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KEC vor der DEL-Lizenzerteilung – Verzögerung durch Probleme

Eine der Baustellen: Der Vertrag mit der Arena wurde um ein Jahr verlängert.
Eine der Baustellen: Der Vertrag mit der Arena wurde um ein Jahr verlängert. Foto: Alexandra Schmitz

Die Phase der Prüfung der wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit der DEL-Vereine war in den letzten Jahren mehr oder weniger reine Routine. In diesem Jahr scheint alles anders: Vier DEL-Clubs mussten für eine Lizenzerteilung in die „Overtime“ und nachbessern. Wie verschiedene Zeitungen berichteten, schienen die Kölner Haie betroffen zu sein.

Am Ende haben alle 14 DEL-Clubs die Lizenz erhalten. Doch: Was genau waren die neuralgischen Punkte in Köln, die nachgebessert werden mussten?  Sowohl eine nicht adäquate Umsetzung der von der DEL geforderten 25%-Gehaltsstundung der Spieler, als auch Probleme mit dem Etat wurden von der Presse thematisiert.

Lizenzvergabe mit Hindernissen

Es sei ein „Unding und zeige, dass einige in der DEL einfach zu viel quatschen.“ Wolfgang Brück, Geschäftsführer der Iserlohn Roosters und Aufsichtsratsmitglied der DEL war „not amused.“ Was war passiert?

Die BILD Berlin hatte berichtet, dass vier DEL-Clubs die erste Hürde der Lizenzvergabe nicht gemeistert hatten. Brück verifizierte diese Aussage indirekt, indem er sich „ärgerlich“ darüber zeigte, dass solche Informationen „an die Öffentlichkeit kommen.“ Was nun folgte, scheint eine Anhörung des Clubs vor der DEL gewesen zu sein. Inwieweit die BILD mit der recht dramatischen Formulierung recht hat, dass die Clubs sinnbildlich „um die Spielgenehmigung (…) zittern“, sei dahingestellt.

Probleme auch in der DEL 2 und der Oberliga

Klar ist aber auch: Ein Zuckerschlecken ist die DEL-Lizenzvergabe insbesondere in Zeiten der Covid19-Pandemie nicht. Das belegt das Beispiel der Bietigheim Steelers, die in der – an das DEL-Vergabeverfahren angelehnte – DEL 2-Lizenzierung „durchgefallen“ waren. Bietigheim war über Jahre ein sportlich dominanter Verein, der im letzten Jahrzehnt mehrfach die Meisterschaft der 2. Liga gewann. Gleichzeitig waren sie auch einer von nur drei Vereinen, die sich parallel mit einem Lizenzantrag für den sportlichen Aufstieg in die DEL beworben hatten.

Während des Lizenzierungsverfahrens gilt es, die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit darzustellen. Das gelang Bietigheim offenbar nicht mehr. Bereits 2015 (EV Landshut) und 2018 (SC Riessersee) scheiterten Clubs in der DEL 2. Die Clubs mussten in der Folge die Liga verlassen. Auch unterhalb der DEL-Ligen mehren sich aktuell die Probleme: Auch die Hannover Indians und Leipzig erhalten für die Oberliga Nord keine Zulassung zum Spielbetrieb.

KEC-Baustellen: Fokus zunächst nur auf Arenavertrag

Die Berichterstattung rund um die noch nicht gesicherte Spiellizenz der Kölner Haie drehte sich zunächst nur um den ausgelaufenen Vertrag mit der LANXESS arena. Dieser wurde letztlich lediglich um ein Jahr verlängert. Philipp Walter machte transparent, dass die Kürze der Laufzeit den aktuellen Gegebenheiten geschuldet sei. Intensivere Verhandlungen und um gegebene Diskussionspunkte wurden vernünftigerweise auf die nähere Zukunft vertagt.

„Einfrieren“ von 25% der Spielergehälter – Der Knackpunkt?

Eine zweite mögliche „Baustelle“ könnte die Einigung im Streit um das von der DEL geforderte pauschale “Einfrieren” von 25% der Spielergehälter, bis der jeweilige Club eine Umsatzmarke erreicht hat, gewesen sein. Die teilweise Stundung wird im Ernstfall – bei entsprechenden Umsatzeinbußen verglichen zur Vorsaison – zum freiwilligen Gehaltsverzicht.

Moritz Müller und Patrick Reimer adressierten federführend ihre Kritik an die DEL und sahen zu wenig Beteiligung der Spieler, etwa bei der Entwicklung besagter Klausel. Ihre Bemühungen wurden in der Planung und Entwicklung einer Spielervertretung in eine Form gegossen. Die Zukunft wird zeigen, ob sich die Spielervertretung tatsächlich gründet, etabliert und als dauerhafter erweist, als ihre Vorgängerin in den 1990er Jahren.

