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Intensität und Spiel verloren

Johannes Salmonsson, Shawn Lalonde, Patrick Hager - Foto: Alexandra Schmitz

Die Kölner Haie verließen das Eis der Berliner Mercedes Benz Arena erneut mit einer verdienten Niederlage. Die Eisbären waren das spielbestimmende Team, während die Haie über das komplette Spiel nicht ihre Beine fanden, ihr System verloren und sich reihenweise unforcierte Scheibenverluste leisteten. Einzig Gustaf Wesslau hatten sie es zu verdanken, dass die Partie nach 40 Minuten noch eng blieb, doch bei Berlins Treffern im Schlussabschnitt war auch er machtlos. Das Ergebnis fiel mit 4:1 für Berlin zu Recht deutlich aus.

Wie schon in Spiel 3 eröffneten die Gastgeber die Partie mit einem frühen Tor. André Rankel traf nach einem 2 auf 1 Konter nach nur 37 Sekunden zur 1:0 Führung. Doch anders als beim letzten Auswärtsspiel der Haie in Berlin fand die Mannschaft von Cory Clouston umgehend eine Antwort. Nur 40 Sekunden später liefen Alexander Weiß und Nick Latta einen Konter in die Gegenrichtung, den Latta auf Querpass von Weiß zum 1:1 Ausgleich abschloss.

Die Partie beruhigte sich daraufhin ein wenig, doch die Eisbären nahmen Fahrt auf. Sie erarbeiteten sich gute Chancen durch Nachschüsse, die sie dann aber knapp verfehlten oder aber Wesslau mit einigen Glanzparaden vereiteln konnte. Einzig Ryan Jones hatte noch eine beste Gelegenheit am bereits geschlagenen Vehanen vorbei, traf aber mit dem leeren Netz vor sich die Scheibe nicht richtig.

„Der Ausgleichstreffer von Latta war enorm wichtig. Ich weiß nicht, wann es uns das letzte Mal gelungen ist, direkt im nächsten Wechsel nach einem Gegentor zu treffen“, befand Shawn Lalonde. „Das hat uns sofort zurück ins Spiel gebracht.“

„Wir haben eigentlich gar nicht so schlecht angefangen. Der schnelle Ausgleich hat uns gutgetan. Danach waren wir eigentlich im Spiel“, meinte Moritz Müller. „Es war sicher nicht unser bestes erstes Drittel, aber ich hatte das Gefühl, das könnte heute hinhauen.“

Das zweite Drittel dominierten aber die Berliner von Beginn an. Die Haie kamen unter dem Druck der Eisbären kaum aus ihrem Verteidigungsdrittel heraus. Oft blieb nach einer Befreiung aus der eigenen Zone nur ein Dump-In ins Berliner Drittel, um zum Wechsel zu fahren. Wesslau war in diesem Spielabschnitt unter Dauerbeschuss. Es brauchte aber ein Berliner Powerplay, um den Kölner Goalie ein zweites Mal zu überwinden. Das gelang erst in der 37. Spielminute, als Darin Olver einen Schuss von Micky DuPont zum 2:1 ins Kölner Netz abfälschte.

Es schien wie ein kleines Wunder, dass der KEC nach diesem Drittel nur mit einem Tor zurück lag. Zu lange Aufbaupässe landeten in der Mehrzahl beim Gegner. Auch das Kurzpassspiel, um die Scheibe aus dem eigenen Drittel zu bringen, versagte unter dem Berliner Forecheck. Das Spiel der Haie ließ in diesen 20 Minuten alles vermissen, was Cory Clouston seit seiner Amtsübernahme etabliert hatte. Doch trotz schlechtem Spiel war der KEC noch nicht aus der Partie, weil die Berliner ihrerseits den Großteil ihrer Chancen ungenutzt ließen.

„Es war ein Spiel, wie wir es seit Dezember nicht mehr hatten. Verteidiger und Stürmer waren zu weit auseinandergezogen“, analysierte Moritz Müller. „Wenn man trotz eines so schlechten Drittels nur mit einem Tor hinten liegt, dann ist man nur einen Schuss vom Ausgleich entfernt. Aber wenn man so ein zweites Drittel spielt, dann hat man es vielleicht auch einfach nicht verdient, hier zu gewinnen. Wir haben ja auch im Schlussdrittel genauso weitergemacht.“

„Wir hatten zu viele Turnovers. Wenn man die Scheibe so oft verliert, dann spielt man das ganze Spiel im eigenen Drittel. Das hat uns am Ende das Genick gebrochen. Wir haben viel zu viele Chancen abgegeben“, erklärte Nick Latta. „Wir haben zu viel Energie verbraucht, während wir hinten drin gestanden haben. Um im Schlussdrittel noch was zu reißen, hätten wir schon zwei Schippen drauflegen müssen.“

