Olympia die Silbermedallie erreicht hat wird jetzt nochmal ein Ruck durch die gesamte Mannschaft gehen die Olympia Helden werden Motiviert sein und wollen den Stammplatz im Haie Team behalten und die anderen Spieler werden sich noch mehr Anstrengen müssen um einen Stammplatz zu bekommen und wenn es diese Saison mit Einsätzen nicht klappt warum nicht in der nächsten Saison?

    Auch auf der Torwart Position wird es nicht einfach für den Trainer werden eine Wahl zu treffen wer spielen darf da Peters ja jetzt Bronze mit Kanada geholt hat.und mit Wesslau,Dschunussow sowie Weitzmann 3 weitere starke Goalies ihm im Nacken sitzen.

  2. Marcel
    24.02.2018

    Also für mich hat das mal wieder alles, wenig mit professionalität zu tun, von Herr Mahon! Warum nicht die Spieler, die man halten möchte (Muss) direkt an sich binden? Nein dann wird lieber gewartet bis ein Herr Schütz oder etc. woanders unterschreibt! Dann dieses versteck Spiel zum Thema (Vertragsverlängerung Draisaitl) warum kann nicht gesagt werden wie lange verlängert wurde? Ich würde mich mal wieder freuen, wenn bei den haien wieder mit mehr Transparenz für die Fans gearbeitet würde!

  3. Thomas
    24.02.2018

    Finde ich gut, dass die Verträge bis nach den Play Offs ruhen. Einen Vertrag mit Hanowski oder Shugg, falls nicht über die Saison hinaus eh verpflichtet, würde ich als kleines Risiko ansehen. Solche Spieler braucht man eben. Beim Rest, tja wenn er weg ist, ist er weg. Habe ich auch keine Tränen in den Augen bei dieser wirklich schlimmen Saison, bei der man sich derzeit sogar auf Platz 5 gemogelt hat.

    Das es aber keine Alternative gab, halte ich schlicht für gelogen. Es gibt immer Alternativen, da muss man einfach mal Scouten.

    Am Ende denke ich sind die meisten Spieler eh schon wo anders untergekommen. Ich denke das die wenigstens bleiben wollen, so wie diese spielen. Aber wir werden sehen.

    Man darf gespannt sein, wie die Mannschaft mit dem Thema Vertragsverlängerung umgeht, und ob diese sich dann wirklich noch rein hängen.

    Gruß
    Thomas

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