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Sieg des Willens – 3:2-Erfolg über Berlin

Torjubel der Kölner Haie (Foto: Andreas Dick)
Torjubel der Kölner Haie (Foto: Andreas Dick)

Auf dem Papier stand nach Spielende ein 3:2-Heimsieg der Kölner Haie über die Eisbären Berlin. Wiederum hat der KEC sich und seinen über 10.000 Zuschauern aber keinen „einfachen“ Sieg gegönnt. Die volle Punktzahl auf der Habenseite musste vielmehr hart erarbeitet werden. Der Sieg basierte auch darauf, dass Berlin die Haie überhaupt erst wieder in das Spiel kommen ließ. Für graue Haare sorgten die indiskutable Überzahl-Quote und eine nicht minder indiskutable Chancenverwertung ab dem zweiten Drittel. Für viel Freude sorgte das erlösende Tor durch Pinizzotto und das Engagement, was die Haie nach dem ersten Drittel an den Tag legten.

Powerplay-Effizienz sorgt für Berliner Führung

Die Eisbären reisten mit vier Siegen aus fünf Spielen an, während der KEC das verlorene Derby gegen die DEG abschütteln musste. Berlin ging mit der Rückendeckung von Kevin Poulin – dem statistischen besten Torhüter der Liga – in das Spiel. Die Haie schenkten wiederum Gustaf Wesslau, der direkt hinter Poulin rangierte, das Vertrauen. Auf beiden Seiten fehlten nach wie vor diverse Stammkräfte. Auf Seiten des KEC namentlich Marcel Müller und Frederik Tiffels sowie Fabio Pfohl und Colby Genoway. Während Pfohl seit gestern wieder skatet, gibt es bei Genoway Probleme mit einem Medikament, welches erst noch genehmigt werden muss.

Beide Mannschaften zogen ein klares, einfaches Spiel auf. Sie überwanden jeweils schnell die neutrale Zone und suchten konsequent den Abschluss. Dies sorgte fast vom Start weg für viele Torchancen für beide Mannschaften, auch wenn wenig zwingendes dabei war.

Während sich die Mannschaften beim Spiel fünf gegen fünf ausgeglichen stark präsentierten, sorgte das Powerplay für „umgekehrte Vorzeichen“. Vier Strafen gegen Berlin sorgten für viel Zeit in Überzahl, darunter eine fünf gegen drei Situation. Doch: Nicht die Haie, sondern Berlin zog aus diesen Energie.

Weil die Eisbären in Unterzahl viel konzentrierter zu Werke gingen, erstickten sie die Haie-Offensive im Keim und gingen jeweils mit dem Momentum aus den Strafen. Die Haie verkrampften völlig; kamen selbst beim fünf gegen drei (!) kaum zu Torschüssen!

Als Berlin nun seinerseits Überzahl spielen konnte, setzte es noch einen drauf. Mit dem statistisch besten Powerplay der Liga angereist, agierten die Eisbären auch auf der anderen Seite des Eises souverän – und eiskalt. Nicht mal eine Minute brauchte Berlin, um die gut laufende Scheibe von DuPont aus in den verlängerten Slot zu bringen. Sean Backman hielt seine Kelle gekonnt hin und sorgte für die 1:0-Führung (12. Spielminute).

Die 1:0-Führung nach dem ersten Drittel war absolut verdient. Weil die Eisbären sich einerseits bei Schüssen auf Poulin verlassen, andererseits konsequent vor ihm aufräumen konnten, kamen die Haie kaum zu gefährlichen Chancen. Was die Haie auf den Kasten brachten, verpuffte. Nur einmal deutete Poulin an, dass er heute wackeln könnte, als er seinen Schläger und den Überblick über das Spielgeschehen verlor. Die Haie zeigten nur wenig von dem Esprit, der die Fans beim Spiel gegen die DEG begeistert hatte.

Dominante Haie treffen „nur“ einmal

Letzteres sollte sich ab dem zweiten Drittel ändern. Hierfür sorgten zunächst die Eisbären selbst, die trotz Überzahl deutlich unkonzentrierter in das Drittel starteten. Immer wieder spielten sie schlechte Pässe, ohne dass die Haie hieraus mehr Kapital schlagen konnten, als die Strafzeit von der Uhr zu nehmen. Doch auch im weiteren Verlauf machte die Defensivabteilung der Eisbären immer häufiger Fehler und lud den KEC förmlich ein.

Aus dem Nichts dann der Ausgleich: Akeson zog über rechts in das Angriffdrittel, die Eisbären-Verteidiger orientierten sich zu ihm. Der Stürmer bediente gekonnt Hanowski, der aus spitzem Winkel abziehen konnte. Durch eine kaum vorhandene Lücke an der kurzen Ecke rutschte der Puck zum 1:1 in das Tor (23. Spielminute).

Von diesem Torwartfehler ausgehend erstarkte das Selbstbewusstsein der Haie zusehends – während Berlin gleichermaßen abbaute. Immer häufiger kamen die Haie nun gefährlich vor Poulin, auch weil der inzwischen mehrmals Stock und Orientierung verlor.

