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Die Reaktion: Der KEC gewinnt 2:1 in München

Patrick Hager war Offensivmotor der Haie und Torschütze zum sehenswerten 1:0 - Foto: Alexandra Schmitz
Patrick Hager war Offensivmotor der Haie und Torschütze zum sehenswerten 1:0 - Foto: Alexandra Schmitz

„Zwischen den Jahren“ geht es “Schlag auf Schlag” bei den Kölner Haien. Nach den – vermeintlich – einfachen Aufgaben gegen Krefeld, Straubing, Iserlohn und Bremerhaven und dem 0:6-Debakel im letzten Spiel, stand am heutigen Sonntag die erste von zwei Partien gegen Meister München auf dem Spielplan.

Vor der großen Kulisse in der Olympiahalle Münchenhatte hatte Haie-Coach Clouston am Line-up des KEC gegenüber dem 0:6-Debakel in Bremerhaven keine Veränderungen vorgenommen. Solche Veränderungen gab es bei den Verteidigungspärchen, welche komplett neu zusammengestellt wurden. Nur ein Sieg aus den letzten sechs Auswärtsspielen war ein Hypothek, aber auch eine Chance zur Reaktion. Und die kam: Kompakte, aufmerksame und defensivstarke Haie gewinnen 2:1 (1:0, 0:0, 1:1) beim Tabellenführer.

Defensivstarke, aggressive Haie führen nur 1:0

Der KEC zeigte sich von Beginn an bemüht darum, viel Scheibenbesitz und Scheibenkontrolle aufzubauen. Dies gelang über das gesamte Drittel hinweg weitgehend, allerdings in den ersten Minuten auf Kosten der Kreativität im Spielaufbau. Denn zunächst zeigten sich die Münchener gefährlicher und kamen auch zur ersten ernsthaften Torchance der Spiels in der 4. Spielminute durch Jason Jaffray, der im Slot vor Gustaf Wesslau nach einem Schuss von außen mehrere Nachschüsse bekam. München setzte sich in der Folge fest; die gefährlichen Chancen mehrten sich.

In der 6. Spielminute kam Kai Hospelt nach einem Konter zu der ersten ernstzunehmenden Torchance für den KEC, als er die kurze Ecke des Kastens von David Leggio anvisierte, der aber die Ecke dicht machen konnte. Es deutete sich vielleicht bereits hier an an, dass die Haie gegen den EHC am heutigen Abend vor allem durch Konter gute Chancen auf Tore haben würden. Nicht einmal eine Minute später die Führung für Köln durch eine Einzelaktion mit viel Speed: Patrick Hager zog in die offensive Zone, vernaschte seinen Gegenspieler indem er die Scheibe mit einem Move hinter seinem Rücken vorbeilegte und bis hinter die Grundlinie rechts vom Tor fuhr. Dort zog er jedoch nicht hinter den Kasten, sondern nahm die scharfe Kurve in den Slot, wo er nun direkt vor Leggio stand und diesem die Scheibe in der Bewegung zwischen den Beinen ins Tor schieben konnte.

Die Haie entwickelten durch die Führung mehr offensives Selbstbewusstsein und kamen für den Rest des Drittels immer wieder zu so guten Chancen, dass sich die 1:0-Führung nach zwanzig Minuten nach „zu wenig konsequent“ anfühlte. München wirkte konsterniert und wenig inspiriert, der KEC konnte viele Situationen spielerisch lösen. Gutes Stellungsspiel und eine kompakte Defensive vor ihrem Torhüter verhinderten oft Offensivaktionen des Tabellenführers und auch Gustaf Weslau zeigte sich gut in Form und konnte sehr gute Saves zeigen. Auffällig auch, wie sehr die Haie auf dem Eis defensiv miteinander kommunizierten.

Bis zur letzten Sekunde des Drittels blieb Köln gefährlich, insbesondere durch Konter und insbesondere durch die erste Reihe.

Köln entnervt München

Mit dem guten ersten Drittel im Rücken musste man erwarten, dass München alles in die Waagschale werfen und aggressiv in das zweite Drittel gehen würde – doch das war nicht der Fall. Köln schaffte es durch aufmerksames Spiel und eine geordnete Defensivleistung München aus dem eigenen Drittel oder mindestens vom eigenen Tor fernzuhalten: Erst in der 28. Spielminute kam der EHC zum ersten Torschuss des zweiten Drittels. Offensiv übernahm insbesondere die erste Reihe rund um den herausstechenden Patrick Hager Verantwortung. Vielleicht sinnbildlich eine Szene in der 25. Spielminute, als Philip Gogulla zunächst defensiv stark Jaffray die Scheibe von der Kelle ziehen konnte (und somit die konkrete Torchance unterband), Geschwindigkeit aufnahm und offensiv Salmonsson bediente, der aber vor Leggio vergab.

