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Aggressiver Forecheck führt zu Auswärtssieg in Nürnberg

Immer wieder konnten die aggressiven Haie Nürnbergs Goalie Jenike prüfen.
Immer wieder konnten die aggressiven Haie Nürnbergs Goalie Jenike prüfen.

Nach dem spektakulären Spiel gegen die Edmonton Oilers stand am heutigen Freitag wieder der „graue“ Ligaalltag an. Beim Auswärtsspiel in Nürnberg trafen die Kölner Haie nicht nur auf Ex-Hai Shawn Lalonde. Nürnberg war vielmehr ein Team, dass turbulente Tage hinter sich hatte. So erfolgte bereits früh in der Saison ein Trainerwechsel. Nach drei sieglosen Spielen zum Saisonauftakt musste Kevin Gaudet seinen Hut nehmen. Das heute Spiel war das Duell des Siebten gegen den Achten der DEL-Tabelle.

Haie haben mehr vom Spiel und gewinnen Drittel 1

Es entwickelte sich vom Start weg ein munteres Spiel, in dem beide Mannschaften den Weg zum Tor suchten. Beide Torhüter – Wesslau und Jenike – standen immer wieder im Zentrum des Geschehens. Der Schwede im Haie-Tor musste sich früh ernsthafter auszeichnen, als er mit seiner Fanghand gegen Pföderl retten musste (7. Spielminute).

Nachdem Daniel Weiß Corey Potter mit der Kelle im Gesicht traf und für 2+2 Strafminuten das Eis verlassen musste, dann aber die Chance für den KEC. Felix Schütz bediente mit Übersicht zunächst Akeson, gegen den Jenike noch parieren konnte. Der Abpraller kam wieder zu Schütz, der den gut postierten Genoway bediente. Sein Treffer in das halbleere Tor zum 1:0 aus Haie-Sicht gelang, weil Jenike noch aus der Position war (8. Spielminute).

Die Haie hatten mehr vom Spiel. Vor allem, weil sie zunehmend aggressiver im Forecheck agierten und Nürnberg damit vor große Probleme stellten. Immer wieder eroberten die Haie noch in der Angriffszone oder in der neutralen Zone die Scheibe. Ebenso konsequent wurde der Abschluss gesucht. Nürnberg hingegen verlegte sich gezwungenermaßen auf schnelle Konter und fuhr diese gut aus. Wie etwa in der 13. Spielminute, als der schnell vorgetragene Angriff die Scheibe neben den Pfosten brachte. Wesslau war kurz orientierungslos; seine Abwehr klärte vor ihm.

Konsequenter Forecheck stellt Nürnberg vor große Probleme

Es gab keinen Grund für Peter Draisaitl an der taktischen Marschroute der Haie etwas zu ändern. Auch im zweiten Drittel stellte der Forecheck der Haie die IceTigers vor große Probleme. Nürnberg fand sehr oft kein kreatives Mittel, die aggressiven KEC-Stürmer auszuspielen und kontrolliert aufzubauen. Zu viel Druck des KEC und zu wenig Laufbereitschaft der IceTigers sorgten dafür, dass ein zunehmend anwachsendes Chancenplus für die Haie nach einer höheren Führung verlangte.

Der Spielstil kam Luca Dumont zugute, der seinen Körper immer wieder selbstbewusst und gut einsetzen konnte. In der 28. Spielminute war es dann aber sein Spielverständnis, welches zur 2:0-Führung des KEC führte. Dumont schickte den Puck über die Bandenrundung auf die linke Seite und zog dann nach innen zwischen die Hashmarks. Pinizzotto konnte die Scheibe recht unbedrängt auf der linken Seite aufnehmen. Dann passte er schnell zu Dumont, der aus zentraler Position schießen und Jenike zum 2:0 überwinden konnte.

Nürnberg wollte und musste nun mehr für das Spiel machen. Shawn Lalonde hatte sich sichtbar viel vorgenommen und suchte immer wieder den – bekannt harten – Abschluss. In der 30. Spielminute schoss der Ex-Hai nur knapp am Haie-Tor vorbei. Brandon Buck sammelte die Scheibe auf und seine Bogenlampe landete im Tor des KEC. 1:2 der Spielstand und Nürnberg war zurück im Spiel!

Es folgte die stärkste Phase der IceTigers in der ganzen Partie. Nürnberg hatte Mut gefasst und investierte mehr. Über mehrere Minuten hinweg konnten sie sich immer wieder im Drittel der Haie festsetzen und Druck ausüben. Ihre beste Chance entstand allerdings, als Weber Reimer schickte, der den Konter mit einem bekannt brachialen Schuss neben das Tor abschloss.

Doch: Die Haie konnten sich heute auf ihren Schlüssel zum Sieg verlassen. Austin Madaisky spielte einmal mehr einen aggressiven Forecheck und eroberte die Scheibe noch in der Angriffszone. Einmal in Scheibenbesitz, zog er konsequent auf das Tor und konnte sich dabei gleich gegen mehrere IceTigers durchsetzen. Den Nürnberger Goalie überwand er mit einem Schuss zwischen den Beinen hindurch zum 3:1 – und brachte damit die Nürnberger Hochphase zu einem Ende. Bis zum Ende des Drittels kamen die Haie immer wieder zu Puckgewinnen und weiteren guten Chancen.

