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Alexander Weiß im Interview

Alexander Weiß im haimspiel.de-Interview
Alexander Weiß im haimspiel.de-Interview

Alexander Weiß – das sind 30 Punkte, die der KEC Jahr für Jahr sicher auf dem Konto hat. Dieses Jahr teilt er sich mit Chris Minard sogar den Titel des teaminternen Top-Torschützen. Wir trafen den Stürmer nach dem heutigen Mannschaftsmeeting und sprachen mit ihm über seinen Werdegang bei den Haien, wer ihn als 13-jähriges Talent entdeckt hat und natürlich über die Playoffs und das bevorstehende Viertelfinale gegen die Adler Mannheim.

Alex, die Hauptrunde ist beendet. Wie fällt dein Fazit aus für euch als Mannschaft insgesamt?

Ich denke, dass wir die Saison gut angefangen haben. Mit der Niederlage, die wir am Ende der letzten Saison hinnehmen mussten, und da jeder um unsere Stärken wusste, fand ich, dass wir es am Anfang relativ gut gemacht haben. Ab Ende Dezember hatten wir dann einen leichten Durchhänger, als wir unter anderem viele Verletzte und gesperrte Spieler hatten. Ich würde sagen, dass es im Grunde ganz ok war. In den letzten Spielen haben wir eigentlich wieder ganz gut gespielt, aber in den Ergebnissen zu wenig Kapital daraus geschlagen für die Leistung, die wir gezeigt haben.

Wie wichtig war es für euch als Team, dass die Leistungskurve vor dem Ende der Saison doch wieder nach oben ging?

Ja, das ist immer wichtig. Vielleicht kam der Durchhänger auch zur richtigen Zeit. Es ist immer so, dass die Leistungen einer Mannschaft mal hoch und runter gehen. Und wir waren am Anfang ziemlich weit oben, sind dann auch tief gefallen, aber haben zum Schluss wieder eine gute mannschaftliche Leistung gezeigt. Ich denke, dass wir auf jeden Fall bereit sind für die Playoffs.

Nachdem ihr monatelang die Tabelle angeführt habt, wie sehr ärgert ihr euch, dass es in der Endabrechnung nicht mal fürs Heimrecht im Viertelfinale gereicht hat?

Wir wissen natürlich, dass es immer einfacher ist, wenn man zuhause mit den eigenen Fans im Rücken anfängt. Aber ich denke, in sieben Spielen wird auch zuhause nicht immer alles rosig laufen. Man muss so oder so auch mal ein Auswärtsspiel gewinnen, um eine Serie zu gewinnen. Deswegen spielt es – außer, dass wir jetzt nicht so oft vor unseren Fans spielen können – nicht so die Rolle. Und die „Reisestrapazen“ nach Mannheim sind auch leicht auszuhalten.

Alexander Weiß. Foto: Jürgen Peters

Wie lang war diese Hauptrunde gefühlt für euch und wie froh seid ihr, dass die Playoffs jetzt losgehen?

Wir sind natürlich echt glücklich. Speziell am Ende der Saison zieht es sich dann doch immer arg lang hin. Aber die 52 Spiele waren dazu da, die Mannschaft vorzubereiten und alle auf denselben Stand zu bringen – was wir auch geschafft haben, denke ich. Jetzt sind wir natürlich froh, dass es endlich losgeht. Wir haben natürlich noch eine Rechnung offen wegen dem, was letztes Jahr passiert ist. Ich denke, dass wir uns das alle anders vorgestellt haben. Dieses Jahr haben wir die Chance, es besser zu machen und vielleicht dann wirklich mal wieder den Titel nach Köln zu holen.

Die Saison hatte deutlich mehr Stolpersteine für euch als letztes Jahr – zum Beispiel die von dir angesprochenen Verletzungsausfälle. Kann das für irgendwas gut gewesen sein?

Ich glaube schon, dass das eine wichtige Rolle spielt. Die ganze Mannschaft rückt durch sowas näher zusammen. Jeder muss vielleicht mal eine Rolle erfüllen, die er vorher nie hatte. Die jungen Spieler mussten mal ins Powerplay, mal in die dritte Reihe und insgesamt viel spielen. Das ist gut. Das bringt die jungen Spieler weiter. Natürlich ist es nicht schön, wenn sich unsere erfahrenen Spieler verletzen, aber jetzt in den Playoffs wird es nochmal härter und es wird sicher auch die eine oder andere Sperre geben oder vielleicht nochmal eine Verletzung. Deshalb war es sicher gut, dass die Jungs in der Hauptrunde gelernt haben, mit so einer Situation umzugehen.

