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Warum die DEL richtig, aber auch falsch liegt

Foto: Basti Sevastos.
Foto: Basti Sevastos.

Die Diskussionen um die Schiedsrichterleistungen in der Deutschen Eishockey Liga reißen nicht ab. Auf der Pressekonferenz nach dem Hauptrundenspiel der Adler Mannheim gegen die Fischtown Pinguins übte Bremerhaven-Trainer Thomas Popiesch harsche Kritik an den Schiedsrichterentscheidungen und entflammt damit wieder einmal die schwelende Diskussion um die Schiedsrichter der DEL. Doch liegt das eigentliche Problem wirklich bei den Schiedsrichtern selbst oder aber bei den Verantwortlichen der DEL?

Popiesch: „Schiedsrichter schützen die Spieler nicht ausreichend“

Nach der 6:5-Auswärtsniederlage war der Frust der Bremerhavener natürlich groß und diesen Frust versteckte Popiesch auch nicht. In ungewohnter Härte kritisierte er auf der Pressekonferenz nach dem Spiel vor allem die Schiedsrichter der Partie: „Die Aggressivität der Mannheimer ist okay, das muss man einfach so sehen. Aber wenn ich sehe, dass wir Spieler verlieren mit Check gegen den Kopf, in die Bande rein mit allem Drum und Dran – da sind die Schiedsrichter schon da, die Spieler [zu] schützen. Das habe ich heute ganz klar nicht gesehen.“

Als wäre das nicht schon genug setzte er auf seine Kritik noch einen drauf: „Ich sehe das jetzt nicht beim ersten Spiel, sondern bei mehreren hintereinander vom selben Schiedsrichter. Wenn das gang und gäbe ist, dann weiß ich nicht mehr in welche Richtung wir uns bewegen. Wir sollen und wollen nicht immer kritisieren, sondern einfach nur mal Fakten auf den Tisch legen. Da muss ich einfach sagen, das ist nicht der Weg gewesen, den ich mir heute vorgestellt habe.“

Zwischen den Zeilen liest sich ein gewisser aufgestauter Frust und das liegt nicht nur an den teils zweifelhaften Schiedsrichterentscheidungen, die sich wie ein roter Faden durch die Hauptrunde ziehen. Eine weitere Ursache scheint das Kritik-Verbot für die Trainer und Spieler der DEL zu sein, das jegliche kritische Äußerungen zu Schiedsrichterentscheidungen untersagt.

Pavel Gross: „Wir haben ein Pflaster auf den Mund bekommen“

Der Cheftrainer der Adler Mannheim übte auf der Pressekonferenz ebenfalls scharfe Kritik. Jedoch richtete er diese nicht an die Schiedsrichter, sondern an diejenigen, die das Kritik-Verbot zu Anfang der Saison beschlossen haben: „Gebe ich dem Schiedsrichter die Schuld? Die gebe ich unseren Managern, unserer Liga, der DEL. Die Manager haben es einfach abgesegnet. Die Manager haben auch gesagt: „Okay, wir dürfen die Schiedsrichter nicht kritisieren.“. […] Das war die Mehrheit und es ist einfach so. Dann müssen wir einfach die Schnauze halten.“.

Diese emotional vorgetragene Kritik von Adler-Coach Pavel Gross offenbart gewissermaßen ein großes Problem der DEL. Das Kritik-Verbot und die damit einhergehende, fehlende öffentliche Diskussion über Schiedsrichterentscheidungen. Vor allem seitens der betroffenen Trainer sowie Spieler verschärft die Situation viel mehr, als sie entschärft. Vielleicht mag der Grundgedanke hinter diesem Verbot kein schlechter gewesen sein, nämlich die Schiedsrichter vor destruktiver Kritik in Schutz zu nehmen. Aber beweist diese denkwürdige Pressekonferenz nicht genau das Gegenteil?

