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Analyse: Was steckt hinter Draisaitls Entlassung?

Peter Draisaitl beim DEL WINTERGAME 2019. Foto: Basti Sevastos.
Peter Draisaitl beim DEL WINTERGAME 2019. Foto: Basti Sevastos.

Die Kölner Haie haben Peter Draisaitl entlassen und mit Dan Lacroix einen neuen Trainer bis zum Saisonende verpflichtet. Lacroix kommt mit einer namhaften Vita nach Köln. Doch was steckt eigentlich hinter der Entlassung, obwohl die Kölner Haie mit dem aktuell 5. Tabellenplatz die direkte Playoff-Qualifikation schaffen würden? Als abrundenden Grund nannte der KEC die fehlende Bindung zur Mannschaft, doch die Zeichen und Signale waren bereits seit Wochen nicht mehr übersehbar. Die Fehlerquelle fing bereits in der letzten Saison an.

Fehlerquelle seit Monaten unübersehbar

Die ersten Zweifel kamen bereits nach dem Playoff-Aus gegen die Thomas Sabo IceTigers im letztjährigen Viertelfinale auf. Hörte man sich im Nürnberger Umfeld um, waren die Haie klarer Favorit. Die IceTigers hatten pünktlich zu den Playoffs einen Negativ-Trend, konnten die Haie aber ohne wirklich sichtbare Reaktion bezwingen. Es war stark zu beobachten, dass Nürnberg spielerische Lösungen bot, die Haie aber gegen eine temporeiche linke Angriffsseite der IceTigers keine Idee hatte. Die Haie verloren das Duell besonders auf der Trainerbank, so deutlich wie man es zuletzt nur unter Uwe Krupp gesehen hatte, als vermeintlicher Favorit.

Zweifel innerhalb der Mannschaft sind bereits zu Saisonbeginn aufgekommen. Immer wieder war aus dem Spielerumfeld zu hören, dass man keinerlei spielerische Ansätze oder Lösungen an die Hand bekommen hat. Videoanalysen wurden, wenn, nur kurz und knapp gehalten. Zwar trainierte die Mannschaft zum Beispiel viele Einheiten in Überzahl, aber erst mit aufgestellter Formation. Ein Spielaufbau und die Idee, wie man in die Aufstellung findet, war der Mannschaft eher selbst überlassen. Zuviel wurde dem Zufall überlassen, lange Zeit sogar relativ erfolgreich.

Coaching: Inhalts- und kreativlos?

Verwunderlich waren auch die Reihenwechsel im Team. Reihen, die bei numerischer Gleichheit auf dem Eis Unterschiede und Impulse ausmachten, wurden in Überzahl plötzlich auseinander gerissen. Dies hatte zur Folge, dass Reihen teilweise angesagt werden mussten. Ein eklatanter Nachteil, der die Kölner Haie auch das DEL WINTERGAME 2019 gegen die Düsseldorfer EG (2:3 nach Verlängerung) gekostet hat. Während die DEG den Spielaufbau eröffnete, wurden die Stürmer zurück auf die Bank beordert. Ein Kardinalsfehler, der den 2-1 Konter und den Siegtreffer erst ermöglichte (zu sehen ab 4:40 Minuten):

Im Nachgang des Spiels soll das Trainergespann Thomson und Brandl mit viel Wut im Bauch das Stadion verlassen haben. Nicht nur in dieser Situation waren sich Trainer Draisaitl und sein Gespann nach Angaben des Umfelds uneinig: Ideen der Co-Trainer sind ins Leere gelaufen. Es war nur eine Frage der Zeit, bis diese Tendenzen auch in der Geschäftsstelle nicht mehr unbemerkt blieben.

Doku “Derby 221” zeigt ebenfalls Schwächen auf

Die Inhaltslosigkeit im Coaching wird auch bei der Telekom-Doku “Derby 221” deutlich, die vor dem DEL WINTERGAME 2019 veröffentlicht wurde. Während DEG-Trainer Harold Kreis zum 221. Derby Fehler der einzelnen Drittel analysiert, Zwischenziele ausgibt und ruhig bleibt, ist die Haie-Kabine um einiges eintöniger. Draisaitl wiederholt sich in seiner “F*CK”-Ansprache, appelliert an die Leidenschaft und spricht das Zweikampfverhalten an. Von inhaltlichen und spielerischen Ansätzen ist in den Ausschnitten leider nichts zu hören. Sportdirektor Mark Mahon sowie die Haie-Organsation sahen trotz des Tabellenplatzes keine sportliche Weiterentwicklung im Team. Der fromme Wunsch an den neuen Trainer Dan Lacroix: Eine positive Ansprache, die das Team erreicht sowie viel Wert auf Struktur im Training und Spiel. Alles das, was man unter Peter Draisaitl scheinbar nicht mehr sah.