Nach dem Powerbreak ein Novum und die Umkehrung der Erwartungen vor dem Spiel: Der KEC drückte München in das eigene Drittel und stellte alle Anspielstationen zu, sodass der EHC arge Schwierigkeiten im Spielaufbau hatte.

Die beste Münchener Chance war dann auch das Produkt einer feinen Individualleistung: Michael Wolf konnte mit viel Speed in die offensive Zone ziehen und trotz Bewachung von Christian Ehrhoff einen ansatzlosen Handgelenkschuss aus dem Bullykreis anbringen, der die Latte traf.

Doch: Sekunde um Sekunde lief von der Uhr. Sehr zum Unmut des Münchener Publikums, welches in der 36. Spielminute entnervt „Wir wollen euch kämpfen sehen!“ anstimmte. Leider ebenfalls gut zu hören war der Schmerzschrei von Corey Potter in der 38. Spielminute – er konnte das Spiel aber fortsetzen und sollte für die Haie im Verlauf des Spiels sehr wichtig werden.

München kommt, doch Köln hält dagegen

München kam durchaus stark aus der Kabine, die erste große Chance des Drittels gehörte aber den Haien: Krämmer lief einen der vielen Konter des heutiges Abends und sah die Lücke, die Leggio am kurzen Pfosten offen gelassen hatte. Sein Schuss mit der Rückhand landete aber nur am Außenpfosten.

Zuvor bereits eine Schrecksekunde für den KEC: Frederik Eriksson brauchte lange, um nach einer Stockbewegung des Gegenspielers in den Leistenbereich wieder aufzustehen. Wie auch Potter zuvor konnte auch Eriksson die Partie fortsetzen. Statt einer Strafzeit und einer Überzahl ging das Spiel mit 5:5 weiter – und die Haie kassierten den Ausgleich. München konnte Druck entwickeln und sich in der Offensivzone festsetzen. Am Ende von drei klug gespielten Pässen durch die gesamte Zone stand Mads Christensen, der Wesslau aus der Mitteldistanz zum 1:1 überwinden konnte. Den Haien gelang aber eine gute Reaktion, sie konnten in der Folge mehrere Schüsse anbringen und immer wieder Leggio dazu zwingen, die Scheibe festzumachen und das Spiel zu unterbrechen.

Dankbar nahm die Mannschaft aus Köln das Geschenk von Yannic Seidenberg an, der während eines laufenden Münchener Angriffs gleich mehrfach einen Kölner Schläger unter der Achsel einklemmte und folgerichtig auf die Strafbank musste. Wegen zuvor gegen beide Mannschaften ausgesprochenen Strafen war das 4:3-Überzahlspiel nun die Chance der Haie auf die erneute Führung – und diese nutzen sie. Am Ende eines geduldigen Überzahlspiels mit vielen Pässen und Positionswechseln traf Corey Potter vom linken Bullykreis zum 2:1.

München musste mehr machen und machte mehr: Der EHC war nun „in der Partie“ und stellte die Haie vor zunehmend größere Herausforderungen. Das Erfolgsrezept hieß weiterhin: Die richtige Einstellung. Begünstigt durch eine weitere Strafzeit gegen Yannic Seidenberg knapp 3 Minuten vor dem Ende konnte der KEC das Spiel gewinnen und eine starke Reaktion zeigen.

Über den Autor: René Guzmán

René hat Haimspiel.de 2003 zusammen mit Dennis gegründet. Mit Tobias hat er die allererste Radioübertragung aus Iserlohn gesendet. Er war Mitglied des Vorstandes des KEC "Die Haie" e.V., 2010 war er an der Organisation der Ausstellung "Powerplay - Eishockey in Köln" zur Eishockey-WM im Deutschen Sport und Olympia-Museum beteiligt, hat seine Staatsexamensarbeit zum Thema "Eishockey in Deutschland bis 1945" verfasst und z.B. das "Wir sind Haie!"-Logo und das Logo des Haie-Fanprojekts entworfen.

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