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DEL verliert Profi-Schiedsrichter Howard

“Professionalisierung” war das gut klingende Schlagwort, als die DEL zur Saison 2018/2019 die Anzahl ihrer Profi-Schiedsrichter erhöhte. Die mehr als Verdoppelung von drei auf sieben Profis bedeutete, dass theoretisch jede Partie jedes Spieltages von einem solchen hätte geleitet werden können.

Die Idee hinter dem Profi-Schiedsrichtertum ist simpel: Hauptamtliche können sich bestmöglich auf diese Aufgabe konzentrieren. Sie können sich in einem größeren Ausmaß austauschen, Spiele und Handlungen reflektieren, lernen, trainieren. Mit Lasse Kopitz kam ein ehemaliger Nationalspieler in das Profi-Team, dazu Marc Iwert und zwei international renommierte Kräfte. Neben dem – den deutschen Fans aus dem Olympia-Finale bekannten – Finnen Aleksi Rantala auch der amerikanische AHL-Schiedsrichter Andrew Howard.

Gestern dann der Paukenschlag: Wie die EishockeyNews berichtete, hat Howard hat die DEL verlassen und erhebt auf Nachfrage nun Vorwürfe. Diese Vorwürfe erlauben einen Einblick in den Stand der Professionalität der Liga, der doch eben angehoben werden sollte.

Professionalität auf dem Prüfstand

Stein des Anstoßes war für Howard offenbar das wenig wertschätzende Agieren der Liga ihm gegenüber. Dies bezieht sich auf seine Entlohnung, die Einhaltung von mündlich getroffenen Vereinbarungen und mangelnde Kommunikation. Der Amerikaner arbeitete bisher im Rahmen eines Probevertrags bis zum 4. November und verhandelte mit der Liga über einen neuen Vertrag. Die Liga scheint mit seiner Leistung zufrieden gewesen zu sein, denn Howard erklärt, ihm habe ein neues, “tragfähiges” Vertragsangebot für den Rest der aktuellen und der kommenden Saison vorgelegen.

Warum ist Howard dann aber zurück in die Staaten geflogen?

Zunächst legt die EishockeyNews ein ganzes Füllhorn an Problemen offen. Der Amerikaner berichtet, dass ihm mündlich zugesichert worden sei, dass entstandene Kosten für Flüge in Höhe von 3500,- Dollar zurückgezahlt werden würden – was offenbar nicht geschah. Er bezeichnet diese Flugkostenerstattung als etwas, was für die DEL-Clubs mit Kontingentspielern „Standard“ sei. Sein Gehalt und weitere Ausgaben seien zudem zu nicht nachvollziehbar unregelmäßigen Zeitpunkten gezahlt worden.

Überhaupt hätte seine je einmal in englischer und deutscher Sprache verfassten Verträge unterschiedliche Angaben und Zahlen enthalten. Gleichzeitig bemängelt er, dass sein Salär sich nur auf dem Niveau von Nicht-Profi-Schiedsrichtern der DEL und DEL2 befunden hätte. Rund 7000,- Euro kann ein Schiedsrichter in der DEL pro Monat verdienen. Unklar ist, ob es eine gewisse Gehaltshierarchie gibt.

Differenzierung zwischen Verwaltung und Schiedsrichterwesen

Insbesondere bemängelt Howard den Kommunikationswillen von Ligenleiter Gernot Tripcke. Dieser sei für ihn “nie” zu erreichen gewesen. Weder auf Emails, Anrufe oder Textnachrichten habe er geantwortet.

Die EishockeyNews zitiert Howard dahingehend, dass er seine professionelle Arbeit von der Liga nicht wertgeschätzt sehe. Dass sie „nicht von Bedeutung oder für meinen Arbeitgeber, die DEL, nur Nebensache“ sei. Ausdruck dessen sei auch, dass Tripcke nun während den laufenden Vertragsverhandlungen in Urlaub gefahren sei.

Deutlich differenziert Howard aber zwischen der Ligenleitung und dem Schiedsrichterwesen unter der Leitung von Lars Brüggemann. Dieser sei ein echter Profi, dessen Arbeit, Vision und Persönlichkeit Howard in hohen Tönen lobt. Dieser sei der “beste Schiedsrichterchef”, unter dem er bisher gearbeitet habe.

Die Tür bleibt offen – auf Howards Seite

Grundsätzlich erklärt Howard gegenüber der EishockeyNews, er habe viel Respekt von den anderen Schiedsrichtern, aber auch Spielern, Trainer und Manager der Liga erhalten. Er habe die Zeit in Deutschland sehr genossen und sei sehr unterstützt worden.

