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6 Tore, 3 Punkte, Platz 10

Torjubel von Sebastian Uvira, Mike Iggulden und Moritz Müller. Foto: Steffen Thaut
Torjubel von Sebastian Uvira, Mike Iggulden und Moritz Müller. Foto: Steffen Thaut

Man wusste nicht so wirklich, was man von der Partie der Kölner Haie beim Tabellenletzten in Schwenningen erwarten sollte. Weder vom Gastgeber, der nach einer schier endlosen Niederlagenserie gegen einen angeschlagenen großen Namen vor eigenem Publikum ein bisschen Wiedergutmachung hätte betreiben können, noch von den Gästen, die zuletzt nur in einer Hinsicht konstant ablieferten: konstant ungenügend.

Dass die Haie aus diesem Spiel einen 6:1-Sieg inklusive vier Powerplaytoren machen würden, hätte wohl kaum jemand erwartet. Und zu Beginn der Partie sah es auch eher nach der nächsten Zitterpartie aus. Andreas Holmqvist befand: „Wir sind schlecht ins erste Drittel gestartet. Im zweiten und dritten Drittel waren wir viel besser.“

Darüber, wie wichtig Sebastian Uviras Treffer zum 2:1 war, herrschte bei allen Einigkeit. „Das hat uns wirklich gut getan. Ich hatte das Gefühl, dass wir von da an das Momentum auf unserer Seite hatten. Ab da haben alle angefangen, ihr Spiel zu spielen. Da war bei allen plötzlich der Kopf frei und alle haben einfach zum Tor gezogen und haben den Abschluss gesucht. Das war gut.“ meinte Holmqvist. Marcel Ohmann konnte das nur bestätigen: „Ich glaube, es hat gutgetan, dass wir mal wieder in Führung gegangen sind. Danach konnten wir ein bisschen befreiter aufspielen. Ab da hat alles ein bisschen besser funktioniert.“

„Ich denke, dass alles heute wichtig war. Es war super, dass wir sechs Tore geschossen haben. Das hat unser Selbstvertrauen geboostet. Uns war allen bewusst, dass wir normalerweise nicht so viele Tore schießen. Vielleicht haben wir das in den Köpfen heute geknackt und gehen mit mehr Vertrauen ins nächste Spiel. Das kann nur klar von Vorteil sein“, bilanzierte der Siegtorschütze Sebastian Uvira nach der Partie, wollte dabei seinem eigenen Treffer aber gar nicht so viel Bedeutung beimessen wie seine Teamkollegen: „Es war wichtig, dass wir den Ausgleich geschossen haben. Das hat die ganze Sache gedreht. Natürlich bin ich happy, dass ich ein Tor geschossen habe, aber das hätte ich ohne meine Reihenkollegen und den Rest der Mannschaft auch nicht geschafft. Wir haben alle wirklich super gespielt. Ich bin wirklich froh.“

Dass die Wild Wings die Punkte nicht kampflos abgeben würden, war den Haien sehr bewusst. „Wir sind voll motiviert in die Partie gegangen“, blickt Uvira zurück. „Wir wussten, dass Schwenningen beißen wird. Wir haben uns gesagt, wir müssen einfach Vollgas geben. Das war wirklich eine überragende Mannschaftsleistung. Auch unser Torwart hat wirklich überragend gehalten. Die drei Punkte nehmen wir jetzt mit nach Ingolstadt und machen da hoffentlich genauso weiter.“

