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„Nicht geschafft, das Tempo anzuziehen.“ – Stimmen zur 0:1-Niederlage gegen Ingolstadt

Haie-Stürmer Travis Turnbull - Foto: Alex Schmitz
Haie-Stürmer Travis Turnbull - Foto: Alex Schmitz

Nach einer über weite Strecken energiearmen Leistung verloren die Kölner Haie am Freitagabend verdient mit 0:1 gegen den ERC Ingolstadt. Die Stimmen zum Spiel von Cory Clouston, Moritz Müller und Sebastian Uvira.

Nicht viel zugelassen, aber auch nicht viel generiert

Cory Clouston: „Wir haben nicht viel zugelassen, aber wir haben unsererseits auch nicht genug Chancen generiert. Wir hatten zwar Chancen, aber wir waren nicht konzentriert genug und hatten nicht genug Intensität, um diese Chancen zu verwandeln. Wir haben nicht viel zugelassen. Den einen großen Fehler, den wir gemacht haben, hat [Ingolstadt zum 1:0] genutzt. Ansonsten haben wir insgesamt nicht mit der Dringlichkeit, dem Tempo und der Intensität gespielt, mit der wir zuletzt gespielt haben. Es gibt ein Schema, nach dem wir spielen müssen, um erfolgreich zu sein. Nach diesem Schema haben wir heute nicht gespielt. Es war nicht alles schlecht heute, aber wir müssen mehr Intensität aufs Eis bringen, konzentrierter und aggressiver sein, um Erfolg zu haben.“

(Auf die Frage nach Ingolstadts Goalie Timo Pielmeier: ) „Er war gut. Er hatte viel Selbstvertrauen. Wir haben nicht genug getan, um ihn zum Nachdenken zu bringen. Wenn wir unsere Chancen hatten, dann war er sehr gut für [sein Team]. Wir hatten sieben oder acht gute Chancen, von denen man normalerweise zwei verwandelt. Er war heute sehr gut.“

(Auf die Frage, warum die Reihenumstellungen im zweiten Drittel das Team nicht aufgeweckt haben: ) „Wir hatten, wie gesagt, ein paar Chancen. In erster Linie haben wir die nicht verwandelt. Ich kenne die Anzahl der Schüsse noch nicht, aber ich glaube nicht, dass [Ingolstadt] mehr als 20 Schüsse auf unser Tor hatte. Defensiv gab es viel Positives. Offensiv waren wir einfach mau. Wir sind nicht genug in die „red zone“ vorm Tor gekommen. Viel davon hängt von der Intensität ab. Wenn man nicht bereit ist, in die „red zone“ zu gehen, wird man nicht sonderlich erfolgreich sein. Man braucht in jedem Wechsel mindestens ein oder zwei Jungs, die bereit sind, in diese Bereiche zu gehen. Wir waren heute zu viel an den Außenseiten.“

(Auf die Nachfrage, wie sehr Ryan Jones als Präsenz genau in dem Bereich vor dem Tor gefehlt hat: ) „Das macht natürlich einen großen Unterschied. Zudem zieht es sich durch alle Reihen hindurch, wenn man einen 1.-Reihe-Spieler verliert. Das macht einen großen Unterschied, aber dann müssen andere Spieler diese Lücke füllen. Wir können das nicht als Ausrede benutzen. Natürlich ist er ein wichtiger Teil unserer Mannschaft, deshalb müssen jetzt andere Spieler seine Arbeitsleistung mit übernehmen und seine Aufgaben untereinander aufteilen. Das müssen wir gemeinschaftlich als Team auffangen.“

Nicht geschafft, das Tempo anzuziehen

Moritz Müller: „Ich sehe es auch so, dass uns die Intensität heute gefehlt hat. Ein gutes Anzeichen dafür ist, dass wir im ersten Drittel sechsmal in die Trap gehen. Das zeigt eigentlich schon, dass wir viel zu wenig Forecheck spielen. Alles außen herum gespielt, wenig wirklich vors Tor in die dreckigen Zonen. Das war insgesamt nicht gut genug.“

(Auf die Frage, ob die verlorenen drei Punkte mehr wehtun oder dass man ohne Torerfolg geblieben ist: ) „Wahrscheinlich tun die verlorenen Punkte mehr weh. So fühlt es sich zumindest für mich an. Natürlich weiß man, man hätte mit einem Tor hier heute was holen können. Aber wir haben es uns heute einfach nicht verdient. Ingolstadt hat clever gespielt. Sie haben die Chance genutzt, die sie gebraucht haben, und dann defensiv auch gut gespielt. Aber wir waren einfach nicht gut genug.“

