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2:3 Niederlage – Nürnberg gleicht die Serie aus

Ryan Jones vor Nürnbergs Goalie Niklas Treutle - Foto: Andreas Dick

Es bleibt bei den Siegen der Auswärtsteams in dieser Viertelfinalserie zwischen Nürnberg und Köln. Leo Pföderl besiegelt mit seinem 100. DEL-Tor die 2:3-Niederlage der Haie, deren Spiel von Fehlern in der defensiven Zuordnung und unnötigen Scheibenverlusten geprägt war. Peter Draisaitl war nach der Partie unzufrieden mit dem Game-Management seiner Mannschaft. Christian Ehrhoff versucht sich an einer Erklärung für den Auswärtsvorteil.

Nürnberg mit dem druckvolleren Start

Vom ersten Bully an machten die Gäste deutlich, dass sie nach Köln gereist waren, um mit dem Ausgleich in der Serie wieder nach Hause zu fahren. Im Forecheck gingen die Ice Tigers konsequent mit zwei Mann auf den scheibenführenden Spieler, forcierten damit Scheibenverluste und verbrachten in der Folge viel Zeit im Angriffsdrittel. Am anderen Ende des Eises waren sie nach tief gespielten Scheiben der Haie im ersten Drittel deutlich überlegen in den Zweikämpfen in der Bande. Wie schon in den drei ersten Partien hatten die Nürnberger das Heft in der Hand, sobald sie ihre physische Überlegenheit einsetzten und ausspielten. Dass das Torschussverhältnis im ersten Drittel annähernd ausgeglichen war, lag lediglich an den beiden Powerplays durch die Strafen gegen Alanov und Aronson.

Aber selbst, wenn die Haie unbedrängt zum Spielaufbau kamen, war die Fehlerquote im Passspiel aus der eigenen Zone hoch. Zahllose Turnover in der neutralen Zone sorgten dafür, dass die Mannschaft von Rob Wilson offensiv am Drücker bleiben konnte. Das schnelle Umschaltspiel der Ice Tigers stellte zudem die defensive Zuordnung der Haie wiederholt vor Probleme. Nutznießer war bereits in der 2. Minute Dane Fox, der nach einem Rebound völlig frei am langen Pfosten zum Abschluss kam und die frühe Führung für die Gäste markierte. Es sollte nicht das letzte Mal bleiben, dass ein Nürnberger Stürmer ungestört aus dieser Position zum Torschuss kam.

„Wir hatten zu viele Turnover. Nürnberg ist eine Mannschaft, die nur darauf wartet und dann eiskalt zuschlägt. Das war in allen Spielen, die 3:2 ausgegangen sind, der Knackpunkt bislang, glaube ich. Daraus müssen wir endlich mal lernen“, resümiert Christian Ehrhoff nach der Partie.

Fehler in der defensiven Zuordnung

Dass Philip Gogulla nach einer harten Hereingabe von Rückkehrer Fredrik Eriksson im Powerplay zum 1:1-Ausgleich treffen konnte, sorgte zwar für Erleichterung auf den Rängen, konnte den Nürnbergern aber das Momentum nicht entreißen. Der 2:1-Führungstreffer der Gäste durch Segal war folgerichtig und verdient. Wieder war es ein Rebound, den die Haie nicht entschärfen konnten. Nürnberg wirkte wacher, konzentrierter und zielstrebiger in den ersten 20 Minuten.

„Im ersten Drittel hat ein paar Mal die D-Zone-Coverage nicht gestimmt“, analysiert Ehrhoff. „Das sind Sachen, die wir natürlich abstellen müssen.“

Goalies rückten in den Mittelpunkt

Im zweiten Drittel öffnete sich das Spiel in beide Richtungen. Die Haie schienen endlich ihre Beine gefunden zu haben. Beste Torchancen auf beiden Seiten waren die Folge. Sowohl Gustaf Wesslau als auch Niklas Treutle hatten alle Hände voll zu tun, einiges an Hochkarätern zu parieren. Es brauchte das Versäumnis der Nürnberger Verteidiger, Hanowski und Schütz vor dem Torraum zu entfernen, damit Ryan Jones durch den Verkehr zum 2:2 ausgleichen konnte. Treutle war die Sicht komplett genommen. Der Treffer fiel 9,2 Sekunden vor der Pausensirene und war ein Genickschlag für die Nürnberger, die bis dahin insgesamt mehr in die Partie investiert hatten als der KEC.

