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Philip Gogulla: “Es geht um den Verein”

Philip Gogulla beim offiziellen Fototermin vor der Saison 2014/15
Philip Gogulla. Foto: Steffen Thaut

Neben Moritz Müller und Torsten Ankert hat auch Philip Gogulla seinen Vertrag bei den Kölner Haien vorzeitig um drei Jahre verlängert. Darüber, sowie über den Trainerwechsel, die derzeitige Tabellensituation und die aktuelle Stimmung in der Mannschaft spricht der Stürmer im Interview.

Philip, als allererstes natürlich Gratulation zur Verlagsverlängerung! Drei Jahre sind eine Ansage und der Zeitpunkt auch eher überraschend.

Ja, danke! Überraschend war der Zeitpunkt in der jetzigen Situation sicher nur für alle Außenstehenden. Es ist ein positives Signal für die Haie. Moritz Müller, Torsten Ankert und ich spielen schon seit Jahren hier und sind auch ein bisschen das Gesicht der Kölner Haie. Wir fühlen uns hier sehr wohl. Deshalb war es auf jeden Fall der richtige Schritt.

War das tatsächlich ein Hintergedanke, ein „positives Signal“ für den Club? Speziell nach den letzten Wochen mit den doch zahlreichen Veränderungen?

Ich hoffe, dass es so wahrgenommen wird. Ich bin hier seit meinem 16. Lebensjahr – mit dem einen Jahr Unterbrechung, als ich in Nordamerika war. Ich fühle mich hier wirklich richtig, richtig wohl. Für mich kommt außer den Kölner Haien gar nichts anderes in Frage. Ich bin sehr stolz darauf, hier schon so lange spielen zu dürfen. Ich hoffe natürlich, dass ich dem Verein das mit meiner Leistung zurückgeben kann.

Du sagst, dass Moritz, Torsten und du sowas wie das Gesicht der Kölner Haie seid. Man hatte zuletzt den Eindruck, dass das Gesicht der Kölner Haie eher ausschließlich Uwe Krupp war. Versucht ihr euch durch die Vertragsverlängerungen auch wieder ein Stück weit zu positionieren?

So, wie es nach außen immer dargestellt wurde, ist eine Sache. Was intern alles passiert, wissen die meisten ja gar nicht. Uwe Krupp hat sicher das Gesicht der Kölner Haie mitgeprägt in seinen drei Jahren hier. Ich meine, er war zweimal im Finale. Das darf man auch nicht vergessen. Dass er nach seiner Freistellung in den Medien so präsent war, hat dem Ganzen in der Öffentlichkeit nochmal einen Schub gegeben. Dass es letztendlich so gelaufen ist, wie es gelaufen ist, war für beide Seiten schade. Das hätte sicher auch ruhiger über die Bühne gehen können. Das Business im Eishockey ist nunmal so, dass der Trainer meistens das schwächste Glied in der Kette ist, wenn Veränderungen her müssen.

Wieviel von dem, was in der Presse und bei den Fans danach passiert ist, ist bei euch in der Kabine angekommen? Hat euch das beeinflusst oder belastet?

Während des ersten Spiels danach hat man als Spieler die Reaktion der Fans natürlich mitgekriegt. Da muss man dann Profi genug sein, um das auszuschalten. Wir haben versucht, uns nur darauf zu konzentrieren, Spiele zu gewinnen. Letztendlich geht es um den Verein und nicht um einzelne Personen hier.

Mit Niklas Sundblad hat es eine Weile gedauert, bis ihr regelmäßig gepunktet habt. Aktuell steht ihr aber immer noch auf Platz 11. Wie geht ihr mit der Tabellensituation um?

Mit Niklas Sundblad hat eine neue Ära begonnen. Gott sei Dank sind wir im Moment auf einer Welle, wo es nach oben geht. Die wollen wir natürlich beibehalten. Jetzt wollen wir erstmal einen Pre-Playoff-Platz erreichen, uns da festbeißen und dann schauen, ob wir es vielleicht noch unter die Top-6 schaffen können. Es soll keine Ausrede sein, aber wir hatten natürlich auch viele Verletzte. Wir haben viele Spiele mit einem oder zwei Toren Unterschied verloren. Es lief einfach auch nicht für uns. Wo soll da Selbstvertrauen herkommen? Wir können nur versuchen, uns aus der Situation herauszuarbeiten. Für die harte Arbeit konnten wir uns in letzter Zeit dann eben auch mit Punkten belohnen. Es bringt nichts, jetzt jeden Tag auf die Tabelle zu schauen. Wir hatten gestern nochmal ein Meeting, und da kam eine interessante Aussage: Wenn man jetzt drei Spiele gewinnt, dann ist man auf Platz 8. Dann wird man vielleicht wieder ein bisschen lockerer, verliert womöglich zwei Spiele und ist wieder auf Platz 11. Die Tabelle ist zum jetzigen Zeitpunkt vollkommen egal. Wir müssen einfach zusehen, dass wir Punkte holen. Am 40. oder 45. Spieltag können wir dann mal gucken, wo wir gelandet sind und wie wir dastehen.