Nicht alles was glänzt, ist Gold: Der Tabellenplatz

Der Mannschaft der Kölner Haie wird bis heute ein Top-Charakter attestiert. Haie-Kapitän Moritz Müller erhält viel positives Feedback aus dem Team, lässt aber auch keine Situation aus, um den Charakter zu loben. Doch Charakter allein reicht in der Liga nicht aus: Während die Mannschaft Spiel für Spiel versucht, die Motivation wiederzufinden und sich in Spiele wieder hineinzukämpfen, wuchs der Frust über die nicht vorhandenen Lösungsansätze. Taktiken wurden zum Teil selbst besprochen und bestimmt unter dem Team. Das passende Zitat aus der Doku “Derby 221” liefert Peter Draisaitl während des Spiels in einer Aufnahme selbst: “Warum fangen wir jetzt mit dem Improvisieren an?”. Bereits zum ersten Heimspiel gegen die DEG war der Trainer scheinbar weit von der Mannschaft entfernt.

Die Kölner Haie befinden sich trotz aller Widrigkeiten auf dem 5. Tabellenplatz und damit in Reichweite der direkten Playoff-Qualifikation. Gut möglich, dass die Organisation des KEC genau das nicht aufs Spiel setzen wollte. Auch die Pressekonferenzen vor dem DEL WINTERGAME 2019 mit Harold Kreis zeigten auf, wie unterschiedlich die Trainer-Charaktere der DEL sind. Während Kreis auf etwaige Schwierigkeiten hingewiesen hatte, ergänzte Peter Draisaitl meist nur die Aussagen um eigene, kurze Zustimmung. Es schien irgendwie vorprogrammiert, dass auch in diesem Jahr unter Draisaitl keine Playoff-Serie gewonnen werden kann.

Welche Rolle spielt Mark Mahon?

Die offene Frage ist die Rolle von Mark Mahon. Die Meldung seiner Vertragsverlängerung über zwei Jahre war für viele überraschend am heutigen Tage. Doch Mahon verfolgt eine Spielphilosophie und betonte in der heutigen Pressemeldung erneut, woran er in den nächsten Monaten zu messen ist: “Wir wollen attraktives, aggressives, schnelles und strukturiertes Eishockey zeigen, mit einem Team, das eine Kölner Identität mitbringt”. Erste Anzeichen sind dafür zu sehen: Die Haie haben alles dafür getan, um Dominik und Frederik Tiffels nach Köln zurück zu holen. Das notwendige Vertrauen von Hannibal Weitzmann war auch im Sommer da, um ihn fest im Kölner Kader zu positionieren. Außerdem hatte Mahon einen nicht unerheblichen Anteil daran, dass DNL-Talent Dumont bis heute die Einsatzzeiten erhält und zuletzt sogar am Wochenende in der 2. Sturmreihe agieren konnte. Zudem kam der Transfer von Fabio Pfohl dazu, der viele andere Angebote aus der Liga hatte.

Sein Konzept ging auf der deutschen Seite mit namhaften Transfers auf. Über die ausländischen Stellen herrscht unter den Anhängern der Kölner Haie zweigeteilte Meinung. Der Fokus lag im Kader der Saison 2018/19 auf dem Charakter. Mark Mahon muss in der nächsten Transferperiode beweisen, dass er nun auch die Spieler nach Köln holen kann, die ein aggressives, schnelles und strukturiertes Eishockey zeigen.

