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„Wir müssen uns ab und zu auf unsere Stärke besinnen.“

Kai Hospelt - Foto: Alexandra Schmitz

Haie-Stürmer Kai Hospelt im ausführlichen Exklusiv-Interview mit einer Bestandsaufnahme zur Saisonhalbzeit.

Kai, nach der Euphorie über deine Rückkehr nach Köln ist inzwischen der Alltag eingekehrt, oder?

Ja, aber ich muss sagen, ich bin immer noch happy. Wir haben uns natürlich inzwischen eingelebt, aber die Freude, wieder zurück zu sein, überwiegt immer noch.

Die letzten Spiele waren alle vom Ergebnis her ziemlich eng. Gegen Nürnberg entsprach das auch der Optik, gegen Schwenningen hattet ihr die deutlich größeren Spielanteile, in Augsburg wollte die Scheibe einfach nicht über die Linie. Wie sehr strapazieren solche Spiele die Geduld und die Nervenstärke?

Das ist natürlich teilweise ein bisschen frustrierend. Aber wenn man schon ein Spiel verliert, dann verliert man lieber so ein Spiel, in dem man sagen kann „Ok, wir haben trotzdem über große Strecken die Leistung abgerufen, haben uns Chancen herausgespielt, der gegnerische Torwart hatte einfach einen guten Tag oder wir haben nur einfach selber die Dinger nicht reingemacht.“, als dass man sagen muss „Wir hatten heute keine Chance und haben einfach verdient, dass wir heute verloren haben.“ Letzteres ist schwieriger zu verarbeiten.

Wie groß ist euer Vertrauen in Cory Cloustons System?

Ich denke, das sieht man. Man sieht, dass wir die Vorgaben umsetzen oder versuchen, sie umzusetzen. Und die Chancen, die wir uns herausspielen, geben dem System ja auch Recht. Da wir die Sachen immer wieder trainieren und sie immer wieder wiederholt werden, passieren sie dann irgendwann automatisch. Die Saison ist sehr lang. Wir sind sehr gut in die Saison gestartet. Es ist schwierig, das über die gesamte Zeit aufrechtzuerhalten. Augsburg beispielsweise hat jetzt im Moment einen Lauf, ist dafür nicht ganz so gut in die Saison gestartet wie wir. Am Anfang haben sie viele enge Spiele verloren, die sie jetzt im Moment gewinnen – wie zum Beispiel gegen uns, wo sie es vielleicht nicht unbedingt verdient hatten zu gewinnen, aber im Verlauf der Saison gibt es halt solche Spiele. Für uns ist es jetzt einfach wichtig, von diesen engen Spielen wieder die Mehrzahl zu gewinnen. So wie wir es jetzt gegen Schwenningen auch gemacht haben. Da hätten wir nach zwei Niederlagen auch ungeduldig werden können und es hätten vielleicht ein paar Jungs versuchen können, es auf ihre eigene Art zu lösen, aber das haben wir nicht gemacht. Wir haben am Game-Plan festgehalten und versucht, es als Mannschaft zu lösen. Wenn es im Moment nun mal so ist, dass die Torhüter gegen uns gut spielen, dann müssen wir auch gut verteidigen, damit wir selber nicht viele Tore hergeben. Da müssen dann zwei oder drei Tore manchmal reichen.

Ihr habt den niedrigsten Gegentorschnitt der Liga. Daran hat Gustaf Wesslau sicher einen großen Anteil, aber ihr lasst auch nur wenige Großchancen zu. Wieviel Sicherheit gibt euch das Wissen um eure defensive Stärke?

