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Vor Spiel 5: Schlüsselfaktor Geduld

Ryan Jones - Foto: Andreas Dick

Für die Kölner Haie heißt es in Spiel 5: Zurück zu defensiver Ordnung finden. Außerdem gilt es, die wichtigste aller taktischen Vorgaben einzuhalten: Geduldig spielen. Zu sehr die Entscheidung herbeizwingen zu wollen, ist den Haien in ihren beiden Heimspielen zum Verhängnis geworden. Die Serie bekommt etwas von einem „Staring Contest“: Wer zuerst blinzelt, verliert.

Nürnberg steigert Effizienz vor dem Tor

Es lohnt sich grundsätzlich immer, in die Spieltagsvorschauen von Olaf Edig auf Eingenetzt zu schauen. In den Playoffs aber nochmal mehr. In seinem Ausblick auf die 5. Spiele in den Viertelfinalserien untermauern die Zahlen den Eindruck, den man vom Spiel 4 zwischen den Kölner Haien und den Thomas Sabo Ice Tigers schon beim Zuschauen gewonnen hat: Die Nürnberger werden effektiver vor dem Tor.

Bis einschließlich Spiel 3 lag die Schusseffizienz der Haie in den Playoffs bei 10,42%, die der Ice Tigers bei gerade mal 5,83%. Nach Spiel 4 sind die Werte dichter zusammengerückt: Köln 9,84%, Nürnberg 6,92%.

An der Steigerung der Nürnberger hatte die zeitweise desolate Abwehrleistung der Haie im ersten Drittel einen großen Anteil. Zu leicht hatten es Wesslaus Vorderleute Fox beim 1:0 gemacht. Zu langsam war die Reaktion der Haie-Verteidiger bei dem Rebound, den Segal über die Linie brachte.

Zumindest personell wird sich in der Defensive die alte Ordnung wieder einstellen, denn Fredrik Eriksson ist nicht mit der Mannschaft nach Nürnberg gereist. Damit werden wohl die gewohnten und aufeinander eingespielten Verteidigerpaare am Freitagabend zum Einsatz kommen. Auch Justin Shugg fehlt dem KEC weiterhin verletzt.

Überraschungsmomente gegen gewachsene Substanz

In den ersten vier Partien hat Peter Draisaitl seine Ankündigung in die Tat umgesetzt und in den Sturmformationen keinen Stein auf dem anderen gelassen. Durch alle vier Reihen gingen die Änderungen von Spiel zu Spiel, selbst innerhalb eines Spiels. Der Kölner Headcoach gibt seinem Gegenüber wenig, worauf er sich einstellen kann.

Rob Wilson baut auf mehr Konstanz. Seit Routinier Steven Reinprecht in Spiel 2 die diesjährige Playoff-Bühne betreten hat, sind die Formationen mit Reinprecht, Reimer, Ehliz und Segal, Dupuis, Fox unverändert geblieben. Der Vorteil liegt hier natürlich darin, dass diese Reihen eingespielt sind.

Beim Serienstand von 2:2 und vier engen Spielen ist es schwer zu sagen, wessen Modell besser aufgeht. Das höhere Risiko geht sicherlich Draisaitl, in dem er der über die Saison gewachsenen Substanz im Nürnberger Spiel mit immer wieder neu geschaffenen Überraschungsmomenten begegnet. Doch auch die brauchen sich nach 258 gegeneinander absolvierten Spielminuten irgendwann auf. Zudem profitieren auch lange nicht alle Kölner Akteure in ihrem Spiel von den Umstellungen.

Playoff-Historie spricht für Nürnberg

Es gibt reichlich Verfechter der Theorie, dass Spiel 3 die ausschlaggebende Partie in einer Best-of-Seven-Serie ist. Das wäre gut für die Haie. Allerdings hat Olaf Edig eine Statistik ausgegraben, die eindeutig zu Gunsten der Ice Tigers spricht: „Gewinnt die Mannschaft mit Heimrecht in der Serie Spiel 4, hat sie immer auch die Serie gewonnen.“ Ebenfalls nachzulesen in seiner Spieltagsvorschau zu Spiel 4. In einer ohnehin schon außergewöhnlich verlaufenden Serie mit bisher ausschließlich Auswärtssiegen müssten die Haie nun also auch noch Playoff-Geschichte schreiben, um ins Halbfinale einzuziehen.

Nerven behalten im dritten Drittel

Spät in einer Serie fangen die Köpfe an, eine größere Rolle zu spielen. Die Nerven werden ein Faktor, erstrecht wenn in engen Spielen ein einziger Fehler reichen kann, um die Partie zu entscheiden. Mit dem 4:1 in Spiel 1 hatten die Haie schlicht den besseren Start in die Serie erwischt. Seitdem sind alle Spiele beim Stand von 2:2 ins dritte Drittel gegangen. Anders als vor Beginn erwartet, war der jeweils erste Treffer in einer Partie nicht richtungsweisend für das Endergebnis. Mit noch genug Zeit auf der Uhr fanden beide Teams bislang Antworten auf einen Rückstand noch vor der zweiten Pausensirene. Stattdessen war es jeweils die Phase jenseits der 40. Minute, in der sich durchsetzte, wer geduldiger auf den Fehler des anderen wartet. Bislang war das immer das Auswärtsteam, was im klassischen Sinn eines Auswärtsspiels eigentlich nichtmal sonderlich überraschend ist.

“Siege werden jetzt wichtiger”, hatte Peter Draisaitl richtig angemerkt. Der Druck zu gewinnen liegt noch nicht so gleichmäßig bei beiden Teams verteilt wie in einem Spiel 7, aber dennoch wollen sich beide Teams nicht in die Situation bringen, vor Spiel 6 in der Serie zurückzuliegen. Wer Spiel 5 gewinnt, hat gefühlt den Fuß schon in der Tür zum Halbfinale. Es wird also zunehmend eine Frage der Nerven – unabhängig davon, auf wessen Eis man gerade steht.

Erstes Bully in Spiel 5 ist am Freitagabend um 19:30 Uhr. Wir übertragen die Partie live ab 19:15 Uhr aus Nürnberg.

Das möglicherweise serienentscheidende Spiel 6 findet am Sonntag, den 25.03. um 17:00 Uhr in der LanxessArena statt. Tickets gibt es hier.

Euer Viertelfinal-Tip: Wer schafft den Einzug ins Halbfinale?

Über den Autor: Henrike Wöbking

Henrike schreibt für haimspiel.de seit 2005 und wurde von Ex-NHL-Spieler Jason Marshall gelobt für "the best interview I ever did". Sie zeigte sich hauptverantwortlich für das Abschiedsvideo von Dave McLlwain. Außerdem ist sie Buchautorin und schrieb den Roman "Auf Eis" vor dem Hintergrund der Playoffs 2002.

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2:3 Niederlage – Nürnberg gleicht die Serie aus

1 Kommentar

  1. Alexander
    23.03.2018

    Ich kann mich nur wie in den von mir zuvor geschriebenen Kommentaren Wiederholen und daran erinnern das der Glaube an sich entscheidend sein wird.Wir dürfen keine dummen Strafen kassieren wie z.B.”zu viele Spieler auf dem Eis”und müssen Defensiv besser arbeiten ohne die Offensive zu vernachlässigen.

    Mein Tipp 3:1 für die Haie

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