(Zur Frage, ob der Mannschaft die zahlreichen Ausfälle beim ERC bewusst waren und man sie deshalb unterschätzt hat: ) „Ja, wir hatten das angesprochen, aber eigentlich um genau das Gegenteil zu bewirken und uns zu sagen, dass gerade so angeschlagene Mannschaften oft gefährlich sind. Die Erfahrung haben wir hier zuhause schon mit Krefeld gemacht, die auch mit sehr wenigen angereist sind. Da sind wir auch schon gestolpert. Aus der Sache wollten wir eigentlich lernen, haben aber anscheinend unsere Lehren daraus nicht gezogen.“

(Zur Frage, ob die Mannschaft im Kopf schon beim Derby am kommenden Sonntag war: ) „Das habe ich mich auch gefragt. Die Jungs wissen mittlerweile alle, wie wichtig es ist, gegen Düsseldorf zu spielen. Gerade nach den zwei Niederlagen wissen alle, dass da jetzt besser ein Sieg her muss. Das sollte aber auch keine Ausrede für die Leistung heute sein, weil wir in jedem Spiel unsere Leistung bringen müssen.“

(Zur Frage, ob nach den Spielen mit Playoff-Charakter in der jüngeren Vergangenheit das Spiel heute in die Kategorie Hauptrundenspiel fällt: ) „Ja, es hat sich heute ein bisschen saftlos angefühlt. Das stimmt schon. Wir haben wirklich gegen einige Mannschaften gespielt, wo das Tempo und die Intensität sehr hoch waren. Heute dümpelte das Spiel zeitweilig so vor sich hin und wir haben es nicht geschafft, das Tempo anzuziehen, um Ingolstadt unser Tempo aufzuzwingen. Im Gegenteil. Wir haben uns an das Tempo von Ingolstadt angepasst und insgesamt ein sehr durchschnittliches Eishockeyspiel gespielt.“

In die ersten beiden Drittel nicht so reingekommen, wie wir wollten

Sebastian Uvira: „Ingolstadt hat besonders am Ende defensiv stark gestanden. Timo [Pielmeier] hat ein starkes Spiel gemacht. Wenn wir als Mannschaft kein Tor schießen, dann wird da schon ein Grund dahinter sein. Da hat der Timo wahrscheinlich heute eine gute Arbeit geleistet für die Ingolstädter. Nichtsdestotrotz sind wir in die ersten beiden Drittel nicht so reingekommen, wie wir wollten. Im letzten Drittel waren wir klar die bessere Mannschaft. Aber da war der Timo einfach schon zu heiß und hat das Spiel zu Null gehalten. Ein bisschen hat uns auch das Glück an der Scheibe gefehlt.“

(Zur Frage, ob man sich bei den Versuchen, mit einem Pass mehr Pielmeier aus der Position zu bringen, das Leben selber ein bisschen schwer gemacht hat: ) „Ja, aber man muss auch sagen, dass die Ingolstädter defensiv ziemlich gut gestanden haben. Sie haben sich in die Schussbahnen reingeworfen und uns nicht wirklich die Schussmöglichkeiten gegeben. Da muss man eventuell mal den Pass noch spielen, um einen Schuss zu kriegen.“

„Ich denke, [die Niederlage und kein eigenes Tor] tun weh. Wir haben die letzten Spiele so überragend gespielt und heute kein Tor geschossen. Schade, dass die Siegesserie vorbei ist, aber am Sonntag geht’s wieder von neuem los. Wir hoffen, dass wir da die Tore schießen und eine neue Serie starten können.“

Über den Autor: Henrike Wöbking

Henrike schreibt für haimspiel.de seit 2005 und wurde von Ex-NHL-Spieler Jason Marshall gelobt für "the best interview I ever did". Sie zeigte sich hauptverantwortlich für das Abschiedsvideo von Dave McLlwain. Außerdem ist sie Buchautorin und schrieb den Roman "Auf Eis" vor dem Hintergrund der Playoffs 2002.

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Clouston und Zerressen zu ihren Verträgen

1 Kommentar

  1. 21.01.2017

    ich finde die Analysen von Clouston richtig gut. Er hinterfragt immer die eigene Leistung,statt Ausreden zu suchen.

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