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Moritz Müller fällt länger aus

Moritz Müller nach dem Spiel. Foto: mcfly37.de.
KEC-Kapitän Moritz Müller nach dem Spiel - Foto: A. Dick

KEC-Headcoach Peter Draisaitl wird in den kommenden drei bis vier Wochen auf seinen Kapitän verzichten müssen. Nachdem Moritz Müller bereits am vergangenen Sonntag beim Heimderby gegen die DEG nicht auflaufen konnte, fällt der Verteidiger nun länger aus. Austin Madaisky wird die Lücke in der Verteidigung auffüllen. Als personelle Verstärkung wurde Mick Köhler aus Frankfurt abberufen. Mit ansonsten zum letzten Wochenende unverändertem Aufgebot geht es am Freitag nach Iserlohn, ehe am Sonntagabend das Heimspiel gegen den Meister aus München ansteht.

Verletzung schlimmer als gedacht

Die Fußverletzung, die sich Müller beim Deutschland-Cup zugezogen hatte, stellt anscheinend doch ein größeres Problem dar. Draisaitl dazu: „Es ist mit seinem Fuß doch ein bisschen schlimmer, als wir ursprünglich dachten. Er wird diese Zeit brauchen, um das auszukurieren.“

„Wir haben ja sechs Verteidiger mit Madaisky“, macht sich Draisaitl wenig Sorgen um die Besetzung der blauen Linie. „Mick Köhler ist heute aus Frankfurt gekommen. Der scheint uns von der mentalen Stabilität am weitesten zu sein, um in einer Situation wie dieser einzuspringen.“ Der Stürmer wird Madaisky in der vierten Reihe auf Linksaußen ersetzen.

Nachlese zum vergangenen Wochenende

Mit Blick auf die jeweiligen Gegner hätte eine Prognose von vier Punkten aus den letzten drei Partien gar nicht so abwegig geklungen. Doch nach dem Wochenende ist allen Beteiligten bewusst, dass sowohl in Mannheim und ganz besonders auch zuhause gegen die DEG mehr drin gewesen wäre. In der aktuellen Situation umso bitterer.

„Was uns im Moment am Allermeisten wehtut, ist, dass wir – teilweise zumindest – zu große Abstände zu unseren Gegnern haben“, erläutert Draisaitl die Ergebnisse der Analyse der jüngsten Spiele. „Unsere Gegner haben es dadurch zu einfach, zum Beispiel durch die Mittelzone und in unsere Zone zu fahren. Unsere Gegner schaffen es, bei einem Zwei-auf-Vier einen Torschuss abzugeben. Wir müssen generell die Abstände im Fünferblock verringern. Wir geben zwar keine Unmengen an Großchancen ab, aber wo wir im Moment die Dinger kassieren, ist aus dem viel gerühmten Nichts. Wir müssen gucken, dass wir das eliminieren.“

Draisaitl: „Wir müssen innerhalb der Struktur aktiver sein.“

Ein läuferisches Defizit sieht Draisaitl hinter dem Problem nicht. „Es ist mehr eine Frage des Kopfes. Es ist nicht so, dass wir nicht Schlittschuhlaufen können. Wir haben den Jungs dazu etwas präsentiert. Die Message müsste eigentlich angekommen sein. Es geht nicht darum, dass wir ein Strukturproblem haben. Wir müssen nur innerhalb der Struktur aktiver sein.“

Der Headcoach sieht den Steigerungsbedarf dabei in allen Mannschaftsteilen: „Das gilt für die Stürmer im Forecheck, im Backcheck, in der Mittelzone, in der D-Zone. Das gilt für die Verteidiger in der Mittelzone, in der defensiven Zone, da die viel zitierte ‚Gap‘ besser hinzubekommen für das gesamte Gebilde auf dem Eis über die gesamte Eisfläche.“ – meint, den Abstand zwischen den Stürmern und den Verteidigern besser zu kontrollieren.

Draisaitl: „Hatten die Unterstützung untereinander nicht mehr“

Auch dass es seiner Mannschaft am vergangenen Sonntag im dritten Drittel nicht mehr gelungen war, für offensive Entlastung zu sorgen, wurde nochmals mit den Spielern thematisiert. „Wir hatten die Unterstützung untereinander nicht mehr und sind nicht mal mehr durch die Mittelzone gekommen“, blickt Draisaitl nochmal zurück. „Wir sind teilweise gar nicht mehr in die offensive Zone reingekommen. Zumindest nicht mit Schwung. Es ist ja aber nicht so, dass uns das jetzt erst aufgefallen ist. Wir hatten schon nach dem zweiten Drittel gesagt: Unsere Defense spielen wir bei denen im Drittel. Aber es hat nicht funktioniert.“

Draisaitl vermutet auch einen Teil des Scheiterns vom Sonntag bei der Einstellung: „Es kann schon sein, dass wir auch ein bisschen in den Verwaltungsmodus gekommen sind und gedacht haben, ok, das wird schon. Aber man sieht ja, was dann passieren kann.“