Rückblende: Verlängerung alternativlos

Verwirrend ist die Aussage von Mark Mahon aus der letzten Saison. Die überraschende Vertragsverlängerung von Peter Draisaitl als “alternativlos” zu bezeichnen, ist im Nachgang sicher kritisch zu betrachten. Das Signal an die Mannschaft sollte zu dem Zeitpunkt Planungssicherheit sein. Doch Kandidaten wie Pavel Groß waren auf dem Markt waren und hinterlassen Fragezeichen hinter der Aussage von Mark Mahon. Pavel Groß führt inzwischen mit den Adler Mannheim souverän die Tabelle der DEL an. Wie wichtig der richtige Trainer ist, zeigt dieses Beispiel ebenfalls: Während die aktuell beste DEL-Mannschaft zurecht in Mannheim spielt, sieht man im Gegensatz dazu auch die großen Schwierigkeiten in Wolfsburg nach dem Verlust von Pavel Groß.

Trainer wie Uwe Krupp und Peter Draisaitl, die in den entscheidenen Momenten Spiele auf der Bank verloren haben, sind erstmal Vergangenheit beim KEC. Mit Niklas Sundblad kam das akribische Arbeitstier und mit Cory Clouston ein taktisch außerordentlicher Trainer. Doch beide hatten ihre Schwierigkeiten in der Kommunikation und blieben erfolglos. München und Mannheim machen es mit Don Jackson und Pavel Groß vor: Das Geld muss an den richtigen Stellen investiert werden.

Den Haien ist zu wünschen, die richtigen Investitionen auf dem Trainermarkt zu tätigen und ein glückliches Händchen zu haben.
Viel Glück, Dan Lacroix.

Die Kölner Haie haben Peter Draisaitl entlassen. Die richtige Entscheidung?

Über den Autor: Dennis Wegner

Dennis gründete gemeinsam mit René im Sommer 2003 haimspiel.de und betreut die Seite bis heute als 1. Vorsitzender. Außerdem war er zwischendurch für das Haie-Fanprojekt tätig, hat mit dem Team und der Fanszene "Wir sind Haie" ins Leben gerufen und die Flyeraktion "Köln ohne Haie?" mit großem medialen Echo organisiert.

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Peter Draisaitl entlassen – Dan Lacroix übernimmt bis Saisonende
  • Sven sagt:

    Mit hat die Nachricht der Entlassung ein wenig Hoffnung gegeben. Ehrlich gesagt habe ich nicht damit gerechnet, eher hatte ich die Saison in den letzten Wochen mehr und mehr abgeschrieben. Man wäre in die Playoffs gekommen, vermutlich sogar direkt, aber dann chancenlos gegen den 3. oder 4. ausgeschieden. Denn ich stimme eurer Analyse zu, mit dieser Taktik hätte man keine Play-off Runde überstanden. Kampf und Einstellung scheinen zu stimmen, das war die letzten Jahre nicht immer so, also eine positive Entwicklung, die man vielleicht sogar Mahon anrechnen darf. Aber das reicht nun mal höchstens um das ein oder andere spiel zu gewinnen. Konstanz kann sich damit aber nicht einstellen, dafür ist die Liga zu eng beieinander. Auch die Siegesserie Ende letzten Jahres beruhte meiner Meinung nach nicht auf spielerischer Entwicklung sondern der Tatsache dass man gegen die schwächeren Teams spielte und sich das ein oder andere Tor hart erarbeitet hat. Sobald es aber spielerisch und eben taktisch überlegene Gegner waren, zogen die Haie den Kürzeren. Nicht umsonst konnte man die letzten Derbys nicht gewinnen, das Wintergame hat das nur bestätigt. Die DEG hatte ein Konzept, das vor allem in den ersten beiden Dritteln klar durchgezogen würde. Bei den Haien hatte ich das Gefühl, die einzige taktische Vorgabe war ein Schuss von der blauen Linie, der irgendwie abgefälscht werden sollte. Und wenn ich mich an die Playoffs letztes Jahr erinnere, dann war das genau dasselbe. In den ersten Spielen hat sich Nürnberg davon noch überraschen lassen, aber spätestens ab Spiel 4 war man darauf eingestellt und hatte die Haie im Griff.