Was steht jetzt in der Woche für euch auf dem Programm, bis es am kommenden Sonntag in Mannheim losgeht?

Wir haben heute ein ordentliches Training absolviert, um nach den zwei freien Tagen wieder reinzukommen. Ich denke, morgen wird es ein harter Tag mit viel Krafttraining und auch auf dem Eis werden wir uns nochmal quälen. Am Mittwoch ist eventuell frei – je nachdem, wie wir jetzt trainieren. Danach wird es für uns eine ganz normale Woche mit drei Tagen Training. Wahrscheinlich wird Donnerstag nochmal sehr hart werden. Freitag und Samstag wird das Training reduziert und man stellt sich auf den Gegner ein. Wir werden sicherlich auch Videoanalysen machen. Samstag – also einen Tag vor dem ersten Spiel – werden wir nach Mannheim reisen, nochmal gut essen und viel schlafen. Dann sind wir Sonntag bereit für einen harten Kampf.

Kölner Haie gegen Adler Mannheim – das ist ja ein Klassiker. Du hast mit Köln noch keine Playoff-Serie gegen die Adler gespielt, aber sicherlich auch so genug mitbekommen von der großen Rivalität…

Ja.

… , weswegen wir uns über mangelnde Emotionen auf dem Eis wohl keine Sorgen machen müssen.

Nein. (grinst)

Was erwartest du insgesamt von der Serie?

Ich denke, dass es eine sehr, sehr enge Serie wird. Viele Spieler, die auch mal in Köln gespielt haben, sind jetzt in Mannheim. Die wollen es den Kölnern natürlich zeigen. Es wird auf kleine Details ankommen. Wir müssen gucken, dass wir unsere Defensive, die in den letzten Spielen jetzt wieder gut funktioniert hat, so beibehalten, und dass man mit der nötigen Emotion und körperlichen Präsenz in die Spiele reinkommt. Ich glaube, das wird eine lange Serie. Die werden sicherlich sehr defensiv stehen durch die Systemumstellung von Hans Zach. Wir sind jetzt heiß darauf, dass es losgeht. Diese Woche zieht sich jetzt zwar noch ein bisschen hin, aber es gibt uns auch die Zeit, uns im Training darauf einzustellen.

Das letzte Spiel gegen Mannheim, bei dem ja schon Hans Zach hinter der Bande stand, habt ihr verloren. Hat man das im Hinterkopf?

Wir wissen natürlich, dass sich da einiges geändert hat im Vergleich zum Saisonbeginn. Die beiden Niederlagen fielen beide in die Zeit, als es bei uns eh nicht so gut lief. Aber ich denke, wenn Mannheim sich einen Gegner aussuchen dürfte, würden sie sicher nicht uns als erstes wählen. Wir wissen, dass der Respekt gegenseitig da ist. Von daher denke ich, dass es ein Duell auf Augenhöhe wird. Hoffentlich mit dem besseren Ende für uns.

Du hast gegen die Adler dieses Jahr eine ziemlich anständige Torausbeute. Waren die sowas wie ein Lieblingsgegner für dich dieses Jahr?

Ich denke, als Stürmer pickt man sich schon immer positive Erfahrungen raus, die in der Saison passiert sind. Natürlich weiß ich, dass ich vier Tore gegen Mannheim geschossen habe. Und natürlich werde ich versuchen, da in den Playoffs noch was draufzupacken. Aber ich weiß auch, dass es natürlich in den Playoffs nicht einfach ist, mal eben drei Tore zu schießen. Ich kenne meine Rolle in der Mannschaft und versuche, die bestmöglich auszufüllen. Wenn dabei dann das eine oder andere Tor gegen Mannheim rausspringt, dann wäre das natürlich nicht verkehrt.

Du hast dieses Jahr mit 18 Toren deine persönliche Bestmarke geknackt. Zusammen mit Chris Minard teamintern der beste Torschütze. Ein gutes Gefühl?

