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Der Spagat zwischen suchen und Ruhe im Line-Up

KEC-Headcoach Peter Draisaitl - Foto: Andreas Dick

Peter Draisaitl lässt die Aufstellung gegen Schwenningen unverändert zum Augsburg-Spiel. Was sich gegen die Panther bewährt hat, soll nun gegen die Wild Wings nachlegen. Der Kölner Headcoach fordert von seiner Mannschaft die gleiche Disziplin, Laufbereitschaft und Zweikampfstärke wie am vergangenen Sonntag. Dazu müssen die Haie gegen das Schwarzwälder Abwehrbollwerk und die Konterstärke der Gäste auch noch Geduld aufbringen.

Keine Veränderungen im Line-Up

Die Findung der Reihen, mit denen man in mögliche Playoffs gehen will, ist immer noch nicht abgeschlossen. Eine Aufgabenstellung, die Draisaitl nicht als „Baustelle“ sieht, aber deren Lösung dennoch parallel zum Einfahren von Punkten in den verbleibenden Spielen stattfinden muss. Die Reihen im Vergleich zum Spiel gegen die Panther nicht zu ändern, ist laut Draisaitl nicht nur ein Resultat der Mannschaftsleistung vom vergangenen Sonntag. Nach den zahlreichen Umstellungen der vergangenen Wochen will der Headcoach auch ein Zuviel an Änderungen vermeiden.

„Es ist die Absicht, den Spagat hinzubekommen zwischen suchen, suchen, suchen, aber auf der anderen Seite auch eine gewisse Ruhe im Line-Up zu haben und nicht immer Wechsel um der Wechsel willen zu machen oder meinen machen zu müssen“, erklärt Draisaitl. Zur Findung der finalen Reihen sagt er: „Da müssen wir noch hinkommen. Da haben wir noch ein paar harte Wochen vor uns.“

Während Alexander Sulzer Stand Mittwochmittag für einen Einsatz gegen Schwenningen noch nicht wieder gesund sein wird, bleiben Blair Jones, Jean-Francois Boucher und Justin Peters weiter als healthy scratches draußen.

„Viel im Kopf bei den Spielern“

Die großen Schwankungen in den Mannschaftsleistungen zu eliminieren, ist eine weitere Aufgabenstellung. Draisaitl äußerte nach der Partie in Augsburg die Hoffnung, dass es nun bei der Mannschaft angekommen sei, wie man spielen muss, um erfolgreich zu sein. Felix Schütz meinte dazu nach dem Abschlusstraining am Mittwoch: „Ob es angekommen ist, werden wir am Donnerstag sehen. Wir haben in allen wichtigen Spielen eigentlich immer sehr gut gespielt. Auch gegen Top-Mannschaften. Gewonnen oder verloren ist zweitrangig, aber wir haben eigentlich immer ein gutes Spiel gezeigt. Aber dann haben wir es doch immer wieder geschafft, im Spiel danach eine schlechte Performance zu zeigen. Ich glaube, dass allgemein grad viel im Kopf ist bei den Spielern. Wir reden eigentlich das ganze Jahr schon darüber, dass wir kontinuierlich besser spielen wollen. Das haben wir auch heute nochmal angesprochen. Man merkt jetzt natürlich, dass die letzten Spiele einfach sehr, sehr wichtig werden. Es gibt doch einige Spieler, die sich das zu Herzen genommen und sich gesagt haben: Jetzt müssen wir echt Gas geben. Das sollte normal nicht so sein, aber so ist es nun mal.“

Dass stattfindende oder eben gerade nicht stattfindende Vertragsgespräche die Köpfe der Spieler beschäftigen, ist sehr gut vorstellbar zu diesem Zeitpunkt in der Saison. Aber es bleibt auch nicht mehr viel Zeit für die Mannschaft, als Team zu einer eingeschworenen Gemeinschaft zusammenzuwachsen. Eine Aufgabenstellung, die die Spieler unter sich hinbekommen müssen. Draisaitl äußert vieldeutig: „Ich hoffe, dass die Truppe jetzt hintenraus wirklich alles liegen- und bleibenlässt, was nicht von Bedeutung ist, und dass wir aus dieser Saison noch eine sehr gute machen.“

Andere Rahmenbedingungen als in Augsburg

Dass es in Augsburg keine einzige Über- und Unterzahlsituation gab, hatte den Vorteil, dass alle vier Reihen über 60 Minuten unverändert auflaufen und rotieren konnten. Keine durch Specialteams aufgebrochenen Formationen, die erst nach einigen Wechseln wieder in Normalbesetzung zusammen waren. Alle Reihen fanden ihren Rhythmus und waren im Spiel. Zudem musste sich Draisaitl keine Gedanken über die Match-Ups seiner Reihen machen, denn bis auf die Gelegenheiten bei den Augsburger Icings hatte sein Gegenüber Mike Stewart als Heimcoach das Recht und den Vorteil des letzten Wechsels.