Umstellungen im Schlussdrittel

Peter Draisaitl justierte vor dem dritten Spielabschnitt nach. Sebastian Uvira und Ryan Jones tauschten die Reihen für die letzten zwanzig Minuten. Die Haie erhöhten nun den Druck, gingen dabei aber auch mehr Risiko.

„Das Tor am Ende des zweiten Drittels war natürlich wichtig. Das Momentum haben wir mit ins dritte Drittel genommen“, befindet Bill Thomas. „Dass sie den Führungstreffer gemacht haben, als nur noch acht Minuten auf der Uhr waren, war natürlich hart. Man weiß, dass man dann seinen Spielstil ein bisschen ändern muss, weil man einfach nicht mehr so viel Zeit hat. Wir haben gekämpft und hatten auch ein paar gute Chancen, aber wir haben es nicht geschafft, nochmal den Ausgleich zu erzielen.“

„Wir haben im letzten Drittel ein gutes Spiel gemacht. Wir sind auf Sieg gegangen“, resümiert Ehrhoff. „Wir haben uns dann einen Konter gefangen, bei dem wir eigentlich schon drei gegen drei zurück waren. Das ist natürlich ärgerlich.“

Ryan Jones fehlte beim entscheidenden Konter im Backcheck gegen Pföderl nicht viel, aber dann eben doch genug, um dem Nürnberger Stürmer den Schuss zum Gamewinner noch nehmen zu können.

Erklärungsversuch für den Auswärtsvorteil

Vor den eigenen Fans und mit dem taktischen Vorteil des letzten Wechsels ist das jeweilige Heimteam zumindest gefühlt in der Bringschuld, mehr für das Spiel tun zu müssen. Für die Auswärtsmannschaft ist es somit einfacher, den kühleren Kopf zu bewahren.

„Wir sind zuhause ein bisschen mehr gezwungen, das Spiel zu machen. Wir kommen mit einem Angriff nach dem anderen, und irgendwann passieren dann diese Fehler. Vielleicht möchte man einfach zu sehr ein Tor schießen und verliert die Geduld ein bisschen. Nürnberg wartet halt geduldig darauf und hat diese Möglichkeiten heute ausgenutzt. Wir müssen geduldiger spielen“, so der Haie-Kapitän.

Bei den Spielen in Nürnberg sieht Ehrhoff die Rollen getauscht und macht an der Stelle den Unterschied im Spiel der Haie auf fremdem Eis aus: „Da haben wir bislang defensiv sehr gut gestanden.“

Bill Thomas hingegen sieht die Voraussetzungen für beide Teams ein bisschen anders: „Eigentlich sollten Heimspiele schon einen Vorteil darstellen. Als das schlechter platzierte Team geht man ja schon in die Serie mit dem Bewusstsein, dass man mindestens ein Auswärtsspiel gewinnen muss. Das haben wir jetzt zweimal geschafft und schaffen es hoffentlich auch noch ein drittes Mal. Aber eine gute Erklärung, warum die Heimteams bislang immer verloren haben, habe ich nicht.“

Draisaitl unzufrieden

„Wir wissen, dass wir uns für Spiel 5 steigern müssen und werden das auch tun“, drückte der Kölner Headcoach seine Unzufriedenheit nach der Partie aus. „Wir haben es heute schlicht und ergreifend nicht hinbekommen. Wir haben heute nicht die 60 Minuten hinbekommen, die wir gebraucht hätten. Das, was geplant war, haben wir heute selten aufs Eis bekommen. Wir haben das Momentum im zweiten Drittel nicht auf unsere Seite bekommen, als wir die zwei Unterzahlsituationen überstanden hatten. Nach dem späten Ausgleich im zweiten Drittel hätten wir das letzte Drittel anders managen müssen.“

