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DEL-Disziplinarausschuss: Interview mit Tino Boos

Berlins Jurcina mit dem Check gegen Kölns Boucher. Foto: Jörg Schüler.
Berlins Jurcina mit dem Check gegen Kölns Boucher. Foto: Jörg Schüler.

Ex-Spieler Tino Boos ist im Disziplinarausschuss und hat dazu seine sonstigen Aktivitäten rund um das Eishockey, z.B. als Experte der TV-Spiele, aufgegeben. In seiner täglichen Arbeit tauscht er sich mit europäischen Ligen sowie der NHL über strittige Situationen aus. Im Interview mit haimspiel.de erläutert Tino Boos die Prozesse und Möglichkeiten, die ein Club beim Antrag eines Ermittlungsverfahrens vermeintlicher Fouls hat. Außerdem sprach er mit uns über den Umgang mit neuen Spielern in der Liga sowie über Verbesserungsmöglichkeiten der Prozesse:

Welche Möglichkeiten hat ein Club, ein Ermittlungsverfahren einzuleiten und wie ist danach der Prozess innerhalb des Disziplinarausschusses abgebildet?

Erstmal vorne weg: Jede Spieldauerstrafe wird automatisch von uns überprüft. Die Entlastung für die Schiedsrichter ist spürbar, denn sie müssen jetzt nicht mehr in Echtzeit auf dem Eis entscheiden, ob das Foul im Rahmen einer Matchstrafe ausgesprochen werden muss.

Unabhängig davon hat jeder Club die Möglichkeit, Anträge auf Ermittlungsverfahren bei uns abzugeben. Dies muss offiziell und schriftlich bei der Liga bis zum Folgetag um 13:00 Uhr eingereicht werden. Danach hat der betroffene Spieler 4 Stunden Zeit, sich zu dem Vorwurf zu äußern. Anschließend berät sich das Gremium und entscheidet über eine mögliche Sperre. Wichtig: Der Club muss beweisen, dass der Antrag gerechtfertig ist. Im Zweifel gilt also die Unschuld im Sinne des Angeklagten.

Wir als DEL-Diszplinarausschuss können uns grundsätzlich zu laufenden Verfahren nicht äußern und werden diese auch nicht kommentieren.

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Das bedeutet, dass unabhängig von Anträgen der Clubs knifflige Situationen und Entscheidungen nicht angeschaut werden, wenn die Strafe auf dem Spielberichtsbogen keinen Hinweis darauf gibt?

Ich nehme mir die Zeit, um mit vielen Clubs und Spielern in den Dialog zu treten. Vor allem bei neuen Spielern in der Liga ist das wichtig. Es ist in diesem Jahr vergleichsweise ruhig in der Liga. Bislang haben wir erst drei Spieler nachträglich sperren müssen. Wir sind sonst natürlich auf Hinweise angewiesen.

Der Grund liegt leider auf der Hand: Alle Spiele in Echtzeit zu verfolgen ist schwierig. Dem Vorbild Österreich zu folgen mit einem eigenen Raum, in dem der Ausschuss Strafen, Entscheidungen und zum Beispiel auch das Verhalten der Trainer und Offiziellen beobachten kann, ist in der aktuellen Situation für uns nicht finanzierbar. Natürlich wäre das aber ein Wunsch, um die optimalen Voraussetzungen zu schaffen.

Ist es denn zum Beispiel nicht möglich, die Schiedsrichterbeobachter darauf hinzuweisen, solche Situationen auch zu melden?

Das könnte auch ein Schritt in die richtige Richtung sein, den ich auch begrüßen würde. Auch hier muss man aber wissen, dass aktuell nur 60% der Spiele von einem Schiedsrichterbeobachter begleitet werden. Das ist aber aktuell ein sehr interessanter Lösungsvorschlag, der intern auch schon auf dem Prüfstein steht. Wir möchten uns hier besser aufstellen und verbessern.

Das Ziel ist stets, die Verantwortung den Clubs abzunehmen, damit sich der Club auf das Wesentliche während und nach einem Spiel konzentrieren kann.

Wie genau sind die zwei Anträge auf ein Ermittlungsverfahren pro Saison reguliert, die jedem Club zustehen?