Pfohl: „Verantwortung dem Team gegenüber“

Stürmer Fabio Pfohl gibt noch eine andere Perspektive – nicht nur aufs verlorene Derby: „Wenn du in so einem Spiel in den letzten fünf Minuten eine knappe Führung hast, dann musst du das über die Zeit bringen. Das zu verlieren, geht nicht. Es ist einfach auch Verantwortung dem Team gegenüber, da die richtigen Entscheidungen zu treffen. Das haben wir nicht gemacht. Darüber haben wir diese Woche auch gesprochen, weil das einfach zu viele Punkte sind, die wir dann herschenken. Und das jetzt schon über die ganze Saison verteilt.“

„Langsam kann man auch nicht mehr sagen, wir haben Anfang der Saison. Jeder muss das realisieren. Es geht jetzt langsam in den Dezember, und allzu lang Zeit ist auch nicht mehr, um einen großartigen Lernprozess zu starten“, so Pfohl weiter. „Es geht darum, die Verantwortung zu übernehmen in der eigenen Zone und in der neutralen Zone, um solche Spiele über 60 Minuten zu gewinnen.“

Auf die Frage, ob die nahezu eingestellten Offensivbemühungen im letzten Drittel gegen Düsseldorf auch daher rührten, dass niemand den entscheidenden Fehler machen wollte, der womöglich zum Ausgleich führt, meint Pfohl: „Ich glaube schon, dass das in unseren Köpfen drin steckt und ein Faktor ist. Wobei es eigentlich so sein sollte, dass man mit einer 2:1-Führung ins letzte Drittel geht und aufs 3:1 spielt und nicht um das 2:2 zu verhindern.“

Dumont: „Mit Zalewski und Uvira einen Rhythmus gefunden.“

Unabhängig von den Ergebnissen der letzten Partien kommt man nicht umhin zu sehen, wie sehr Lucas Dumont in der Liga angekommen ist. Am vergangenen Wochenende erzielte er gegen Mannheim und Düsseldorf seine Saisontore 4 und 5. Es läuft für den 21-Jährigen.

„Ich fühle mich zur Zeit sehr gut“, bestätigt Dumont. „Im Moment spiele ich ja mit Uvira und Zalewski zusammen. Das hat von Anfang an gut harmoniert. Das Selbstvertrauen kommt durch die Tore und dadurch, dass wir gut spielen. Ich kann mich nicht beklagen.“

„Wir haben mit Zalewski in der Mitte einen Spieler, der die Pucks gut verteilen kann, und mit Uvira und mir zwei Spieler die über Außen mit Geschwindigkeit das Spiel machen“, versucht der Linksaußen die gute Chemie in seiner Reihe zu erklären. „Es klappt einfach. Wir haben es halt einfach gehalten am Anfang und viel über die Geschwindigkeit gemacht. Dadurch sind wir ins gegnerische Drittel gekommen, haben durch hartes Arbeiten die Scheiben gewonnen, die ersten Chancen kreiert und so haben wir halt einen Rhythmus gefunden, wie wir spielen wollen.“

Es kann alles so einfach sein, möchte man da sagen.

Spiel in Iserlohn bereits ausverkauft

Alles andere als einfach wird die Partie am Seilersee für die Haie am Freitagabend. Die Roosters haben sich am vergangenen Mittwoch von ihrem Headcoach Rob Daum getrennt. Die IEC-Clubführung sah das Saisonziel Platz 10 in Gefahr und sich zum Handeln genötigt. Das Sagen hinter der Bande haben nun erstmal die Co-Trainer Jamie Bartman und Christian Hommel. Vor allem in der Defensive hofft man auf Stabilisierung. Wieviel Bartman und Hommel in der kurzen Zeit bis zum Spiel gegen den KEC richten können, bleibt abzuwarten.

Ein heißer Tanz wird es im Sauerland so oder so. Das Spiel gegen die Haie ist bereits ausverkauft. Zumindest auf den Rängen wird es also keine spürbare Veränderung geben.

Spielbeginn in Iserlohn ist am Freitagabend um 19:30 Uhr. Wir übertragen die Partie live ab 19:15 Uhr.

 

Über den Autor: Henrike Wöbking

Henrike schreibt für haimspiel.de seit 2005 und wurde von Ex-NHL-Spieler Jason Marshall gelobt für "the best interview I ever did". Sie zeigte sich hauptverantwortlich für das Abschiedsvideo von Dave McLlwain. Außerdem ist sie Buchautorin und schrieb den Roman "Auf Eis" vor dem Hintergrund der Playoffs 2002.

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3 Kommentare

  1. haiemaus
    25.11.2018

    Jetzt wird es Zeit für Handlungen!!!
    3 Gegentore in 3:10 Minuten Spielzeit.
    Es reicht.

  2. Alexander
    23.11.2018

    Es gibt so viele andere Spieler dann müssen die es halt richten!

  3. Dagi0815
    22.11.2018

    “Wobei es eigentlich so sein sollte, dass man mit einer 2:1-Führung ins letzte Drittel geht und aufs 3:1 spielt und nicht um das 2:2 zu verhindern.“

    Das haben alle Zuschauer schon Anfang des 3. Drittels gedacht bzw. gesagt. Warum merkt das Team es erst, wenn es zu spät ist?

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