Den Schlussabschnitt begannen die Haie noch mit einer aus dem Mitteldrittel überhängenden Überzahl, kamen aber nicht zu Gelegenheiten. Als Florian Busch in der 42. Minute dann auch noch auf 3:1 erhöhte, schien eine Aufholjagd nahezu unmöglich. Zu wenig hatten die Haie bis dahin an Scheibenkontrolle im gegnerischen Drittel gehabt. Dennoch bemühte sich die Mannschaft von Clouston in der Folge, allerdings verfiel man auch hier in alte Muster mit vielen Einzelaktionen und wenig Teamspiel. Das Auspacken der Brechstange riss zudem weitere Löcher nach hinten. Eines davon nutzte Marcel Noebels mit konsequentem Zug zum Tor und einem verdeckten Handgelenkschuss in den Winkel in der 47. Minute zum 4:1 Endstand.

Zwei Tage nach dem emotionalen Sieg auf eigenem Eis ließen die Haie in Spiel 5 das nötige Maß an Intensität vermissen. Berlin war von Anfang an und blieb bis zum Schluss am Drücker. Während die Gastgeber ihr bestes Spiel der Serie aufs Eis brachten, hatten die Haie deutlich zu wenig dafür getan, sich eine Chance auf den Sieg zu geben.

„Es scheint, dass wir nicht in der Lage sind, zwei gute Spiele hintereinander abzuliefern“, meinte Shawn Lalonde. „Die letzten beiden Spiele hier in Berlin waren wirklich schlecht von uns. Wir sind von unserem System abgewichen und haben es stattdessen jeder für sich versucht. Wir müssen mehr als Einheit agieren.“

„Wir haben alle ein paar Prozent zu wenig gehabt“, resümierte Moritz Müller, und Philip Gogulla ergänzte: „Wir sind heute nicht gut schlittschuhgelaufen. Speziell im letzten Drittel haben wir dafür die Quittung bekommen. Der Knackpunkt war, dass wir uns heute auf dem Eis nicht gegenseitig unterstützt haben.“

„Berlin war heute viel besser in Schwung als wir. Sie haben es geschafft, uns in die Defensive zu drängen, und wir waren nicht in der Lage, uns daraus zu befreien“, so Clouston. „Wir hatten mit dem Powerplay zu Beginn des Schlussdrittels die Chance, die Partie auszugleichen. Dadurch, dass uns das nicht gelungen ist, hatten wir das Momentum komplett verloren.“

Dass sich die Ausfälle mittlerweile häufen, beginnt ein Faktor zu werden. „Dass Boucher und Aslund fehlen, tut schon weh. Im Moment bekommen wir kaum ein volles Line-Up aufs Eis“, meint der Kölner Headcoach. „Aber daran ist nichts zu ändern. Wir müssen unsere Kräfte sammeln und versuchen, den Heimvorteil am Samstag zu nutzen. Wir brauchen einfach eine bessere Leistung von jedem Einzelnen. Wir müssen als Mannschaft insgesamt klüger spielen. Aus unserer Sicht war das hier heute eine noch schlechtere Partie als Spiel 3.“

Für Spiel 6 am Samstag müssen die Haie zurück zu ihrem Spiel finden, wenn sie ein Spiel 7 erzwingen wollen. Dass die Eisbären in den bisherigen beiden Spielen auf Kölner Eis bislang nur einen Treffer erzielen konnten, ist für Moritz Müller aber nicht mehr als eine bedeutungslose Randnotiz: „Wir sollten nicht zu sehr auf Sachen bauen, die in der Vergangenheit liegen. Wir müssen wieder unser A-Game bringen und das Potential unserer Mannschaft ausschöpfen. Nur dann werden wir zuhause gewinnen.“

Die Haie hoffen, dass Per Aslund für das kommende Heimspiel wieder zur Verfügung steht. Der Schwede hatte die letzten beiden Spiele erkrankt aussetzen müssen.

Erstes Bully in Spiel 6 am Samstagnachmittag ist um 17:30 Uhr. Wir übertragen die Partie live ab 17:15 Uhr.

Über den Autor: Henrike Wöbking

Henrike schreibt für haimspiel.de seit 2005 und wurde von Ex-NHL-Spieler Jason Marshall gelobt für "the best interview I ever did". Sie zeigte sich hauptverantwortlich für das Abschiedsvideo von Dave McLlwain. Außerdem ist sie Buchautorin und schrieb den Roman "Auf Eis" vor dem Hintergrund der Playoffs 2002.

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