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Gutes Spiel, keine Punkte

Nick Latta im Trikot der Kölner Haie. Foto: Steffen Thaut.
Nick Latta im Trikot der Kölner Haie. Foto: Steffen Thaut.

Die Kölner Haie unterlagen am Freitagabend in Nürnberg mit 1:3. In einer engen Partie auf Augenhöhe hatten die Ice Tigers das glücklichere Ende für sich.

„Es war in diesem Spiel klar, dass derjenige gewinnt, der weniger Fehler macht. Leider haben wir den einen entscheidenden Fehler gemacht, der zum 2:1 führte“, resümierte Cory Clouston nach der Partie. „Es ist besonders ärgerlich, weil wir direkt davor selbst eine sehr gute Torchance hatten.“

Von Spielbeginn an waren beide Mannschaften hellwach. Die Haie mit viel Druck im Forecheck ließen den Ice Tigers wenig Raum zu agieren. Aufbaubemühungen der Hausherren fanden oft spätestens in der neutralen Zone ein Ende. Allerdings musste der KEC schon im ersten Drittel zwei Unterzahlen überstehen, nachdem schon früh Pascal Zerressen wegen Haltens und später dann Nick Latta wegen eines Stockschlags auf die Strafbank mussten. Beide Unterzahlsituationen meisterten die Haie und ließen wenige Schusschancen der Ice Tigers zu. Die größte Chance auf Seiten der Haie vergab bei einem Konter Dragan Umicevic, der allein vor Beskorowany auftauchte, aber am Nürnberger Goalie scheiterte. So ging es mit 0:0 in die erste Drittelpause.

Auch im zweiten Drittel lieferten sowohl Gustaf Wesslau im Tor der Haie als auch Tyler Beskorowany im Nürnberger Gehäuse weiterhin eine fehlerfreie Leistung ab, und so bissen sich die Akteure beider Teams an den Schlussmännern die Zähne aus. Die Haie hatten in ihren zwei Powerplays im Mittelabschnitt gute Chancen, brachten die Scheibe aber nicht ins Nürnberger Tor. Beide Teams weiter mit Kampf um jeden Zentimeter Eis. Es war ein gutes Quäntchen Glück dabei, als Ehliz Wesslau in der 37. Minute zum 1:0 überwand. Einen Rebound nach einem Schuss von Klubertanz von der Blauen Linie brachte der Nürnberger Stürmer in Richtung Kölner Tor zurück. Die Scheibe sprang vom Innenpfosten über die Linie.

Die Haie erhöhten in den folgenden Wechseln den Druck im Bemühen um die direkte Antwort, scheiterten aber wieder und wieder an Beskorowany. Trotzdem blieben die Haie dran. Schließlich setzte sich Gogulla im Zweikampf in der Bande hinterm Nürnberger Tor durch, brachte die Scheibe zu Alexander Sulzer, der mit seinem Pass den freistehenden Patrick Hager fand. Von der Nürnberger Defensive komplett alleingelassen, nahm Hager in Ruhe Maß und hämmerte den Puck hoch ins Ice Tigers Tor. Sechs Sekunden vor Drittelende damit der 1:1-Ausgleich, der absolut verdient war.

Im Schlussdrittel schienen beide Mannschaften auf die Vermeidung von Fehlern fokussiert zu sein. Das Spiel nach vorne ließen beide Teams zunächst sehr kontrolliert laufen, bis sich nach der ersten echten Konterchance des Drittels durch die Haie das Spiel wieder öffnete. In der Folge gab es Torchancen auf beiden Seiten und wieder standen die beiden herausragenden Goalies im Mittelpunkt des Geschehens. Es war ein grober Patzer nötig, um den Ice Tigers das 2:1 zu ermöglichen. Eriksson kam beim Versuch eines Aufbaupasses in der neutralen Zone zu Fall, und so entstand an ihm vorbei eine zwei auf eins Situation. Wesslau nahm Heatley die Schussoption, war dann aber chancenlos gegen Pföderl, den Heatleys perfekter Querpass fand und der ins leere Tor zur erneuten Nürnberger Führung einnetzen konnte.

Die Haie wichen zwar in der Folge nicht von ihrem Spiel ab, doch Nürnberg schaltete verstärkt auf Defensivarbeit um und verlegte sich aufs Kontern. Anderthalb Minuten vor Schluss nahm Clouston noch Gustaf Wesslau zugunsten eines sechsten Feldspielers vom Eis, doch die Ice Tigers konnten den Spielaufbau der Haie immer wieder entscheidend stören. Einen der abgefangenen Kölner Pässe nahm Patrick Reimer an und setzte per Empty-Net den Schlusspunkt zum 3:1.