Punkttechnisch war es jetzt ja nicht gerade meine beste Saison. Ich hatte schon mal 34, glaube ich. 18 Tore zu erzielen, war natürlich schön. Aber wir haben allgemein am Ende wenig Tore erzielt. Das war ja ein bisschen unser Manko, dass wir wenig Gegentore gekriegt, aber trotzdem nicht gewonnen haben. In den Playoffs müssen Chris Minard und ich und alle unsere Torjäger ein bisschen was draufpacken und vielleicht auch mal ein „unmögliches“ Tor machen. Gegen Mannheim werden das ganz, ganz enge Resultate. Wenn man da auch das eine oder andere dreckige Tor schießt, dann ist das natürlich von Vorteil.

Chris Minard hat früh in der Saison auf die Frage, wer im Team das Zeug dazu hätte, die 30-Tore-Marke zu knacken, sofort und ohne zu zögern gesagt: „Alex Weiß“. Was sagst du dazu?

Sowas von einem Torjäger wie Chris Minard, der letzte Saison 23 Tore hatte und auch in Nordamerika in seinen Teams für die Tore zuständig war! Ich sehe es ja jeden Tag im Training, was er für einen Schuss hat. Es ist unglaublich. Das ist natürlich ein Riesenlob von so jemandem. Da fühle ich mich geehrt und weiß es zu schätzen.

Alexander Weiß. Foto: Jürgen Peters

Du bist ja auch einer der wenigen Spieler im Team, die von den Fans mit einem persönlichen Gesang bedacht werden. Kriegst du das im Spiel mit?

Am Anfang hab ich es nicht mitbekommen. Aber dann hatten wir im Henkelmännchen eine Party mit den Fans, und da habe ich es dann überhaupt erst mitbekommen, dass es wirklich „Alexander Weiß“ heißt. Ich fühle mich natürlich geehrt, dass die Fans sich extra für mich ein Lied haben einfallen lassen. Das finde ich großartig. Deswegen versuche ich natürlich auch immer, so viele Tore wie möglich zu machen. Ich glaube, es ist für jeden Stürmer oder jeden Spieler etwas Schönes, wenn man so seinen Namen hört. Ich bin richtig glücklich darüber.

Als Rob Collins als letzter Neuzugang zum Team dazukam, hat Uwe Krupp von Anfang an gesagt, dass du einer seiner Flügelstürmer wirst, der andere – mal sehen. Wie war der Einstieg mit ihm und wie ist es inzwischen?

Also, als erstes habe ich ihm den Spitznamen „Phil Collins“ gegeben. (grinst) Ich hatte mit Uwe Krupp im Vorfeld Gespräche darüber, dass er ein ähnlicher Spielertyp ist wie Felix Schütz letztes Jahr, der spielerisch stark ist. Er meinte, dass ich da defensiv ein bisschen mehr Verantwortung habe. Ich versuche das natürlich zu erfüllen, obwohl es vielleicht nicht immer so gut klappt. Aber ich versuche, defensiv mein Bestes zu geben. Er hat in Düsseldorf großartige Jahre gehabt und war da immer Topscorer seiner Mannschaft mit Reimer zusammen. Man hat jetzt auch im Training und in den Spielen seine Passqualitäten gesehen. Er hat ja schon ein paar Vorlagen gegeben. Es ist natürlich eine Ehre für mich, mit solchen Leuten an meiner Seite zu spielen. Ich gebe da mein Bestes und hoffe, dass ich in der Reihe das Jahr auch beenden darf.

Philip Gogulla kam ziemlich bald in eure Reihe dazu. Euch dreien darf man wirklich weder Zeit noch Raum geben. Tolles Kurzpassspiel, ihr antizipiert gut, schöne Kombinationen. Wie erklärst du dir die gute Chemie zwischen euch?

Man sollte ja immer Spieler zusammen in eine Reihe stellen, die zusammen passen. Ich würde jetzt mal behaupten, dass Philip Gogulla und Rob Collins spielerisch gut sind. Die wissen halt einfach, wie man Eishockey spielt. Und so ein bisschen Hockeyverstand habe ich auch. Ich kann das eine oder andere Ding auch mal reinmachen, so wie es dieses Jahr ganz gut geklappt hat oder wenn man so einen kleinen Lauf hatte, wie ich dieses Jahr. Man bekommt von den beiden die Pässe und kann die Tore schießen. Ich finde, dass die Reihe vom Trainer gut zusammengestellt ist. Ich fühle mich da absolut wohl mit zwei spielerisch so starken Jungs. Wir haben jetzt schon das eine oder andere Tor geschossen. Jetzt haben wir noch ein bisschen Zeit, das im Training zu verfeinern.