„Nach diesen ersten 40 Minuten wollten wir vor allem auf der defensiven Seite der Scheibe besser spielen“, so Draisaitl weiter. „Wir hatten uns gesagt, ok, die Nürnberger warten auf das eine Play. Und wir haben es ihnen einfach gegeben.“

Wieder besser machen wollen es die Haie am kommenden Freitag in Spiel 5 in Nürnberg. Ob Fredrik Eriksson dabei zum Einsatz kommt, macht dem Headcoach erstmal keine Sorgen, auch wenn der Verteidiger bei seinem Comeback im letzten Drittel nicht mehr auf der Bank war.

„Freddy kam nach dem zweiten Drittel zu mir und meinte, ok, lass die Gesunden, lass die Fitten spielen“, berichtet Draisaitl. „Es ist zu früh, um etwas über seinen Einsatz am Freitag zu sagen. Ich habe es nicht so verstanden, dass es mit der Verletzung an sich zu tun hatte. Er war eher müde und hat sich nicht mehr hundertprozentig gefühlt. Das ist absolut in Ordnung. Das muss man so stehen lassen.“

Feststeht aber, dass es ein Spiel 6 geben wird, das am Sonntag, den 25.03. um 17:00 Uhr in der LanxessArena stattfindet. Tickets für das möglicherweise serienentscheidende Spiel gibt es hier.

Erstes Bully für Spiel 5 ist aber vorher am Freitagabend in Nürnberg um 19:30 Uhr. Wir übertragen die Partie live ab 19:15 Uhr.

Euer Viertelfinal-Tip: Wer schafft den Einzug ins Halbfinale?

Über den Autor: Henrike Wöbking

Henrike schreibt für haimspiel.de seit 2005 und wurde von Ex-NHL-Spieler Jason Marshall gelobt für "the best interview I ever did". Sie zeigte sich hauptverantwortlich für das Abschiedsvideo von Dave McLlwain. Außerdem ist sie Buchautorin und schrieb den Roman "Auf Eis" vor dem Hintergrund der Playoffs 2002.

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Vor Spiel 4: Unruhe in Nürnberg

6 Kommentare

  1. Alexander
    21.03.2018

    Auf geht`s Haie kämpfen und siegen!Eigendlich war das Spiel immer spannend es ging hin und her nur das Ergebnis passte mir nicht aber dann müssen wir halt in Nürnberg gewinnen haben wir doch schon 2 mal in dieser Viertelfinal-Serie.Liebe Eishockeyfans bitte bleibt fair untereinander sowas wie Gestern nach dem Spiel braucht keiner und macht unseren schönen Sport nur kaputt.

  2. Gabriele Umland
    21.03.2018

    Wir können zu Hause einfach nicht gewinnen wollen hoffen das spiel 5 ein Sieg ist denn ich denke das Nürnberg unbedingt zu Hause gewinnen will ich habe von Anfang an gesagt das unsere Serie 7 Spiele sein wird

  3. Patrick
    21.03.2018

    Die Jungs wollen es Zuhause immer noch schöner besser machen… Die sollen denen den Puck einfach unter der Mütze hauen und gut ist.

    Wann bekommt der FOX mal eine tracht Prügel? Der hat es verdient!!!!

  4. Dampfmaschiehn
    21.03.2018

    Wie immer sprachlich und fachlich ein Highlight, vielen Dank, Henrike! Die Analyse passt genau und lässt leider für die Serie nichts Gutes ahnen…

    Naja, wenigstens können die Canucks nicht viel tiefer sinken.

    • Sobald sich Rasmus Dahlin am 22. Juni das Nucks-Jersey anzieht, wird das ganze Elend dieser Saison vergessen sein. ;-)

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