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Shootout-Sieg in Straubing

Dragan Umicevic - Foto: Steffen Thaut

Die Kölner Haie nehmen verdient zwei Punkte aus Niederbayern mit. Gegen eine Tigers-Mannschaft, die nach ihrer aktuellen Siegesserie vor Selbstbewusstsein strotzte, war der KEC unter Druck, ist aber nicht eingeknickt.

Das erste Drittel gehörte vom Eröffnungsbully an den Hausherren. Sie schnürten die Haie immer wieder über lange Phasen in ihrem Drittel ein. Der KEC mit wenig zwingenden Offensivaktionen in diesem Drittel schaffte es zwar, die ersten beiden Strafen der Partie zu ziehen, verpasste dann allerdings aus den resultierenden Powerplays Kapital zu schlagen. „Weil wir in Überzahl nicht getroffen haben, haben wir verpasst, das Momentum auf unsere Seite zu bringen“, stellte Haie-Coach Cory Clouston nach der Partie fest. „Wegen der Powerplays haben natürlich vorrangig unsere beiden Top-Reihen gespielt, also waren die anderen Reihen ein bisschen aus dem Spiel und mussten erst wieder zurück in die Partie finden. Das hat unseren Spielfluss durcheinander gebracht. In der Folge hat Straubing das Spielgeschehen bestimmt. Sie sind schon mit viel Selbstvertrauen in die Partie gestartet. Das wurde durch ihr erfolgreiches Unterzahlspiel noch größer.“

Von ihrem erfolgreichen Unterzahlspiel beflügelt, machten die Tigers massiv Druck und brachten die Haie-Defensive mit sicherem, schnellen Passspiel in Bedrängnis. Gustaf Wesslau hatte alle Hände voll zu tun. Ob es tatsächlich 22 Schüsse auf seinen Kasten waren, wie es die offizielle Torschuss-Statistik nach den ersten zwanzig Minuten auswies, darf angezweifelt werden, aber in jedem Fall lag das deutliche Übergewicht auf Seiten der Hausherren. Die Tigers kamen unter anderem in eigener Überzahl zu guten Gelegenheiten, verpassten diese aber vor allem bei doppelter Überzahl durch ungenaue Abschlüsse. So ging es mit 0:0 in die erste Pause.

Im Mittelabschnitt behielten die Straubinger den Fuß auf dem Gaspedal. Als die Haie in der 22. Minute dann eine Strafe für zu viele Spieler auf dem Eis erhielten, fälschte Mike Hedden im Powerplay einen Schlenzer von Dylan Yeo zum 1:0 ins Kölner Tor ab. Der KEC bemühte sich um eine Antwort, ließ aber seinerseits einige Großchancen aus. Einen vielversprechenden 3 auf 1 Unterzahlkonter schlossen die Haie genauso wenig erfolgreich ab wie Dragan Umicevic eine Chance aus dem Slot, als der starke Matt Climie im Straubinger Gehäuse einen Schlenzer von Lüdemann prallen lassen musste und Umicevic mit leerem Tor vor sich die Scheibe knapp verpasste. Rebounds von Climie sorgten auch in der Folge noch für Chancen für die Haie, aber auch ohne die Unterstützung seiner Vorderleute vereitelte er beste Nachschuss-Gelegenheiten des KEC. In Sachen Aufräumarbeiten vor dem eigenen Tor machten die Haie insgesamt einen besseren Job als die Gastgeber.

Ab Mitte des zweiten Drittels kamen die Haie immer besser in Fahrt und erarbeiteten sich mehr und mehr zwingende Chancen, konnten aber bis zur Pausensirene Climie nicht überwinden. Aber immerhin hatte der KEC zu diesem Zeitpunkt das Momentum in der immer hitziger werdenden Partie auf seine Seite gebracht.

