Unabhängiges Magazin seit 2003 – Eishockey. Kölner Haie. Köln. DEL.

Hinweis: Dieser Artikel ist älter als sechs Monate. Um immer auf dem aktuellen Stand zu sein nutzt du:

Aktuelle Informationen findest du auf unserer Startseite »

Ungünstige Vorzeichen gegen München

Christian Ehrhoff im Heimspiel gegen München - Foto: Andreas Dick

Man kennt die Floskeln zur Genüge: „Die Liga ist eng. Jeder kann jeden schlagen.“ In der Endphase der aktuellen Saison trifft das allerdings tatsächlich zu. Es sind die paar Prozent mehr oder weniger an Fokus, Zielstrebigkeit und Siegeswillen, die derzeit den Unterschied ausmachen. Und die generieren sich – im Positiven wie im Negativen – nicht zuletzt aus der jeweils letzten Partie einer Mannschaft.

Die vielzitierte Reaktion

Als die Eisbären am vergangenen Sonntag in Köln antraten, hatten sie drei Niederlagen in Folge mit insgesamt 17 Gegentoren im Gepäck. Was gegen die Haie folgte, war eine solide Defensivleistung. „Berlin hat über 60 Minuten gut verteidigt“, resümierte Peter Draisaitl nach der Partie.

Die Ice Tigers hatten nach einer Reihe enger Spiele einen souveränen 4:1-Sieg gegen Schwenningen eingefahren, bevor sie am Mittwochabend den KEC empfingen. Nürnbergs Headcoach Rob Wilson attestierte seiner Mannschaft nach der 1:3-Niederlage gegen die Haie, die ersten 30 Minuten der Partie nicht bereit gewesen zu sein und auch insgesamt den Kampf nicht angenommen zu haben.

Andersrum gilt das Gleiche für die Haie, die nach der Niederlage gegen Berlin in Nürnberg einen aggressiven, entschlossenen Auftritt vom ersten Bully an hinlegten. Wo sich ein Team nach einem Sieg ein bisschen zu sehr zurücklehnt, nimmt das andere Team eine Niederlage als Anlass, sich in der nächsten Partie ein bisschen mehr reinzuknien.

„Man sieht, dass die Top-3 auch mal patzen. Ist ja auch klar, denn die sind ja quasi durch“, so Felix Schütz nach dem Sieg in Nürnberg. „Dann sind es oft die zwei, drei Prozent, die die andere Mannschaft es mehr will. Das macht dann den Unterschied.“

Dass der EHC Red Bull München am vergangenen Dienstag mit 1:4 gegen Augsburg verloren hat, nachdem sie bis zur 56. Minute mit 1:0 geführt hatten, stellt aus Haie-Sicht kein gutes Vorzeichen für die Partie am Freitagabend dar.

München gibt sich kämpferisch

„Gegen Köln ist unser Ziel, wieder zurück auf die richtige Spur zu kommen“, wird EHC-Stürmer Mads Christensen auf der Website des Clubs zitiert. „Wir wollen aggressiv spielen und die drei Punkte holen.“ Bei einem von Don Jackson gecoachten Team darf man sich sicher sein, dass das nicht nur hohle Phrasen sind. Bauen können die Münchner dabei auch auf ihre Heimstärke. Für die Bayern stehen 10 Siege in Folge auf eigenem Eis zu Buche. Die fünf Punkte Vorsprung, die man auf Verfolger Nürnberg hat, will man verteidigen.

Bei seinem letzten Auftritt in Köln gab der amtierende Meister das Bild einer gut geölten Maschine ab, die fokussiert und souverän ihr Ding durchzog. Taktisch diszipliniert und läuferisch überlegen ließen die Münchner den Haien bei einem deutlichen 6:0 zu keinem Zeitpunkt eine Chance. Nicht mal Kölns Paradedisziplin – das Unterzahlspiel – hatte dem EHC etwas entgegenzusetzen. Die roten Bullen erzielten zwei Tore aus ihren drei Überzahlsituationen.

Tabelle sollte als Motivation reichen

Vor dem 46. Spieltag finden sich die Haie auf Platz 4 der Tabelle wieder – punktgleich mit Wolfsburg und Schwenningen und mit nur vier Zählern Vorsprung auf Platz 11. Man kann über diesen Saisonendspurt sagen, was man will, aber langweilig ist es nicht.

„Ich habe es noch in keiner Liga, in der ich war, jemals erlebt, dass es so eng war“, so Schütz. „Deswegen ist jedes Spiel jetzt ein Playoff-Spiel für uns. Man sieht, dass jetzt jeder ums Überleben kämpft.“

Zufrieden zurücklehnen nach dem letzten Erfolg ist für die Haie also keine Option. Es ist allerdings eine Sache, sich dessen bewusst zu sein, aber eine komplett andere, das auch aufs Eis zu bringen. Genau das wird die Herausforderung für die Mannschaft von Peter Draisaitl.

Wenig Raum für Fehler

Gegen München zu Torchancen zu kommen, ist traditionell nicht leicht. Nicht etwa, weil der EHC sonderlich stabil in der eigenen Zone steht, sondern weil Don Jacksons Team dem Gegner die Scheibe nicht lange lässt. Nach Puckverlusten in der Offensivzone halten sie den Druck im Forecheck hoch und unterbinden die Angriffsbemühungen des Gegners damit schon im Keim. Der Spielaufbau aus der eigenen Zone und die Vermeidung von Turnovers gegen diesen Forecheck sind taktisch die kritischen Punkte.

