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Chance vertan

Ryan Jones Tor zum 1:0 in Ingolstadt. Foto: Alexandra Schmitz
Ryan Jones Tor zum 1:0 in Ingolstadt. Foto: Alexandra Schmitz

„Wir hatten jede Chance, das Spiel zu gewinnen, und haben es aus der Hand gegeben“, resümierte Ryan Jones nach der 3:5-Niederlage der Kölner Haie beim ERC Ingolstadt. Nach einer 2:0-Führung kassierte der KEC im zweiten Drittel vier Gegentore innerhalb von fünf Minuten.

„Im Mittelabschnitt sind wir eingeknickt und hatten ein paar dicke defensive Patzer. Aber angefangen hat es mit unseren Turnovers. Das passiert uns in letzter Zeit zu oft.“ stellte Douglas Murray fest: „Wir dürfen uns ein Spiel nicht so entgleiten lassen. Nicht nach einer 2:0-Führung und erstrecht nicht in dieser Phase der Saison.“

Alexander Sulzer fand noch drastischere Worte nach dem Spiel: „Wir hatten eigentlich einen guten Start und haben auch verdient 2:0 geführt, aber dann sind wir komplett eingebrochen. Nach den schnellen ersten zwei Gegentoren haben wir uns nicht mehr gefangen. Wir haben nicht mehr so gespielt, wie wir angefangen haben. Wir haben die wichtigen Sachen nicht mehr gemacht oder verkehrt gemacht und deshalb zu Recht ein Tor nach dem anderen kassiert.“

„Die vier Gegentore sind nicht einfach aus dem Nichts heraus passiert. Bis zu dem Zeitpunkt hatte Ingolstadt schon eine Menge guter Chancen. Danny [aus den Birken, Anm. d. Red.] hat uns im Spiel gehalten.“ so Jones, der im Powerplay zur zwischenzeitlichen 1:0-Führung getroffen hatte. Er benutzte in Bezug auf aus den Birkens Leistung die Formulierung “He was standing on his head.”, was in jovialen Worten eines der größten Komplimente ist, das man einem Torwart machen kann. Der ERC hatte in der Tat auch in der ersten Hälfte der Partie die größeren Spielanteile und mehr Torchancen als die Haie, war aber im Abschluss zu inkonsequent, setzte ein ums andere Mal Schüsse knapp neben das Tor oder fand eben im Kölner Goalie seinen Meister.

Der Treffer durch Jamie Johnson hingegen resultierte aus einer für den KEC glücklich aus der Bande springenden Scheibe. Und so machte Jones auch die lucky bounces für den Spielverlauf verantwortlich: „Zu Beginn hatten wir das Scheibenglück auf unserer Seite, so dass der Puck nicht den Weg in unser Tor gefunden hat. Aus den wenigen Chancen, die wir hatten, haben wir zwei Tore gemacht. Aber dann hat sich das Blatt gewendet. Man muss auf der Welle des Momentums reiten, wenn man es hat. In der Hinsicht haben wir einen schlechten Job gemacht.“

Niklas Sundblad hatte nach dem Ausgleichstreffer zum 2:2, der vor allem einem schlechten Wechsel der Haie zuzuschreiben war, eine Auszeit genommen, um der Mannschaft die Möglichkeit zu geben, sich nach den zwei schnellen Gegentreffern wieder zu sammeln. Der Effekt blieb aus, und Ingolstadt markierte kurz danach den dritten und vierten Treffer. Ihrem Team doch noch einmal einen Schub zu geben, versuchten die Haie danach über Aggressivität. Erst initiierte John Tripp einen Fight mit Jean-Francois Boucher nach einer kleinen Schubserei hinter dem Ingolstädter Tor, danach entledigten sich Douglas Murray und Jeffrey Szwez ihrer Helme und Handschuhe. „Wir haben versucht, das Momentum zurück auf unsere Seite zu bringen. Wir haben versucht, uns irgendwie zurück ins Spiel zu bringen.“ erklärte Murray.

In beiden Kämpfen blieben die Hausherren aber Sieger. Nick Latta konnte zwar danach in seinem Fight einen Take-Down gegen Benedikt Kohl verbuchen, kassierte aber zusätzliche zwei Minuten für einen Cross-Check. Im nachfolgenden Powerplay für die Panther dauerte es nur 7 Sekunden, bis die Scheibe zum fünften Mal hinter aus den Birken in den Maschen zappelte.

Trotz vermeintlich aussichtslosem 3-Tore-Rückstand nach 40 Minuten gingen die Haie mit viel Elan ins Schlussdrittel und stemmten sich mit allem, was sie hatten, gegen die scheinbar unvermeidliche Niederlage. Gereicht hat es nur noch zum dritten Kölner Tor durch Mike Iggulden. Sulzer meinte zu der Aufholjagd: „Eigentlich hatten wir ja nur die zweite Hälfte vom zweiten Drittel geschwächelt. Bis dahin hatten wir gut gespielt, also haben wir versucht, unser Spiel wiederzufinden. Auch um für das Spiel am Dienstag in Krefeld bereit zu sein.“

„In der zweiten Drittelpause haben wir uns in der Kabine gesagt: Wir haben zwei Möglichkeiten. Entweder wir geben auf, oder wir gehen da raus und spielen, als ob wir etwas zu beweisen hätten.“ berichtet Jones. „Das kann man natürlich als positives Signal für das nächste Spiel mit aus der Partie nehmen, aber wenn wir die Playoffs nicht erreichen, dann wird dieses positive Signal am Ende dieses Spiels keine Bedeutung haben. Wir werden sehen, was es für das nächste Spiel wert ist.“

Über den Autor: Henrike Wöbking

Henrike schreibt für haimspiel.de seit 2005 und wurde von Ex-NHL-Spieler Jason Marshall gelobt für "the best interview I ever did". Sie zeigte sich hauptverantwortlich für das Abschiedsvideo von Dave McLlwain. Außerdem ist sie Buchautorin und schrieb den Roman "Auf Eis" vor dem Hintergrund der Playoffs 2002.

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Happy Birthday Danny aus den Birken!

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