Uwe Krupp hat an den Reihenzusammenstellungen – zumindest in den Starting-Lineups – in den letzten Spielen nichts mehr geändert. Wie wichtig ist es, dass ihr in diesen Reihen die letzten fünf oder sechs Spiele Gelegenheit hattet, euch einzuspielen für die Playoffs?

Ich denke, dass das immer wichtig ist. Eigentlich ist es nicht wirklich schwer, sich auf Spieler wie Gogulla und Collins einzustellen, aber man muss trotzdem immer eine Zeit unter Wettkampfbedingungen zusammen haben, damit man gut harmoniert. Ich glaube, dass Uwe Krupp eh nie ein großer Freund von Reihenumstellungen war, aber dieses Jahr war er halt gezwungen wegen der Verletzungen und den Sperren. So wie die Reihen in den letzten Spielen zusammengespielt haben, das war immer eine gute Teamleistung. Jeder hat seine Rolle gehabt. Von daher glaube ich, dass es gut war, dass man in dieser Konstellation jetzt nochmal Spielpraxis gesammelt hat. Jetzt haben wir eine Woche Zeit, untereinander die Einzelheiten zu besprechen. Man redet auch nochmal mit den Reihenkollegen darüber, wie man sich in einzelnen Situationen verhält. Ich glaube schon, dass das jetzt so die Reihen sind, wie Uwe Krupp sie zusammenhaben will. Jetzt müssen wir gucken, dass wir die Leistung bringen, die er von uns erwartet.

Die Mannschaft ist jetzt im zweiten Jahr sowohl im Sturm als auch in der Defensive gut aufgestellt. Das war in deinem ersten Jahr in Köln noch nicht so. Wie groß war die Umstellung damals vom amtierenden Meister Berlin zu den kleinere Brötchen backenden Haien?

Meine größten Erfolge hatte ich in Berlin. Das ist ja kein Geheimnis. Bei der Meisterschaft in meinem letzten Jahr bei den Eisbären habe ich nicht mehr die Rolle gespielt, die ich unbedingt haben wollte. Da war ich in der vierten Reihe. Mir wurde hier in Köln die Gelegenheit geboten, Teil einer guten Organisation zu sein, die damals schon phänomenal zusammengearbeitet hat. Mir wurde gesagt, dass sie hier ein neues Programm aufbauen wollen mit guten jungen deutschen Spielern und dass ich ein Teil davon sein kann. Das war auch das, was mich überzeugt hat, nach Köln zu kommen. Es waren ja auch keine leeren Versprechungen. Es war das erste Jahr, in dem wir dann auch wieder Preplayoffs und Viertelfinale gespielt haben. Hier wurde eine Mannschaft mit jungen Deutschen gebildet, die langfristig an den Verein gebunden wurden. Dazu dann eben individuell Top-Ausländer, die dazu im Stande sind, jedes Jahr das zu leisten, was wir letztes Jahr geleistet haben. Ich bin absolut stolz, hier zu sein. Ich hoffe, dass ich auch in Köln Erfolge haben werde.

Du hast damals gesagt, der Wechsel war „hart, aber das Beste für meine Entwicklung“. Gab es Momente, in denen du an deiner Entscheidung gezweifelt hast?

Ich hatte meinen Bruder und meinen Vater in Berlin, und meine Freundin hatte da ihre Familie. Ich glaube, in den ersten zwei oder drei Wochen, als ich hier war, habe ich schon gedacht: „Was bist du eigentlich für ein Vollidiot und gehst nach Köln? Du hättest in Berlin auch das Leben haben können, was du hier hast.“ Aber ich habe hier auch wieder gelernt, Spaß am Eishockey zu haben. Das war in meinem letzten Jahr in Berlin eben nicht mehr so. Den Spaß habe ich hier wieder zurückgewonnen. Ich habe hier eine tolle Mannschaft. Wir sind hier nicht nur „Arbeitskollegen“, sondern es sind auch Freundschaften entstanden. Auch für die persönliche Entwicklung meiner Freundin hat es sich gelohnt. Wenn wir heute zurückdenken, dann waren wir vielleicht den ersten Monat hier ein wenig unglücklich, aber Köln hat es uns inzwischen schwer angetan. Wie man hier behandelt wird, ist phänomenal. Ich bin absolut glücklich, dass ich den Schritt gegangen bin. Ich bereue es überhaupt nicht.

