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Die Saisonvorbereitung – Ein Fazit

Mike Stewart im Gespräch mit Fabio Pfohl - Bild: Alexandra Schmitz

„Die Jungs haben es von Anfang an kapiert. Aber es muss zum Instinkt werden und das dauert. Dieser Prozess kann in 5-6 Wochen nicht komplett verdaut und gut ausgeführt werden. Wir sind auf einem sehr guten Weg! Es sind einfach Kleinigkeiten, bei denen ich sehe, es gibt Verbesserungspotential.“ Eigentlich könnte man das Fazit von Trainer Mike Stewart für sich stehen lassen. Es wäre der kürzeste und dennoch einer der zutreffendsten Artikel zur Haie Saisonvorbereitung 19/20.

Die Voraussetzung

Mike Stewart ist mit einem neuen System und seiner Vorstellung von Eishockey nach Köln gekommen, um dies seinem neuen Team beizubringen. Einem Team, dass einen Großteil der vergangenen Saison selten ein richtiges System hatte. Ein Team, dem kurz vor den Playoffs durch Dan Lacroix etwas zurückgegeben wurde, dass man vorher verzweifelt gesucht hat. Aber auch einem Team, dass auf den Schlüsselpositionen – außer der des Starting Goalies – ein neues Gesicht erhalten hat. Viel Arbeit für beide Seiten und für den derzeitigen Stand des Prozesses ist das Fazit von Mike Stewart schon fast zu gut. Stewart lobt hierfür auch besonders seine Spieler: „Ich glaube die Mannschaft ist intelligent und das bedeutet viel. Wir haben viel umgesetzt in der letzten Zeit und wir haben gutes Eishockey gespielt.“

Der Start

Tatsächlich liegt eine so homogene Vorbereitung der Haie einige Jahre zurück. Zwar gab es in dieser Vorbereitung auch Niederlagen, aber die Mannschaft präsentierte sich selten ohne Konzept. Teilweise war man eher übereifrig in dem man versuchte angesprochene Sachen besser zu machen, dafür anderes im Prozess vergaß. Kapitän Moritz Müller schlägt in dieselbe Kerbe: „Man bekommt schnell ein Gefühl für einen neuen Trainer, was ihm wichtig ist. Ich glaube das wir auf einem guten Weg sind, aber dass wir immer noch Sachen besser machen können. Es ist klar, wenn alles neu ist. Man geht in einer Woche eine Sache durch, macht im Spiel genau das und hat wieder vergessen was man vor zwei Wochen gemacht hat.“ Fast folgerichtig wechselten sich Sieg und Niederlage gerade bei kurz aufeinanderfolgenden Partien regelmäßig ab. So startete man beim Kölncup mit einem Sieg gegen die SCL Tigers um dann gegen Graz zu verlieren. Gegen Rögle gab es eigentlich ein unentschieden. Eigentlich, weil der Trainer ein „Winnertyp“ ist  der immer gewinnen will. Für den Turniersieg musste ein Sieg nach 60 Minuten her und Stewart nahm bei 1-1 den Torhüter vom Eis.

Trainingslager und DEL Gegner

Eine Woche später beim Vinschgau-Cup zeigte sich ein ähnliches Bild. Die Haie fertigten Lugano mit 4-0 ab, vielleicht die beste Testspielleistung der letzten Jahre. Einen Tag später unterlag man gegen die HCB Foxes im Finale mit 2:5. Die letzten 2 Gegentreffer resultierten auch hier aus Emptynet Situationen. Stewart nahm dabei einen Teil der Niederlage auf sich. Zum einen habe er die Jungs in der Woche in Südtirol hart trainieren lassen, zum anderen hatte der HCB einen Tag Pause zwischen den Spielen. Die letzten drei Spiele fanden mit etwas Abstand zueinander statt. Nimmt man das Spiel gegen den Kooperationspartner aus Bad Nauheim einmal raus – hier erhielten einige U20 Spieler Eiszeit – stehen zwei Siege gegen direkte Konkurrenten aus der DEL zu buche. Wolfsburg und in der Generalprobe Krefeld wurden besiegt. Für den Augenblick ein Muster ohne Wert, aber auch wichtig für die Moral und ein Fingerzeig Richtung Saison.

