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“Jeder hofft, dass es so schnell wie möglich weitergeht.” – Draisaitl & Co im Interview

Screenshot aus der Videokonferenz.

Das Covid19-Virus hat (auch) die Eishockey-Welt eiskalt erwischt. Während die DEL ihre Saison nach kurzer Diskussion vorzeitig abbrach, verharren die NHL-Spieler im Wartemodus und hoffen auf eine Wiederaufnahme der Saison. Das Vakuum füllen die Ligen, die Clubs, aber auch die Spieler mit immer neuen Medienformaten. In einem launigen, gemeinsamen Interview gaben gestern Leon Draisaitl, Philipp Grubauer, Dominik Kahun und Tobias Rieder via Konferenzschaltung einen Einblick, wie sie ihren Alltag in Zeiten von Covid19 gestalten.

Wenn Mannschaftssportler alleine trainieren müssen

Nicht umsonst absolvieren die deutschen Spieler der Kölner Haie – regelmäßig auch mit Leon Draisaitl – im Sommer gemeinsame Einheiten in der KölnArena 2. Eishockeyspieler sind Mannschaftssportler. Während der Pandemie müssen sie zu Individualsportlern mutieren, die ihre Übungen ausschließlich alleine und abseits des Eises absolvieren.

Wo, da hat jeder Spieler sein eigenes Konzept. Während Draisaitl in Edmonton und Grubauer in Denver blieb, zog es Kahun und Rieder in die Heimat, nach Regensburg bzw. Landshut.

Beim „Wie?“ sind die Unterschiede marginal. Laufen, Radfahren und mit Gewichten oder dem eigenen Körpergewicht sowie Übungen zum Stickhandling sind die Mittel der Wahl. „Ich probiere natürlich mich tagtäglich ein bis zwei Stunden zu bewegen, um so gut es geht fit zu bleiben. Das ist natürlich nur beschränkt möglich“, so Draisaitl.

Beschränkte Möglichkeiten sorgen für Sommer-Feeling

Die Entscheidung die Saison zu unterbrechen, erwischte jeden der Spieler sichtbar auf einem anderen Fuß. Dominik Kahun war gerade nach Buffalo getradet worden: „Bei mir in Buffalo hat es gerade riesig Spaß gemacht. Ich habe leider nur sechs Spiele spielen können. Deswegen wäre ich froh, wenn es wieder losgehen würde“, erklärt Kahun.

Nach dem Wiedereinstieg stünden rasch die Playoffs an, die Rieder bereits andenkt: „Mittlerweile kommt es einem langsam vor, als wäre es Sommer und man freut sich schon wieder auf die neue Saison. Jeder hofft, dass es so schnell wie möglich weitergeht. Und dann wird es auch ein bißchen anders sein, wenn wir nur ein paar Spiele haben und dann gleich in die Playoffs gehen.“

Klarer Schnitt war des einen Freud, des anderen Leid

Ihren Vorteil aus dem Saisonstopp ziehen Grubauer und die Colorado Avalanche. Während Grubauer kurz vor dem Saisonstopp von einer Unterkörperverletzung genesen war, glich seine Mannschaft eher einem Lazarett. „Zu dem Zeitpunkt waren neun oder zehn Stammspieler verletzt“, erklärt Grubauer. Der Saisonstopp „kam zur richtigen Zeit, sonst wären wir in die Playoff-Show mit einem AHL-Kader gegangen.“

Für einen Goalie stellt das Einzeltraining indes eine ganz besondere Herausforderung dar: „Die Hand-Augen-Koordination ist jetzt natürlich auf null. Man bekommt ja keine 500, 600 Schüsse um die Ohren geballert jeden Tag. Wenn man das eine Woche oder zwei nicht mehr macht, dann verliert man da schon sehr schnell etwas. Viel kann man da nicht machen. Es ist schwierig im Moment.“

Auch glaubt Grubauer, dass die Wertschätzung für die gemeinsame Zeit in der Kabine und auf dem Eis nach der Corona-Zeit deutlich gesteigert sein wird: „In der Gruppe hat man Spaß, das macht das Ganze im Eishockey ja aus. Natürlich ist das hier in der Liga irgendwo Business, aber ich denke mal: Nur wenn du Spaß hast, bist du auch erfolgreich.“

Talente rücken nach, Draisaitl geht voran

Auf die drei Top-Kandidaten für den NHL-Draft 2020 – Tim Stützle, John-Jason Peterka und Lukas Reichel – angesprochen, zeigt sich, dass schon eine neue Seite im Buch „Deutsche in der NHL“ aufgeschlagen wurde.