Aus den Worten des Mannheimer Cheftrainers lässt sich sogar durchaus ein schwerwiegender Vorwurf an die Bosse der Liga heraushören. Indirekt behauptet Pavel Gross, dass die Deutsche Eishockey Liga nicht mit Kritik umgehen könne: „Warum sollten wir über die Schiedsrichter reden? Es ist alles verboten hier in der Liga. Es ist alles verboten, dieses Pflaster haben wir auf den Mund bekommen. Diese Liga wird dadurch nur ganz schwer besser, weil wir eigentlich keine öffentliche Kritik haben. Da sind unsere Fußballer einfach meilenweit vorne. Deswegen ist es eine der besten Ligen auf der ganzen Welt, weil man mit positiver Kritik auch umgehen kann.“

Es gibt mittlerweile zumindest genug Nährboden, um die Vermutung aufstellen zu können, dass die Verantwortlichen der Deutschen Eishockey Liga die fehlende Einsatzbereitschaft, auf konstruktive Kritik – auch wenn sie emotional und sehr direkt geäußert wird – einzugehen, mit einem Kritik-Verbot kaschieren wollen.

Konstruktive Kritik als Basis für Verbesserung und Fortschritt

Die Frage, die sich nun stellt, ist folgende: „Was wäre die angemessene und adäquate Reaktion auf öffentliche Kritik gegenüber den Schiedsrichtern der DEL?“ Die Verantwortlichen der DEL liegen zwar richtig damit, die Referees vor zu destruktiver Kritik zu schützen. Sie liegen aber vor allem falsch, wenn sie jegliche Kritik an den Unparteiischen verbieten.

Eine Möglichkeit, die Schiedsrichter mehr zu schützen, könnte sein, dass die Unparteiischen, wie es beispielsweise in der NHL üblich ist, ihre Entscheidungen während des Spiels begründen können. Häufig sind die Zuschauer in den Arenen ratlos und können nicht nachvollziehen, warum der Schiedsrichter jetzt in einer bestimmten Situation eine bestimmte Entscheidung trifft. Die Folge ist, dass sich die Gemüter auf den Rängen unnötig erhitzen, was wiederum dazu führt, dass teils herabwürdigende Äußerungen von den Fans getätigt werden. Es geht hier nicht darum, ein derartiges Verhalten zu entschuldigen oder zu rechtfertigen, sondern vielmehr darum, etwas zu tun, um die Schiedsrichter und Linesmen auf dem Eis zu schützen.

DEL muss mehr in Profi-Schiedsrichter investieren

Eine weitere und eventuell viel notwendigere Maßnahme wäre, mehr Profi-Schiedsrichter auszubilden. Mit deutlich mehr Zeit, Geld und Mühe darin etwas bewegen zu wollen. Zwar wird es so manche Fehlentscheidung nicht verhindern. Aber eine bessere und professionellere Ausbildung würde doch die immer wieder aufflammende Kritik an den Entscheidungen der Referees potenziell eindämmen. Es ist nicht anzuzweifeln, dass die DEL sich um eine gute Ausbildung von Spieloffiziellen bemüht. Aber es scheint ja doch so zu sein, dass das Engagement und die Investitionen nicht ausreichen, um den schwelenden Brand der Schiedsrichterdiskussionen zu löschen.

Grundsätzlich sollten Schiedsrichter, egal welcher Sportart, vor diffamierender und destruktiver Kritik von ihrem jeweiligen Verband geschützt werden, keine Frage. Dies hat der Fall „Babak Rafati“ mehr als nur deutlich gemacht. Doch es genügt bei Weitem nicht, einfach nur jegliche Kritik zu verbieten. Konstruktive Kritik und eine öffentlich geführte Diskussion über offensichtliche Missstände sind die Basis für Verbesserung und Fortschritt. Doch das Kritik-Verbot erstickt solche Entwicklungen bereits im Keim.

Haben Groß und Popiesch recht mit ihrer Kritik an die DEL?

Über den Autor: Yannick Schmitz

Yannick ist 2014 für sein Studium der Fächer Geschichte & Philosophie an der Universität nach Köln gezogen. Mit dem ersten Besuch eines Heimspiels der Kölner Haie im Oktober 2015 ist seine Leidenschaft für den Eishockeysport entfacht. Es folgten die Mitgliedschaft im Haie-Fanprojekt und schließlich auch das Engagement für haimspiel.de.

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    6 Kommentare

    1. lammi
      25.02.2019

      Solange die DEL keine konstruktive Kritik an den immer schlechter werdenden Linesman und Hauptschiedsrichter erlaubt und zulässt, werden die katastrophalen Leistungen der Refs sogar indirekt noch gefördert und deshalb immer mehr Fans dieses tollen Sports vergrault. Die Verantwortlichen der DEL geben sich rasend schnell immer mehr der Lächerlichkeit preis. Das Umfeld der Handballer und Basketballer nehmen diese Tatsache schmunzelnd zur Kenntnis.