Howard ist indes bereits wieder in der AHL tätig. Er leitete bereits unter seiner Schiedsrichternummer 50 zwei Spiele der Texas Stars gegen die Iowa Wild am 19.10. und 20.10.. Eine Rückkehr in die DEL kann er sich dennoch vorstellen und strebt er offenbar sogar an: Nach einer in einem Vertrag schriftlich fixierten Lösung

Liga kommentiert nicht, EishockeyNews löscht, Stand der Professionalisierung

Weder zu dem Abschied ihres Schiedsrichters, noch zu den Vorwürfen äußerte sich die DEL bisher. Die EishockeyNews nahm ihren Artikel jedoch nach einem Tag wieder offline – ebenfalls kommentarlos. Dieses Vorgehen beider Seiten blieb in Zweiten des Internets natürlich nicht unentdeckt und weckte bei vielen Fans überhaupt erst das Interesse am Thema.

Es bleibt abzuwarten, ob einerseits Howard erneut auf DEL-Eis zu sehen sein wird und wie die Liga den Abgang  bzw. die Wiedereinstellung kommunizieren wird. Interessant ist die Reflexion der Strukturen und Abläufe der DEL durch einen an den US-amerikanischen Standard gewöhnten Schiedsrichter allemal.

Die Darstellungen Howards stellen eine Schere zwischen dem erreichten Level der Professionalität auf und neben dem Eis dar.

Man muss Howard die Qualifikation zugestehen, sich über den Zustand des deutschen Schiedsrichterwesens zu äußern. Sein Lob an Lars Brüggemann hat Gewicht. Man muss zur Kenntnis nehmen, dass an dieser Stelle ein sehr guter Mensch agiert und das Schiedsrichterwesen professionell weiterentwickelt. (In diesem Kontext unsere Umfrage vom 20.10.2018: Sollen Schiedsrichter auch in der DEL via Mikro am Trikot ihre Entscheidungen erklären können?)

Sollen Schiedsrichter auch in der DEL via Mikro ihre Entscheidungen erklären können?

Gleichzeitig erscheint die Liga im Anbetracht der Vorwürfe unstrukturiert und im Verhältnis unprofessionell. Insbesondere die mangelnde Kommunikation ist etwas, was in der dargestellten Absolutheit (“nie”) den Fans kaum vermittelbar ist. Es ist nun an der Liga, diese aufgedeckten Probleme zu überprüfen, sich selbst zu hinterfragen und Lösungen zu suchen.

Offenbar erwischte Howard das DEL-Büro in einer Phase des Umbruchs. Dem Vernehmen nach werden Matthias Schumann (Leiter Kommunikation) und Alexander Morel (Redaktion / Abt. Medien Nationalmannschaft) in den kommenden Monaten die Liga verlassen. Beide sind jedoch nicht für die Kommunikation zwischen Ligenleitung und Profi-Schiedsrichter zuständig.

+++ Update: Ausführlicher EishockeyNews-Artikel +++

Am Sonntagabend hat die EishockeyNews einen erweiterten Artikel online gestellt. Ergänzt wurden die Aussagen Howards um Stellungnahmen von Ligenleiter Gernot Tripke sowie weitere Aussagen Howards zum Thema.

Über den Autor: René Guzmán

René hat Haimspiel.de 2003 zusammen mit Dennis gegründet. Mit Tobias hat er die allererste Radioübertragung aus Iserlohn gesendet. Er war Mitglied des Vorstandes des KEC "Die Haie" e.V., 2010 war er an der Organisation der Ausstellung "Powerplay - Eishockey in Köln" zur Eishockey-WM im Deutschen Sport und Olympia-Museum beteiligt, hat seine Staatsexamensarbeit zum Thema "Eishockey in Deutschland bis 1945" verfasst und z.B. das "Wir sind Haie!"-Logo und das Logo des Haie-Fanprojekts entworfen.

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2 Kommentare

  1. Alexander
    28.10.2018

    1.Die Spieler in der Liga müssen insgesamt jünger werden damit würde der Sport schneller werden denn junge Menschen sind konditionell einfach besser was sicher auch Auswirkungen auf die Einschaltquote hätte.2.Regionale Fernsehprogramme sollten mehr Live-Eishockey zeigen dürfen.

    2.Sollte jede Profi Liga jemanden abstellen der Vereine überprüft wie da gearbeitet wird was z.b.Insolvenzen verhindert.Es kann doch nicht sein dass es Veranstaltungen gibt wo Essen oder Trinken nicht genug vorhanden ist oder wie ist die Möglichkeit für Menschen mit Handicap an Saisoneröffnungen/Abschlüssen teil zu nehmen und wie ist die Toiletten Situation geregelt?Gibt es in jeder Halle genug Sicherheitspersonal und Sanitäter?

  2. D. Lambert
    28.10.2018

    Die DEL äussert sich schon seit Langem nicht mehr zu wichtigen sportlichen Angelegenheiten. Eine geschlossenen Gesellschaft, die den Bezug zur Realität komplett verloren hat. Jeder Kaninchenzuchtverein wird professioneller geführt und geniesst mehr Anerkennung in der Gesellschaft, als diese arroganten, hochnäsigen Selbstdarsteller der DEL. Unter diesen Vorraussetzungen verliert diese Randsportart weiterhin immens an Bedeutung und Aufmerksamkeit. Dabei wollte man eigentlich den Rückenwind unserer Olympiahelden nutzen.

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