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Draisaitl zieht Zwischenbilanz nach zwölf Spielen

KEC-Headcoach Peter Draisaitl - Foto: Andreas Dick

Das Pressegespräch mit Peter Draisaitl am vergangenen Mittwoch geriet – statt des sonst üblichen Briefings zu den anstehenden Partien – zu einem Resümee der bisherigen Saison. Das vergangene Wochenende mit den Spielen gegen Düsseldorf und Berlin macht Hoffnung, aber auch nach zwölf absolvierten Spielen ist noch reichlich Sand im Getriebe. Der Headcoach zieht eine Zwischenbilanz und bittet im Subtext noch um Geduld.

Sorgenkinder Specialteams

Das Penalty-Killing rangiert aktuell mit einer 78%-Quote auf Platz 12 in der Liga. Trotz eines Gustaf Wesslau zwischen den Pfosten, kassierten die Haie in 50 Unterzahlsituationen bislang 11 Gegentreffer. An dieser Stelle ist noch genauso viel Luft nach oben wie im Powerplay, bei dem zuletzt acht ausgelassene Überzahlsituationen gegen Berlin der Erfolgsquote nochmal einen Dämpfer verpasst haben.

Obwohl Peter Draisaitl seinem Team einen Aufwärtstrend in Überzahl bescheinigt, schlägt die Mannschaft aber noch nicht genug Kapital aus den besser werdenden Torchancen. Als Ursache hierfür sieht der Headcoach allerdings nicht in erster Linie seine beiden Blueliner Tobias Viklund und Morgan Ellis. Zudem sträubt er sich gegen das Attribut „Offensiv-Verteidiger“ im Bezug auf die beiden Neuzugänge.

Mahon: „Beide haben schon Powerplay gespielt.“

„Ich muss eins vorweg schicken, bevor wir uns hier über Zahlen unterhalten: Ellis und Viklund sind nicht als die absoluten Offensiv-Verteidiger geholt worden. Das ist so nicht korrekt. Wir wussten, dass wir zwei Verteidiger holen, die ihre Stärken in beide Richtungen haben“, so Draisaitl. „Viklund hat in Russland zum Beispiel mehr Unterzahl als Powerplay gespielt – zumindest das, was ich sehen konnte. Ellis hat überhaupt kein Powerplay gespielt.“

KEC-Sportdirektor Mark Mahon korrigiert in einem Punkt auf Nachfrage: „Beide haben schon Powerplay gespielt. Morgan Ellis seine gesamte Karriere hindurch. Lediglich in Skelleftea nicht. Bei Färjestad war er dann aber wieder in Überzahl im Einsatz. In der AHL hat er im Powerplay sowohl die Blaue Linie als auch die Position auf dem linken Flügel gespielt. Und Tobias Viklund hat in der KHL zweite Powerplay-Unit gespielt. Beide sind also mit der Aufgabenstellung im Überzahlspiel vertraut.“

Draisaitl: „Steigerung im Powerplay ist da.“

Draisaitl kritisiert im Powerplay der Haie stattdessen die beiden Formationen als Ganzes mit einem leichten Fokus auf die Stürmer: „Insgesamt gesehen glaube ich, dass wir im Powerplay an der Blauen Linie das kleinste Problem haben. Wir hatten die Probleme eher auf der Half-Wall, dass die Jungs da nicht die richtigen Entscheidungen getroffen oder das richtige Play nicht gefunden haben. Wir haben inzwischen aber auf jeden Fall mehr Scheiben zum Tor gebracht und die Aktionen zum Tor besser vorbereitet. Da ist eine Steigerung da.“

Zu Ellis und Viklund ergänzt Draisaitl, dass man die beiden in Überzahl sogar ein wenig eingebremst hat: „Ich glaube, dass wir den Jungs am Anfang den Druck nehmen mussten. Ich hatte das Gefühl, dass gerade die zwei – warum auch immer, vielleicht weil sie neu in der Liga sind – eher zu viel machen wollten. Bevor du im Powerplay von der Blauen Linie eine Schusslinie findest, musst du erstmal nichts anderes tun, als die Scheibe schnell von links nach rechts zu bewegen. Wir haben natürlich mit ihnen gesprochen, aber eben in der Richtung, nicht zu viel machen zu wollen. Haltet es einfach und macht euch keinen Stress da oben.“

Fürs erste will der Headcoach an der aktuellen Besetzung der Blauen Linie festhalten und äußert Zuversicht, das Überzahlspiel in dieser Konstellation ins Laufen bringen zu können.

