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Erleichterung auf allen Ebenen

Sebastian Uvira im Fight mit Mannheims David Wolf - Foto: Andreas Dick

Der Sieg der Kölner Haie gegen die Adler Mannheim fiel mit 5:0 deutlich aus. Gegen die Gäste aus der Quadratestadt, die zwar druckvoll in die Partie gestartet waren, aber nach den Toren von Ehrhoff (08.) und Thomas (12.) zunehmend verunsichert agierten, trafen neben Hanowski (28.) auch Uvira (33.) und Gogulla (44.). Letzteren taten die Treffer besonders gut, genauso wie die drei Punkte der gesamten Mannschaft auf eigenem Eis vor über 13.000 Zuschauern. Erleichterung auf allen Ebenen.

„Es war das, was dieses Team gebraucht hat.“

„Aus vielerlei Gründen ein sehr wichtiger Sieg und ein sehr wichtiger Abend für uns nach den letzten nicht gerade erfolgreichen Abenden hier in der Lanxess Arena“, begann Peter Draisaitl sein Statement bei der Pressekonferenz nach der Partie. „Wir hatten eine gute Balance im Line-Up. Wir sind besser schlittschuhgelaufen, haben besser vorgecheckt als zuletzt. Wir waren kompakter. Das Umschalten von vorne nach hinten hat besser geklappt. Es war noch nicht alles perfekt für meinen Geschmack. In der defensiven Zone haben wir immer noch zu viele freie Leute rumstehen. Das müssen wir in den Griff bekommen. Aber im Großen und Ganzen war es genau das, was dieses Team jetzt gebraucht hat, um nicht wirklich mal einen Heimkomplex aufkommen zu lassen. Insgesamt haben wir einen guten Job gemacht und freuen uns für die drei Rückkehrer, dass sie einen erfolgreichen Einstieg hatten.“

Wesslau mit Shutout im Comeback

Einer der Rückkehrer war ein wichtiger Rückhalt für sein Team: Gustaf Wesslau. Der Schwede wirkte gewohnt ruhig und sicher und hielt seinen Kasten in den Drangphasen der Adler sauber. Sein gutes Positionsspiel ließ seine Saves in weiten Teilen einfach aussehen. Auch beim Entschärfen eines Mannheimer Drei-auf-eins-Konters – die beste Chance der Adler in der Partie – wirkte er souverän. Den kritischen Augen von Goalie-Coach Jonas Forsberg war aber laut Draisaitl nicht entgangen, dass Wesslau noch nicht ganz bei seiner Normalform angekommen ist. „Für Gustaf war es das erste Spiel nach dreieinhalb Monaten. Wenn du dann mit einem Shutout nach Hause gehst, dann gibt es Schlimmeres, glaube ich. Man hat gesehen, dass er eine Präsenz da hinten hat, die dem Team gut tut. Von Expertenseite habe ich gehört, dass er noch nicht der Alte war – was ja aber verständlich ist. Es kann im ersten Spiel noch nicht wieder alles perfekt sein. Da reden wir jetzt aber wirklich von Details“, so der Kölner Headcoach.

„Wir wollten das heute unbedingt gewinnen.“

Auch Alexandre Bolduc hatte bei seiner Rückkehr trotz limitierter Eiszeit in der vierten Reihe spürbaren Einfluss auf sein Team. Er legte nicht nur das 4:0 durch Sebastian Uvira auf. Auch in Sachen körperlicher Präsenz ging der Kanadier mit gutem Beispiel voran. Als der Frust bei den Adlern wuchs und die Nickligkeiten in der Partie zunahmen, ohne dass die Schiedsrichter Bedarf sahen einzuschreiten, räumte er resolut vor dem eigenen Kasten auf, als Aaron Johnson mehrfach gegen Wesslau nachstocherte, obwohl der die Scheibe unter der Fanghand sicher begraben hatte. Damit setzte Bolduc den Ton für den Rest der Partie, was die Reaktion auf Attacken gegen den eigenen Goalie anging.