Den Schlussabschnitt dominierten die Haie zu Beginn. Die ersten fünf Minuten fand das Spielgeschehen ausschließlich im Straubinger Verteidigungsdrittel statt. Immer wieder stand der Straubinger Goalie im Mittelpunkt des Geschehens. Der KEC drängte auf den Ausgleich, aber es fehlte das allerletzte Prozent Durchschlagskraft und ein Quäntchen Glück. Beides stellte sich dann in der 48. Minute ein. Patrick Hager arbeitete sich auf der rechten Seite bis fast zur Torlinie durch und brachte die Scheibe im Fallen in den Torraum, wo sie von Sebastian Osterlohs Schlittschuh zum 1:1 Ausgleich ins Tor abgefälscht wurde. Der Videobeweis wurde noch konsultiert, aber das Tor zählte. Auch wenn der Treffer glücklich für die Haie fiel, so war er zu diesem Zeitpunkt absolut verdient. In der Folge drehten auch die Tigers nochmal auf, aber keins der Teams kam bis Drittelende noch zu einem weiteren Treffer.

Für den unbeteiligten Zuschauer war die Overtime ein Fest, für die Fans beider Lager Strapaze pur für die Nerven. Beide Teams agierten druckvoll und wussten den zusätzlichen Raum auf dem Eis zu nutzen. Chancen gab es auf beiden Seiten, auch wenn die Haie insgesamt die Oberhand in den zusätzlichen fünf Minuten hatten. Sechs Sekunden vor Schluss hatte Neuzugang Danny Syvret den Siegtreffer auf der Kelle, aber Climie parierte auch diesen Schuss und sorgte dafür, dass es für die 5227 Zuschauer am Straubinger Pulverturm auch noch ein Penaltyschießen zu sehen gab. Insgesamt zeigte der neue Kölner Verteidiger eine mehr als solide Leistung mit viel Übersicht, gutem Blick für das Spiel und wenigen Fehlern. Clouston rotierte ihn bei 5 gegen 5 im dritten Verteidigungsblock mit Pascal Zerressen und Max Faber. Im Powerplay kam er neben Shawn Lalonde zum Einsatz.

Im Shootout verpassten die ersten drei Schützen beider Teams. Runde 4 begann mit dem Versuch von Mike Connolly, der an Gustaf Wesslau scheiterte. Dragan Umicevic machte es auf der anderen Seite dann besser und setzte die Scheibe zum Siegtreffer unter die Latte.

„Mir hat gefallen, wie wir in den letzten 35 Minuten gespielt haben“, sagte Clouston. „Da haben wir wirklich gut gespielt. Wir hatten genauso gute Chancen wie die Tigers. Beide Torhüter waren herausragend. Aber in der zweiten Hälfte des Spiels haben wir das Heft in die Hand genommen. Man kann nicht immer den Gegner über 60 Minuten dominieren, aber insgesamt haben mir unsere Einstellung und unsere Moral gefallen. Man muss Wege finden, in solchen Spielen zu punkten. Ich finde, dass wir uns den Sieg verdient haben.“

Ein Fragezeichen steht nach der Partie hinter Jason Williams. Der Stürmer war nach einem Check im ersten Drittel in die Kabine gegangen und kehrte nicht mehr ins Spiel zurück. Sein Einsatz für das morgige Spiel in Augsburg ist unwahrscheinlich. Charlie Stephens wird also voraussichtlich ins Line-Up zurückkehren.

Für die Partie gegen die Panther am Sonntag bekommen die Kölner Haie eine Menge Unterstützung: Mit einem Sonderzug reist der KEC-Anhang in die Fuggerstadt. Erstes Bully ist um 14:30 Uhr. Wir übertragen die Partie live ab 14:15 Uhr.

Über den Autor: Henrike Wöbking

Henrike schreibt für haimspiel.de seit 2005 und wurde von Ex-NHL-Spieler Jason Marshall gelobt für "the best interview I ever did". Sie zeigte sich hauptverantwortlich für das Abschiedsvideo von Dave McLlwain. Außerdem ist sie Buchautorin und schrieb den Roman "Auf Eis" vor dem Hintergrund der Playoffs 2002.

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