„Wenn man das ganze Spiel betrachtet, dann haben wir sogar weniger Fehler als Nürnberg gemacht“, befand Patrick Hager. „Wir haben nur – wie schon gegen Schwenningen – unsere Chancen nicht genutzt. Zudem hat Beskorowany richtig stark gehalten. Auf der anderen Seite machen wir eigentlich nur zwei grobe Fehler, die dann aber direkt bestraft werden. Wenn du unten drinstehst, dann fehlt eben ab und zu auch mal das Quäntchen Glück. Wir brauchen jetzt aber nicht den Kopf in den Sand zu stecken. Wir haben noch vier Spiele, drei davon zuhause und haben alles selbst in der Hand. Wir müssen uns jetzt darauf konzentrieren, am Sonntag Punkte zu holen.“

„Ich kann der Mannschaft in Sachen Einsatz und Umsetzung des gameplan keinen Vorwurf machen. Sie haben in den letzten beiden Partien sehr hart gearbeitet. Unglücklicherweise sind wir in beiden Spielen leer ausgegangen. Zum jetzigen Zeitpunkt in der Saison sind Punkte natürlich entscheidend“, so Clouston nach der Partie. „Ich weiß nicht, ob wir es ein bisschen zu sehr erzwingen wollten. Aber wir müssen positiv bleiben und weiter so arbeiten, dann haben wir das Glück auch wieder auf unserer Seite.“

Weil neben Ryan Jones, Jason Williams und Sebastian Uvira auch Johannes Salmonsson wie schon am Dienstag verletzt passen musste, war der Kölner Headcoach gezwungen, in der Aufstellung nochmals kreativ zu werden, um vier volle Sturmreihen aufbieten zu können. Und so fand sich neben den etablierten Formationen Gogulla-Hager-Aslund, Weiß-Latta-Umicevic und Ohmann-Falk-Boucher in der vierten Reihe Mirko Lüdemann zum ersten Mal in seiner langen Karriere als Stürmer neben Charlie Stephens und Pascal Zerressen.

„Wir mussten uns etwas einfallen lassen, um die Eiszeiten besser zu verteilen. Wir haben aktuell kein volles Line-Up. Es schien uns klug, vier volle Reihen zu haben anstatt einer vierten Reihe mit nur zwei Spielern, in der man dann einen Stürmer in Doppelschichten spielen lässt und ihn damit überlastet. So war es ein bisschen einfacher, die Eiszeiten zu managen“, erläuterte Clouston die Idee, den Ur-Hai auf der für ihn ungewohnten Position einzusetzen. „[Lüdemann] war sehr offen für die Idee, worüber wir uns sehr gefreut haben. Er hat einen exzellenten Job in der Reihe gemacht. Seine Reihe hat einige guter Chancen kreiert. Sie waren sehr effektiv für uns. Solange Salmonsson fehlt, werden wir diese Reihen so zusammenlassen.“

Clouston rotierte alle vier Sturmreihen bis zum Schluss konsequent durch, so dass sich für die vierte Reihe sogar eine Menge Offensivbullys ergaben. „Die Intensität war in allen Reihen da. Alle waren voll in der Partie. Es gab keinen Grund, die Bank zu verkürzen. Uns fehlen natürlich mit Jones und Salmonsson offensiv wichtige Spieler, aber wir müssen jetzt mit diesem Line-Up Wege finden, Tore zu schießen.“

„Man sieht ja, dass wir für jeden Gegner schwer zu spielen sind. Wir hatten kein Spiel, in dem wir chancenlos waren. Seit Cory [Clouston] da ist, waren wir in jedem Spiel drin, hatten Chancen zu gewinnen und haben die Mehrzahl ja auch gewonnen. Es ist so, dass momentan alle im System spielen. Auch die vierte Reihe, die mit zwei Verteidigern auf den Außenbahnen spielt, macht einen super Job und gibt den anderen drei Reihen damit die Chance, mal durchzuschnaufen“, meinte auch Patrick Hager und ergänzt: „Aber in so engen Spielen wie heute, merkt man dann eben doch, dass uns Jones, Salmonsson, Uvira und Williams fehlen, die offensiv Ideen haben und der Mannschaft im Spiel nochmal Impulse geben können.“

Clouston hofft auf eine Rückkehr von Johannes Salmonsson in der Partie am Sonntag gegen die Eisbären Berlin: „Die Chancen stehen gut. Aber wir werden abwarten müssen, wie es morgen und am Sonntag bei ihm aussieht.“

Auch eine Rückkehr von Ryan Jones sogar noch vor den Playoffs hält Clouston für denkbar: „Es ist durchaus möglich, dass Jones am nächsten Wochenende wieder spielt. Am kommenden Montag oder Dienstag werden wir es genauer wissen.“

Am Sonntag erwarten die Haie mit den Eisbären Berlin die nächste Top-Mannschaft in der LanxessArena. Erstes Bully ist um 14:30 Uhr. Wir übertragen die Partie live ab 14:15 Uhr.

Über den Autor: Henrike Wöbking

Henrike schreibt für haimspiel.de seit 2005 und wurde von Ex-NHL-Spieler Jason Marshall gelobt für "the best interview I ever did". Sie zeigte sich hauptverantwortlich für das Abschiedsvideo von Dave McLlwain. Außerdem ist sie Buchautorin und schrieb den Roman "Auf Eis" vor dem Hintergrund der Playoffs 2002.

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