Ausfälle und Eingewöhnung

Draisaitl erinnerte außerdem daran, dass der Teamfindungsprozess durch die zahlreichen Ausfälle verlangsamt wird. Dass es zudem Schlüsselspieler wie Genoway und Pfohl getroffen hat, unterstrich der Headcoach nochmal: „Nimm aus irgendeinem Team die Center der ersten und zweiten Reihe heraus – und dann guck, was übrigbleibt.“

Hinzu kam die Eingewöhnung für die Liga-Neulinge an die hiesige Spielweise. Als Beispiel nennt Draisaitl Viklund, der in den letzten Jahren in der KHL eher nicht mit Druck von Forecheckern konfrontiert war, während in der DEL der gegnerische Forecheck den Verteidigern – für ihn ungewohnt – Zeit und Raum nimmt. Der Headcoach glaubt aber, dass zumindest dieser Prozess weitestgehend abgeschlossen ist – nach nunmehr zwölf absolvierten Spielen, in denen man auf fast alle Teams der Liga einmal getroffen ist.

Mehr Sicherheit in der eigenen Zone und im Forecheck

Die Haie machen sich das Leben in der eigenen Zone oft selbst schwer, wie Draisaitl unumwunden zugibt. „Manchmal verbringen wir zu viel Zeit in der Defensive, weil wir unsere eigenen Fehler und Scheibenverluste verteidigen müssen. Aber das ist besser geworden“, so der Headcoach. Der Spielaufbau aus dem Verteidigungsdrittel ist allerdings bisweilen immer noch ein zähes Unterfangen.

„Die Probleme bei unseren Breakouts haben weniger mit der Geschwindigkeit zu tun, sondern mehr damit, dass wir es oft ein wenig zu nett machen wollen und dann vor lauter Bäumen den Wald nicht sehen. Wir haben oft unnötig versucht, es zu schön zu machen. Da haben wir dann eben oft nicht einfach den ersten klaren Pass gespielt. Aber auch das ist inzwischen deutlich besser geworden“, erklärt Draisaitl.

Der Forecheck war über lange Strecken nahezu nicht existent und hat – in Kombination mit einer nahezu kampflos aufgegebenen neutralen Zone – dazu geführt, dass Scheiben fast durchgängig erst im eigenen Drittel zurückerobert wurden. Der Weg in die Angriffszone war weit und eben mit einem holprigen und fehlerbehafteten Spielaufbau auch nur schwer zu schaffen. Auch hier ist der Sand bei Weitem noch nicht komplett aus dem Getriebe, aber inzwischen agiert die Mannschaft konsequenter und sicherer bei Scheibenverlusten im Angriffsdrittel.

Die Zufriedenheit über den aktuellen Status des Forechecks beziffert Draisaitl: „80:20 mittlerweile. Es wird langsam besser. Mittlerweile verstehen vor allem die Stürmer auch die Wichtigkeit des Forechecks. Wenn der Forecheck nicht funktioniert, dann ist das die Höchststrafe. Dann läufst du nur der Scheibe hinterher. Die gesamte Unit muss den Forecheck zum richtigen Punkt an den Mann bringen – im Fünferblock in den richtigen Positionen. Dann ist es effektiv. Wir haben es zuletzt besser gemacht, deswegen hatten wir auch mehr Zeit in der Offensiv-Zone. Da sind wir schon auf einem guten Weg.“

Hält der Aufwärtstrend an?

