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Spiel 5: Kontroverse um Sharky-Auftritt

Sharky beim DEL WINTERGAME 2019. 📸 Basti Sevastos.
Sharky beim DEL WINTERGAME 2019. 📸 Basti Sevastos.

Die Kölner Haie haben gegen den ERC Ingolstadt Spiel 5 mit 4:2 gewonnen und die Serie auf 2:3 verkürzt. Doch der Club hat sich durch eine ungünstige Musikauswahl beim Sharkydance im Powerbreak des 3. Drittels in eine kontroverse Diskussion verfangen. Was war passiert? Sharky tanzte zum Song “Auf gute Freunde” der Böhsen Onkelz. Haimspiel.de erreichte daraufhin viele Leserbriefe, Kommentare und Meinungen. Auf Nachfrage von haimspiel.de haben die Kölner Haie auch ein Statement abgegeben.

Kontroverse Diskussionen auch auf Social Media

Nach der Aktion haben die Leserbriefe in unserem Postfach nicht lange auf sich warten lassen. Die Band soll dem rechten Lager zuzuordnen sein, so gab es in der Band-Historie eindeutige Liedtexte und Auftritte. Bis heute ist dies ein viel diskutiertes Thema und die Band distanziert sich nach eigenen Angaben deutlich von dieser Zeit. Auffallend war, dass die Leserbriefe den Grundtenor hatte, dass politische Extreme im Sport nichts zu suchen haben. Die Sorge darüber, dass die Playoff-Serie nun in den Hintergrund rückt und durch mediale Aufbereitung der Sache eine ganz eigene Dynamik entstehen könnte, war groß. Vorwürfe, der Club würde sich damit in eine Ecke positionieren, konnten wir ebenfalls nicht finden.

Leserbriefe: Wir müssen kein St. Pauli sein, aber erst recht kein Chemnitz

Trotzdem: Die Zitate waren besorgniserregend: “In jedem Fall aber möchte ich, dass mein KEC nicht in den Verdacht gerät, irgendwelchen neuen rechten gesellschaftlichen Tendenzen Tribut zu zollen” oder auch “Um es plump auszudrücken: Wir müssen kein zweites St. Pauli sein. Aber wir dürfen erst recht kein zweites Chemnis werden”. Die Leserbriefe, die in ähnlicher Menge auch beim Haie-Fanprojekt und bei den Kölner Haien direkt eingegangen sind, schlugen in die gleiche Richtung: “Wir haben Sorge!”. Auch in den sozialen Netzwerken und bekannten Gruppen aus Haie-Fans schlugen die Wellen hoch und es kam zu Gräbenkämpfen, die tatsächlich sonst nur in der gegenwärtigen Politik zu finden sind: Wer nicht unserer Meinung ist, ist gegen uns.

Club reagiert: Musikwunsch aus persönlichem Schicksal

Auf Nachfrage von haimspiel.de haben die Kölner Haie bekannt gegeben, dass die Musikauswahl ein persönlicher Wunsch einer Mutter war, deren Sohn (und Aushilfe der Kölner Haie) vor kurzem bei einem Autounfall ums Leben gekommen ist. Sharky ist in diesem besonderen Fall der Bitte nachgekommen. Es scheint sich um eine Ausnahme und absoluten Einzelfall zu handeln. Das Statement der Kölner Haie im Wortlaut:

Zur Liedauswahl beim Sharky-Auftritt während Spiel 5: Die Auswahl des besagten Songs wurde wie üblich von unserem Sharky-Darsteller selbst gewählt. Hintergrund dieses Mal war eine Geste für einen kürzlich bei einem Verkehrsunfall verstorbenen Haie-Fan, der auch als Aushilfe bei Heimspielen in der Arena gearbeitet hat. Die Band-Historie war dem verantwortlichen Haie-Mitarbeiter nicht bekannt. Die Auswahl des Songs hatte keinerlei politischen Hintergrund, sondern zählte zu den Lieblingsliedern des Verstorbenen. Es war der Wunsch der Mutter des Verstorbenen den Song zu spielen.

So bleibt der Mutter und allen Familienangehörigen nur herzliches Beileid zu wünschen. 

Über den Autor: Dennis Wegner

Dennis gründete gemeinsam mit René im Sommer 2003 haimspiel.de und betreut die Seite bis heute als 1. Vorsitzender. Außerdem war er zwischendurch für das Haie-Fanprojekt tätig, hat mit dem Team und der Fanszene "Wir sind Haie" ins Leben gerufen und die Flyeraktion "Köln ohne Haie?" mit großem medialen Echo organisiert.

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Spiel 5 geht an Köln: 4:2 gegen Ingolstadt
  • Jochem sagt:

    Ich denke, man sollte es nicht übertreiben, solange es nicht um rassistische, gewaltverherrlichende Texte o.ä. geht, sollte man da keine Zensur ausüben. Vor dem angegebenen Hintergund erst recht nicht. Bin auch wahrhaftig kein Fan dieser Band, aber ich habe den Titel gestern nicht und sehe ihn auch immer noch nicht als Problem. Wenden wir uns lieber dem Eishockeysport und unseren Haien zu. Mir reicht die Erklärung der Haie vollkommen.

