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Nur ein geschossenes Tor war zu wenig

Gustaf Wesslau in der Partie gegen die Eisbären Berlin - Foto: Andreas Dick

1:3 hieß es am Ende gegen die Eisbären Berlin. Die Kölner Haie nutzten vorne ihre Chancen nicht effektiv genug, während der sonst so zuverlässige Gustaf Wesslau hinten unglücklich agierte. So ging der KEC am Ende leer aus und wurde durch die erfolgreichere Konkurrenz auf Platz 8 in der Tabelle zurückgeworfen.

Nicht effektiv genug vor dem Tor

„Mit einem geschossenen Tor war es offensiv erstmal natürlich zu wenig“, so Peter Draisaitl nach der Partie. „Durch das viele Penaltykilling dauert es natürlich immer, bis die Offensive wieder ans Laufen kommt. Da hat man seine offensiven Leute mehr als fünf Minuten draußen sitzen. Das ist das eine. Und sicherlich haben die Eisbären heute über 60 Minuten gut verteidigt. Also ist es auch kein Spiel, in dem du dreißig klare Chancen kriegst. Wir hätten heute hier und da noch was Individuelles on Top gebraucht. Wir haben Alleingänge gehabt – die müssen rein. Wir haben Zwei-auf-eins-Situationen zum wiederholten Mal gehabt und haben nichts daraus gemacht. Solche Chancen müssen in Spielen wie diesem verwertet werden.“

Momentum durch Strafzeiten verloren

Die Strafzeiten gegen die Haie kamen zudem zu ungünstigen Zeitpunkten, wie der Headcoach befand: „Wir haben immer daran geglaubt, dass wir nochmal zurückkommen können. Aber die dämlichen Strafzeiten – wenn sie denn überhaupt dämlich waren – haben uns jedes Mal den Wind aus den Segeln genommen. Immer wenn wir dran waren und meinten, dass jetzt etwas Gutes passiert, haben wir uns wieder eine eingefangen und das Momentum war wieder weg. Das Spiel war von unserer Seite aus nicht besonders clever geführt.“

Draisaitl übte leise Kritik an der Leistung der Unparteiischen: „Die haben ihre Kommission oder was auch immer. Ich denke, die sollten sich die Calls angucken oder überhaupt wie das Spiel geführt wird, und dann ihre Konsequenzen daraus ziehen.“ Die Partie fand passenderweise unter den Augen des DEL-Schiedsrichterbeauftragten Holger Gerstberger statt, der das Geschehen von der Pressetribüne aus verfolgte.

Offensive Durchschlagskraft hat gefehlt

„Berlin hat nicht unverdient gewonnen“, resümiert Moritz Müller. „Es hätte allerdings auch anders ausgehen können. Das war wirklich so ein Spiel, das von Momentum-Swings gelebt hat. Wir hatten wirklich gute Chancen, auch zu guten Zeitpunkten Tore zu schießen. Das haben wir nicht gemacht. Ich möchte nicht sagen, dass Berlin nicht viele Chancen hatte, aber die Tore, die sie dann geschossen haben, waren vielleicht so ein bisschen untypisch. Aber die haben sie sich auch erarbeitet. Sie haben offensiv vielleicht auch ein bisschen mehr fürs Spiel gemacht. Es hätte so oder so ausgehen können. Deswegen: Bitter.“

„Das 3:1 der Berliner kam vielleicht auch zu einem ungünstigen Zeitpunkt“, so Müller weiter. „Wir haben auch ein bisschen zu viel Unterzahl gespielt. Nichtsdestotrotz haben wir nur ein Tor geschossen. Da hat uns auch ein bisschen die offensive Durchschlagskraft gefehlt, was ich jetzt aber nicht an mangelnden Chancen festmachen möchte.“

„Sicherlich sind wir heute nicht mit allen Entscheidungen einverstanden, aber für uns geht es um die Sachen, die wir kontrollieren können. Da war mit Sicherheit auch die eine oder andere dabei, die wir hätten vermeiden können“, meint Müller zu den zahlreichen Unterzahlsituationen, die die Haie jedoch alle schadlos überstanden. Die Treffer der Eisbären fielen alle bei fünf gegen fünf.

„Ich denke, es war ein gutes Spiel von beiden Seiten“, findet Pascal Zerressen. „Klar war das Momentum mal hier und mal da. Aber ich denke, hätten wir die Tore zum richtigen Zeitpunkt gemacht, dann wäre es vielleicht auf unserer Seite gewesen. Wir hatten ja zum Beispiel auch einen Alleingang zum Ausgleich und so weiter. Dann kriegen wir vor Ende des zweiten Drittels unglückliche Tore. Dann ist es schwierig, gegen Berlin zurückzukommen.“

Einsatz von Peters wird erwogen

Zur mangelnden Torausbeute vorne kamen zudem Gegentreffer, bei denen Gustaf Wesslau keine gute Figur machte. Der Schuss zum ersten Berliner Treffer, der von hinter der verlängerten Torlinie kam, prallte vom Equipment des Schwedens ins Tor. Beim Tor zum finalen 3:1 kam der Schuss ebenfalls von hinter dem Tor. Die Scheibe fand ihren Weg ins Netz, weil Wesslau den kurzen Pfosten nicht dicht hatte. Mindestens die beiden Treffer hätte der Goalie sicher gerne zurück.

Für die Haie geht es ab Mittwoch im Zwei-Tages-Rhythmus weiter. Zu unserer Frage, ob in einer der kommenden drei Partien Justin Peters als Entlastung für Wesslau zum Einsatz kommen könnte, sagt Draisaitl: „Gute Frage. Wir werden das mit Sicherheit morgen früh als erstes auf der Tagesordnung haben.“

Am Mittwoch treten die Haie in Nürnberg an. Freitag sind sie in München, bevor es am Sonntag auf heimischem Eis gegen Bremerhaven geht.

Über den Autor: Henrike Wöbking

Henrike schreibt für haimspiel.de seit 2005 und wurde von Ex-NHL-Spieler Jason Marshall gelobt für "the best interview I ever did". Sie zeigte sich hauptverantwortlich für das Abschiedsvideo von Dave McLlwain. Außerdem ist sie Buchautorin und schrieb den Roman "Auf Eis" vor dem Hintergrund der Playoffs 2002.

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