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Ryan Jones: “Lieber respektiert als gemocht werden.”

Ryan Jones. Foto: Steffen Thaut
Ryan Jones. Foto: Steffen Thaut

Die Vertragsverlängerung von Ryan Jones bis 2017 war ein positives Signal der Kölner Haie in einer Phase, die von Hoffen und Bangen um die Playoffteilnahme geprägt war. Die Resonanz unter den Fans fiel entsprechend euphorisch aus. Dass der Club schon länger Gespräche mit dem kanadischen Stürmer geführt hat, war ein offenes Geheimnis. Die Vollzugsmeldung nun ein Lichtblick in eher düsteren Zeiten. Er wird ein wichtiger Baustein im Kader des KEC für die kommenden Jahre sein.

Als Ryan Jones im Dezember während seiner Sperre beim Haimspiel.de-Liveradio zu Gast war, zeigte er sich einem Verbleib in Köln gegenüber nicht abgeneigt, hatte aber eine Rückkehr nach Nordamerika noch im Hinterkopf. Das hat sich über die vergangenen zwei Monate geändert, wie er verrät: „Ich musste ein bisschen mehr Zeit hier verbracht haben, um sicher zu sein, dass mir das hier langfristig Spaß macht. Die ‚Flitterwochen-Phase‘ ist immer schön. Man genießt die ersten drei oder vier Wochen. Aber es zählt erst, wenn der Alltag eingesetzt hat. Ich habe meine Zeit hier auf und neben dem Eis wirklich genossen. Meine Familie auch. Das hier ist ein guter Ort, um meine Karriere fortzusetzen. Nicht, dass es keine Chancen gegeben hätte, zurück nach Hause zu gehen, aber ich habe entschieden, dass ich hier weitermachen will.“

Das Leben neben dem Eis spielt natürlich eine ebenso wichtige Rolle und war ein wichtiger Faktor bei seiner Entscheidung, in Deutschland zu bleiben. Eine Rückkehr nach Nordamerika hätte bedeuten können, in die Minors geschickt zu werden, was gleichbedeutend mit viel Reiserei und wenig Zeit mit der Familie gewesen wäre. „Wir haben darüber sogar sehr ausführlich gesprochen. Mein Sohn ist jetzt knapp über ein Jahr alt. Es ist wichtig für ihn, dass ich da bin. Sowas wie auf einer sechzehntägigen Auswärtstour zu sein und nicht zu wissen, wo man am nächsten Tag ist, war keine Option für mich zum jetzigen Zeitpunkt in seinem Leben. Wenn man sich die anderen Ligen in der Welt anschaut – ich meine, ich wollte ihn jetzt nicht unbedingt nach Russland bringen. Die Liga hier in Deutschland und die Lebensqualität hier vereint für uns auf jeden Fall das Beste aus beiden Welten.“

Jones kam im November vergangenen Jahres als Nachverpflichtung nach Köln und brachte Fitnesswerte mit, die alles im Team in den Schatten stellten. Seine Arbeitsmoral ist bereits seine komplette Karriere hindurch eins seiner Markenzeichen. Dennoch stellt sich – wie bei allen Import-Spielern – die Frage, ob er die DEL ernst genug nimmt, um hier den gleichen Einsatz zu bringen wie in Übersee. Dazu Jones: „Ich bin in jeder Hinsicht ein leidenschaftlicher Spieler. Das Spiel hier macht Spaß. Es ist weit offen und bietet viel Raum. Hier steckt schon auch ein bisschen Nordamerika im Eishockey, weil die Jungs, die hier rüberkommen, das Spiel beeinflussen. Es ist natürlich ein anderer Stil, als ich ihn mein Leben lang gespielt habe, aber mir macht das großen Spaß.“

In seiner Zeit in Köln hat Jones sich für eine Weiterverpflichtung mit jedem seiner Spiele empfohlen. Die Energie, die er aufs Eis bringt, war oft genug Zündfunke und Motor für die Mannschaft. 12 Tore und 5 Assists in 27 Spielen machen ihn zu einem Top-6-Spieler, der zudem große Kompatibilität mit verschiedensten Reihenkollegen beweist. Eine Universal-Waffe mit jeder Menge Upside.

Um den Charakter eines Spielers besser einschätzen zu können, ist nichts hilfreicher als die Meinung seiner Gegner. Während seiner Zeit bei den Edmonton Oilers traf er häufig auf die Divisions-Rivalen aus Vancouver. Im vergangenen Januar lieferte er sich einen beherzten Fight mit dem kampferfahrenen Canucks-Verteidiger Kevin Bieksa und hatte auch noch ein paar nachdrückliche Worte für seinen Gegner auf der Strafbank. Jones erinnert sich noch gut daran:

„Zu dem Zeitpunkt in meiner Karriere wusste ich, dass Fights von mir erwartet werden, um in der NHL zu bleiben. Ich glaube, ich bin groß genug, stark genug und weiß genug übers Fighten. Wenn ich ein Unentschieden geschafft habe, dann war das ok. Ich habe vor niemandem Angst. Ich weiß noch ganz genau, was ich zu ihm gesagt habe. Ich habe gesagt: Ich habe keine Angst vor dir. Ich kann dich vielleicht nicht schlagen, aber wenn du glaubst, dass ich Angst vor dir habe, dann irrst du dich gewaltig.“

NHL-Veteran Kevin Bieksa zeigte sich noch Monate später beeindruckt: „Ich erinnere mich noch gut daran, was er auf der Strafbank zu mir gesagt hat. (…) Ich fand es sehr bewundernswert, dass er sich nicht darum schert, wie stark sein Gegner ist. Er tritt gegen jeden an, ob er den Kampf nun gewinnt oder verliert. Das ist die Sorte Jungs, die man in seinem Team haben will. Ein ehrlicher Spieler, der hart spielt und alle seine Checks zu Ende fährt.“

Auch wenn Fights in der DEL nur eine untergeordnete Rolle spielen, so zeichnet Jones doch genau diese Einstellung in allen Bereichen seines Spiels aus. „So wie ich vor dem Tor spiele, darf man nicht ängstlich spielen“, erklärt der kanadische Stürmer. „Man muss da einfach hingehen, die Crosschecks einstecken und man wird von Pucks getroffen. Das habe ich meine gesamte Karriere hindurch gemacht. Ich kenne es nicht anders.“

Eine Menge Respekt schwang in den Worten von Bieksa mit und ist ein weiterer Beleg dafür, mit wieviel Herz Ryan Jones aufs Eis geht. Auch wenn er in der kommenden Saison erst noch den Beweis bringen muss, dass er die DEL mit dem gleichen Ehrgeiz angeht, wie er seine Spielzeiten in Nordamerika angegangen ist, wird das Engagement in Deutschland nicht den Typen Jones ändern, dem Biss und Aggressivität einfach im Blut liegen: „Ich habe immer gesagt, ich möchte lieber respektiert als gemocht werden. Wenn die Jungs aus dem gegnerischen Team mich nicht mögen, aber mich respektieren, dann mache ich meinen Job.“

Über den Autor: Henrike Wöbking

Henrike schreibt für haimspiel.de seit 2005 und wurde von Ex-NHL-Spieler Jason Marshall gelobt für "the best interview I ever did". Sie zeigte sich hauptverantwortlich für das Abschiedsvideo von Dave McLlwain. Außerdem ist sie Buchautorin und schrieb den Roman "Auf Eis" vor dem Hintergrund der Playoffs 2002.

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