So konnten etwa Sulzer und Oblinger (25. / 36. Spielminute) die Scheibe nicht über den liegenden Poulin heben Auch Uvira machte alles richtig, verzögerte sehenswert, zielte dann aber aus spitzem Winkel zu hoch (27. Spielminute). Zahlreiche weitere Möglichkeiten rundeten dieses Bild ab.

Berlin schaffte es ironischerweise vor allem in eigener Unterzahl sich zu konzentrieren und zu strukturieren. Am Ende des zweiten Drittels standen 24:4 Türschüsse für den KEC – umgemünzt in lediglich ein Tor.

Haie treffen in Überzahl und erkämpfen sich den Sieg

Die Eisbären schafften auch im dritten Drittel nicht mehr, das Ruder herum zu reissen. Im Gegenteil: Beim Spiel fünf gegen fünf waren die Haie die bessere Mannschaft. Weitere Strafzeiten verpufften förmlich bzw. stärkten nur Berlin. Gleichzeitig schaffte es keines der Teams zur Führung einzunetzen.

Das Spiel musste sich also in den letzten Spielminuten entscheiden. Die Bühne war bereitet und beide Teams lieferten sich einen Schlagabtausch. Dass für den KEC am Ende des Spiels überhaupt (!) eine Trefferquote in Überzahl von 10% zu resümieren war, verdankte Köln Morgan Ellis. Sein erstes Saisontor (55. Spielminute) zum 2:1 erzielte er von der blauen Linie aus.

Wie kann das Überzahlspiel des KEC wieder zu einer Waffe werden?

Berlin hingegen konnte sich auf sein Powerplay verlassen: Als Sebastian Uvira wegen eines zu hoch angesetzten Pucks für zwei Minuten auf die Strafbank musste, war es Louis-Marc Aubry, der den 2:2-Ausgleich (58. Spielminute) erzielte. Keine 30 Sekunden später war es dann aber Steve Pinizzotto, der einen Schuss von Zerressen erfolgreich zum 3:2 abfälschen konnte. Auch das Ziehen des Torhüters brachte Berlin nicht mehr auf das Scoreboard. Der KEC hatte zurück in das Spiel gefunden und konnte verdient drei Punkte einfahren.

Am Rande der Bande

Zu den Dingen, die die Kölner Haie in dieser Saison richtig machen, gehörte auch die Ehrung der KEC-Frauen in der zweiten Drittelpause. Die Mannschaften des KEC „Die Haie“ e.V., der die größte Frauen-Eishockeysparte Deutschlands stellt, konnten in der letzten Saison zwei Ligen gewinnen.

 

Über den Autor: René Guzmán

René hat Haimspiel.de 2003 zusammen mit Dennis gegründet. Mit Tobias hat er die allererste Radioübertragung aus Iserlohn gesendet. Er war Mitglied des Vorstandes des KEC "Die Haie" e.V., 2010 war er an der Organisation der Ausstellung "Powerplay - Eishockey in Köln" zur Eishockey-WM im Deutschen Sport und Olympia-Museum beteiligt, hat seine Staatsexamensarbeit zum Thema "Eishockey in Deutschland bis 1945" verfasst und z.B. das "Wir sind Haie!"-Logo und das Logo des Haie-Fanprojekts entworfen.

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5 Kommentare

  1. Brigitte Keller
    27.10.2018

    Das Spiel in Ingolstadt war bezeichnend wie die Stimmung bei den Haien ist. Es war eine totale BLAMAGE!!!!!!! Was ist bloß mit der Mannschaft los. Und die Neueinkaüfe sind Katastrophal. Das muss der Trainer doch auch sehen!!!!

  2. Thomas
    24.10.2018

    Also bei aller Liebe aber das Powerplay ist grottig. Das hat auch nichts mit dem Ausfall von Genoway oder Pfohl zu tun. Mit ihnen war es nicht sonderlich besser.

    Ich würde mir einen Powerplay Block mit Akeson, Zalewski, Dumont, Potter und Zerressen mal wünschen. Zalewski verhungert da oft mit seinen Ideen.

    Ich bleibe dabei, dass es in Sachen Team zu stimmen scheint, aber Offensiv fehlen noch sehr viele Ideen. Ob das Spiel mit den Verletzten besser wird, bleibt erstmal abzuwarten. Die Entwicklung im Team läuft jedenfalls sehr langsam, wie ich finde.

    VG
    Thomas

  3. Alexander
    23.10.2018

    Das war Werbung für den Eishockeysport von beiden Seiten wenn jetzt noch nach dem Deutschland-Cup alle Verletzten zurück kommen und sich niemand im Nationalteam verletzt werden wir kaum zu stoppen sein.

  4. Marcel B
    23.10.2018

    Wenn man das spiel erst vom zweiten Drittel an betrachtet, und dieses elendige Überzahl Spiel ausblendet war es ein gutes Spiel unserer Mannschaft. Überzahl wie so oft dieses Jahr grottenschlecht. Was mich am meisten aber genervt hat waren diese ständigen anfeuerungs aufrufe von O. Frühauf!!! Einfach nur peinlich und zum fremdschämen

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