Da dein Bruder Daniel noch in Berlin spielt, musste die „Brüdergeschichte“ bei Duellen zwischen Köln und Berlin immer wieder als Storyline herhalten. Geht es euch selber langsam auf die Nerven?

(lacht) Auf die Nerven nicht unbedingt. Aber die Überschriften kommen natürlich immer. Wenn wir gegen Berlin spielen, dann weiß ich, dass der Anruf von der Presse kommt. Aber ich meine, es ist ja eine tolle Sache. Wir finden es natürlich auch toll, wenn wir gegeneinander spielen, und haben so eine kleine Rivalität untereinander. Es ist natürlich immer was Schönes. Aber natürlich würde ich lieber mit ihm zusammen auflaufen als gegen ihn.

Alexander Weiß. Foto: Jürgen Peters

Vor der Playoff-Serie gegen Berlin 2012 hat dein langjähriger Coach Don Jackson, der schon zu deinen Berliner Zeiten nicht unbedingt sparsam mit öffentlicher Kritik an dir war, der Presse gegenüber erklärt, dass du oft hinfällst, obwohl du gar nicht wirklich berührt wurdest, und dich als „Diver“ bezeichnet. Wie hast du das damals aufgenommen?

Ich muss sagen, ich habe in meinen ersten Jahren auch profitiert von Don Jackson. Als ich 18 oder 19 war, durfte ich erste Reihe mit zwei Ausländern spielen. Ich habe in den Top-3- Reihen gespielt und Erfolge gefeiert. Deswegen muss ich sagen, ich habe ihm auch viel zu verdanken. Irgendwann kam dann ein Knacks, ab dem das Verhältnis zwischen uns nicht mehr so gut war. Ich denke, er kennt mich auch als Persönlichkeit. Vielleicht war er der Meinung, dass er mich damit attackieren kann, wenn sowas in der Zeitung steht. Aber sowas muss man als Spieler einfach runterschlucken und darüber lachen. Ich wusste ja, dass er damit nur mich und unsere Mannschaft aus dem Konzept bringen wollte. Ich weiß, dass es nicht stimmt, und von daher war es mir auch ziemlich egal, was er in der Presse gesagt hat.

Wir springen mal ganz an deine Anfänge zurück. Du bist als 13-Jähriger zusammen mit deinem 10-jährigen Bruder in ein Sportinternat gekommen. Wie war das, so früh von der Familie weg?

Ich bin mit 12 erst allein nach Weiden in der Oberpfalz für ein Jahr ins Sportinternat. Danach sind Daniel und ich zusammen nach Berlin ins Sportinternat. Es war schon so, dass wir gesagt haben, wir wollen im Sport was erreichen. Unser Papa wollte das natürlich auch, aber er hat uns zu nichts gezwungen. Wenn ich Heimweh hatte und zuhause angerufen habe, um mit meiner Familie zu sprechen, hat er immer gesagt: „Wir können dich auch jederzeit nach Hause holen. Du kannst hier weiter Eishockey spielen. Du kannst hier zur Schule gehen.“ Aber irgendwie war ich dann mit 13 auch schon ein bisschen zu ehrgeizig um zu sagen, ich gebe jetzt einfach auf. Wenn ich heute zurückdenke, würde ich sagen, es war schwer, aber ich bereue es nicht. Ich glaube, dass einen das im Leben auch prägt. Wir waren ja zu zweit. Mein Bruder war 10, ich war 13, und wir haben unser Leben da schon alleine geregelt. Wir haben unsere Wäsche alleine gewaschen. Das können heutzutage manche 25-Jährige nicht von sich behaupten, dass sie ihre Wäsche selbst waschen. Ich glaube, wir haben uns dort ganz gut entwickelt und sind natürlich auch stolz, dass wir es beide bis in die DEL geschafft haben.

Hast du ernsthaft mit 13 schon gedacht: „Eishockeyprofi ist mein Berufsziel“?

Naja, ich war jetzt nicht gerade der Beste in der Schule. (grinst) Da war die Situation in Berlin schon optimal. Man hat die Schule, man hat Essen, den Sport – alles koordiniert. Man hat auch Erzieher gehabt, die für einen da waren, wenn es mal nicht so gut lief. Ich hatte damals schon das Ziel. Man hatte seine Vorbilder und wollte unbedingt so sein wie die. Ich glaube, dass das der einzig richtige Weg war. In Schwenningen war damals die Jugendarbeit überhaupt nicht gut. Da bist du halt aufs Eis und bist ein bisschen rumgelaufen. Wir wollten so sein, wie unsere Vorbilder, und dafür musste man den Schritt nach Berlin wagen.