Denn: Neben freundlichen Floskeln konnte sich keiner der Spieler mehr konkret zu den Leistungen der Nachwuchshoffnungen äußern – zu viele Jahre Distanz liegen schon zwischen ihnen. Festzustellen ist aber der kontinuierliche Zustrom von deutschen Spielern in die NHL der letzten Jahre, sowie die Tatsache, dass sich diese dort etablieren konnten. Umso mehr wurde dann auch deren Bedeutung als Nachrücker betont.

Einen maßgeblichen Einfluss für die gesteigerte Wahrnehmung deutscher Spieler sieht Dominik Kahun in der Leistung von Leon Draisaitl: „Natürlich wird das deutsche Eishockey in der NHL immer größer. Vor allem auch mit Leon, da er so spielt, wie er spielt. Da machst du natürlich gute Werbung für das deutsche Eishockey.“

Entwicklung des deutschen Eishockeys

„Es geht schon alles in die richtige Richtung!“, fasst Tobias Rieder die Entwicklung des Deutschen Eishockeys zusammen. Es fällt allen Spielern jedoch schwer, zentrale Dinge zu benennen, die das deutsche Eishockey positiv verändert haben.

Namen werden genannt: Franz Reindl, Stefan Schaidnagel, Marco Sturm, aber vor allem auch die Nachwuchsarbeit. „Alle die mit angepackt haben, haben es ganz gut gemacht“, so Grubauer. „Es ist natürlich schön zu sehen, wenn man immer mehr junge deutsche Spiele sieht, die den Sprung nach Nordamerika wagen und es auch schaffen“, fasst Rieder zusammen.

“Skating-Scharte” ausgewetzt

Darauf angesprochen, dass er als 15 oder 16jähriger sein Skating eins der Dinge sei, die er verändern musste und wie er dies geschafft habe, antwortete Draisaitl recht nüchtern:

„In dem Alter hat jeder Spieler eine Sache, die er nicht so gut kann wie die anderen Sachen. Für mich war das immer mein Schlittschuhlaufen. Da hatte ich enorme Schwächen. Ich habe einen Fokus darauf gelegt, vor allem im Sommer mehr Kraft, mehr Explosivität, mehr Power aufzubauen. Zum Glück hat sich das für mich so entwickelt, dass es jetzt nicht mehr der Fall ist, dass ich läuferisch hinterherhinke.“

4-Spieler-Chat als Beispiel für neue Formate

Das Interviewformat, welches sich als seichtes “Gute Laune Interview” herausstellte, erlaubte zum Beispiel keine Nachfragen. Der inhaltliche Wert von Fragen, nach beispielsweise Spielern, die dringend zum Friseur sollten, hält sich natürlich stark in Grenzen.

Dennoch steht das Interview in einer Reihe mit anderen Versuchen der Eishockey-Verantwortlichen, die extra-große Pause mit medialem Eishockey-Content zu füllen. Eine absolut positive Entwicklung, von der sich aber erst herausstellen muss, ob sie nach der Corona-Zeit weiter Bestand haben wird.

Zurzeit entstehen viele neue Eishockey-Formate. Wie siehst du die Entwicklung?

Über den Autor: René Guzmán

René hat Haimspiel.de 2003 zusammen mit Dennis gegründet. Mit Tobias hat er die allererste Radioübertragung aus Iserlohn gesendet. Er war Mitglied des Vorstandes des KEC "Die Haie" e.V., 2010 war er an der Organisation der Ausstellung "Powerplay - Eishockey in Köln" zur Eishockey-WM im Deutschen Sport und Olympia-Museum beteiligt, hat seine Staatsexamensarbeit zum Thema "Eishockey in Deutschland bis 1945" verfasst und z.B. das "Wir sind Haie!"-Logo und das Logo des Haie-Fanprojekts entworfen.

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