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Aslund eine Option. Lalonde eine Idee?

Shawn Lalonde gegen Andreas Holmqvist. Foto: Florian Müller
Shawn Lalonde gegen Andreas Holmqvist. Foto: Florian Müller

Wie wir gestern bereits berichteten, tauchte unerwartet die Meldung in der schwedischen Presse auf, dass Per Aslund ein Angebot der Kölner Haie vorliegen hat und in der vergangenen Woche bereits zu Besuch im Haie-Trainingszentrum war. Niemand hier hatte den Schweden bis dahin auf dem Radar. Wer ist der Außenstürmer und was würde er mitbringen?

In einem Siegerumfeld aufgewachsen

Der 28-Jährige hat im Grunde seine komplette Karriere bei Färjestad verbracht und ist somit ein Umfeld gewohnt, in dem hohe Erwartungshaltungen und Titelambitionen an der Tagesordnung sind. Färjestad BK ist der erfolgreichste Club in der Geschichte der SHL. Bis zur Saison 2013/14 haben sich die Grün-Weißen zuletzt zwanzig Mal in Folge für die Playoffs qualifiziert, sind elf Mal ins Finale eingezogen und haben sechs Titel gewonnen. Das macht sie zu einem Club mit sowohl einer großen Anhängerschaft als auch dem Ziel des gesammelten Hasses der restlichen Liga. Sehr vergleichbar zum FC Bayern in der Bundesliga oder den Eisbären Berlin während ihrer dominanten Jahre in der DEL.

In einem solchen Umfeld aufzuwachsen heißt, Jahr ein Jahr aus gegen hochambitionierte Gegner anzutreten, die in jedem Spiel ihr A-Game bringen. Und es bedeutet, dass man sich eine Siegermentalität verinnerlicht, die keinen Raum für Selbstzweifel lässt. Per Aslund war Teil dieser Organisation seit seiner Jugend und für neun Profi-Jahre. Sich als Spieler in einem solchen Team zu behaupten, fordert nicht nur ausreichend Talent sondern auch eine Menge Leistungsbereitschaft sowie Entschlossenheit und Ehrgeiz.

Was Aslund auszeichnet, ist sein Zwei-Wege-Spiel und seine Zuverlässigkeit beim Scoren. Tore und Punkte in der defensiv-starken SHL zu sammeln, ist deutlich schwieriger als im offeneren nordamerikanischen Stil. In der abgelaufenen Saison war er drittbester Scorer in seinem Team. Dass er bei der Fülle an hochklassigen Spielern in seiner Heimat regelmäßig für die Nationalmannschaft im Einsatz war, unterstreicht seine Qualitäten im Ligavergleich.

Er hat ein neues Angebot von Färjestad bekommen, scheint sich aber nach all den Jahren beim selben Club nach einer neuen Herausforderung zu sehnen. Das klingt zumindest durch, wenn er von der Idee, nach Köln zu wechseln, als „Abenteuer“ spricht. Für die Haie wäre er ein besserer und vor allem jüngerer Daniel Rudslätt, der sich in der besten Zeit seiner Karriere befindet.

Wie wär’s mit Shawn Lalonde?

Wo wir gerade bei Färjestad sind, findet sich dort im Kader eine weitere hochinteressante Personalie, die den Club nach der Saison verlassen wird. Ganz frisch ist jemand auf den Markt gekommen, der für die offene Position in der Verteidigung jeden Punkt erfüllt, den Niklas Sundblad in seinem Anforderungsprofil aufgezählt hat: Shawn Lalonde. Noch kein Gerücht, aber in jedem Fall einen Gedanken wert.

Färjestad BK, für den der 25-jährige Kanadier in der aktuellen Saison die Schlittschuhe geschnürt hat, hat nach dem frühen Saison-Aus gerade eine Reihe von Vertragsauflösungen bzw. nicht gezogenen Optionen auf Vertragsverlängerungen bekanntgegeben. Laut der schwedischen Zeitung expressen.se trifft das unter anderem neben Goalie Fredrik Pettersson-Wentzel und Verteidiger Jesper Jensen auch Shawn Lalonde. Der Karlstader Club hat eine historisch schlechte Saison gespielt und leitet nun einen großen Umbruch im Kader ein.

Dass Lalonde schon unter der Saison wechselwillig war, vermeldete die BZ Berlin bereits im Januar – mit der Vermutung, dass sein Ex-Club Eisbären Berlin Interesse an einer Verpflichtung haben könnte. Einfach war es für den Verteidiger in Schweden wegen der Spielweise in der SHL nicht, wie er im Interview mit eishockey-magazin.de durchklingen ließ: „Die Umstellung war sehr schwer für mich, denn in der DEL wird zum großen Teil kanadisch gespielt, mit viel Offensive, Torschüssen und Torchancen. In der schwedischen Liga ist es genau anders. Hier wird sehr viel Wert auf die Defensive gelegt. In 5 on 5-Hockey werden kaum Torchancen zugelassen; alles ist sehr taktisch und sehr diszipliniert. Ich bin eher ein offensiv spielender Verteidiger; insofern hat es ein wenig gedauert bis ich mit der Spielweise hier in Schweden zurechtkam.“

Auf Basis dieser Aussage ist ein Wechsel innerhalb Schwedens wohl eher unwahrscheinlich. Eine Rückkehr in die DEL, die ihm deutlich besser liegt, wäre sicher keine schlechte Option für ihn. Dass er ein Jahr lang durch die schwedische Defensiv-Schule gegangen ist, kann seinem Spiel außerdem durchaus geholfen haben.

Mitbringen würde er alles, was sich Sundblad wünscht: Er ist Rechtsschütze, jung, ein exzellenter Schlittschuhläufer, torgefährlich, kann sowohl Über- als auch Unterzahl und spielt körperbetont. Letzteres vielleicht ein bisschen zu sehr für DEL-Verhältnisse, aber das war ihm auch schon in seiner Saison mit den Eisbären bewusst: „Die physische Komponente gehört zu meinem Spiel, aber ich muss mich da ein bisschen mehr zurücknehmen“, erklärte Lalonde seinerzeit dem tagesspiegel.

Dass ein Spieler vom Kaliber eines Shawn Lalonde auf dem Markt ist, wird auch dem Rest der Liga nicht verborgen bleiben. Nicht zuletzt für die Eisbären wäre er sicher ein interessanter Kandidat. In seiner Saison für Berlin war er mit 12 Treffern ligaweit der Verteidiger mit den meisten Toren. Die Tatsache, dass er zuletzt bei Färjestad gespielt hat, erhöht die Wahrscheinlichkeit, dass er auch ins Blickfeld von Niklas Sundblad gerückt sein könnte. Ein Shawn Lalonde im Defensiv-Ensemble der Kölner Haie wäre auf jeden Fall eine verlockende Vorstellung.

Über den Autor: Henrike Wöbking

Henrike schreibt für haimspiel.de seit 2005 und wurde von Ex-NHL-Spieler Jason Marshall gelobt für "the best interview I ever did". Sie zeigte sich hauptverantwortlich für das Abschiedsvideo von Dave McLlwain. Außerdem ist sie Buchautorin und schrieb den Roman "Auf Eis" vor dem Hintergrund der Playoffs 2002.

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