„In meiner Wahrnehmung haben wir von unserem Team sehr viel gutes Eishockey gesehen. Auch tendierend in die richtige Richtung, dass wir an der Grenze der Identität kratzen, mit der wir spielen wollen. Da waren wirklich sehr gute Sachen in den letzten zwei Spielen“, fasst Draisaitl mit Blick auf die beiden Partien gegen Düsseldorf und Berlin mit aller Vorsicht zusammen.

Der spielerische Aufwärtstrend am vergangenen Wochenende – trotz erneutem Ausfall von Genoway – ist nicht von der Hand zu weisen. Klar ist dabei aber auch, dass die Eisbären den Haien sicher nicht die aus den Vorjahren gewohnte Gegenwehr geleistet haben. Bis wohin das spielerische Potenzial im Ligavergleich grundsätzlich noch reicht, lässt sich auf Basis des bisherigen Saisonverlaufs noch nicht sagen. Genauso wenig, ob man sich taktisch bereits am persönlichen Optimum bewegt. Mit Ingolstadt und Augsburg hat der KEC zwei Prüfungen vor der Brust, bei denen Draisaitl zurecht von „bestehen“ spricht.

Über den Autor: Henrike Wöbking

Henrike schreibt für haimspiel.de seit 2005 und wurde von Ex-NHL-Spieler Jason Marshall gelobt für "the best interview I ever did". Sie zeigte sich hauptverantwortlich für das Abschiedsvideo von Dave McLlwain. Außerdem ist sie Buchautorin und schrieb den Roman "Auf Eis" vor dem Hintergrund der Playoffs 2002.

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7 Kommentare

  1. Kurt von Knoblauch
    31.10.2018

    Die Haie sind in dieser Saison einfach nur ein Witz. Profis im Geld abgreifen, aber null Leistung. Pinnizotto hat sein Biss in München liegen lassen. Schütz Viklund und mein Speziellen Freunde Sulzer und Potter sollten ihre Karriere jetzt heute beenden. Die haben den Zenit erreicht. Jones sollte sich überlegen ob er sich nicht eine anderen Job suchen sollte. Zum Thema Mahoon. Wie lange will er noch versuchen eine Meistermannschaft zu Formen. Wenn er das noch immer nicht auf die Reihe bekommt sollten die Gesellschafter endlich die Reißleine ziehen und ihn ziehen lassen. Warum in Gottes Namen macht ein Lüdemann kein Scouting. Er hat vielleicht ein besseres Händchen ein Team zusammen zu stellen.

  2. Marcel
    26.10.2018

    Zum wiederholten Male schafft es ein Herr Mahon nicht, mit reichlich Finanzvolumen eine schlagkräftige Mannschaft zusammenzustellen. Erneut ist das nur biederes Mittelmaß was da mit dem Haie Trikot übers Eis fährt.
    Warum schaffen es andere Sportdirektoren (Mende, Fliegauf, Mitchell) regelmäßig Spieler zu verpflichten, die noch nie in der DEL gespielt haben und auf Anhieb Leistungsträger in ihren Clubs sind. Macht Herr Mahon ernsthaft Scouting vor Ort oder nur Sightseeing?!
    Vor der Saison habe ich bei gutem Saisonverlauf mit Platz 6 geliebäugelt, jetzt bin ich mir noch nicht mal sicher, ob es überhaupt für die Pre-Playoffs reicht, Verletzungspech hin oder her.
    Auch wenn es mir für Herrn Draisaitl leid tut, er schafft es auch nicht spielerische und kämpferische Impulse der Mannschaft einzuimpfen.
    Die Aussagen von Mahon und Draisaitl sind nach 12 Spieltagen bereits ein Eingeständnis des eigenen Versagens.
    Was ist nur in den letzten Jahren aus diesem einst so ruhmreichen Verein geworden?!
    Im Verein gibt es leider viel zu wenig Fachkompetenz in der Führungsebene, so wird es stetig bergab gehen…

    Gruß Marcel

  3. Thomas
    26.10.2018

    Mhhh also teilweise würde ich Herrn Draisaitl zustimmen. Es ist nicht mehr so schlimm wie zu Saison Beginn. Hier ist das ABER, aber Ausfälle hin oder her, es stimmt noch vieles nicht. Wieso wird ein Viklung wenn er viel Unterzahl gespielt hat hier nicht eingesetzt? Sicher ist es schwer wenn die geplanten 1. und 2. Reihen Center ausfallen. Aber das ändert wenig daran, dass es an Spielverständnis und richtigen Entscheidungen mangelt.