Gibt’s Namen zu den Vorbildern?

Für mich war das Saku Koivu. Und Wayne Gretzky natürlich, wie für jeden. Wenn man die im Fernsehen gesehen hatte oder die Eishockeykarten von denen hatte, war mir damals schon klar, wenn man sowas erreichen will, dann muss man etwas wagen.

Der Berliner Einschlag in der Sprache ist schon ziemlich prägnant. Kriegst du manchmal Ärger zuhause, dass du so gar nicht mehr nach Schwarzwald klingst?

Meine Kumpels, die mich jetzt auch wieder zu Karneval besucht haben, finden das immer lustig, wenn ich versuche, wieder schwarzwälderisch zu reden. Ich kann es halt auch nicht mehr. In Berlin wurde ich wegen meiner Sprache auch öfter mal gehänselt, deshalb habe ich es mir da schnell abgewöhnt. Ich bemühe mich, hochdeutsch zu reden, aber manchmal kommt noch das „icke“ leicht durch.

Es waren nicht die üblichen Talentscouts, die euch damals entdeckt haben, sondern ein Jugendbuchautor. Kannst du das bitte genauer erzählen?

Genau. Das war Hans-Georg Noack, der inzwischen leider schon verstorben ist. Der hat viele Bücher wie zum Beispiel „Rolltreppe abwärts“ geschrieben, die man in der Schule liest. Der hat damals die Schülermannschaft von Berlin gesponsort. Und er war auch öfter mal in Weiden, um sich umzusehen, weil da auch ein gutes Sportinternat war. Er hat uns damals ein Probetraining bei der Berliner Schülermannschaft ermöglicht. Und er hat gesagt, wenn das wirklich klappen sollte mit Berlin, dann würde er den Preisunterschied vom alten Internat zu dem Internat in Berlin übernehmen. Wir hatten auch danach immer ein sehr gutes Verhältnis. Er hat uns immer geholfen, wenn’s mal finanziell ein bisschen eng war. Wir haben ihm viel zu verdanken. Es ist unfassbar, wenn man heute zurück denkt. Er hat das einfach bezahlt und gesagt: „Ich glaube an euch.“ Schade, dass er jetzt schon von uns gegangen ist.

Wenn man sich deine Statistiken über die Jahre ansieht, dann ist da – bis auf dein letztes Jahr in Berlin – eine große Konstanz zu sehen. War das immer alles so geradlinig? Und wenn ja, was ist das Geheimnis hinter dieser Konstanz?

Im ersten Jahr in Berlin hat mir Don Jackson die Möglichkeit gegeben, mit Top-Ausländern wie Mark Beaufait und Denis Pederson in der ersten Reihe zu spielen. Wenn man mit guten Leuten zusammen spielt, kommen die Punkte natürlich leichter, als wenn man wenig Eiszeit in der vierten Reihe hat. Dann gab es zwei Jahre, in denen ich vierte Reihe gespielt habe. In einem Jahr hatte ich, glaube ich, trotzdem 21 Punkte. Hier in Köln ist es mit den Punkten schon ziemlich konstant. Zu Beginn meiner Karriere in der Oberliga habe ich mir immer Gedanken gemacht und gedacht: „Heute musst du punkten, heute musst du ein Tor machen.“ Ich hatte dann auch Gespräche mit Sportpsychologen, die mir gesagt haben: „Du musst ein bisschen lockerer werden.“ Und dann habe ich versucht, mir eine – wenn ich das so sagen darf – „Leck mich am Arsch“-Haltung anzugewöhnen, mir einfach keinen Kopf zu machen und einfach gutes Eishockey zu spielen. Ob man einen Schuss blockt oder ein Tor schießt, ist beides wichtig. Seitdem kommen die Punkte quasi von alleine. Ich versuche einfach, konstant gute Leistungen zu bringen. Natürlich gibt es Tage, wo es flüssig läuft, und Tage, wo es schwerer ist. Uwe Krupp hat am Anfang zu mir gesagt, ich muss konstanter werden. Darauf habe ich mein Augenmerk gerichtet. Im letzten Sommer habe ich viel trainiert, weil er auch meinte, ich muss körperlich präsenter werden. Aus meiner Sicht würde ich sagen, dieses Jahr war mein bislang bestes in der DEL.