Das ist natürlich eine Stärke von uns, aber auf die müssen wir uns auch ab und zu besinnen. Am Anfang der Saison haben wir viel gewonnen, nicht immer viele Tore geschossen, aber sehr gut gespielt. Zwischendurch gab es dann einen Zeitpunkt, wo wir dachten, wir müssen einfach mehr Tore schießen. Das hat dann auch geklappt, aber da haben wir dann ab und zu auch mal ein paar mehr kassiert. Das ging dann mal gut, mal weniger gut aus. Die letzten paar Spiele waren wir hinten wieder sehr gut. Und wenn es dann mal vorne klemmt, dann ist das halt so. Dass vorne die Dinger nicht reingehen, kommt immer mal in Phasen wie Ebbe und Flut. Aber es ist einfach wichtig, dass man hinten immer gut steht. Das zeigt auch, dass alle mitziehen wollen. Dass wir den Gustaf dann auch noch haben, ist natürlich das i-Tüpfelchen obendrauf. Natürlich gibt man auch mal gute Chancen ab, gerade wenn man versucht, nach vorne zu spielen, so wie wir das eigentlich wollen. Dann ist es natürlich gut, wenn man einen Torwart hat, der auch mal den einen oder anderen Unhaltbaren halten kann.

Nach dem Heimspiel gegen Nürnberg hast du gesagt „Ich will nicht sagen, dass wir uns von außen haben reinquatschen lassen, aber man kriegt dann doch mal zu hören, dass Top-Teams mehr Tore schießen“. Gab’s da Unruhe im Umfeld? Wo kam das her?

Das kam nicht von Leuten, die was zu sagen haben. Ich hab das zum Beispiel nur mitbekommen, weil bei einer Autogrammstunde ein Fan gefragt hat, warum denn die Münchner immer so hoch gewinnen und wir nicht. Ich hab dann nur gesagt „So lange wir auch gewinnen, ist mir das eigentlich egal.“ Aber manchmal ist es so, wenn mehrere Leute die Jungs sowas fragen, dass man das vielleicht unterbewusst doch aufnimmt. Ich hab ja damals in unserem Gespräch auch schon gesagt, dass wir nicht deshalb eine gute Defensive haben, weil wir uns hinten reinstellen, sondern wir wollen eine gute Defensive haben, weil wir immer drauf gehen und der Gegner die Scheibe gar nicht so lange hat. Das ist ja ein Unterschied. Man kann wenig Tore kassieren und trotzdem attraktives Eishockey spielen, weil man halt immer Gas gibt und den Gegner unter Druck setzt. Ich denke, das ist eher unsere Philosophie. Wir sind ja keine Mannschaft, die sich an die eigene blaue Linie stellt und darauf wartet, dass der Gegner die Scheibe verliert. Es ist nicht so, dass da jemand von der Geschäftsstelle runterkam und gesagt hat, wir müssen jetzt mehr Tore schießen, egal wie das Spiel dann ausgeht. Das würde ja niemand machen. (lacht)

Gustaf Wesslau hat bei uns im Interview zu der Phase nach der Länderspielpause gesagt: „Manchmal machen wir Dinge, die wir nicht abgesprochen haben, und davon profitieren andere Teams.“

Ja, man kann das manchmal beobachten, wenn man gerade eine Serie oder einen Lauf hat, dann gewinnt man die letzten zwei, drei Spiele der Serie zwar noch, aber da sind dann schon Sachen dabei, wo man weiß, das war jetzt nicht so gut, aber wir haben trotzdem irgendwie gewonnen. Genauso ist es auch in bei einer Niederlagenserie. Wir haben zum Glück in dieser Saison noch nicht so viele Spiele hintereinander verloren, aber zum Beispiel die letzten beiden Spiele, die wir verloren haben, sind ein gutes Beispiel. Wir haben zwar in Augsburg verloren, aber wenn wir so ein Spiel zehnmal spielen, dann verliert der Gegner im Normalfall öfter als wir. Ich denke, was Gustaf meinte, war, dass sich damals unterbewusst Schlendriane eingeschlichen haben. Wenn sowas aufkommt, dann muss man das ansprechen, selbst wenn man gewonnen hat. Da muss man dann schon sagen, wir haben zwar gewonnen, aber das und das wollen wir eigentlich anders machen. Es ist dann auch kein Problem für die Jungs, in die Reihe zurückzufinden.

