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KEC büßt den Auswärts-Nimbus ein

Kai Hospelt brachte den KEC aufs Scoreboard. Foto: Alex Schmitz
Kai Hospelt brachte den KEC aufs Scoreboard. Foto: Alex Schmitz

Die Kölner Haie spielten nicht nur auf dem Eis in weißen Trikots – sie hatten auch eine „weiße Weste“ in Bezug auf die Auswärtsspiele in dieser Saison. Vier Siege aus vier Spielen in der Ferne, dabei drei Shutouts – eine nahezu perfekte Bilanz, die heute beim Spiel gegen den Tabellenletzten aus Straubing auf die Probe gestellt wurde. Die Haie verloren mit 2:3 (0:0, 3:1, 0:1). Statistisch sah es im Vorfeld gut aus für den KEC, der 15 der letzten 23 Spiele in Straubing gewinnen konnte. Die Tigers hingegen konnten mit einem Sieg auf heimischem Eis gegen die Eisbären Berlin in die Länderspielpause gehen.

Mit Marcus Vinnerborg gesellte sich ein schwedischer Hauptschiedsrichter zu den Spielern, der auch bereits Einsätze in der NHL in seiner Vita auflisten konnte.

Wesslau hält das 0:0 fest

Der KEC begann das Spiel erwartungsgemäß durchaus druckvoll, konnte sich aber keine vollwertige Chance erarbeiten. Die ersten höherwertigeren Torschüsse erarbeitete sich vielmehr die Tabellenletzten aus Straubing, die zunächst nach einem schlauen Pass aus der Defensive im 1:1 und durch Oblinger mit einem Bauerntrick an Wesslau scheiterten. Auch das erste Powerplay durften die Tigers spielen nachdem Johannes Salmonsson wegen Haken auf die Strafbank musste – doch die Haie überstanden diese Situation schadlos. Bis zur Mitte des ersten Drittels konnten die Tigers 6:2 Torschüsse verbuchen und die Haie Straubings Torhüter Matt Climie nicht durch eine zwingende Torchance zum Save zwingen. Im Gegenteil: Straubing hatte auch in der Folge mehr und bessere Torschüsse. Doch: Gustaf Wesslau sicherte dem KEC das 0:0

Drei Minuten von dem Ende des Drittels konnte TJ Mulock gefährlich vor Matt Climie kommen, diesen mit der Rückhand prüfen, doch nicht überwinden. Der KEC ging in Unterzahl aus dem Drittel, nachdem Byers neun Sekunden vor dem Ende bei einem Konter gegen Climie prallte, das gegnerische Tor aus der Verankerung riss und für „Behinderung“ auf die Strafbank ging.

Haie lange ohne Zugriff auf das Spiel

Die Haie begannen das zweite Drittel in Unterzahl, doch konnten auch diese schadlos überstehen. Auch im weiteren Verlauf des Drittels präsentierten sich die Teams keineswegs dem Tabellenstand entsprechend – im Gegenteil. Kein fünf Minuten waren in diesem Drittel gespielt, als Köln sich seine bis dahin beste Chance kreieren konnte: Nach einem Schuss von der blauen Linie versuchte Ryan Jones dem Straubinger Torhüter die Sicht zu nehmen, war sich dann allerdings mit Hager nicht einig, wer letztlich den Abpraller annehmen und schießen sollte, so dass die Chance vergeben wurde. Fast im Gegenzug dann das 1:0 für Straubing: Der KEC konnte die Scheibe hinter dem Kasten von Gustaf Wesslau nicht klären, den Pass von hinter dem Tor in den Slot konnte René Röthke verwandeln. Die Tigers hatten auch weiterhin mehr vom Spiel und gleich mehrfach die Möglichkeit, auf 2:0 zu erhöhen. So konnte Dylan Yeo nach einem Querpass seines Mittspielers völlig unbedrängt von Kölner Verteigern von links auf den Kasten von Wesslau zufahren und aus dem Bulliekreis schießen. Kurz darauf liefen drei Straubinger Spieler den schnellen Konter, legten sich Wesslau und den verbleibenden Kölner Verteidiger zurecht, ließen die Scheibe gut laufen. Glück für den KEC, dass der letzte Spieler letztlich über die Scheibe schlug.