Die Clubs haben über einen Antrag auf ein Ermittlungsverfahren die Möglichkeit, Szenen von uns nochmal bewerten zu lassen. Sollte ein Ermittlungsverfahren nach oben genannten Kennzeichen erfolgreich sein, behält der Club natürlich die Möglichkeit, weiterhin solche Anträge stellen zu können.

Sollte dies nicht der Fall sein, hat er für die restliche Saison nur noch einmal die Möglichkeit. Er verliert also eine Option. Dies gilt aber nicht im erfolgreichen Fall des Antrags. Wir können schließlich keinen Club dafür bestrafen, dass er mit solch einem Antrag Recht hatte.

Ab den Playoffs hat dann jeder Club nur noch ein Mal die Chance, einen Antrag auf ein Ermittlungsverfahren zu stellen.

Die Liga hat überraschenderweise keine Rubrik mehr auf der aktuellen Website wo solche Entscheidungen kommuniziert werden…

Das ist leider richtig. Beim Umbau der neuen Webseite hatte das zuerst keine hohe Priorität genossen. Aber natürlich sind wir sehr daran interessiert, dass es diese Rubrik auch zukünftig wieder gibt und können nur um Geduld bitten.

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Wir bedanken uns bei Tino Boos für die Zeit und das Interview.

Über den Autor: Dennis Wegner

Dennis gründete gemeinsam mit René im Sommer 2003 haimspiel.de und betreut die Seite bis heute als 1. Vorsitzender. Außerdem war er zwischendurch für das Haie-Fanprojekt tätig, hat mit dem Team und der Fanszene "Wir sind Haie" ins Leben gerufen und die Flyeraktion "Köln ohne Haie?" mit großem medialen Echo organisiert.

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Kein Ermittlungsverfahren gegen Prust

2 Kommentare

  1. Thomas
    08.12.2016

    So endlich habe ich das mal gelesen, und bin doch etwas geschockt. Diese Funktion auf der Webseite soll also kommen, aha mal ein Schritt in die richtige Richtung. Sowas dauert natürlich wieder ein halbes Jahr? Hier wurde wieder verkannt wie oft diese Seite genutzt wurde, was? Wenn man einbauen würde welcher Artikel wieoft angeklickt wird, hat man schnell alle relevanten Daten. Schnell ist klar wo die Leute drauf klicken ;).

    Es gibt doch in jedem Stadion Zeitnehmer, (sorry falls die einen bestimmten Namen haben, auf den ich gerade nicht kommt) für die es doch kein Problem sein sollte auf dem Berichtsbogen zu vermerken Minute 43:42 “Verletzter Spieler”.

    Dann kann sich Herr Boos die Szene doch in Ruhe anschauen. Also den geringen Aufwand würde bestimmt jeder Stadion Sprecher oder “Zeitnehmer” gerne in Kauf nehmen wenn dafür diese dreckigen Fouls aufhören. Hat darüber mal wer nachgedacht, ob das die Lösung sein könnte? Wenn man im Stadion ist, könnte man eben das Gespräch suchen und fragen “Wäre es ok das zu machen?”. Bzw, eine Mail an die Vereine mit bitte um Rückmeldung.

    Mhhh man darf nicht mehr alles Einschicken, weil man nur noch diese “2” Versuche hat? Und man hat überraschender Weise weniger Strafe nachträglich verhangen.
    Siehe Haie wenn sich keiner diese “2” Möglichkeiten wegnehmen lassen will, gibt es keine Anträge.

    Also ich frage mich immer mehr ob da bei der DEL nachgedacht wird. Die nachträglichen Sperren kamen doch auch nicht von ungefähr letzte Saison…

    Gruß
    Thomas

  2. Traumpass
    07.12.2016

    Ich habe mir das 2x durchgelesen, der Eindruck bleibt derselbe: das ist ein richtig schwaches Bild, das die Liga auch an dieser Stelle abgibt, der Verweis auf die im Vergleich immer noch extrem suboptimale Website setzt dem ganzen dann am Ende noch die Krone auf.
    Die Erläuterungen und die Argumentation von Herrn Boos könnte ich noch akzeptieren, wenn die Liga gerade erst gegründet worden wäre und man noch keinerlei Erfahrung mit einem Disziplinarausschuss hätte, aber in der 23. Saison der DEL verleitet mich das einfach nur noch zum Kopfschütteln.

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