Cory Clouston hat bei uns im Interview gesagt, dass niemand seinen Platz im Line-Up sicher hat. Nehmt ihr das als Spieler so wahr, dass ihr in jedem Spiel auf dem Prüfstand steht?

Ja, auf jeden Fall. Es wurde ja schon oft angesprochen: Wir haben eine tiefe Mannschaft dieses Jahr. Es ist nicht so, dass man sich sagen kann, ich kann jetzt spielen, wie ich will, denn es ist ja keiner da, der mich verdrängen kann. Im Gegenteil. Ich glaube, dass Cory eine gute Mischung hat. Er gibt den Jungs das Vertrauen in den Rollen zu zeigen, was sie können, die er sich gedacht hat und die er sich vielleicht am Anfang der Saison zurechtgelegt hat. Aber jeder weiß auch, dass jemand anders von Cory eine Chance bekommt, wenn es für die Mannschaft gut ist, auch wenn das von Corys ursprünglichem Plan abweicht. Das ist auch gesund für den internen Konkurrenzkampf.

Das heißt, dass nicht mal ihr Top-6-Spieler euch eurer Position sicher sein könnt?

Sicher sowieso nicht. Es ist schon so, dass wir die meiste Zeit mit den gleichen Top-6 gespielt haben und wenn was geändert wurde, dann haben wir nur untereinander rotiert. Aber zum Beispiel Johannes Salmonsson ist da reingekommen, weil Travis Turnbull jetzt in der Mitte spielt. Auch Nico Krämmer und Sebastian Uvira haben schon super in den Top-6 gespielt, wenn jemand verletzt war. Die können das auch. In einer anderen Mannschaft würden sie sich vielleicht auch in die Top-6 spielen. Bei unserer Tiefe im Kader ist das nicht so, aber dafür spielen die dritte und die vierte Reihe bei uns auch mehr als in anderen Mannschaften. In anderen Mannschaften spielt die dritte und vierte Reihe vielleicht zehn Minuten pro Spiel. So ist das bei uns halt nicht.

Gibt es wegen der Eiszeitverteilung eigentlich Stimmungen oder kommen da alle gut drauf klar?

Es war bei uns von Anfang der Saison an ausgegeben, wie unser Plan ist, wie wir spielen wollen, wie die Mannschaft aufgebaut ist. Da gab es keine Missverständnisse. Deswegen regt sich auch niemand darüber auf. Klar, jeder Spieler würde lügen, wenn er nicht sagen würde, er will immer mehr spielen. Selbst wenn jemand dreißig Minuten Eiszeit hat. Das ist ja ganz normal. Aber wir wollen ja gewinnen. Und man sieht ja, dass es so funktioniert und es der richtige Weg ist. Dass wir gewinnen, ist das Wichtigste, und da stecken eigene Ziele dahinter zurück. Man hat in den letzten Jahren gesehen, dass die Mannschaften, die am Ende oben gestanden haben, nie nur von einer Reihe getragen wurden. Ob das jetzt in der Zeit war, als die Eisbären alles gewonnen haben, oder ob das Ingolstadt war oder Mannheim vor zwei Jahren oder zuletzt München. Das waren immer Mannschaften, wo es jeden Tag eine andere Reihe hätte entscheiden können. Ich denke, in die Richtung geht es halt einfach. Und so sind wir auch aufgebaut.

Deine Reihe mit Jones und Reinhart ist ja seit einiger Zeit unverändert zusammen. Hast du das Gefühl, dass seit dem Ausfall von Patrick Hager mehr Verantwortung fürs Scoring auf euren Schultern liegt?