„Es war wirklich schön, wieder vor unseren Fans zu spielen. Ich habe in dieser Saison lange genug zugeschaut, um Heimspiele zu vermissen. Es war schön, endlich wieder zu spielen. Wir wollten das heute unbedingt gewinnen. Darüber freue ich mich“, so Bolduc und analysiert dann weiter: „Wegen uns musste Gustaf ein paar gute Saves machen. Das stellen wir gegen Wolfsburg hoffentlich ab. Aber dafür haben wir ihn ja. Es macht einen großen Unterschied, ihn da hinten drinstehen zu haben. Nichts gegen unsere anderen Goalies. Sie haben super gespielt. Aber er hat ein paar wichtige Saves gemacht, wir haben vorne getroffen – das macht einen großen Unterschied. Es war schön, diesen Rückhalt heute zu haben.“

„Unsere Fans verdienen etwas Besseres als das, was wir in den letzten Heimspielen gezeigt haben. Sie sind immer da und feuern uns an. Sie haben einen deutlichen Heimsieg verdient. Und nicht nur einen, sondern mehr. Wir müssen so weitermachen und hier einen Lauf starten“, meint Bolduc.

„Haben den Fuß auf dem Gaspedal gehalten.“

„Ich wollte unbedingt, dass wir das Spiel gewinnen. Deswegen war ich vor der Partie ein bisschen nervös, ehrlich gesagt. Es war ja auch eine Zeitlang ein enges Spiel. Aber ich habe mich gut gefühlt. Ich muss mein Timing noch ein bisschen besser wiederfinden und das Spiel wieder besser lesen“, meint der Stürmer zu seinem ersten Spiel seit zehn Monaten. „Das erste Drittel hätte auch 2:2 oder 3:2 für Mannheim ausgehen können. Wir sind aber mit der 2:0-Führung in die Kabine gegangen und haben dann auch noch das dritte Tor gemacht. Wir haben den Fuß auf dem Gaspedal gehalten. Das war gut. Wir haben uns an den Gameplan gehalten. Mannheim hat das Talent in der Mannschaft, vier oder fünf Tore zu machen. Das wissen wir. Aber wir haben hart gespielt und am Ende kaum Chancen zugelassen.“

„Wir haben Härte im Team.“

Zu den Nickligkeiten spät in der Partie meint Bolduc: „Mir hat das Spaß gemacht. Ich mag das. Wir haben dagegengehalten. Uvi hat gegen einen starken Gegner gekämpft. Das hat er gut gemacht. Pottsy hat sich für unseren Goalie eingesetzt. Wir haben uns nicht rumschubsen lassen. Ich glaube, wir finden jetzt mehr und mehr zusammen. Wir haben Härte im Team und jeder steht für den anderen ein. Das haben wir heute wieder gesehen. Das ist toll zu sehen. Das hat mir gut gefallen. Ich glaube, das ist enorm wichtig für die Zukunft.“

Seine Rolle als Führungsspieler in der Kabine beschreibt er mit großer Bescheidenheit: „Ich bin einfach alt. Ich habe im Laufe meiner Karriere eine Menge gelernt. Ich habe mit vielen guten Führungsspielern zusammengespielt. Ich versuche, davon so viel wie möglich hier ins Team einzubringen und den jungen Spielern so viel wie möglich zu helfen. Ich möchte einfach mit gutem Beispiel vorangehen.“

„Ich habe so ein Tor gebraucht.“

Sebastian Uvira, der sich David Wolf nach dessen Stockschlag gegen Moritz Müller vorknöpfte, beschreibt die Situation: „Bei 5:0, wenn dann jemand einen meiner Mitspieler verletzen will – ich meine, ich war am nächsten dran. Da muss ich für meinen Teamkameraden einstehen. Das habe ich getan. Es hat Spaß gemacht.“ Zum Gespräch zwischen Moritz Müller und ihm auf dem Weg zur Strafbank verrät der Stürmer: „Er hat sich bei mir bedankt und gesagt: Good job. Ich meine, der Wolfi hat einen Stockschlag ausgepackt, der in meinen Augen in jeder Hinsicht komplett unnötig war. Schade, dass es so gelaufen ist. Da war ich dann halt da. Ich bin froh, dass der Mo nicht verletzt ist.“

