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Douglas Murray: “Ich freue mich darauf, Gegner zu checken.”

Douglas Murray im Interview. Foto: Steffen Thaut
Douglas Murray im Interview. Foto: Steffen Thaut

Auf seinem Helm prangt das Logo der Canadiens, als Douglas Murray am Donnerstagvormittag sein erstes Training bei den Kölner Haien absolviert. Läuferisch-konditionelle Defizite waren deutlich sichtbar, aber auch seine physische Präsenz, die er mit seinen 1,90m und 110kg mitbringt. Nach der Eiszeit sprachen wir mit dem Verteidiger über die Verbindung, die ihn zum KEC brachte, seine persönliche Verfassung und darüber, wieviel „Tryout“ dann doch in seinem Trainingsgastspiel in Köln steckt.

Offiziell ist das schwedische Schwergewicht Trainingsgast beim KEC. Aber wenn man bei einem Club mittrainiert, dann zeigt man sich natürlich auch. „Im Moment bin ich hier, um zu trainieren. Aber wenn es für die Kölner Haie passt und für mich passt, dann spiele ich hier vielleicht die Saison zuende. Erstmal schauen wir jetzt aber von Tag zu Tag. Ich habe eine Weile nicht auf dem Eis gestanden, also muss ich erstmal wieder in Form kommen. Das konnte man vermutlich von der Tribüne aus sehen“, sagt Murray mit einem Lachen. „Es ist kein Tryout im eigentlichen Sinne. Ich bin hier, um fit zu werden, aber natürlich werde ich währenddessen begutachtet. Allerdings gibt es hier bereits sieben Verteidiger. Wenn ich dazu käme, dann wären es acht.“

Douglas Murray im Zweikampf mit Maxime Sauvé. Foto: Steffen Thaut.

Douglas Murray im Zweikampf mit Maxime Sauvé. Foto: Steffen Thaut.

Der Trainingsrückstand ist ihm deutlich anzusehen. Im Sprint-Duell blieb er selbst hinter Andreas Holmqvist zurück. „Wenn man lange nicht auf dem Eis gestanden hat, ist der Einstieg ins Training immer hart. Aber da muss ich jetzt durch, damit ich wieder in Form komme. Man kann so viel im Kraftraum trainieren, wie man will, man braucht das Training auf dem Eis, den Wettkampf auf dem Eis. Wirklich in Spiel-Kondition kommt man nur, wenn man auf dem Eis trainiert und spielt.“

Im Vergleich zu den letztjährigen Spät-Einkäufen wie Rob Collins und Mika Hannula macht er aber einen deutlich besseren Eindruck, was auch daran liegt, dass er eigentlich damit gerechnet hatte, die Saison 2014/15 wieder in der NHL zu spielen. „Ich habe lange mit der Entscheidung gewartet, nach Europa zu gehen. Ich habe mit keinem europäischen Club gesprochen bis circa Mitte November. Davor war ich voll auf die NHL fokussiert, und dass ich da einen Vertrag bekomme. Das hat sich nicht ergeben. Jetzt versuche ich herauszufinden, wie es für mich weitergeht.“

Als die Entscheidung für den Weg zurück nach Europa gefallen war, stand natürlich seine Heimat Schweden ganz oben auf der Liste, und hier im Speziellen Djurgarden IF. Ein Vertrag bei seinem schwedischen Ex-Club, wo er bis zu seinem 16. Lebensjahr spielte und auch die Zeit des NHL-Lockouts in der Saison 2012/13 verbrachte, kam aber nicht zustande. Die Enttäuschung darüber ist Murray deutlich anzumerken: „Ja. Mich verbindet eine lange Geschichte mit Djurgarden. Es hat aus welchem Grund auch immer nicht geklappt. Ich habe darüber einmal in der Presse gesprochen. Ich werde nicht nochmal darüber sprechen. Ich konzentriere mich auf die Zukunft. Die Vergangenheit ist die Vergangenheit. Ich kann nur das Heute kontrollieren. Und dann sehen wir, was morgen passiert.“

Murray ist ein extrem physischer Spieler, der es in der DEL sicher nicht leicht hätte, mit seinen Checks ungeschoren davonzukommen. Davon ahnt er bislang noch nichts, denn er gibt unverblümt zu, herzlich wenig über die Spielweise hier zu wissen: „Die DEL ist mir ungefähr so vertraut wie die SHL – nämlich gar nicht. Ich war in den USA, seit ich 17 Jahre alt war. Ich weiß wenig über das europäische Hockey insgesamt. Ich kenne ein paar Spieler, weil ich mal mit ihnen oder gegen sie gespielt habe. Mit Mike Iggulden habe ich zum Beispiel zwei Jahre lang auf dem College zusammen gespielt. Man kennt ein paar Spieler, aber wie das Hockey ist, weiß man erst, wenn man ein paar Spiele gesehen oder gespielt hat.“

