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Handlungsbedarf?

Alexander Sulzer

Drei bis vier Wochen wird Sulzer mit einer Verletzung des Innenbandes ausfallen. Das heißt für die Haie, DEL-Saisonstart am 12.09. voraussichtlich ohne ihn. Und ohne den ebenfalls verletzten Andreas Holmqvist, für den wegen seiner Hüftverletzung eine Rückkehr ins Training noch in weiter Ferne scheint.

Eine signifikante Schwächung für die Kölner Defensive, auf die – wie für die gesamte Liga – zudem mit den vergrößerten Angriffszonen schwierigere und arbeitsintensivere Aufgaben zukommen. Zudem bleibt fürs Powerplay nun nur noch Daniel Tjärnqvist als Denker und Lenker. Mirko Lüdemann, der in der vergangenen Saison in den Special-Teams nur selten zum Einsatz kam, musste beim Spiel gegen Liberec in Überzahl bereits in die Bresche springen, aber das wird für den 40-Jährigen sicher keine dauerhafte Option sein.

Uwe Krupp hatte zu Beginn der Vorbereitungszeit Philip Riefers als Verteidiger eingesetzt. Ein Experiment, das vielversprechende Ansätze zeigte, aber am Ende auch keine dauerhafte Lösung sein kann. Pascal Zerressen, der in der letzten Saison bereits 40 Spiele absolvierte und nominell siebter Verteidiger ist, macht einen mehr als soliden Job, kann aber sicherlich nicht die Rolle eines Alexander Sulzer übernehmen.

Wie also geht man in der Gummersbacher Straße mit der Situation um?

Man beobachte den Markt, so hieß es in der Sommerpause bereits. Und wie jedes Jahr ist vermutlich auch hier das Augenmerk auf den Ausgang Trainingscamps in Nordamerika gerichtet. Eine Verpflichtung von jemandem, der drüben den Cut nicht geschafft hat, läge allerdings in jedem Fall deutlich nach Saisonauftakt – einer Saison, die nach zwei Vize-Meisterschaften endlich den Titel in die Domstadt bringen soll.

In einer Liga, deren Teams in ihrem Leistungsvermögen über die letzten Jahre nachweislich immer dichter zusammengerückt sind, können die Punkte aus dem September und Oktober am Ende der Hauptrunde entscheidend werden. Das wissen die Haie aus der vergangenen Saison sehr genau, zehrten sie doch lange von ihrem bravourösen Saisonstart. Und auch die Ticketverkäufe werden nicht unbeträchtlich von der Tabellenplatzierung beeinflusst. Zu riskieren, die ersten Wochen am Tabellenende herumzudümpeln, ist für den KEC also eigentlich keine Option.

Auf Lance Nethery und Uwe Krupp kommt nun also die schwierige Aufgabe zu, nicht nur irgendeinen Verteidiger zu finden, um die Tiefe in der Defensive aufzustocken. Es gilt, Ersatz in annähernd der Qualität eines Alexander Sulzer oder Andreas Holmqvist zu finden. Spieler dieser Kategorie sind weder in Mengen auf dem Markt verfügbar noch aus der Portokasse zu finanzieren.

Sollte sich in absehbarer Zeit klären, ob und wann Andreas Holmqvist wieder ins Training einsteigt, wird das sicherlich Einfluss darauf haben, wie hoch die sportliche Leitung gewillt ist zu pokern und den Saisonstart tatsächlich mit der Zerressen/Riefers-Lösung anzugehen. Selbst wenn Alexander Sulzer ab Ende September wieder zur Verfügung steht, ist man in der Defensive letztendlich nicht tief genug aufgestellt. Ein weiterer Verteidiger sollte auf jeden Fall her, damit Verletzungsausfälle wie aktuell nicht so deutlich spürbar sind. Um das angestrebte Qualitätsniveau zu bekommen, wird es aber sicherlich kein Schnellschuss werden.

Die Youngster werden also erstmal gefordert sein. Bei allen Titelambitionen ist das ja aber auch letztendlich Uwe Krupps Philosophie. Bleibt zu hoffen, dass die hohe Erwartungshaltung der Fans und Gelegenheitszuschauer an die Saison auch bei eventuell nicht ganz so üppig ausfallender Punktausbeute zu Saisonbeginn diesen Grundgedanken nicht ganz ins Abseits drängt.

Über den Autor: Henrike Wöbking

Henrike schreibt für haimspiel.de seit 2005 und wurde von Ex-NHL-Spieler Jason Marshall gelobt für "the best interview I ever did". Sie zeigte sich hauptverantwortlich für das Abschiedsvideo von Dave McLlwain. Außerdem ist sie Buchautorin und schrieb den Roman "Auf Eis" vor dem Hintergrund der Playoffs 2002.

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Tausende Fans beim Haie-Sommerfest

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