„Der Sieg gegen Mannheim war gut fürs Selbstvertrauen, auch wenn die gerade nicht so heiß sind. Nichtsdestotrotz ist das eine starke Mannschaft. Es ist schön, dass hier zuhause mal hinten die Null steht und dass wir vorne fünf Tore schießen. Das ist natürlich ein schöner Bonus“, meint Uvira zum Spiel insgesamt. Zu seinem Tor erklärt er: „Ich bin froh, dass ich die Scheibe reinbekommen habe. Ich habe mal so ein Tor gebraucht. Ich hatte ein bisschen mein Selbstvertrauen verloren, deswegen war es schön, dass ich mal wieder ein Tor gemacht habe. Die zwei Penalty-Shots hatten mir ein bisschen den Mut genommen. Ich weiß, dass ich technisch ein starker Spieler bin. Da hat’s nicht geklappt. Jetzt bin ich froh, dass ich wieder ein schönes Tor geschossen habe.“

„Schwer, gegen Mannheims System zu spielen“

„Die Erleichterung ist groß. Das gebe ich gerne zu“, sagt Peter Draisaitl. Nicht nur den deutlichen Heimsieg befand der Headcoach als bitter nötig, auch dass seine Mannschaft selbst nach ausgebauter Führung im Mittelabschnitt am Drücker geblieben war, ließ ihn aufatmen. „Es ist so schwer, schlechte Angewohnheiten im Sport rauszubekommen. Jedes schlechte Play da draußen kann schon wieder etwas Negatives nach sich ziehen.“

„Hier haben heute zwei gleichwertige Mannschaften das Spiel begonnen. Heute hat man mal wieder gesehen, wie wichtig das erste Tor sein kann“, wehrt sich Draisaitl dagegen, Mannheim die Rolle des Aufbaugegners zuzuschreiben. „Mannheim spielt ein sehr offenes System mit viel Forechecking. Die kommen immer wieder. Das ist nicht gerade einfach zu handlen. Das haben die Jungs gut hinbekommen, weil es gegen Mannheims System wirklich schwer zu spielen ist. Es wäre despektierlich, Mannheim als Aufbaugegner zu bezeichnen.“

Lalondes Einsatz in Wolfsburg noch nicht entschieden

Ob Draisaitl nach der guten Leistung seines Teams die Aufstellung für das Auswärtsspiel am Sonntag in Wolfsburg ändern wird, will er erst am Samstag nach Rücksprache mit seinem Trainerstab entscheiden. „Ich tendiere dazu, es nicht zu tun, aber wir werden sehen“, so der Kölner Headcoach. Damit bleibt zunächst offen, ob Lalonde in der kommenden Partie zum Einsatz kommt. Draisaitl lässt durchklingen, dass die Äußerungen des Verteidigers zu seiner Streichung aus der Aufstellung gegen Mannheim bei seiner Entscheidung über das Line-Up für die kommende Partie keine Rolle spielt.

„Noch einmal: Ich persönlich habe mit Shawn Lalonde überhaupt kein Problem. Ich mag den Jungen. Daran wird sich auch nichts ändern. Ich persönlich bin damit ok, was auch immer er gesagt haben mag. Ich kann seine Enttäuschung – und es ist mehr als Enttäuschung – durchaus verstehen. So weit bin ich von den Spielern nicht weg.“

„Weiter hart arbeiten“

Mit fünf verschiedenen Torschützen, einem Shutout und eigentlich keinen kapitalen Fehlern war die gelöste Stimmung nach dem Heimsieg gegen die Adler nachvollziehbar. Doch Sebastian Uvira mahnte gleichzeitig an, nicht übermütig zu werden. „So ein 5:0-Sieg gibt natürlich Selbstvertrauen. Aber wir müssen schauen, dass wir jetzt nicht die Nase oben haben, sondern dass wir am Boden bleiben, weiter hart arbeiten und defensiv gut spielen“, so der Stürmer mit Blick auf die Partie am Sonntag.

Spielbeginn gegen in Wolfsburg ist am Sonntag um 16:30 Uhr. Wir übertragen die Partie live ab 16:15 Uhr.