Dass er auch ohne vollen Körpereinsatz eine physische Präsenz vor dem eigenen Tor ist, bekamen im Training gleich mal Chris Minard und John Tripp zu spüren. Wo Murray steht, wird eben aufgeräumt. Dass er seine Trainingsgastgeber aber nicht amtlich zusammenfährt, versteht sich von selbst: „Ich gehe im Training natürlich nie voll drauf, aber ich freue mich darauf, irgendwann wieder ein paar Gegner zu checken“, sagt der Schwede mit einem Grinsen. „Aber ich muss im Moment eh noch vorsichtig sein. Wenn man lange nicht auf dem Eis war, dann sind speziell die Leiste und die Hüfte verletzungsgefährdet. Ich bin lange genug dabei, um zu wissen, dass ich da in den ersten paar Tagen hier aufpassen muss. Man steigert die Belastung dann nach und nach.“ Kluge und beruhigende Worte, nachdem es in der Vergangenheit bei den späten Nachverpflichtungen der Haie zu häufig Leistenverletzungen gab.

Douglas Murray im Gespräch mit Haie-Trainer Niklas Sundblad. Foto: Steffen Thaut.

Douglas Murray im Gespräch mit Haie-Trainer Niklas Sundblad. Foto: Steffen Thaut.

Wie lange er braucht, um wieder in ‚game-shape‘ zu kommen, fällt ihm schwer einzuschätzen: „So wie Niklas [Sundblad, Anm.d.Red.] trainieren lässt? Vermutlich nach drei Trainingseinheiten“, lacht Murray. „Ich weiß es nicht genau. Ich muss erstmal wieder ein Gefühl für mich selber kriegen. Die Coaches müssen entscheiden, wann ich konditionell soweit bin, dass sie mich so einsetzen könnten, wie sie wollen. In meinem Kopf bin ich natürlich spielbereit für Samstag. (grinst) Aber das ist eine Haltung, die man als Spieler haben muss. Es ist schwer, den Zeitrahmen konkret zu benennen. Besonders weil ich noch nie in dieser Situation war, so lange nicht gespielt zu haben. Es ist etwas anderes, als wenn man mitten in der Saison von einer Verletzung zurückkommt. Ich würde schätzen, eine Woche oder zwei. Wir werden sehen.“

Selbstverständlich wird er am Samstag nicht auflaufen, aber er wird sich die Partie nicht entgehen lassen. „Ich werde auf jeden Fall beim Wintergame da sein und zuschauen. Ich habe selber nie eins gespielt. Es ist toll. Das wird hoffentlich ein gutes Spiel. Es wäre natürlich toll, da mitzuspielen, aber ich wäre wohl nach zwei Wechseln KO.“ Womöglich ist das Derby genau das richtige Spiel, um ihm einen Eindruck davon zu vermitteln, was in dieser Liga wie gepfiffen wird.

Aufgenommen hat ihn der Rest der Mannschaft erwartungsgemäß gut, die Begrüßung vorm Training kurz aber herzlich: „Es war toll. So wie in jeder Hockey-Kabine eigentlich. Die Jungs haben mir das Gefühl gegeben, willkommen zu sein. Wir hatten noch nicht viel Gelegenheit zum Plaudern, aber das ergibt sich sicher in den kommenden paar Tagen.“ Nicht nur das wird sich in den kommenden paar Tagen ergeben sondern sicher auch, ob Douglas Murray einen Vertrag bei den Kölner Haien bekommt. Den Ehrgeiz und die Professionalität dafür bringt er mit. Entscheidend wird, ob das, was er zu bieten hat, dem KEC für die Vergabe der letzten Ausländerlizenz reicht.

Über den Autor: Henrike Wöbking

Henrike schreibt für haimspiel.de seit 2005 und wurde von Ex-NHL-Spieler Jason Marshall gelobt für "the best interview I ever did". Sie zeigte sich hauptverantwortlich für das Abschiedsvideo von Dave McLlwain. Außerdem ist sie Buchautorin und schrieb den Roman "Auf Eis" vor dem Hintergrund der Playoffs 2002.

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Douglas Murray heute in Köln eingetroffen

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