    Wegen mir kann die Saison gerne mal holprig anfangen als enden. Aber in Unterzahl spielen die Verletzten keine Rolle und das stimmt nunmal garnicht.

    Im Powerplay fehlt es an Gedankenschnelle. Auch das ist nicht nur ein Problem von Pfohl und Genoway, die gerade nicht dabei sind. Ich würde mich über 4 Punkte am Wochenende freuen. Ich denke es wird aber schwer.

    Was Herrn Mahon anbelangt. Der sagt doch sonst nichts, warum also jetzt etwas richtig stellen. Sieht da wer seinen Job in Frage gestellt? Der Mann sollte ersetzt werden. Hier darf gerne mal Geld ausgepackt werden.

    Man braucht übrigends kein schnelles Team, wenn man im Kopf einfach schneller ist. Leider merkt man noch einige alt Lasten die wohl zum Saison Ende eh aussortiert werden.

    Fakt ist aber man hat noch alle Chancen, und wenn man die Special Teams in Form bekommt, sieht das alles nicht ganz so schlimm aus, aus meiner Sicht.

    Gruß
    Thomas

  4. Alexander
    25.10.2018

    Am Anfang war wenig gutes zu sehen was sich aber gerade gegen Berlin schlagartig geändert hat es steckt viel Talent im Team das zeigen schon die Namen Sulzer,R.Jones,Wesslau sowie Potter um nur ein paar zu nennen die schon länger bei uns sind.

    An Neuzugängen wie Genoway,Madaisky Oblinger kommt man auch nicht Vorbei.Ich bin gespannt wie die Verletzten integriert werden da haben wir mit Tiffels einen super Spieler bekommen wenn ich an die WM in Deutschland denke und daran das er beinahe in der NHL gelandet wäre.

    Um allerdings wieder das Bayern München des Eishockeys zu werden fehlt uns sehr viel denn wir spielen nicht in der CHL und auch nicht beim Spengler Cup vom erneuten Deutschen Meistertitel träumen wir ja auch schon lange.

    • kai
      25.10.2018

      also sulzet ist doch kein potenzial ?!

      immer wenn er auf dem eis ist spielen wir 3:5 Unterzahl…

  5. Bossy
    25.10.2018

    “Ellis hat überhaupt kein Powerplay gespielt.”

    “Beide haben schon Powerplay gespielt. Morgan Ellis seine gesamte Karriere hindurch.”

    Hm.. im Zweifelsfall vielleicht einfach mal den Spieler selbst fragen?

    „In meiner Wahrnehmung haben wir von unserem Team sehr viel gutes Eishockey gesehen.”

    Also, ich habe die beiden letzten Spiele von der Tribüne aus als sehr unterhaltsam empfunden (PP gegen Berlin blende ich mal aus), aber war da wirklich, vor allem aus Trainersicht, schon ‘sehr viel gutes Eishockey’ dabei?

    Vielleicht eine Frage der persönlichen Definition von ‘gutem (DEL-)Eishockey’, aber noch weiter herunterfahren möchte ich meine Ansprüche an das Geschehen auf dem Eis eigentlich auch nicht mehr, auch weil sich der Team-Etat noch immer auf einem ordentlichen Niveau befinden dürfte.

    Vielleicht liegt in dieser unterschiedlichen Wahrnehmung der Spiele letztlich auch der Hund begraben; das könnte die Basis für so manches Missverständnis sein, und das längst nicht nur bei mir.

    Identität und max. Leistungsvermögen des Teams ist mir aktuell immer noch unklar, dafür sollte auch F. Tiffels erst mal ein paar Spiele gemacht haben; Malla bleibt in dieser Saison ein möglicher Bonus.

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