    Dieser Schritt kommt für mich deshalb nicht wegen des Zeitpunktes so überraschend, sondern weil ich es den Verantwortlichen nicht zugetraut habe, für mich somit etwas positives. Es wäre wünschenswert wenn man nun jemanden findet, der wieder ein sportliches Konzept hat. Was den geschäftlichen Teil betrifft, geben sich die Haie seit Jahren keine Blöße. Das ist auch nicht schlecht, die Marke muss weiter entwickelt werden um im Eishockey finanziert werden zu können. Aber seit der Krupp Ära, in der sich Sport und Marketing meiner Meinung nach relativ gleichauf entwickelten , hatte ich das Gefühl, dass die sportliche Entwicklung auf der Strecke blieb.
    Jetzt wird man in der Arena mit immer mehr Werbung und Fanartikeln und Aktionen und und und bombardiert und muss sich dann noch über ein schlechtes Spiel ärgern. Wenn das Spiel Spaß macht, könnte ich über den Rest hinwegsehen.

    Um auch beim Thema Krupp angekommen zu sein. Ich persönlich finde dass er ein Trainer, ähnlich wie ein Don Jackson oder Pavel Gross mit klarem Konzept ist. Das kann man jetzt sehr gut gebrauchen. Wenn intern alle Querelen beseitigt sind (was mich jedoch schon ein wenig verblüffen würde) dann würde ich mich über eine Rückkehr freuen.

    Mal schauen was noch so passiert…

  • Christian sagt:

    Wie gesagt ! Bitte nicht Krupp,aufgewärmtes bringt uns nicht weiter und er ist damals nicht ohne Grund gegangen worden.
    Das er heute ein anderer Trainer ist mit neuer Philosophie und den Touch hat was neues zu machen bezweifel ich stark.
    Es muss dringend was ganz neues kommen und einer der nicht Köln und seine Träumer kennt und weiter den Trott führt.
    Aber wenn es so kommen sollte, bestätigt das meiner Meinung nach nur , wie bequem die Leute intern sind. Bloß keinen Trainer suchen oder der ecken und Kanten hat verpflichten!!! Könnte ja sein , das er intern auch aufräumt und es für die unbequem wird.
    Für mich wirkt es so, als ob man sagt! Trainer gewechselt alles wird gut und Krupp ist Kölner und die Fans lieben ihn. Probleme gelöst😂
    Aber Fakt ist , das man endlich komplett auch intern sich hinterfragt und Lösungen finden muss.
    Muss ja Gründe haben warum bei uns über Jahre der Wurm drin ist.

  • Alexander sagt:

    Gerüchten zufolge sollen Uwe Krupp.Marco Sturm oder Mike Stewart im Gespräch sein.Alle 3.sind gute Trainer Stewart hat Augsburg in dieser Saison auf einen guten Tabellenplatz geführt,U.Krupp hat 2010 den DEB fast zur WM Bronze gecoacht.Und mit Sturm haben wir Silber bei Olympia erreicht das sagt doch wohl alles.

  • […] ersten Teil geht es also um die Entlassung von Peter Draisaitl und den neuen Haie-Trainer Dan Lacroix. Wir sprechen darüber, warum eher der Zeitpunkt als die […]

  • Schmidt sagt:

    Zum Thema Krupp muss ich jetzt auch noch meinen Senf abgeben, und Zwar:

    Fakt ist das ich im Moment noch nicht weiß was ich davon halten soll, ich kann es mir aber auch nicht vorstellen das er sich das nochmal antut.
    Fakt ist aber auch, das ich das letzte mal begeisterndes Hockey in Köln gesehen habe unter Uwe Krupp. Ich war damals total entsetzt als er raus geworfen wurde. Einziger Makel waren die Finalspiele aber zu der Zeit habe ich dennoch gerne meine Euros in die Hand genommen um ein tolles Spiel in der Arena zu sehen, dazu noch 1,5h An- sowie 1,5h Abreise.
    Seit Sundblad habe ich jede Zeit die ich im Zug saß bereut und das Geld hätte ich lieber der Tafel gespendet…

    Ich verliere lieber ein Spektakel auf dem Eis als ein gezwungener lahmer Sieg wo ich nachher selber nicht weiß wie man das Spiel überhaupt gewinnen konnte…..

  • Christian sagt:

    Ich könnte echt platzen oder heulen zu gleich! Gucke auf Sport 1 und was läuft? Staroge wars und danach eSport ! Wo leute gefilmt werden wie sie am PC Spiele spielen.
    Da fragt man sich wirklich was heute wohl Quoten bringen würde.
    Köln sein erstes Spiel nach der Entlassung oder so ein Quatsch Programm?

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