Du scheinst auch ein Spieler zu sein, der über die Emotionen ins Spiel findet und gerne an vorderster Front dabei ist, wenn es zur Sache geht. Ich erinnere mich zuletzt an das Spiel in München, als Palmieri Holmqvist angegangen ist…

Emotionen sind für jeden Eishockeyspieler wichtig. Ich brauche schon die Emotionen. Manchmal bin ich ein bisschen sehr temperamentvoll und reagiere auch mal ein bisschen über. Die Jungs sagen auch schon immer: „Bleib mal ruhig. Du kriegst bald noch einen Herzinfarkt.“ Uwe Krupp hat auch zu mir gesagt, ich soll die Schiedsrichter in Ruhe lassen. Ich habe jetzt auch absolutes Verbot, mit den Schiedsrichtern zu reden. (lacht) Aber klar versuche ich, über einen Check oder eine gute Aktion ins Spiel zu kommen. Wenn es in einem Spiel mal nicht über einen guten Pass oder ein Tor funktioniert, dann muss ich eben über harte Checks oder irgendwas anderes ins Spiel kommen. Und gerade wenn dann ein Palmieri versucht, unseren besten Verteidiger anzugehen, dann ist ja klar, dass ich versuche, den zu beschützen. Ich würde schon sagen, dass ich ein Spieler bin, der über Emotionen ins Spiel kommt.

Du hast in der vergangenen Saison für drei Jahre in Köln verlängert. Drei Jahre sind mal ein eindeutiges Bekenntnis zu den Haien. Hast du darüber lange nachdenken müssen oder war das ein – wie man so schön sagt – „no brainer“?

Das war ein „no brainer“. Das war ja damals noch mit Thomas Eichin. Ich hatte das Golfturnier gewonnen. Keine Ahnung wie, aber ich hab’s gewonnen. Thomas hat mich damals drauf angesprochen, ob ich im nächsten Jahr als Titelverteidiger wieder antrete. Da habe ich gesagt: „Keine Ahnung. Ich weiß ja nicht, ob ich nächstes Jahr im August noch hier bin.“ Da meinte er: „Achso, du hast ja gar keinen Vertrag mehr. Wollen wir mal reden?“ Danach war es dann eine ganz schnelle Sache. Das Angebot wurde geschickt, es gab noch ein, zwei Details zu verhandeln, aber es war für mich ganz klar, dass ich mich zu den Haien bekenne. Wir fühlen uns absolut wohl in Köln. Wenn sie mir jetzt einen 5-Jahres-Vertrag hinlegen würden, dann würde ich den natürlich auch unterschreiben.

Dein Bruder Daniel hat dir bei deinem Weggang aus Berlin gewünscht, dass du in Köln gute Jahre hast, damit die Eisbären dich dann zurückholen. Wird Daniel nach Köln wechseln müssen, wenn ihr jemals wieder zusammen spielen wollt?

Wir haben uns versprochen, dass wir auf jeden Fall nochmal zusammen spielen, bevor einer von uns seine Karriere beendet. Ich bin die nächsten drei Jahre hier. Was mein Bruder nächstes Jahr macht, ist noch nicht raus. Wir werden auf jeden Fall nochmal zusammen spielen. Ich hoffe, dass es in Köln sein wird, damit er auch mal Köln kennenlernt. Ich wüsste, dass ihm das hier alles gut gefallen würde. Es ist natürlich immer die Frage, ob das Management bzw. Uwe Krupp denkt, dass ein Spieler hier reinpasst oder ob er ihn gebrauchen kann. Ich hoffe, dass Daniel mit guten Leistungen auf sich aufmerksam macht und dass wir dann eines Tages mal in Köln zusammenspielen können.

Wir bedanken uns bei Alexander Weiß für das Interview!

Über den Autor: Henrike Wöbking

Henrike schreibt für haimspiel.de seit 2005 und wurde von Ex-NHL-Spieler Jason Marshall gelobt für "the best interview I ever did". Sie zeigte sich hauptverantwortlich für das Abschiedsvideo von Dave McLlwain. Außerdem ist sie Buchautorin und schrieb den Roman "Auf Eis" vor dem Hintergrund der Playoffs 2002.

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