Souveränes Schlussdrittel beschert Haien den Sieg

Für das dritte Drittel hatte sich Nürnberg klar ersichtlich vorgenommen, nun auch selber aggressiver im Forecheck zu agieren. Gleichzeitig zeigten die IceTigers, dass sie viel mehr Schüssen auf den Kasten von Wesslau bringen wollten. So nahmen etwa Dupuis und zwei mal Lalonde rasch harte Schüsse von außen (42.-44. Spielminute). Szenenapplaus erhielt Luca Dumont, der mutig Lalondes Schüsse wegblockte.

Weil beide Mannschaften nun engagiert zur Sache gingen und nicht einstecken wollten, wurde die Partie oft unterbrochen. Das nun zerfahrenere Spiel spielte aber in die Karten des KEC, für den die Zeit spielte. Die Haie rotierten die Reihen häufig, konnten das Energielevel so hochhalten und die Partie kontrollieren.

Erst in den letzten Spielminuten wurde der souveräne Auftritt der Haie erneut auf die Probe gestellt. Nachdem Tiffels mit dem Gesicht voraus in die Bande gecheckt worden war, spielte der KEC in Überzahl. Hier wurde eine Aktion von Hanowski bestraft, sodass Nürnberg in der 59. Spielminute eine Minute in Überzahl spielen konnte. Zusätzlich zog Nürnberg auch noch Jenike.

Nürnberg stand rasch in der Formation und prüfte Wesslau (etwa Brown zweimal). Nachdem dann Reimer von der blauen Linie abgezogen hatte, stand Will Acton goldrichtig und konnte den Rebound im Tor versenken. 2:3 also der Spielstand bei noch 43 Sekunden auf der Uhr. Beide Mannschaften streckten sich – die Haie hatten das bessere Ende aber für sich. Vieles am Spiel der Haie war gut: Trotzdem darf ein Spiel, von dem der KEC so viel mehr hatte, nicht mit nur einem Treffer Unterschied ausgehen. Das Toreschießen fällt den Haien nach wie vor schwer.

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Über den Autor: René Guzmán

René hat Haimspiel.de 2003 zusammen mit Dennis gegründet. Mit Tobias hat er die allererste Radioübertragung aus Iserlohn gesendet. Er war Mitglied des Vorstandes des KEC "Die Haie" e.V., 2010 war er an der Organisation der Ausstellung "Powerplay - Eishockey in Köln" zur Eishockey-WM im Deutschen Sport und Olympia-Museum beteiligt, hat seine Staatsexamensarbeit zum Thema "Eishockey in Deutschland bis 1945" verfasst und z.B. das "Wir sind Haie!"-Logo und das Logo des Haie-Fanprojekts entworfen.

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Punkt in München: Haie verlieren 1:2 nach Verlängerung

4 Kommentare

  1. Marcel B
    07.10.2018

    Ich Stimme Bossy da zu. Die Haie der letzten jahre hätten es noch geschafft, gegen diese desolaten Ice Tigers zu verlieren!

    Ansonsten wünsch ich euch nen schönes Heimspiel und 3Punkte

  2. Bossy
    06.10.2018

    Ein verdienter Sieg dank einer geschlossenen, disziplinierten Teamleistung und guter Taktik, Tore dazu noch zum richtigen Zeitpunkt erzielt, prima.

    In der Defensive hier und da noch mit zu großen Abständen, aber beim Gegner stand schließlich auch noch einiges an Qualität auf dem Eis.

    Schön auch mal wieder ein Spiel zu sehen, in dem auf besonders üble individuelle Aussetzer und mit Strafzeiten verbundene Albernheiten weitgehend verzichtet wurde; erstes DEL-Saisongegentor in einem letzten Drittel, bei 4 gegen 6 kann halt auch mal einer durchrutschen, zum Glück sehr spät und damit auch folgenlos.

    Nürnberg aktuell in einer Schwächephase, aber die muss man auch erst mal ausnutzen, die Vorjahres-Haie hätten da noch allzu zu gerne Aufbauhilfe geleistet..

    Schöner Einstieg ins Wochenende, jetzt bitte zur Abwechslung mal kein quälendes Heimspiel gegen Schwenningen; die Standard-Ausreden der Vergangenheit wie “die liegen uns nicht, weil die sich nur hinten rein stellen” will ich in diesem Jahr nicht mehr hören.

  3. Alexander
    06.10.2018

    Das Ergebnis war gut aber spielerisch war fast nichts mehr vom Edmonton Spiel zu sehen das war traurig besonders in der Defensive und es gab zu viele Fehlpässe.Dumont und Madaisky waren sehr stark in der Offensive hoffe das der Vertrag von Madaisky bald verlängert wird.Ellis hatte einen sehr schlechten Tag und Genoway war konstant der Überflieger im Team.Bin gespannt ob wir in dieser Saison mal mit der Top Formation also ohne Verletzungen bzw.Sperren Spiele absolvieren können.

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