  • Frank sagt:

    Haben die Leute keine anderen Probleme als sich über einen Song aufzuregen? Ich frage mich manchmal wirklich wer nicht alles zu jedem Thema meint seinen Senf hinzutun zu müssen und versucht anderen direkt irgendwelche Gesinnungen zu unterstellen.

  • Andy sagt:

    Natürlich kann man sich über dieses Lied aufregen oder auch nicht. Natürlich haben die Onkelz in ihrer Vergangenheit viel rechtes Liedgut zum besten gegeben, aber bevor ich darüber Urteile, sollten sich mal die Hater die Farben der Haie anschauen. Die sind bekanntlich Schwarz, Weiß, rot und wer geschichtlich aufgepasst hat, die findet die Fahnen auch zur Nazizeit wieder. Trotzdem sind die Haie kein rechter Club, nur weil die mal ein Leid gespielt. Die Hater sollen einfach aufhören zu schimpfen und die Sache gut lassen. Ich finde es gut, das dem Fan bzw. der Mutter diesen Wunsch von den Haien erfüllt wurde.

    Beileid an die Familie

  • Pingu II sagt:

    Okay, die Songauswahl war vielleicht nicht ganz glücklich, aber es gibt wahrlich schlimmeres.

    Beispielsweise, wenn denn die Meldung des KStA stimmt, die Tatsache, dass der Geschäftsführer eines Sponsors der Haie, als Privatperson “der AfD in zwei aufeinanderfolgenden Jahren fünfstellige Beträge gespendet” hat. Dieser Sponsor war auch Hauptsponsor des HTC Blau-Weiss Köln, der sich nun, wie auch die Veranstalter des ebenfalls bedachten Kulturevents “Mülheimer Nacht”, von besagtem Sponsor getrennt hat.
    Und jetzt? Sollen auch die Haie diesen Sponsor “in die Wüste schicken” oder eher nach dem Motto verfahren “Geld für die Haie kann nicht für die AfD ausgegeben werden?”?
    Da ich bisher bei Haie-Spielen keine Propaganda der AfD gesehen habe (dies soll auch in Zukunft so bleiben), fordere ich besagten Sponsor auf eingespartes Geld der Jungendabteilung der Haie zur Verfügung zu stellen. Hier ist das Geld sinnvoll ausgegeben.

  • Christian sagt:

    Und in China ist ein Sack Reis umgefallen.

  • Gast sagt:

    Das Verständnis von Demokratie und Toleranz scheint vor allem unter Jugendlichen vollkommen abhanden gekommen. Es scheint nur noch die eigene Meinung / politische Meinung das Einzige was akzeptiert und toleriert wird. Es hat auch ein gewisses Denunziantentum Einzug gehalten, wenn “mir” persönlich was nicht passt. So funktionierte aber Demokratie seit 1950 bisher nicht, ob nun früher in den 80er bei der Entstehung der Grünen oder in den 90er Jahren bei der Nachfolgepartei der SED, beiden sitzen auch im demokratisch gewählten Bundestag.
    Die Farben S/W/R stammen übrigens wenn man das interpretieren will (totaler Quatsch!) aus der Kaiserzeit, davon gibt es Reiterstandbilder und Ringe Namen in Köln, die genauso wenig undemokratisch und verboten sind, wie Musik mit Texten wie gestern oder Parteien die auf demokratischer Basis gewählt sind. Ob mir das persönlich passt oder nicht!
    Unsere Haie haben und hatten gar keinen politischen Hintergrund, wir sind ein Sport- / Eishockeyclub und das ist ein geiler Sport.

  • Swen sagt:

    Wie immer wenn Onkelz irgendwo gespielt werden wird nach über 30 Jahren immer noch das Nazi Urteil ausgepackt. Wer in deutschland jemanden ermordet bekommt 15 Jahre. Darf danach bei anfangen. Die Onkelz werden verurteilt dir Texte die sie mit 20 geschrieben haben. Die sind jetzt Mitte 50. Sie war nie eine fascho Band. Und das man nach so langer Zeit immer noch dieses Totschlag Argument auspackt zeigt doch nur das unsere Toleranz nur in eine Richtung wirklich gefordert wird. Ich kann es wirklich nicht mehr hören. Als ich 16 war bin ich Mofa gefahren also bin ich heute immer noch Mofa Fahrer!

  • Marcel B sagt:

    Ich lache mich kaputt….. Ich bin dk besitzer und Onkelz fan und habe am Sonntag das Auf gute freunde lauthals mit gesungen! Woran ich mich aber überhaupt nicht mehr erinnern kann ist das auch nur einer dieser Nörgler in dem moment seinen mund auf bekommen hat. Jetzt wo es zur zeit spielerisch bei uns läuft, da muss natürlich das Haar wo anders in der Suppe gesucht werden!!!!

    Mein herzliches Beileid an die Familie des verstorbenen

  • WubbaLubbaDubDub sagt:

    Da die Toten Hosen oder Die Ärzte dem linken Spektrum zugeordnet werden, und alles unpolitisch bleiben soll, fordere ich deren Musik zu verbannen.
    Ich mag zwar die Letzteren ziemlich gerne, aber das ist ja nach der Logik einiger Leute nur fair.

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