Auf eigenem Eis wird das am Donnerstagabend anders aussehen. Die Reihe um Kai Hospelt war zuhause zuletzt die auserwählte Formation gegen die gegnerischen Top-Reihen. Ein Umstand, den Draisaitl nicht dauerhaft etablieren möchte. „Zu jeder Zeit alle vier Reihen rausschicken zu können, ist natürlich das perfekte Szenario. Die Reihen in Heimspielen zu matchen, habe ich mal gemacht, wenn es das gegnerische Team hergegeben hat. Aber die Gefahr ist riesig dabei, dass man den eigenen Rhythmus kaputt macht. Damit muss man sehr vorsichtig umgehen“, erläutert Draisaitl. „Die Frage ist natürlich auch: Haben wir so eine Shut-Down-Reihe? Ich tendiere eher zu der Lösung, jederzeit alle Reihen rausschicken zu können. Das würde mir für unser Team besser gefallen, als ständig nach dem Gegner zu matchen.“

Defensivstarke und umschaltschnelle Wild Wings

Unwahrscheinlich ist außerdem, straffrei durch eine Partie gegen läuferisch starke, umschalt- und antrittsschnelle Schwenninger zu kommen. In einer perfekten Welt gibt man der Mannschaft von Pat Cortina erst gar keine Gelegenheit für ihr Konterspiel. Das bedeutet, Risikopässe im Angriffsdrittel zu vermeiden. Dennoch ist offensive Kreativität gefragt, um nicht nur die gut sortierte Abwehr der Wild Wings auszuhebeln, sondern dann auch noch Dustin Strahlmeier zu überwinden, der mit einer Fangquote von 92,9% glänzt.

„Aus der Schwenninger Defensive werden wir uns befreien müssen“, meint Draisaitl. „Wir haben die Möglichkeiten. Aber es ist Fakt, dass sich die Wild Wings in ihrem eigenen Drittel immer sehr kompakt zur Scheibe hinbewegen und Überzahlsituationen schaffen. Es ist also nicht einfach, aber wir haben die Mittel, um damit klarzukommen. Wir müssen darauf eingestellt sein und wissen, dass man eben nicht von hinterm Tor etwas Blindes hinter sich schmeißen kann. Dann haben sie sehr schnelle Konterleute, die dir dann gehörig die Hölle heißmachen. Man muss geduldig bleiben. Und wenn man kein Play vor sich hat, dann muss man den offensiven Zweikampf eben bestreiten und bestehen.“

Umkämpfte Top-6-Plätze

Die Schwenninger halten sich seit Wochen hartnäckig in den Top-6 der Liga. Zwar auch mit schwankenden Ergebnissen, aber dank der ebenfalls inkonstanten Konkurrenz hinter sich reichte das Punktekonto bislang für die Verteidigung eines direkten Playoff-Platzes. Mit zwei Spielen weniger haben die Kölner Haie am Donnerstag die Möglichkeit, die Wild Wings in der Tabelle zu überholen. Ein klassisches Sechs-Punkte-Spiel steht also an.

Erstes Bully gegen Schwenningen ist am Donnerstagabend um 19:30 Uhr. Wir übertragen die Partie live ab 19:15 Uhr.

Über den Autor: Henrike Wöbking

Henrike schreibt für haimspiel.de seit 2005 und wurde von Ex-NHL-Spieler Jason Marshall gelobt für "the best interview I ever did". Sie zeigte sich hauptverantwortlich für das Abschiedsvideo von Dave McLlwain. Außerdem ist sie Buchautorin und schrieb den Roman "Auf Eis" vor dem Hintergrund der Playoffs 2002.

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3 Kommentare

  1. Alexander
    17.01.2018

    Warum sollte Draisaitl was ändern er macht das gut.Rotieren macht nur Sinn wenn man nur solche Weltstars wie z.b.Jagr im Team hat.

  2. Thomas
    17.01.2018

    Ach einige haben es jetzt also begriffen? Ja jetzt bin ich ja beruhigt. Da kann man fast nur hoffen, dass das genau die Spieler sind die keinen neuen Vertrag bekommen.

    Da Line up jetzt mal nicht zu verändern finde ich richtig. Im Augsburg Spiel war die Mannschaftsleistung zwar immer noch nicht bei 100 Prozent, aber besser als gegen die DEG oder Krefeld.

    Mindestens 2 Punkte gegen Schwennigen könnten nochmal eine richtig starke Ausgangssituation für die restlichen Spiele bilden.

    Gruß
    Thomas

  3. Marcel
    17.01.2018

    Absolut nachvollziehbare Entscheidung nichts am Line Up zu ändern. Der Einsatz hat am Sonntag zu 100% gestimmt. Das sollte doch jetzt auch endlich mal in der heimischen Arena nach so vielen Spielen funktionieren. Vielleicht sollten wir morgen einfach mal die weißen Auswärtstrikots tragen…
    In der Hoffnung auf 3 Punkte und einen wichtigen Schritt Richtung Top 6!

    Gruß Marcel

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