Auch eine kleinere Rangelei im Nachgang eines 3 auf 2-Konters der Haie auf Matt Climie, welche durch Strafen gegen Patrick Hager und Mike Connolly geahndet wurde, konnte den KEC nicht wachrütteln. Im Gegenteil: Straubing gewann immer mehr Zugriff auf das Spiel und konnte bilderbuchhaft auf 2:0 erhöhen. Viel zu leicht konnte der Straubinger Stürmer am Kölner Spieler vorbei und über rechts zum Tor ziehen. Parallel konnte sich Thomas Brandl von seinen Gegenspielern lösen, unbedrängt vor dem Slot „parken“ und abstauben. Dass die Haie füreinander einstehen, wurde deutlich, als Latta einen Check gegen Turnbull via Faustkampf beantwortete. Dies konnte jedoch auch nicht verhindern, dass der KEC mit 0:3 in Rückstand geriet. Dylan Yeo passte die Scheibe an die blaue Linie, von dort kam der Schuss in Richtung des Kölner Tores, welcher von von Mike Hedden erfolgreich abgefälscht wurde. Der KEC weiterhin vor allem in der Defensive, nach vorne bestimmten Einzelaktionen das Geschehen. So etwa Sebastian Uvira, der 1-auf-0 auf Matt Climie laufen konnte, im Stile eines Penalty-Schusses die Scheibe auf links legte, die Lücke zwischen den Beinen des Straubinger Torhüters suchte, aber nicht fand.

Dann aber das 1:3 aus Sicht der Kölner: Climie stoppte eine tief gespielte Scheibe an der Bande und ging dabei weit aus seinem Tor. Sein Pass kam noch beim Mitspieler an, doch der passte hoch-unglücklich vor das Tor, wo Tim Miller die Scheibe nicht annehmen konnte. Nutznießer war Kai Hospelt, der humorlos abzog und den KEC so auf das Scoreboard brachte. Die Tigers wackelten nun ernsthaft – erstmals in dieser Partie über Minuten hinweg. Der sichtbar gerissene Faden im Spiel der Tigers fand Ausdruck in einem weiteren Überzahlspiel der Haie: Nico Krämmer war mit Geschwindigkeit auf den Kasten des Straubinger Torhüters gelaufen und von Dylan Yeo unsanft zu Fall gebracht worden. Bereits zu diesen Zeitpunkt nicht mehr auf dem Eis und bis zum Ende der Partie nicht mehr auf der Haie-Bank: Christian Ehrhoff, der mit Problemen im Bereich des Unterkörpers das Spiel abbrechen musste. Der Rest des KEC schnürte die Tigers nun für etwa eine Minute im Drittel ein und konnte eine Vielzahl Schusschancen generieren – zwingend oder gar erfolgreich war jedoch keine von ihnen. Dann aber die nächste Strafe gegen Straubing (Sean Sullivan, Spielverzögerung) und somit 30 Sekunden 5:3-Überzahl für Köln, die allerdings ungenutzt verstrichen.

Die Tigers erkämpfen sich den Sieg

Aus dem zweiten Drittel brauchten die Haie also eine 5:3-Überzahl in das dritte Drittel. Doch das Penaltykilling der Tigers griff gut, der KEC konnte kaum Gefahr entwickeln und die Überzahl verpuffte. Beide Teams zeigten sich durchaus bemüht, neutralisierten sich aber. Drei Top-Chancen in einer Aktion konnte sich Sandro Schönberger erarbeiten, der gleich mehrfach zum Nachschuss vor Wesslau kam, bis Max Reinhart eingreifen konnte. Überzahlspiele der Tigers nach Strafen gegen Potter und Salmonsson blieben ohne Folgen für den KEC. Nach dem Powerbreak zogen die Haie das Tempo langsam, aber sicher an. Die Tigers wurden zunehmend in die Defensive gedrückt, was den Haien Räume bot, um mehr Druck zu entfalten.

Folgerichtig der 3:2 Anschlusstreffer durch einen Abstauber von Ryan Jones. Und die Haie ließen den Fuß auf dem Gaspedal, doch Straubing kämpfte mutig und erfolgreich. Knapp 1:30 Minuten vor dem Ende der Partie dann die Chance der Haie auf das 3:3, doch wieder blieb Matt Climie aus kurzer Distanz Sieger und hielt den Sieg der Tigers fest. Unter hohem Druck holte Köln Gustaf Wesslau auf die Bank, doch diesen letzten Vorteil konnte Köln nicht mehr ausnutzen.

Insgesamt muss man den Haien attestieren, in langen Phasen der Partie – insbesondere im zweiten Drittel – keinen Zugriff auf das Spiel gefunden zu haben. Straubing kämpfte aufopferungsvoll und konnte verdient drei Punkte aus dem Spiel gegen den KEC in der Stadt behalten.

Über den Autor: René Guzmán

René hat Haimspiel.de 2003 zusammen mit Dennis gegründet. Mit Tobias hat er die allererste Radioübertragung aus Iserlohn gesendet. Er war Mitglied des Vorstandes des KEC "Die Haie" e.V., 2010 war er an der Organisation der Ausstellung "Powerplay - Eishockey in Köln" zur Eishockey-WM im Deutschen Sport und Olympia-Museum beteiligt, hat seine Staatsexamensarbeit zum Thema "Eishockey in Deutschland bis 1945" verfasst und z.B. das "Wir sind Haie!"-Logo und das Logo des Haie-Fanprojekts entworfen.

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