Wieviel frischen Wind hat Niklas Sundblad mitgebracht?

Wir wussten, dass wir mit Niklas Sundblad einen sehr guten Trainer bekommen, der Eishockey lebt. Er hatte ja damals schon diese harte Handschrift mit reingebracht. Das war ja damals schon Sundblad und nicht Uwe Krupp. Wir wussten, dass es mit ihm jetzt Veränderungen gibt, die er auf eine ruhige, sachliche, sehr gute Art rüber bringt.

Moritz Müller hat bei uns im Interview berichtet, dass es nach der Niederlage in Wolfsburg Anfang November ein Mannschaftsgespräch während der Rückfahrt gab und dass sich danach sowas wie Aufbruchsstimmung breit gemacht hat und auch die Stimmung im Training besser wurde. Hast du das zu dem Zeitpunkt auch so wahrgenommen?

Ja, absolut. In Wolfsburg wurden uns nochmal unsere Grenzen aufgezeigt. Das muss man einfach so sagen. Da waren wir wirklich chancenlos. Wollen wir also so weiterspielen oder wollen wir wieder dahinkommen, dass wir auch solche Mannschaften schlagen können? Danach war dann nochmal mehr der Fokus auf dem harten Arbeiten an sich selbst. An den Schwächen zu arbeiten, sich in den Stärken noch zu verbessern, Schritt für Schritt die Kleinigkeiten richtig zu machen.

Was würdest du sagen, wieviel Sand im Moment noch im Getriebe ist?

Gute Frage. Ich würde sagen, der Sand löst sich langsam. Ich denke, dass wir auf jeden Fall auf dem richtigen Weg sind. Es gibt natürlich immer Sachen, die man verbessern kann. Das Powerplay kann man verbessern, Unterzahl kann man in jedem Spiel verbessern.

Ist es derzeit mehr Arbeit oder schon wieder einfach Spaß am Spielen?

Es ist – ehrlich gesagt – um einiges mehr Arbeit, um wieder dahin zukommen, dass es läuft. In den vergangenen Jahren hatten wir immer sehr gute Starts in die Saison, haben dann zwar auch schwächere Phasen gehabt, aber bis dahin dann eben auch schon ein Punktepolster. Im Moment wissen wir, dass wir in jeder Hinsicht – auch mental – 100% geben müssen, um Punkte zu holen. Uns fehlen derzeit sicher 10 bis 12 Punkte, um uns sowas wie eine Niederlagenserie überhaupt erlauben zu können. Die haben wir uns dieses Jahr am Anfang der Saison erlaubt. Unser Ziel muss es sein, jetzt mal fünf Spiele in Folge drei Punkte einzufahren.

Wie schwer wiegen die Sperren von John Tripp und Ryan Jones für die kommenden Spiele?

Wir haben genug Leute im Kader, und alle sind fit und gesund. Jetzt springen die anderen beiden [Evan Rankin und Maxime Sauve, Anm.d.Red.] morgen ein, und die werden sich zerreißen. Natürlich sind Tripp und Jones zwei wichtige Spieler, aber auch die können wir ersetzen. Hoffentlich beweisen wir das morgen, indem wir drei Punkte holen.

Was würdest du sagen, wie schwer es für Rankin und Sauve gerade ist, die Laune oben zu halten – eben in Zeiten, in denen man nicht zum Einsatz kommt?

Sie sind Bestandteil der Mannschaft. Das darf man nie vergessen. Man muss auch beiden zugutehalten, dass sie nicht die Typen sind, die unzufrieden sind oder mit gesenktem Kopf durch die Kabine laufen. Die geben in jedem Training ihr bestes, bieten sich in jedem Training an. Wenn es einigermaßen läuft, stellt der Trainer die Mannschaft meistens nicht um. Die sind beide schon ein paar Jahre im Geschäft und wissen das. Durch die beiden Sperren kommen sie nun morgen zum Einsatz, und ich bin mir – wie gesagt – sicher, dass die morgen eine Top-Leistung abliefern werden. Die werden es als Chance sehen, sich wieder in der Mannschaft festzuspielen.

Am Dienstag geht’s nach Berlin und gegen Uwe Krupp. Wie besonders wird das?

Darüber habe ich mir ehrlich gesagt noch keine Gedanken gemacht. Frag mich das am Montag nochmal.

Wir bedanken uns bei Philip Gogulla für das Interview.

Über den Autor: Henrike Wöbking

Henrike schreibt für haimspiel.de seit 2005 und wurde von Ex-NHL-Spieler Jason Marshall gelobt für "the best interview I ever did". Sie zeigte sich hauptverantwortlich für das Abschiedsvideo von Dave McLlwain. Außerdem ist sie Buchautorin und schrieb den Roman "Auf Eis" vor dem Hintergrund der Playoffs 2002.

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