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Pre-Playoffs gegen die Adler

Kölner Haie gegen die Adler Mannheim - Foto: Steffen Thaut

Geht man nach der Meinung der Presse in Mannheim und Köln, müssten Haie und Adler diese Pre-Playoff-Serie eigentlich gar nicht ausspielen. Die Pre-Playoff-Runde gegen den amtierenden Meister ist für den KEC auf dem Weg ins Viertelfinale in der mehrheitlichen Meinung der Medienvertreter beider Orts eine reine Formalität. Tatsächlich sind aber mindestens 120 Minuten Eishockey zu bestreiten, in denen alles Mögliche passieren kann. Es sind schließlich Playoffs.

Die Favoritenrolle

“Wir gehen als krasser Außenseiter in die Serie gegen Köln”, wird Adler-Manager Teal Fowler im Mannheimer Morgen zitiert. Der amtierende Meister schiebt die Favoritenrolle also ebenso den Haien zu. Cory Clouston zeigt sich davon wenig beeindruckt. „Ich glaube, damit versuchen sie nur, uns den Druck zuzuschieben“, so der Kölner Headcoach. „Sie sind immer noch der Titelverteidiger. Wir sind erst nach dem letzten Hauptrundenspiel auf Platz 7 vorgerückt und haben uns das Heimrecht gesichert. In meinen Augen gibt es keinen deutlichen Favoriten. Auf dem Papier sind sie ein sehr gutes Team. Ihr Kader ist voll mit Titelverteidigern. Meiner Meinung nach sind sie so lange ein schwerer Gegner, bis sie aus den Playoffs ausscheiden.“

Was Clouston als guten Test für die Playoffs sieht, sind die letzten Partien gegen die Top-Teams der Liga. Seine Mannschaft hatte einen Platz unter den Top-10 erst nach dem vorletzten Spieltag sicher. Bis dahin war für die Haie jedes Spiel mit einem Playoff-Spiel vergleichbar. Die Adler hingegen zehrten lange von ihrem Punktepolster aus der ersten Saisonhälfte. Sie konnten sich sogar zweimal acht Niederlagen in Folge leisten, ohne jemals aus den Playoff-Rängen zu rutschen. Als es für die Mannheimer dann aber knapp zu werden drohte, legten sie mit Siegen gegen die DEG und bei den Freezers zum richtigen Zeitpunkt ein 6-Punkte-Wochenende hin, das die Talfahrt ausreichend bremste. „Wir mussten mit einer geschlossenen Teamleistung unter Beweis stellen, welcher Charakter in uns steckt. Das ist uns über weite Strecken gelungen“, war Mannheims Trainer Craig Woodcroft mit der Leistung seiner Mannschaft gegen Düsseldorf und Hamburg zufrieden. Auch das letzte Hauptrunden-Heimspiel gegen die Straubing Tigers gingen die Quadratestädter hochmotiviert an. Die Adler können also, wenn sie unbedingt müssen.

Die Teams

Dass die Haie zwei zuverlässige Goalies haben, ist allein für den Hinterkopf viel wert und gibt der Mannschaft Sicherheit. Gustaf Wesslau ist wieder genesen und einsatzbereit. Cory Clouston wollte sich noch nicht dazu äußern, welcher seiner Torleute gegen die Adler am Mittwochabend zum Einsatz kommt, aber alles andere als ein Start von Wesslau wäre wohl eine Überraschung.
Bei den Adlern kam Backup-Goalie Youri Ziffzer im letzten Hauptrundenspiel gegen Berlin zum Einsatz. Ray Emery, der als Ersatz für den verletzt ausgefallenen Dennis Endras eingekauft wurde, sollte den Starter-Job im Mannheimer Gehäuse aber sicher haben. Mehr als genügend Playoff-Erfahrung also an beiden Enden des Eises.

Während die Haie in ihren letzten Partien wegen Erkrankungen und Verletzungen gezwungen waren, mit einer verkürzten Bank und zum Teil gesundheitlich angeschlagenen Spielern aufzulaufen, konnten die Adler aufgrund ihrer Kadertiefe durchweg ein komplettes Line-Up aufbieten. Kai Hospelt und Daniel Richmond erhielten sogar schon gegen Berlin eine Verschnaufpause in Vorbereitung auf die Playoffs. Beiden Mannschaften bleiben nur 48 Stunden zur Regeneration vor dem Beginn der Serie. Der Kräfteverschleiß lag bei den Adlern allerdings deutlich niedriger als bei den Haien, weil er im Saisonendspurt auf mehr Schultern verteilt werden konnte.

Cory Clouston wird am Mittwochabend vier volle Sturmreihen und sieben Verteidiger aufbieten können. Alexander Sulzer ist nach einer leichten Verletzung, wegen der er in Iserlohn nicht aufgelaufen war, wieder zurück. Zu hundert Prozent fit sind aber noch nicht alle in den Reihen der Haie, nachdem ein Virus in der Kabine grassierte. „Das haben wir zum größten Teil hinter uns. Ein paar von den Jungs sind noch ein bisschen gesundheitlich angeschlagen, aber insgesamt sind wir viel gesünder als noch vor einer Woche“, so Clouston. „Ein paar von den Jungs spielen auch noch leicht verletzt, aber alles in allem sind wir ziemlich gesund.“

Die Verfassung

Ein ziemlich gesunder Haie-Kader also, der es durch die Zeiten mit zahlreichen Ausfällen geschafft hat, die Playoffs zu erreichen. Der Aufwärtstrend der Mannschaft in ihrem neuen, einfacheren System ist nicht von der Hand zu weisen. Eine stabile Defensive, die als Ausrufezeichen im letzten Hauptrundenspiel in Iserlohn einen Zu-Null-Sieg abgeliefert hat, bildet das Rückgrat der Mannschaft und die Basis des Erfolgs. Die Fehler in der eigenen Zone wurden bei den Haien in den letzten Wochen immer weniger. In Iserlohn zeigte der KEC eine nahezu perfekte Leistung im eigenen Drittel.

