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Der Prozess der Reihenfindung

Ben Hanowski, Justin Shugg, Shawn Lalonde und Blair Jones - Foto: Andreas Dick

Als Peter Draisaitl zum Ende der Partie in Bremerhaven die Bank auf drei Reihen verkürzte und Blair Jones auf der Bank ließ, nannte er die Umstellungen in den Sturmformationen „mehr oder weniger eine Bauchentscheidung“. Er wolle noch ein paar Varianten ausprobieren, hatte der Kölner Headcoach vor dem Spiel gegen München gesagt. Der Prozess der Reihenfindung ist laut Draisaitl noch nicht abgeschlossen.

Unausgesprochene Kritik an Blair Jones

Es war die heiße Phase in der Partie in Bremerhaven. Die Haie hatten eine Zwei-Tore-Führung aus der Hand gegeben. Peter Draisaitl wollte dem Phlegma im Spiel des KEC im Schlussdrittel entgegenwirken und stellte um. T.J. Mulock übernahm für Blair Jones die Center-Position zwischen Hanowski und Shugg. Uvira rückte in die Top-9 auf und ergänzte die Reihe mit Gogulla und Schütz. Hospelt, Krämmer und Ryan Jones ließ der Coach beisammen. Der Rest der vierten Reihe sowie eben Blair Jones sahen kein Eis mehr.

Wenn man in einer Phase, in der ein Spiel auf der Kippe steht, seinen aktuell nominellen Erste-Reihe-Center aus dem Spiel nimmt, dann hat das Aussagekraft. Seine Bank zu verkürzen heißt im Normalfall, auf seine besten Spieler zu reduzieren. Aus dieser Gruppe wurde Blair Jones aussortiert. Das passierte dem kanadischen Center nicht zum ersten Mal in dieser Saison. Cory Clouston hatte ihn zuletzt bei der 4:7-Niederlage gegen die Augsburger Panther für die zweite Hälfte des Spiels auf der Bank gelassen. Die Begründung damals: „Er war nicht gut genug.“

Draisaitl hat seine Reihen in Bremerhaven fünf Minuten vor Spielende umgestellt. Er wollte seiner Mannschaft nochmal einen Impuls geben. Gleichzeitig hat er Jones damit ein Signal gegeben – und legte im Interview nach der Partie sogar noch nach.

„Wir müssen kritisch anmerken, dass wir auch von einigen Individuen mehr brauchen“, so Draisaitl. Die anstehende Rückkehr von Alexandre Bolduc ins Line-Up, nach dessen Verletzungsausfall vor Saisonbeginn Blair Jones ja überhaupt verpflichtet wurde, nennt der Coach zudem als Grund für weitere zu erwartende Änderungen in den Sturmformationen.

Schütz als Außenstürmer die bessere Option?

Dass Felix Schütz über weite Strecken der Saison als Center agiert hat, war den Ausfällen geschuldet. Gedacht war der 30-jährige Erdinger ursprünglich für Außen – eine Position, auf der er sich nach eigenem Bekunden sehr wohl fühlt. Allerdings hatte er in der Mittelstürmer-Position mit Ben Hanowski und Justin Shugg bestens harmoniert. Das Trio entwickelte bei fünf gegen fünf eine gute Chemie. Nicht ohne Grund bilden sie nach wie vor die erste Powerplay-Formation.

Auch wenn der ursprüngliche Plan bei der Kaderzusammenstellung Schütz auf dem Flügel vorsah, sollte diese Idee durchaus hinterfragt werden. Blair Jones hat in seiner Karriere speziell bei seinen Einsätzen in der NHL überwiegend als Flügelstürmer agiert, ist also nicht auf die Center-Position festgelegt. Ein Festhalten an einer Ursprungsidee nur um der Ursprungsidee-Willen wäre der falsche Weg.

In wieweit Peter Draisaitl für alle denkbaren Alternativen bei der Suche nach der Idealbesetzung der Reihen offen ist, wird sich zeigen. Er machte aber deutlich, dass seine Akteure auf diesen Prozess durch die eigenen Leistungen Einfluss nehmen können. Zu zukünftigen Aufstellungen sagte er nach dem Bremerhaven-Spiel: „Das entscheiden Spieler auch ein bisschen selber, wo und wieviel sie spielen. Das ist nicht nur meine Entscheidung.“

Vierte Reihe nach jedem Powerplay

In der jüngsten Reihenzusammenstellung liegt zudem ein weiteres Problem. Die beiden Powerplay-Formationen beinhalten Spieler aus den Reihen 1 bis 3. Um also nach einer Überzahl wieder auf die regulären Reihen zurückzukommen, erhält die vierte Reihe aktuell zwangsläufig den ersten Wechsel im Anschluss. Eine konstante Größe, die für den Gegner berechenbar und damit ein Vorteil ist.

Wolfsburg mit fünf Punkten Vorsprung in Sichtweite

In die Partie am Samstagnachmittag gegen die Grizzlys wollen die Haie das positive Gefühl aus den letzten beiden Spielen mitnehmen. Bei allen Gedankenspielen um die langfristige Aufstellung ist die Zielsetzung für das Spiel gegen den Tabellenvierten eine konstante Leistung der gesamten Mannschaft über 60 Minuten.

„Wir waren zu passiv. Wir haben phasenweise fast aufgehört, Eishockey zu spielen“, hatte Draisaitl über das Schlussdrittel gegen Bremerhaven gesagt. Kai Hospelt ergänzte: „Es ist ein Unterschied, ob man geduldig spielt oder passiv.“ Gegen läuferisch starke und aggressive Wolfsburger darf man sich Passivität nicht leisten. Die beiden bisherigen Aufeinandertreffen in dieser Saison konnten die Haie mit 4:2 und 5:1 für sich entscheiden.

Die Mannschaft von Pavel Gross will sich auf Platz 4 festsetzen und die Haie auf Abstand in der Tabelle halten und steht dabei mit nur einem Sieg aus den letzten vier Partien unter Druck. Die Grizzlys hoffen auf die Rückkehr einiger krankheitsbedingter Ausfälle. So könnten die Stürmer Kris Foucault und Mark Voakes sowie Goalie Felix Brückmann gegen die Haie ins Line-Up zurückkehren. Damit würden den Wolfsburgern lediglich Torsten Ankert und Kamil Kreps fehlen.

Bei den Haien fehlt neben den Verletzten Alexander Sulzer und Alexandre Bolduc heute auch Pascal Zerressen erkrankt. Für ihn kommt Dominik Tiffels in den Kader.

Spielbeginn gegen die Grizzlys ist um 16:30 Uhr. Wir übertragen die Partie live ab 16:15 Uhr.

Über den Autor: Henrike Wöbking

Henrike schreibt für haimspiel.de seit 2005 und wurde von Ex-NHL-Spieler Jason Marshall gelobt für "the best interview I ever did". Sie zeigte sich hauptverantwortlich für das Abschiedsvideo von Dave McLlwain. Außerdem ist sie Buchautorin und schrieb den Roman "Auf Eis" vor dem Hintergrund der Playoffs 2002.

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