Der in letzter Zeit oft in Frage gestellte Teamgeist in der Mannschaft, war über die gesamte Partie sichtbar. Viel Kommunikation untereinander, viel gegenseitige Aufmunterung – alle waren an Bord. Was hier besonders herausstach, war die Vorlage von Marcel Ohmann zum 6:1 durch Maxime Sauvé. Bei einem 2 auf 0, bei dem Ohmann alle Zeit und jede Gelegenheit gehabt hätte, selbst den Abschluss zu suchen, legte er im letzten Moment noch für den Kanadier ab, der in seiner undankbaren Rolle als 13. Stürmer wegen des Ausfalls von Andreas Falk gestern kurzfristig zum Einsatz gekommen war. Sebastian Uvira beschreibt die Reaktion zu dieser Aktion: „Alle auf der Bank haben gesagt, wie selbstlos das war. Das war fürs Team. Wir waren alle überrascht und dann happy, dass der Max [Maxime Sauvé, Anm.d.Red.] ein Tor gemacht hat. Das war wirklich überragend.”

Ohmann selbst wiegelte nach dem Spiel ab: „Nachdem ich die Scheibe gewonnen hatte, dachte ich eigentlich, jetzt bin ich alleine vorm Torwart und mache irgendwas. Dann habe ich kurz nach links geschaut und gesehen, da ist noch ein Weißer. Der gehört zu mir. Ich kam aus spitzem Winkel und dachte, bevor ich das Ding jetzt nicht reinmache, spiel ich lieber ab, und wir machen noch ein Tor. Mich freut es für den Max. Der hat eine harte Saison hier in Köln.“

Dass das Powerplay vier Tore beigesteuert hat, war ebenso wichtig für die Köpfe. „Powerplay-Tore sind wirklich wichtig, besonders in der jetzigen Phase. Ich glaube, das wird den Unterschied ausmachen, ob wir es in die Playoffs schaffen oder nicht. Wir haben im Training viel am Powerplay gearbeitet, deswegen haben sich die Tore heute wirklich gut angefühlt“, so Holmqvist.

Für eine kleine Überraschung sorgte Haie-Coach Niklas Sundblad, als er Moritz Müller während der 10-Minuten-Strafe von Ryan Jones im Sturm einsetzte, aber das hatte einen guten Grund. „Als Jones draußen saß, wollten wir weiter mit vier Reihen Druck machen, weil wir wussten, dass Schwenningen eigentlich nur drei Reihen hat. Wir wollten die müde machen und weiter alle vier Reihen rotieren.“ erklärt Müller. Die Rechnung ist aufgegangen. Niemand musste Doppelschichten fahren und die Haie konnten den Fuß auf dem Gaspedal lassen.

Auch wenn der ERC Ingolstadt ein anderes Kaliber ist als es die Wild Wings waren, muss man den Schwung aus der Partie vom Freitagabend mit in die Audi-Stadt nehmen. „Wir müssen im Kopf behalten, dass wir es geschafft haben, hier sechs Tore zu schießen. Am Sonntag müssen wir weiter Schüsse aufs Tor bringen und hart zum Tor gehen. Das wird der Schlüssel sein.“ blickt Andreas Holmqvist auf die Aufgabe am Sonntag.

Sebastian Uvira warnt aber zugleich vor einem Höhenflug: „Natürlich ist es toll, dass wir heute sechs Tore geschossen haben. Aber die Euphorie darf jetzt nicht zu groß werden. Wir müssen mit den Füßen am Boden bleiben und weiter hart arbeiten.“ Auch Marcel Ohmann war nach der Partie schnell wieder bei Sachlichkeit angekommen: „Das waren heute drei Punkte, die wir holen mussten. Aber auch mit sechs geschossenen Toren dürfen wir jetzt nicht zu hoch fliegen. Jedes Spiel ist jetzt ein Endspiel für uns, und so müssen wir auch jedes Spiel angehen.“

Über den Autor: Henrike Wöbking

Henrike schreibt für haimspiel.de seit 2005 und wurde von Ex-NHL-Spieler Jason Marshall gelobt für "the best interview I ever did". Sie zeigte sich hauptverantwortlich für das Abschiedsvideo von Dave McLlwain. Außerdem ist sie Buchautorin und schrieb den Roman "Auf Eis" vor dem Hintergrund der Playoffs 2002.

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