    2. Sockenträger
      25.02.2019

      Ich finde es nicht richtig das die Schiedsrichter bei der Pressekonferenz nicht rede und Antwort stehen müssen. Fehler passieren ganz klar,aber so viele Fehler wie bei den DEL Spielen passieren , das ist unfassbar. Meiner Meinung nach liegt es unter anderem daran, das keine Kritik geübt werden darf. Es ist immer besser das Kind beim Namen zu nennen, dann ändert sich auch mal was. Es gab in dieser Saison schon mehrere harte Faul die nicht bestraft oder in meinen Augen zu lasch bestraft wurden, das darf einfach nicht sein.

    3. Alexander
      23.02.2019

      Unser Problem in Köln sind nicht die Schiedsrichter sondern unsere Arena.Es kann doch nicht sein dass man vor oder in den Drittelpausen ständig zum Info Counter gehen muss da Toiletten verschmutzt sind,die Stühle für Begleitpersonen der Rollstuhlfahrer wackelig sind,das am Würstchenstand die Papiertücher aus dem Lager geholt werden müssen obwohl das Spiel noch nicht Angepfiffen war,am Dauerkarteneingang gibt es Löscher im Boden wo ist da die Sicherheit der Fans Gewähr leistet?schließlich zahlt man viel Geld als Fan/Zuschauer und es heisst doch immer der Kunde ist König also muss es schnellst möglich Verbesserungen geben zu guter letzt muss ich auch noch von meiner Begleitperson hören dass es seit Wochen kein Licht auf dem Weg zur Damentoilette gibt.

    4. peppi2k
      22.02.2019

      Ich würde mir mit Blick in andere Ligen wünschen, unsere Hauptschiedsrichter müssten vor Ort per Mikro die Strafen und Entscheidungen selbst ansagen. Gerade das CHL Finale oder auch der Spengler Cup waren da ein Lichtblick. Warum geht das in anderen Profi-Ligen nur bei uns wieder nicht. So hat man auch gerne den Eindruck, der Schiedsrichter “versteckt sich” oder genießt den Schutz der Sprecherbank. Auch das CHL Video zur Seidenberg Sperre ist sehr aufschlussreich. Warum nicht auch wieder in der DEL die Entscheidungen des Disziplinarausschusses in Videobegründung so nachhaltig anbieten. Dann würde sich auch evtl. eine Linie oder eine Konsequenz zeigen. Oder eben genau nicht! Ich meine das gab es doch mal bis Saison X mit Videos auf der DEL Site unter “Strafbank”? Jedenfalls muss sich was tun. PS: Das CHL Video ist dieses hier: https://youtu.be/_9R-3yVGyDA

    5. Jack Drossard
      22.02.2019

      Hervorragender Komentar, die Schiedsrichterleistungen auch gerade hier in Köln sind seit über 2Jahren katastrophal, das Fehler passieren ist normal, wir sind alle nur Menschen, aber pro Spiel mindestens 10 Fehler seitens Linienrichter (z.B. Icing) und Hauptschiedsrichter die nicht mal 2m vom Geschehen entfernt sind und nicht reagieren (wollen?) ist einfach nicht hin nehmbar.

    6. Peppi
      22.02.2019

      Ich würde mir mit Blick in andere Ligen wünschen, unsere Hauptschiedsrichter müssten vor Ort per Mikro die Strafen und Entscheidungen selbst ansagen. Gerade das CHL Finale oder auch der Spengler Cup waren da ein Lichtblick. Warum geht das in anderen Profi-Ligen nur bei uns wieder nicht. So hat man auch gerne den Eindruck, der Schiedsrichter “versteckt sich” oder genießt den Schutz der Sprecherbank. Auch das CHL Video zur Seidenberg Sperre ist sehr aufschlussreich. Warum nicht auch wieder in der DEL die Entscheidungen des Disziplinarausschusses in Videobegründung so nachhaltig anbieten. Dann würde sich auch evtl. eine Linie oder eine Konsequenz zeigen. Oder eben genau nicht! Ich meine das gab es doch mal bis Saison X mit Videos auf der DEL Site unter “Strafbank”? Jedenfalls muss sich was tun. PS: Das CHL Video ist dieses hier: https://youtu.be/_9R-3yVGyDA

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