Bis heute haben nicht alle Spieler diese Klausel unterschrieben. Grundsätzlich sprach sogar DEL-Geschäftsführer Gernot Tripcke davon, dass es „keine rechtliche Grundlage“ gibt, diesen Spielern das Spielen zu verweigern. Ob aber „ein Klub diesen Spieler lizenziert, wage ich zu bezweifeln. Das wäre kein faires Signal gegenüber dem Rest der Mannschaft,“ so Tripcke.

Spieler loben die Umsetzung der DEL-Vorgaben in Köln

Bezogen auf den Standort Köln wurde von Beginn an ein gutes, transparentes Diskussionsklima zwischen Philipp Walter und den Spielern gelobt. Marcel Müller sprach gegenüber der „Kölnischen Rundschau“ davon, dass aus seiner Sicht in Köln „mit die beste Lösung in der ganzen DEL gefunden“ worden sei. Der Vorschlag sei „besser (…), als der Vorschlag der DEL.“ Die Mannschaft stehe einstimmig hinter der Lösung.

Weiter führte er aus, dass „niemand“ unzufrieden sei und die Förderlizenzspieler „weiter ihr volles Gehalt kriegen“ würden. Möglicherweise war hier für die DEL erörterungswürdige Knackpunkt zu finden, denn diese hatte eine pauschale „Kürzung“ aller Gehälter verlangt.

Die Eishockeynews hatte zuvor berichtet, dass 13 von 14 Clubs die Regelungen entsprechend umgesetzt hätten. Ein Club müsse jedoch die individuellen Vereinbarungen in einen pauschalen Beschluss umwandeln. Dieser Club könnten die Kölner Haie gewesen sein.

Da die Förderlizenzspieler in Köln laut Müller ausgeklammert worden waren, könnte hier ein Verstoß im Hinblick auf die DEL-Lizenzerteilung vermutet worden sein.

Budget vor den „Königstransfers“ schon aufgebraucht?

Wie die „Kölnische Rundschau“ auf Basis ihrer Recherchen gestern schrieb, ist die Umsetzung der „25%-Klausel“ aber nicht mehr das Problem. Vielmehr seien bei der DEL Zweifel im Hinblick auf die Budget-Gestaltung der Haie aufgekommen.

Wie zuletzt nach außen getragen, suchen die Haie noch zwei bis drei „Königstransfers“: Einen ausländischer Top-Goalie, einen Top-Mittelstürmer und eventuell einen Top-Verteidiger. Diese Verpflichtungen gibt das aktuelle Budget aber offenbar nicht mehr her. Die Finanzierungsidee des KEC über einen externen Sponsor erschien der DEL möglicherweise so erörterungsbedürftig, dass besagte Anhörung auch dieses Thema gehabt haben könnte.

Positive wirtschaftliche Nachrichten während der Pandemie

Der KEC hatte während der Pandemie Zweifel in Sachen Etatfragen gar nicht erst aufkommen lassen. Strategisch früh wurde der Aufstieg im Partnerpool von „Merbeck Gebäudereinigung“ zum Premium-Partner verkündet. Auch die Verlängerung der „RheinEnergie“ als Hauptsponsor war ein enorm wichtiges, positives Zeichen. Die Haie betonten weiterhin ihre Rolle als Multiplikator, etwa, wenn sie über die Unterstützung von Toyota für Moritz Müllers` “Localoos” oder die Toyota Crowd berichteten. Einem fast „Haimspiel“-gleichen Wortspiel verdankt auch eine neue App für die Partner-Unternehmen ihren Namen „BISSness App“.

Alle diese positiven Nachrichten hatten zum Ziel, einerseits die reine Information zu verkünden, andererseits Beruhigung im Umfeld im Hinblick auf die wirtschaftliche Gesamtsituation des Clubs zu schaffen.

Die Sponsorenstruktur des KEC basiert auf einigen großen Sponsoren, aber gleichzeitig auch auf einem sehr großen Pool sehr viel kleinerer Sponsoren. Wie genau sich der Mix darstellt und welche Auswirkungen die Pandemie auf die Masse der Sponsoren hat und ob die DEL an dieser Stelle Nachfragen hatte, verbleibt in der KölnArena2.