Das kam vielleicht auch noch dazu, aber ich glaube, wir haben auch vorher schon angefangen, unsere Chancen besser zu nutzen und ein paar Tore mehr zu schießen. Klar, seit der Hagi verletzt ist, hat sich das vielleicht noch ein bisschen mehr verlagert. Aber ich glaube grundsätzlich, dass die Verantwortung bei allen liegt, auch Tore zu schießen. Natürlich spielen wir vielleicht ein paar Wechsel mehr in der offensiven Zone, aber die anderen Reihen gehen ja auch nicht raus und sagen sich, wir wollen jetzt bloß kein Tor kassieren. Defensiv gut zu spielen ist für uns alle wichtig, aber ich sag mal, eine Reihe mit Nico Krämmer, Travis Turnbull und Dane Byers kann auch Tore schießen. Ich glaube nicht, dass da die Verantwortung jetzt nur auf einer Reihe liegt. Das spricht ja auf jeden Fall auch für die Balance im Team.

Die Wichtigkeit des ersten Tores sprecht ihr alle durch die Bank – Spieler wie Trainer – sehr oft an. Ihr nehmt euch vor jedem Spiel vor, diesen ersten Treffer zu machen. Tatsächlich habt ihr in 12 von euren 15 Siegen den ersten Treffer gemacht und nur in 2 von 10 Niederlagen trotz 1:0-Führung verloren. Wie wichtig ist es für euer Spiel, in Führung zu gehen?

Ich glaube nicht mal, dass das nur für uns wichtig ist sondern generell für jeden. Die Liga ist so ausgeglichen. Dass man ein Spiel nach einem Rückstand noch rumreißt wie zum Beispiel in Wolfsburg, kommt halt nicht so häufig vor. Da muss dann wirklich alles passen. Man macht sich halt mit einem Rückstand das Leben selber schwer, deswegen ist das erste Tor schon sehr wichtig. Vor allem auch für den Game-Plan. Wenn das Spiel erfolgreich läuft – und da gehört eine Führung dazu -, dann ist es einfacher, daran festzuhalten, als wenn man sich anpassen muss, weil das Spiel anders läuft. Aber es gibt natürlich auch Unterschiede. Von so einem unglücklichen Gegentreffer wie dem 1:0 in Augsburg darf man sich nicht aus der Bahn werfen lassen. Sowas passiert halt mal. Aber wenn man natürlich rauskommt wie in Düsseldorf, wo wir wirklich einen schlechten Start erwischt haben, und eh man sich versieht, liegt man zwei, drei zu null hinten, dann läuft man das ganze Spiel bergauf. Da macht man es sich nur unnötig schwierig.

Das ist ja eine durchaus interessante Entwicklung. Eine Ein-Tor-Führung ist speziell im Eishockey ja eigentlich wirklich dünn, selbst eine Zwei-Tore-Führung trägt ja eigentlich den Beinamen „gefährlichste Führung im Hockey“. Ist diese Entwicklung systemisch bedingt?

Daran liegt es auf jeden Fall. Ich finde, dass die Torhüter stärker geworden sind im Vergleich zu früher. Es werden viel weniger Tore durch Schüsse von weiter weg erzielt, außer sie sind abgefälscht. Ich wüsste jetzt gar nicht, wie viele Tore wir in dieser Saison gemacht haben, wenn man das Eis runter kommt und direkt nach der Blauen Linie geschossen wurde. Das sind von allen unseren Toren vielleicht eine Handvoll. Außerdem machen alle Mannschaften viel mehr Video als früher, das heißt, sie sind viel besser auf den Gegner vorbereitet und wissen sich taktisch viel besser zu verhalten. Wenn man dann in Rückstand gerät, dann legen sie natürlich noch viel mehr Wert darauf – genauso wie wir es machen, wenn wir in Führung gehen. Dann wird es natürlich ungleich schwerer, ein Tor zu schießen. Deswegen wird es immer wichtiger, selber in Führung zu gehen. Heute ist es – egal gegen wen in der Liga – viel schwieriger, ein oder zwei Tore Rückstand aufzuholen.