Über den Autor: Henrike Wöbking

Henrike schreibt für haimspiel.de seit 2005 und wurde von Ex-NHL-Spieler Jason Marshall gelobt für "the best interview I ever did". Sie zeigte sich hauptverantwortlich für das Abschiedsvideo von Dave McLlwain. Außerdem ist sie Buchautorin und schrieb den Roman "Auf Eis" vor dem Hintergrund der Playoffs 2002.

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Wesslau, Bolduc, Sulzer rein – Lalonde raus

7 Kommentare

  1. Schmidt
    07.01.2018

    Applaus Uvira! Das war ganz groß sich mit dem ewig unfairen Wolf anzulegen. Meinen größten Respekt, manch anderer Waschlappen hätte das einfach hingenommen. Weiter so!

  2. Thomas
    07.01.2018

    Also aus meiner Sicht gibt es erstmal keinen Grund Lalonde wieder in den Kader zu holen. Das war mal ein solide erarbeitetes Spiel. Immer wieder ein Stock dazwischen. Immer wieder den Gegner unter Druck gesetzt. Sulzer in meinen Augen sogar mit einem guten Comeback. Deutliche Steigerung zu Lalonde, muss ich leider gestehen.

    Vorne mal Eiskalt und mit etwas Glück die Dinger ins Tor gemogelt. Wenn es das mal gebraucht hat, soll es mir recht sein. Ich würde mir mal Wünschen das Gogullas glückliches Tor, ihm jetzt endlich mal auftrieb gibt.

    Wesslau natürlich mit starkem Comeback. Auch mal ganz wichtige Dinger rausgeholt, so dass Mannheim garnicht auf die Anzeige kam, trotz einiger guter Gelegenheiten.

    Aber Mannheim war erschreckend schwach in meinen Augen. So ist in Mannheim bald Sommer Urlaub angesagt, ohne das an der Stelle böse zu meinen.

    Ich bin sehr gespannt, ob es gegen Wolfsburg ähnlich engagiert zur Sache geht.

    Gruß
    Thomas

  3. Alexander
    06.01.2018

    Da bin ich mal wieder nicht bei einem Heimspiel dabei weil ich als Rollstuhlfahrer auf Hilfe angewiesen bin z.b.durch jemanden der mich dahin fährt der an diesem Tag nicht zu finden war und ausgerechnet dann gewinnen die Haie so hoch.Gut gemacht Jungs weiter so an der Aufstellung sollte man nichts ändern wieso auch wenn es so klappt??

  4. Rolliman
    06.01.2018

    Es war nicht alles gold was glänzt, und der gegner war auch eher mittelmass. das 3-1 auf wesslau war ein riesenabwehrbock. das Ding, was Wesslau im liegen mit dem schoner raus kratzt, da stehen auch 2 adler frei im slot rum. gegen spitzenteams holst du die pucks aus dem netz raus. wer jetzt die goldene fanfare bläst, hat genau soviel eishockeyverstand wie die fette Telekom Micky Mouse am Mikro. Es war ein Anfang nicht mehr, nicht weniger. Ich hoffe, dass Draisaitl genug Eier in der Hose hat, und dasselbe Team morgen wieder spielen läßt. NEVER CHANGE A WINNING TEAM!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!

  5. Sabine Wallau
    06.01.2018

    Endlich mal wieder ein gutes Spiel “unserer” Haie, auch wenn es gegen schwache Mannheimer ging. In der Vergangenheit hat man solche Spiele trotz Führung oft noch verloren, weil das Spielen eingestellt wurde.
    Besonders begeistert die Leistung der Rückkehrer – da ich kein Experte in, fand ich Gustafs Leistung einfach super und bin froh, dass damit endlich diese leidige Torwartdiskussion aufhört.
    Jetzt gilt es, diese Stimmung im Team, diese Euphorie mitzunehmen in die kommenden Spiele.

  6. Marcel
    06.01.2018

    Toller Eishockey-Abend gestern in Deutz! Bin seit langer Zeit mal wieder richtig glücklich heim gegangen.
    Natürlich sollten wir nicht über diese desolate Mannheimer Mannschaft hinwegsehen, allerdings sollte dies nicht unsere Sorge sein und wir dürfen uns auch einfach mal über einen perfekten Eishockey Abend erfreuen!
    Jetzt bitte in gleicher Konsequenz morgen nachlegen.

    Gruß Marcel

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