Sind die Münchner erstmal an der Scheibe, bestechen sie im Angriff mit gefälligem Kombinationsspiel und gutem Auge für den freien Mann. Mit Torgefahr aus allen vier Reihen enden Fehler in der Defensive umgehend in Chancen für den EHC. Patzer im eigenen Drittel bedeuten viel Arbeit für den Kölner Goalie.

Wesslau gegen München im Tor

Dass Peter Draisaitl gegen München auf seine Nummer 1 zwischen den Pfosten setzt, ist nach der Leistung des Schweden in Nürnberg wenig überraschend. Für Gustaf Wesslau persönlich war der Sieg gegen die Ice Tigers wichtig.

„Die drei Gegentore gegen Berlin hätte ich alle gerne zurück. Ich hatte insgesamt kein schlechtes Spiel gegen die Eisbären, aber das waren drei Fehler, die ich nicht machen will. Die haben uns das Spiel gekostet. So ist es nun mal. Gegen Nürnberg war es toll, dem Team zu helfen zu gewinnen“, so Wesslau. „Wir sind hier auf einer schweren Auswärtstour mit den Spielen gegen die beiden Top-Teams der Liga. Es ist nicht leicht, in München zu gewinnen. Wir haben uns in Nürnberg bewiesen, dass wir ein Top-Team in ihrer Halle schlagen können. Deswegen freuen wir uns jetzt auf das Spiel in München.“

Eriksson fällt aus, Thomas kehrt zurück

Fredrik Eriksson wird leicht angeschlagen ausfallen. Für ihn rückt Pascal Zerressen zurück ins Line-Up. Ebenfalls wieder in der Aufstellung sein wird Center Bill Thomas. Auf die Tribüne muss dafür Dylan Wruck.
UPDATE: Hier die Aufstellung für die Partie gegen München:
Schütz – Blair Jones – Ryan Jones
Shugg – Bolduc – Hanowski
Thomas – Hospelt – Gogulla
Krämmer – Mulock – Uvira
Müller – Ehrhoff
Zerressen – Potter
Sulzer – Lalonde
Wesslau, Dshunussow

Start in die Partie wird wichtig

Den Grundstein für ihren Erfolg in Nürnberg legten die Haie vom ersten Bully an. Die Mannschaft von Peter Draisaitl wartete nicht ab, sondern hatte von Beginn an das Heft in die Hand genommen. Das wird auch ein wichtiger Faktor gegen München, befindet Wesslau: „Man muss dem Gegner zeigen, dass wir heute bereit für das Spiel sind. Wenn man zu Beginn des Spiels zu abwartend agiert und den Gegner die Partie diktieren lässt, ist es schwer, den Schalter im Laufe des Spiels noch umzulegen. Man muss von Anfang an den Raum einnehmen mit der Art, wie man spielt, und mit der eigenen Körpersprache. Das Spiel wird auch im Kopf entschieden. Man muss dem Gegner von Anfang an signalisieren, dass es ein schweres Spiel wird. Dafür ist besonders der Start ins Spiel wichtig.“

Erstes Bully in München ist am Freitagabend um 19:30 Uhr. Wir übertragen die Partie live ab 19:15 Uhr.

Über den Autor: Henrike Wöbking

Henrike schreibt für haimspiel.de seit 2005 und wurde von Ex-NHL-Spieler Jason Marshall gelobt für "the best interview I ever did". Sie zeigte sich hauptverantwortlich für das Abschiedsvideo von Dave McLlwain. Außerdem ist sie Buchautorin und schrieb den Roman "Auf Eis" vor dem Hintergrund der Playoffs 2002.

Vorheriger Artikel

Sieg beim Tabellenzweiten: 3:1 in Nürnberg
  • Alexander sagt:

    Solange die dicke Frau noch singt ist die Oper nicht zu Ende.Dieses Sprichwort kennt wohl jeder im Eishockey müsste es heißen auch wenn die Tabelle eng ist,ist die Saison erst vorbei wenn die Playoffs gespielt sind.

  • Thomas sagt:

    Also mich hat Blair Jones extrem positiv überrascht. Muss ich dann bei aller Kritik auch eingestehen. Aber spannend zu sehen das dieses kurz Passspiel was ich erwähnte auch dem Coaching Team aufgefallen ist.

    Heute würde ich es mit einer Beton Definsive versuchen und mit schnellen einfachen Kontern. Hinten ist München extrem anfällig.

    Das jetzt nur minimal rotiert wird finde ich sehr gut. Die Saison war anstrengend und da der Kader gesund ist, können auch mal einzelne geschont werden.
    Und wenn die alle so zurück kommen… Jones, Lalonde, Gogulla zwischenzeitlich, dann soll mir das recht sein. Und wenn es nur darum geht das die Leute wieder voll zeigen wollen, was sie können.

    Es wird schwer heute, aber die Serie Von München hält schon zulange. Wird Zeit das die Heimserie gebrochen wird, lach!

    Aber die Einstellung stimmt mich endlich wieder positiv.

    Gruß
    Thomas

  • >