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Spielbericht: Drei Derbypunkte gegen Winterdepression

Hager jubelt mit Gogulla. Foto: Steffen Thaut.
Hager jubelt mit Gogulla. Foto: Steffen Thaut.

Nach zuletzt drei Niederlagen in Folge gastierten die Haie zum kleinen Rhein-Derby bei den Krefeld Pinguinen im Königspalast. Trotz des Niederlagenlaufs gingen die Haie als klarer Favorit in die Partie gegen das Schlusslicht der DEL.
Die Haie begannen ohne Jason Williams, dessen Rückenverletzung, die ihn schon bis zur Deutschland-Cup-Pause hatte ausfallen lassen, wieder aufgebrochen war und nun bis auf Weiteres wieder vom Eis halten wird. Im Tor begann nach seiner Pause wieder Gustaf Wesslau, der von Beginn an mehr zu tun bekam, als einen das Papier vor dem Spiel hätte erwarten lassen. Neben der Formation um Daniel Pietta sorgte auch Krefelds Neuzugang Mark Hurtubise neben Mike Collins häufiger für Gefahr in der Haie-Zone, doch einen Weg vorbei an Wesslau fanden die in der Saison bisher offensivschwachen Krefelder nicht, scheiterten insbesondere zweimal an guten Reflexen mit dem Blocker. Auch die Haie kamen zu Chancen, vor allem im Powerplay. Ein solches brachte dann auch die leicht schmeichelhafte Führung: Hager und Jones brachten die Scheibe Richtung Tor, die Pinguine vermochten sie nicht zu klären und Spielmacher Dragan Umicevic überwand den starken Pinguine-Backup Patrick Klein. In der Folge erhöhten die Gastgeber noch einmal den Druck, scheiterten aber zunächst weiter an Wesslau und dann an sich selbst: der Haie-Schlussmann hatte eine weitere hochkarätige Chance vereitelt als Robin Weihager den Nachschuss im Haie-Kasten unterbrachte. Niemand schien ernsthaft Zweifel am Ausgleich zu haben, bis die schnelle Wiederholung auf dem Videowürfel folgte, woraufhin Haie-Coach Sundblad die Referees zum Videobeweis bat. Der Haie-Coach sollte ein gutes Auge bewiesen haben, denn den Hauptschiedsrichtern Brüggemann und Steinecke blieb nichts anderes übrig, als die Entscheidung auf Tor wegen Torraumabseits zu revidieren. So blieb es nach 20 Minuten bei der knappen Haie-Führung.

Das Mitteldrittel begann dann genau, wie der erste Abschnitt geendet hatte: mit jeder Menge Druck der Hausherren. In den ersten 40 Sekunden war Wesslau bereits mehrfach gefordert und schließlich überwunden als Neuzugang Hurtubise einen Abpraller irgendwie am sich lang machenden Schlussmann vorbeiquetschte. Der verdiente Ausgleich wirkte nicht als Weckruf auf die Haie und trug weniger überraschend auch nicht zu größerer Sicherheit bei. Beide Teams zeigten in der Folge Schwierigkeiten im Aufbau- und Umschaltspiel, was zwar kein hochklassiges Eishockeyspiel zur Folge hatte, aber immerhin regelmäßig zu Torgefahr führte wobei die Pinguine der Führung deutlich näher schienen. Bis zur 33. Minute, als die Haie einen weiteren Aufbaufehler ausnahmsweise einmal eiskalt bestraften: Falk leitete in der neutralen Zone perfekt ein, Gogulla bewies beim resultierenden 2-gegen-1 zuerst jede Menge Geduld und dann feine Hände als er Jones mit einem angelupften Pass über den Schläger des Verteidigers bediente, der sich aus kurzer Distanz nicht bitten ließ. Der Trend des Spiels war etwas auf den Kopf gestellt und die sehenswerte Aktion schien den Haien nun erheblich Rückenwind zu geben. In den nächsten fünf Minuten hatten die Haie beste Chancen in Person von Latta und Gogulla, die Führung zu erhöhen und schnürten die Gastgeber phasenweise im eigenen Drittel ein. Aber Klein verhinderte den Doppelschlag und sorgte dafür, dass es bei der knappen Führung der Haie blieb.

Im Schlussdrittel dauerte es dann nicht lange, bis es dem KEC gelang, die Führung doch noch auszubauen. Die Krefelder zeigten sich in Unterzahl einmal mehr zu passiv und ließen dann Patrick Hager in die arg deformierte Box eindringen, von wo aus dieser sich nicht zweimal bitten ließ und mit einem satten Schuss in den Winkel das 3:1 besorgte. Ob der Offensivprobleme der Gastgeber nahmen wohl die allermeisten der 6.035 Anwesenden im Königspalast an, die Partei sei entschieden, doch hatten sie diese Rechnung ohne ihren Neuzugang gemacht: Hurtubise markierte seinen zweiten Treffer im DEL-Debüt und sorgte noch einmal für Spannung. Als man sich gerade auf das letzte Anrennen des Heimteams vorbereitete, sah sich dieses dann auch schon von Erfolg gekrönt: nach einem eigentlich gewonnenen Bully kamen Pietta und Eriksson mit viel Geschwindigkeit durch die neutrale Zone und suchten den direkten Weg zum Tor – erst per Schuss, den Wesslau abprallen lassen musste, dann per Rebound zum 3:3. Die Winterdepression der Haie schien sich durch eine verspielte Zwei-Tore-Führung beim Tabellenletzten zu verfestigen, doch schlüpfte dann ein Pinguin dem Tage angemessen gedanklich ins Nikolauskostüm, sprang als sechster Mann aufs Eis und gab dem KEC 76 Sekunden vor dem Ende eine weitere Chance im heute potenten Powerplay. Ob des Gauls Maul oder des Niklaus’ Sack, die Haie waren nicht gewillt zu tief in ihr Geschenk zu blicken und dankten artig: Gogulla sammelte seinen dritten primären Assist des Abends durch perfekten Pass auf Jones, der für seinen zweiten Treffer zum 4:3-Endstand nur noch den Schläger hinhalten musste (59:17 Minuten).

Große Missverständnisse gab es bei der Analyse durch Coach Sundblad nicht – das Ergebnis und die damit verbundenen drei Punkte waren neben dem klickenden Powerplay das Beste, was es aus dem kleinen Derby mitzunehmen gab. Nachdem die Haie früher in der Saison so einige dominant bestrittenen Spiele ohne Punkte verließen, mag es nur recht sein, dass ein schlechter Lauf nun auch sein Ende durch ein Spiel findet, in dem es eher anders herum lief. Dennoch wartet weiter einiges an Arbeit auf Sundblad und seine Gefolgschaft: beim Spiel bei Uwe Krupps Eisbären am nächsten Freitag (19:30 Uhr) wird eine deutlich bessere Gesamtleistung gebraucht werden, um sich weiter von der Depression in Richtung festlichen Frohsinns zu bewegen.

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“Ich will in jedem Spiel den Unterschied ausmachen.”

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