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Peter Schönberger: “Der Club darf nicht untergehen”

Nachdem gestern der sportliche Teil unseres Interviews mit Haie-Geschäftsführer Peter Schönberger veröffentlicht wurde, folgt heute der Dialog über den wirtschaftlichen Standpunkt des KEC. Schönberger schildert dabei den Einsteig der Investoren 2010, welche Ziele verfolgt wurden und bis heute welche bereits umgesetzt sind. Außerdem gibt er die Antwort darauf, ob Haie-Fans mit einem kurzfristigen Ausstieg der Investoren rechnen müssen oder nicht.

Im Sommer 2010 stiegen Investoren aus dem Umfeld der CompuGroup Medical (CGM) als Hauptgesellschafter beim KEC ein. Zuvor war der Club in starke finanzielle Schieflage geraten. Sie waren vorher schon Dauerkartenbesitzer des KEC, haben diese Zeit miterlebt und die Kontakte zu Herrn Frank Gotthardt aufgebaut. Wie haben Sie diese intensive Zeit erlebt?

2010 habe ich wie jeder Haie-Fan mitbekommen, dass die Haie in eine finanzielle Schieflage geraten sind. Ich habe mir sofort dabei gedacht: „Du gehst mit deiner Tochter schon seit Jahren regelmäßig zum KEC. Darauf willst du jetzt nicht verzichten! Die Haie sind so ein großartiger Club. Der darf einfach nicht untergehen.“ Ich habe damals bei der CGM gearbeitet und bin zu unserem Vorstandsvorsitzenden gegangen, um für ein Sponsoring zu werben. Nach interner Beratung war es dann meine Aufgabe als Leiter der juristischen Abteilung des Unternehmens nicht ein Sponsoring sondern sogar einen Einstieg verschiedener zur CGM gehörender Personen zu verhandeln. Das war damals schon überraschend für mich. Ich habe daraufhin Thomas Eichin angerufen, der zuvor schon einige Telefonate mit dubiosen Gesprächspartnern führen musste. Ich war dann wohl einer derjenigen, der ihm das Vertrauen geben konnte, dass wir konkret werden wollen und so trafen wir uns am gleichen Tag noch in der Geschäftsstelle. Das war im Februar 2010. Wir haben dann bis Mai 2010 verhandelt. Es ging um sehr viele Details, so dass die Verhandlungen auch durchaus schwierig waren. Im Mai haben wir uns dann alle beim Notar getroffen und es gab von da an vier neue Gesellschafter beim KEC. Frank Gotthardt war und ist dabei der Hauptgesellschafter. Und dann ging es los mit der Arbeit …

Welche Ziele hatten Sie beim Einstieg?

Es gab 2010 zwei Ziele: Zunächst mussten wir die Haie so aufstellen, dass wir in jeder Abteilung noch besser arbeiten können. Ticketing, Merchandising, PR-Bereich: Alle mussten optimaler aufgestellt werden. Wir wollten die Haie stark wie eine GmbH führen dabei aber die Seele des Vereins nicht aus den Augen verlieren. Dazu gehörte im ersten Schritt natürlich die Konsolidierung. ich muss auch ganz klar sagen: Wer investieren möchte, um viel Geld zu verdienen, sollte dies nicht im Sportbereich tun. Durchaus ist es aber möglich, durch solide Arbeit und unternehmerisches Geschick eine Organisation wie die Haie so zu führen, dass sie sich selbst trägt und nachhaltig wird. Das war und ist unser wirtschaftliches Ziel.

Sportlich kam hinzu, dass wir nach unserer ersten Saison 2010 nach dem Aus im Viertelfinale  auch wieder auf dem Eis Erfolge feiern wollten um eine Top-Adresse im deutschen Eishockey zu sein. So wollten wir auch die Meisterschaft ansteuern und haben in die Mannschaft investiert. Natürlich schießt Geld keine Tore, aber so ganz ohne Budget hat man dann eben auch keine Chance auf die Meisterschaft. Wir hätten es ja auch beinahe geschafft und sind in den zwei Finalserien nur knapp gescheitert.