Bedenken ausgeräumt – DEL-Lizenzerteilung offenbar gelungen

Die zunächst unorthodox wirkende Konstruktion der Budget-externen Finanzierung von Spielern ist weder in Köln, noch im deutschen Eishockey ungewöhnlich. Mehrfach sickerte in der Vergangenheit durch, dass einzelne Spieler von externen Sponsoren finanziert wurden. Fraglich scheint allerdings, dass bzw. ob gleich bis zu drei sehr teure Spieler des Kaders so finanziert werden sollen.

Wichtig ist primär, dass die Lizenzerteilung des KEC nach der Anhörung genehmigt worden sei. Das berichtet die Rundschau ebenso, wie indirekt die Zeitungen an anderen DEL-Standorten. Der entscheidende Satz: Alle 14 DEL-Klubs werden die Spielberechtigung erhalten. Kein Club ist “durchgefallen”.

Nach Nachbesserungen wurde die Lizenzierung nun geschafft. Wie siehst du die Haie für die Zukunft aufgestellt?

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Über den Autor: René Guzmán

René hat Haimspiel.de 2003 zusammen mit Dennis gegründet. Mit Tobias hat er die allererste Radioübertragung aus Iserlohn gesendet. Er war Mitglied des Vorstandes des KEC "Die Haie" e.V., 2010 war er an der Organisation der Ausstellung "Powerplay - Eishockey in Köln" zur Eishockey-WM im Deutschen Sport und Olympia-Museum beteiligt, hat seine Staatsexamensarbeit zum Thema "Eishockey in Deutschland bis 1945" verfasst und z.B. das "Wir sind Haie!"-Logo und das Logo des Haie-Fanprojekts entworfen.

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6 Kommentare

  1. Ich
    09.07.2020

    Die Votes “Ich sehe sehr viele Baustellen beim KEC und jetzt mussten die Haie auch noch bei der Lizensierung nachbessern. Den Haien steht eine schwierige Zukunft bevor!”

    Welchen Verein betrifft das aktuell nicht im Sport? Wer kann hier eine Vorhersage der Zukunft machen?
    Deshalb finde ich, ist das aktuell kein spezielles Haie Thema, eine schwierige Zukunft!

  2. Alexander
    10.07.2020

    Was hilft es uns das wir eine Lizenz haben wenn wir gar nicht wissen ob es eine Saison gibt mit wie vielen spielen,mit oder ohne Playoffs?das steht nicht fest da keiner sagen kann ob sich noch Menschen infizieren wenn man kein sicheres Hygienekonzept oder in jedem Stadion was anderes gilt und Menschen sterben macht das nicht glücklich das sollte man nicht vergessen bei aller euphorie es muss an soviel gedacht werden das eine Saison eigentlich keinen Sinn macht wie man das Personal in der Halle zahlt wenn keine Veranstaltungen stattfinden dürfen das weiss ich nicht aber dass müssen andere Leute entscheiden Corona gibt es ja nicht erst seit gestern.

  3. Ich
    11.07.2020

    EHN… “Ein größeres Problem war nach Informationen unserer Zeitung allerdings bei einem Club aufgetreten, der individuelle Vereinbarungen mit seinen Spielern getroffen hatte. Dieses Konstrukt wurde offenbar zunächst nicht anerkannt. Nachträglich sollten auch hier die pauschalen Vereinbarungen unterschrieben werden.”

  4. Diethelm Lambert
    11.07.2020

    In diesem Jahr wird es kein Eishockeyspiel mit Zuschauer mehr geben. Es sieht sogar danach aus, dass die komplette Saison 2020/2021 ausfällt. Der Eishockeysport in Deutschland steht vor dem Aus. Das ist die Realität , damit sollte man sich abfinden.

  5. Bernd Conrads
    20.07.2020

    Nicht nur das Eishockey steht – unter den jetzigen Umständen – vor dem Aus. Handball oder Basketball (o.k. die Liga hat ihre Saison gerettet und einen Meister, aber ein Modell für eine ganze Spielzeit ist das nicht) sind genauso betroffen. Einzig Fußball wird das überstehen, wenn auch nicht in der Form oder Zusammensetzung, die wir kennen. Dann werden eben 10 von 10 Sportübertragungen im TV Fußball sein und natürlich alle 10 mit dem einen Verein. Mann, davon habe ich schon immer geträumt!

    Ob’s soweit kommt? Unklar. Aber: ohne Zuschauer keine DEL oder DEL2. Der Saisonstart ist auf November verschoben, aber der Termin ist – wie eigentlich alles, was zur Zeit mit diesem Thema zu tun hat – höchst unsicher. D.h.: abwarten. Aber ich gebe zu, daß auch ich nicht optimistisch bin.

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