Positives und Negatives

Man hat viel positives in der Vorbereitung bei den Haien gesehen. Der Eintritt in die gegnerische Zone wurde wieder auf spielerischem Weg geschafft, das Unterzahlspiel sieht um Welten besser und aktiver aus als in der vergangenen Saison. Auch der Forecheck wusste zu Gefallen. Dies klappte natürlich nicht in jedem Spiel gleich gut. „Der Aufbau war heute gut, aber in den letzten 2 Spielen nicht so. Konstanter durch die Mitte rausspielen, dass wir uns das trauen und in der neutralen Zone da will er (Stewart) gradlinig sein. Da müssen wir schnell die neutrale Zone überbrücken. Offensiv haben wir viele Freiräume.“, so Moritz Müller nach dem letzten Testspiel bei den Krefeld Pinguinen. Offensiv haperte es allerdings auch in dieser Vorbereitung wieder in Teilen bei den Haien. Das Powerplay ist auf einem guten Weg und produzierte schon Treffer, ist aber noch nicht an dem Punkt das es reibungslos funktioniert. In diesem Sinne weiter ungeklärt ist die Situation um Marcel Müller. Der Stürmer, seit Trainingsbeginn regelmäßig auf dem Eis, hat in der Vorbereitung noch keine Minute gespielt und auch für den Saisonstart ist klar, dass er nicht spielen wird. Bereits nach dem ersten Training sagte er, dass er noch weit entfernt von 100% seines Leistungsvermögens ist und auch die Haie-Verantwortlichen betonten regelmäßig, dass „Malla“ erst wieder spielt, wenn er diese 100% wirklich erreicht hat.

Kader zu dünn?

Das wirft die Frage auf, ob man sich bei der Planung des Kaders etwas verspekuliert hat. 11 Abgängen stehen nur 6 Neuzugänge gegenüber. Es wird sich zeigen ob der Weg der Haie hier auf die Jugend zu setzen der Richtige ist. Robin Palka und Mick Köhler im Angriff sowie Colin Ugbekile in der Verteidigung sind Stewarts erste Optionen. Vor allem in der Verteidigung stehen mit Simon Gnyp – der, statt ein weiteres Jahr für die U20 zu spielen, beim Kooperationspartner in Bad Nauheim eingeplant ist – sowie Max Glötzl weitere hochkarätige Talente in Lauerstellung. Oft betont wurde in der vergangenen Saison schon betont wie viele Spieler im Team „Stallgeruch“ haben und diesen Weg geht man, stand heute, auch in der neuen Saison konsequent weiter. Eine Neuverpflichtung ist derzeit nicht mehr geplant.

Ausblick auf den Saisonstart

Wichtig zum Saisonstart und hier schließt sich der Bogen zum Beginn des Artikels, ist, wie gut die Haie den weiteren Prozess in das schwierige Auftaktprogramm einbringen können. „Es ist wichtig auswärts auch unsere Struktur zu halten. Auswärts ist es nie leicht zu spielen vor allem gegen diese Gegner (Mannheim, Nürnberg, Berlin). Ich glaube die Jungs haben das mitbekommen, die wissen, wenn wir so spielen haben wir immer eine Chance. Das wird meine Message ans Team sein in der kommenden Woche ‘Unsere Struktur ist eine Hilfe‘, ich will, dass die Jungs kreativ sind, dass wir Tore schießen, aber unsere Team-Defense muss passen.“, stellt es sich Mike Stewart vor. Das Wochenende hatten die Haie nach dem letzten Testspiel frei. Seit Montagmorgen beginnt die Vorbereitung auf den Ligastart gegen Iserlohn am Freitag – bereits über 14.000 Tickets verkauft – und beim amtierenden Meister aus Mannheim am Sonntag.

Über den Autor: Tobias Bonk

Tube ist fast seit Beginn bei Haimspiel dabei, war zwischendurch mal abgetaucht und kam mit Beginn des Radios 2006 wieder zurück ins Boot. Er war Teil des Kommentatorenteams beim ersten Test in Iserlohn und schrieb seine Bachelorarbeit unter anderem über die Haie.

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Sharkbite #79 – Halbzeit der Vorbereitung
  • Dome87 sagt:

    Mir gefiel in den Vorbereitungsspielen ganz besonders Pfohl und Uvira, Bast scheint mir auch immer 100 Prozent geben zu wollen….dagegen fand ich Matsumoto sehr blass!
    Defensiv bin ich jetzt schon ein Fan von Gagne, der immer einen schnellen Backcheck zeigte und offensiv auch einen guten Job macht! Kindl finde ich bisher sehr Fehleranfällig, habe Angst das er ein neuer Viklund wird!

    Ich habe viel gutes in der Vorbereitung gesehen und freue mich auf das erste Heimspiel!

  • […] zu den Haien. Ganz am Ende gibt es noch die Stimme von Mike Stewart, die Tube bereits in seinem Vorbereitungs-Fazit verarbeitet hatte, nochmal als Originalton. Viel Spaß beim […]

  • Alexander sagt:

    Ich fand Gagne in den Testspielen sehr gut das macht Lust auf mehr.

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