Diese beiden Ziele zu erreichen: Wirtschaftliche Nachhaltigkeit und sportlicher Erfolg – sprich Meisterschaft – ist auch weiterhin unser Vorhaben.

Der KEC ist wieder eine Top-Adresse im deutschen Eishockey, aber wenn wir uns auf die wirtschaftlichen Ziele konzentrieren: Was wurde bis heute erreicht? Wie verlief die bisherige Umstrukturierung?

Hier haben wir schon erste Ziele erreicht. Wir haben vor allem jetzt auch einen Vorteil: Es werden verschiedene Bereiche über die CGM erledigt: Mit Central Services der CGM wie z.B. Personal oder Buchhaltung wurden Kooperationsverträge geschlossen. Verschiedene Dinge, die hier früher über eine Person miterledigt wurden, werden jetzt über den Konzern verteilt und das bringt natürlich Professionalität in den Club.

Wie ist denn die gegenwärtige Situation: Trägt sich das Unternehmen bereits oder ist es noch das klassische Zuschussgeschäft?

Wir sind auf einem sehr guten Weg. Ganz klar ist die Einnahmen-Seite für uns sehr, sehr wichtig. Deswegen mussten wir auch letztes Jahr die Dauerkartenpreise anheben. Investiert haben wir weiterhin in die Themen Marketing und Vertrieb. Philipp Walter ist ja zudem jetzt der Leiter PR, Marketing und Vertrieb. Partnerfindung und Betreuung wird zukünftig auch einer meiner Hauptaufgaben sein. Wir können hier noch deutlich zulegen, da wir sehr kreative Konzepte haben, die wir jedem Partner individuell anbieten können. Neben dem klassischen Sponsoring können wir Events veranstalten und haben zudem die größte digitale Reichweite. Nicht nur der DEL, sondern bspw. auch im Vergleich aller CHL-Clubs. Wenn wir berücksichtigen, welche Auswirkungen das letzte Sharky-Video mit über 410.000 Aufrufen hatte müssen wir auch festhalten, dass unser Potenzial im Ticketing und Sponsoring noch nicht ausgeschöpft ist.

Das Sponsoring haben Sie grade angesprochen: Es gibt noch freie Werbebanden oder Bullykreise auf der Eisfläche. Uns ist in der jungen Saison zum Beispiel noch kein anderer DEL-Club aufgefallen, der noch freie Bullykreise hat. Findet hier aktuell auch eine Umstrukturierung statt?

In der Tat ist das ein Defizit, das wir versuchen müssen zu beseitigen. Es ist natürlich auch immer eine Frage der Vertriebspower. Es ist ja nicht damit getan, dass man einfach Unternehmen anspricht. Das ist Schweißarbeit, bis eine Partnerschaft geschlossen werden kann. Diese Power hatten wir hier bislang einfach noch nicht. Natürlich werden wir deswegen aber auch keine Banden oder Bullykreise unter Wert vermarkten, wie es teilweise andere Clubs getan haben. Das wäre schon unseren langjährigen Partnern nicht fair gegenüber. Wir  machen da lieber Eigenwerbung.

Zum Schluss noch der Ausblick: Wo steht der KEC in drei Jahren? Befürchtungen rund um einen Ausstieg der Gesellschafter gibt es immer und haben wir zuletzt 2009/2010 erlebt. An was kann sich der Haie-Fan halten?

Das Engagement der Gesellschafter ist langfristig angelegt. Ich sehe persönlich auch keine Anzeichen, dass sich das ändert. Ich bin ja selbst von der CGM zu den Kölner Haien gewechselt. Das hätte ich sicher nicht getan, wenn ich Bedenken um die Zukunft der Haie hätte. Das Ziel ist weiterhin natürlich, dass sich der Verein trägt. Einnahmen und Ausgaben müssen sich die Waage halten.

Über den Autor: Dennis Wegner

Dennis gründete gemeinsam mit René im Sommer 2003 haimspiel.de und betreut die Seite bis heute als 1. Vorsitzender. Außerdem war er zwischendurch für das Haie-Fanprojekt tätig, hat mit dem Team und der Fanszene "Wir sind Haie" ins Leben gerufen und die Flyeraktion "Köln ohne Haie?" mit großem medialen Echo organisiert.

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