Du hast in deiner Zeit in Mannheim ja einige Kader mit viel Tiefe erlebt. Inwiefern kannst du die Situation von damals mit der hier in dieser Saison vergleichen, die ja für viele der Jungs bei den Haien neu ist?

Grundsätzlich ist es natürlich nie einfach für denjenigen, der gerade nicht spielen darf, denn spielen wollen wir ja alle. Es ist halt mittlerweile so, dass man einfach alle braucht. Seit ein paar Jahren werden alle Playoff-Serien als Best-of-Seven gespielt. Da spielst du dann anderthalb Monate lang alle zwei Tage. Da wirst du nichts erreichen, wenn du zu dem Zeitpunkt grad zwei Verletzte hast und hast nur zehn Stürmer zur Verfügung. Das geht halt einfach nicht, weil dir dann irgendwann einfach der Strom ausgeht. Wenn alle gesund sind, ist es für zwei oder drei Jungs dann natürlich bitter. Letztes Jahr sind wir in Mannheim von Anfang mit einem tiefen Kader gestartet. Da war es wirklich oft schwierig, muss ich sagen, weil die Zusammensetzung so war, dass die Jungs, die auf der Tribüne gesessen hatten und dann reinkamen, nicht wussten, was ihre Rolle ist und dann trotz Einsatz vielleicht unzufrieden waren. Das war dann natürlich schwierig. Ich denke, hier bei uns jetzt weiß es jeder. Aber nichtsdestotrotz ist es schwierig für jemanden wie Ohmi, der jetzt länger nicht gespielt hat. Da freuen sich auch alle Jungs, wenn er reinkommt und direkt ein Tor schießt. Man hat es, glaube ich gesehen, dass sich alle Jungs da besonders freuen. Der hat genauso hart trainiert wie alle anderen auch. Vielleicht sogar noch mehr. Wenn wir uns aufs Spiel vorbereiten, hat er mit Arne [Greskowiak, Fitnesscoach der Haie, Anm.d.Red.] noch Trockentraining extra gemacht. Es ist nicht einfach und es macht auch keinen Spaß. Deswegen freut man sich ganz besonders für ihn.

Ist es da auch Aufgabe der Stammspieler, die gesamte Truppe als Mannschaft geschlossen zu halten?

Das unterscheidet die Mannschaften, die funktionieren, von denen, die nicht funktionieren. Und es betrifft ja nicht nur die Spieler, die überzählig sind, sondern auch die, die verletzt sind, dass die sich nicht außen vor fühlen. Die müssen immer das Gefühl haben, dass sie dazu gehören. Da geht es auch nicht um Mitleidsbekundungen von den Stammspielern. Das weiß derjenige selber, dass es Scheiße ist, wenn er gerade nicht spielt. Das muss er nicht noch gesagt bekommen. Das Beste ist, wenn jeder jeden gleich behandelt.

Du warst Kapitän in Wolfsburg und hast auch hier in Köln schon vertretungsweise das „C“ auf der Brust getragen. Hat das schon immer in deiner Persönlichkeit gesteckt oder bist du in die Rolle über die Jahre hineingewachsen?