Die Offensive hat hingegen noch keine konstante Durchschlagskraft entwickelt. An Kreativität fehlt es im Sturm der Haie nicht. Chancen generieren sie genug. Allein der Killerinstinkt vorm gegnerischen Tor ließ in der jüngeren Vergangenheit gelegentlich zu wünschen übrig. Die Chancenverwertung also eine potenzielle Achillesferse.

An Selbstvertrauen mangelt es den Haien aber derzeit nicht. Die zahlreichen Drucksituation der letzten Zeit haben die Mannschaft mental stabilisiert. Die Zeiten der Einbrüche nach Gegentoren sind vorbei. Das Team glaubt an seine Fähigkeiten, hat Geduld gelernt und ist kaum zu erschüttern. Was die Playoffs jetzt noch schaffen müssen, ist, die potenziellen Hitzköpfe von dummen Strafen abzuhalten. Die Saison für Revanche-Fouls ist abgelaufen.

Auf was die Mannheimer hoffen, ist ein Neustart in den Playoffs. Man will die Hauptrunde abhaken und mit der Playoff-Serie gegen die Haie frisch durchstarten. „Wir haben jetzt eine neue Aufgabe vor der Brust. Die Hauptrunde ist zum Glück vorbei, zum Glück beginnen nun die Play-offs“, so Christoph Ullmann gegenüber dem Mannheimer Morgen. Es sind genau die Typen wie Ullmann im Kader der Adler, die sich ganz sicher nicht kampflos ihrem von allen Seiten prognostizierten Schicksal ergeben werden. Den Mannheimern abzusprechen, zu einer Leistungssteigerung in der Lage zu sein, wäre fahrlässig. Cory Clouston rechnet damit: „Ich denke schon, dass sie noch den einen oder anderen Trick aus dem Ärmel schütteln werden.“

In den letzten Spielen taten sich die Adler vorrangig mit der Disziplin schwer. Ein Punkt, der Craig Woodcroft so sehr auf der Seele lag, dass er ihn zum Thema eines Mannschaftsmeetings machte – ohne Erfolg. Im letzten Hauptrundenspiel in Berlin kassierten die Adler acht (!) Strafen in Folge und ebneten den Eisbären damit den Weg zum Sieg. Ein Erlebnis, das womöglich lehrreicher war als jede Ansprache eines Trainers.

Die Mannschaft der Adler weiß, dass sie es besser kann als zuletzt gezeigt. Mit acht Siegen in Serie hatten sie sich im November an die Tabellenspitze gespielt. Für das Team von Woodcroft stellt sich die Frage, ob sie für die Playoffs die Sideshows vergessen und sich auf ihre – nachweislich vorhandenen – Stärken konzentrieren können. Im Moment sind sie die Totgesagten, aber die leben ja bekanntlich länger.

Fortschritte bei Ryan Jones

Zum Zeitpunkt unseres Interviews mit dem kanadischen Stürmer vor einer Woche war an Training mit der Scheibe noch nicht zu denken. Das hat sich inzwischen geändert. Stickhandling, Passannahmen und Handgelenkschüsse sind für Jones mittlerweile wieder möglich. Schlagschüsse vermeidet er noch. „Mit der Zeit fühlt es sich besser an. Ich vermeide aber noch alles, was Schmerzen verursacht“, so Jones. „Ich versuche schon, an die Grenzen zu gehen, denn ich will natürlich so schnell wie möglich wieder spielen, aber ich will kein zu großes Risiko eingehen. Aber es ist toll, wieder schießen zu können.“

Noch nicht zurück im Mannschaftstraining sondern nach wie vor im Einzeltraining mit Thomas Brandl und Arne Greskowiak versucht der Stürmer, den konditionellen Anschluss nicht zu verlieren. „Ich fühle mich ziemlich gut. Das ist das gute an Oberkörperverletzungen, dass man weiter schlittschuhlaufen und sich fit halten kann“, meint Jones am Ende seiner Trainingseinheit. Was schwieriger zurückzugewinnen sein wird, ist die Beweglichkeit im Handgelenk. „Die Verletzung an sich ist gar nicht das größte Problem, sondern dass der Arm so lange ruhiggestellt war“, erklärt er.

Für die Pre-Playoffs wird der kanadische Stürmer den Haien noch nicht wieder zur Verfügung stehen, aber die sichtbaren Fortschritte sind zumindest Anlass für Optimismus, sollte sich die Saison der Haie über die Serie gegen die Adler hinaus verlängern. Aus dem konkret angestrebten Zeitpunkt für seine Rückkehr in die Mannschaft macht Jones aber ein Geheimnis: „Ich habe definitiv einen Zeitplan im Kopf, wann ich wieder spielen können möchte.“

Spiel 1 in der Serie gegen die Adler findet am Mittwoch, den 09.03. um 19:30 Uhr statt. Wir übertragen die Partie live ab 19:15 Uhr.

Über den Autor: Henrike Wöbking

Henrike schreibt für haimspiel.de seit 2005 und wurde von Ex-NHL-Spieler Jason Marshall gelobt für "the best interview I ever did". Sie zeigte sich hauptverantwortlich für das Abschiedsvideo von Dave McLlwain. Außerdem ist sie Buchautorin und schrieb den Roman "Auf Eis" vor dem Hintergrund der Playoffs 2002.

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