Da bin ich auf jeden Fall hineingewachsen. Damals in Köln war ich ja jung und hab mir darüber überhaupt keine Gedanken gemacht. Aber ich habe natürlich von Leuten gelernt wie Dave McLlwain, Lüde, Alex Hicks, Brad Schlegel, die uns jüngeren Spielern das vorgelebt haben. In Wolfsburg hatten wir zum Beispiel Blake Sloan als Kapitän. Der war einfach ein super Beispiel. Immer pünktlich, jeden Tag super beim Training, auch mit Spaß – egal ob’s hart war. Von solchen Leuten lernt man natürlich und das will man natürlich dann auch nacharbeiten, wenn man selber in die Situation kommt, vorneweg zu gehen und Verantwortung zu übernehmen. Das merkt man dann auch einfach, wenn die Zeit reif ist. Die, die es sich zutrauen, machen das dann einfach. Man merkt auch, ob das bei den Teamkollegen ankommt und ob die Trainer das begrüßen. Es gibt Jungs, die sagen nicht viel und machen einfach, was auch angenehm ist. Und dann gibt es solche, die was sagen, wenn etwas angesprochen werden muss. Man braucht beides, denke ich. Bei uns ist das ganz gut. Wir haben ein paar Jungs, die was sagen. Unser Kapitän und die beiden Assistenten, die wir haben, die haben es ja letztes Jahr schon gemacht – und super gemacht. Ich denke, das war eine schwierige Saison letztes Jahr. Ich weiß es ja nur aus den Erzählungen, aber es war bestimmt nicht einfach, da alles zusammenzuhalten, so dass die Saison am Ende noch so einen guten Abschluss gefunden hat. Da gibt es keinen Grund, auch nur irgendwas zu ändern. Aber ich denke mal, so Jungs wie Dane Byers, T.J. Mulock, ich und natürlich auch der Christian Ehrhoff haben auch schon viel erlebt. Wenn irgendwas los ist, dann werden wir das auch immer sagen. Dafür muss man aber auch keinen Buchstaben auf dem Trikot haben. Das ist halt einfach eine Frage der Persönlichkeit.

Cory Clouston und Mark Mahon sagten kürzlich, dass die Mannschaft noch dabei ist, zusammenzuwachsen und ein Gefühl füreinander zu entwickeln. Wie sehr beschäftigt ihr euch noch damit, euch als Team zu finden?

Ich glaube, das geht über die ganze Saison hinweg. Es gibt ein paar Jungs hier, die kennen sich schon ewig. Ein paar Jungs kennen sich erst seit dem Sommer. Sowas entwickelt sich halt. Gerade jetzt die Zeit im November und Dezember, wenn man viel spielt und viele Auswärtsspiele dabei sind, das hilft einfach, dann da bist du nur mit den Jungs zusammen. Im Hotel oder im Bus, da muss man ja einfach miteinander reden. Da kann man sich ja nicht mehr aus dem Weg gehen. (lacht) Da erfährt und lernt man dann auch viel, was den einen oder anderen bewegt – auch abseits vom Eishockey. Sowas schweißt dann halt auch zusammen. Deswegen ist es auch gar nicht so schlecht, wenn man mal gemeinsam einen Rückschlag erlebt, weil man dann auch wieder lernt, wie jeder Einzelne damit umgeht. Das muss sich alles natürlich entwickeln, damit es auch echt ist und nicht nur aufgesetzt.

Wie fällt dein Fazit der bisherigen Saison aus und was ist dein Ausblick auf die zweite Saisonhälfte aus?

Ich denke, wir sind auf jeden Fall voll im Soll. Nach der Länderspielpause war es ein bisschen viel „mal gewonnen, mal verloren“. Da können wir noch ein bisschen konstanter sein. Wobei man sieht, dass der Weg stimmt, glaube ich. Wir arbeiten alle in dieselbe Richtung. Das ist das Wichtigste. Wenn wir es schaffen, von den engen Spielen die meisten zu gewinnen oder zumindest auf jeden Fall Punkte zu holen, dann können wir uns auf jeden Fall vorne positionieren.

Wir bedanken uns bei Kai Hospelt für das Interview!

Über den Autor: Henrike Wöbking

Henrike schreibt für haimspiel.de seit 2005 und wurde von Ex-NHL-Spieler Jason Marshall gelobt für "the best interview I ever did". Sie zeigte sich hauptverantwortlich für das Abschiedsvideo von Dave McLlwain. Außerdem ist sie Buchautorin und schrieb den Roman "Auf Eis" vor dem Hintergrund der Playoffs 2002.

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Stimmen zum 3:1-Sieg gegen Schwenningen

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