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Wer ist Oliver Müller? Portrait des neuen Haie-Geschäftsführers

Oliver Müller und Hauptgesellschafter Frank Gotthardt (Foto: Steffen Thaut)
Oliver Müller und Hauptgesellschafter Frank Gotthardt (Foto: Steffen Thaut)

(Überarbeiteter Artikel) Die Club-Führung um Frank Gotthardt und Ralph Pape überraschten gestern die eigenen Mitarbeiter, Spieler, Medien und Fans mit der Nachricht, dass Oliver Müller ab sofort den Geschäftsführerposten der Kölner Haie übernimmt. Müller, 1978 in Villingen-Schwenningen geboren, kommt mit der Erfahrung aus annähernd 20 Jahren Berufserfahrung im Bereich des Sportmarketings und Vertriebs nach Köln. Peter Schönberger, der die Haie seit 2014 führte, kehrt somit zurück in seine Funktion als Teil-Gesellschafter.

Die entscheidenden Fragen, die sich an seine Verpflichtung stellen, sind: Was erhoffen sich die Gesellschafter von Oliver Müller? Was genau soll er besser machen, als sein Vorgänger? Und: Kann er seine Expertise aus der langjährigen Zusammenarbeit mit Sportsponsoren für den Eishockeysport nutzen?

Gründe für den Geschäftsführerwechsel: Die nächste Stufe

Den neuen Geschäftsführer des KEC lernte Frank Gotthardt bereits im vergangenen Herbst kennen: “Seither haben wir das ein oder andere zusammen unternommen. Aus der Kenntnis heraus hat es dann Gespräche gegeben.” Gotthardt hatte die Entscheidung im Vorfeld im Gesellschafterkreis – mit Ausnahme von Schönberger – abgestimmt. “Herr Schönberger hat dann aber der Entscheidung auch zugestimmt. Sicherlich nicht aus Freude an der Entscheidung, sondern weil er ein guter Teamplayer ist und dafür sorgen wollte, dass es reibungslos über die Bühne geht.” Müller unterzeichnete seinen Vertrag bereits in der vergangenen Woche, Peter Schönberger wurde am Dienstag informiert.

Gotthardt über Müller: “Er ist der geeignete Kandidat”

Gotthardt betont ausdrücklich, dass die Entscheidung für den Wechsel des Geschäftsführers nichts mit den Ereignissen der letzten Saison oder der letzten Wochen zu tun hat. Im Gegenteil: Mehrfach weist er darauf hin, dass er mit der geleisteten Arbeit sehr zufrieden gewesen sei. Vielmehr habe sich die Frage gestellt, ob die Haie die Entwicklung, die sie unter Peter Schönberger genommen haben, auch weiter hätten nehmen können. Ob die Haie unter Schönberger “die nächste Stufe” hätten erreichen können. Dies bescheinigt Gotthardt dem ehemaligen Geschäftsführer negativ, was “nicht heißt, dass ich nicht damit zufrieden bin, was er bisher getan hat. Nur: Für die nächste Ausbaustufe glaube ich, dass hier der Nachfolger Oliver Müller der geeignetere Kandidat ist. Das ist der einzige Grund. Es gibt keine sportlichen Gründe, keine persönlichen Gründe. Es gibt keine Gründe in der Vergangenheit, sondern es gibt nur Gründe, die in die Zukunft reichen. (…) Ich glaube, dass Herr Müller von seinem Erfahrungshintergrund den richtigen Fokus auf Geschäftsentwicklung, Kommunikation und Vertrieb bringen wird.”

Im Fokus stehe die “Geschäftsentwicklung”, so Gotthardt: “Wir sind sehr zufrieden mit all dem, was uns die Zuschauer und Fans geben. Wo wir stärker arbeiten müssen, ist das Thema Sponsoring der Kölner Unternehmen bzw. der Unternehmen im Umfeld. Natürlich haben wir bereits gute Einnahmen in dem Bereich. Das was wir insgesamt von den Fans, den Zuschauern bekommen, ist sehr, sehr gut. In der dritten Kategorie aus dem “sehr gut” ein “sehr, sehr gut” zu machen” ist das erklärte Ziel.

Müller bietet ein breites Portfolio – mit wenig Eishockey-Bezug

Müller kann ein enorm breites Spektrum im Sportsegment vorweisen. Seit er in jungen Jahren die Agentur MSC Sports gründete, zeigte er sich gemäß seiner eigenen Darstellung etwa beim Weltcup Skispringen Titisee-Neustadt als “Generalsekretär”, bei dem Tennis-Turnier der ATP Baden-Open als “Turnierdirektor”, bei einem Leichtathletik-Hallenevent der IAAF als „Director Sales & Marketing“, bei den Basketballern der BG Karlsruhe als „Direktor Marketing & Vertrieb“, bei den Fußball-Vereinen Sportfreunde Siegen und Real Club Deportivo Mallorca als „Direktor Marketing & Vertrieb“ und nicht zuletzt als „Sponsoring-Berater“ der Ehrmann AG und der Warsteiner Brauerei verantwortlich.

Die ins Auge springende Pluralität der verschiedenen Sportbereiche muss hierbei als Teil des Alltags von Agenturen begriffen werden. Auffällig ist, dass Müller bisher nur wenig im Bereich des Eishockeysports und generell im Rheinland – zumindest mit einem größeren Engagement – tätig war. Müller stammt aus Villingen-Schwenningen und hat 1994 mit der Partie des SERC gegen die Kölner Haie sein erstes Eishockey-Spiel gesehen. Wichtiger ist sein Engagement bei den Wölfen Freiburg, welche er – wie er im Rahmen der Pressekonferenz mitteilte – in ihrer DEL-Saison 2003/2004 belgeitete.

Unterschiede zu Schönberger, Nethery und Eichin

Hier finden sich Kontrastpunkte zu seinen Vorgängern: Der scheidende Geschäftsführer Schönberger zeigte sich immer wieder der Stadt, den Fans und auch der Kultur der Stadt verbunden und war bereits viele Jahre zuvor zum Fan des Clubs und der Sportart geworden. Lance Nethery hingegen kam als Kenner des Sports, konnte aber zu keinem Zeitpunkt adäquat die Sponsoren der Stadt erreichen. Thomas Eichin kam aus dem Bereich des Fußballs zum Eishockey, arbeitete sich im Verein nach oben und lernte so Stadt und Sport kennen. Müller muss nun in beiderlei Hinsicht ein Start aus dem Stehgreif gelingen – in einem Umfeld, was durchaus als „besonders“ gilt.

Müller zeigt sich vor dieser Herausvorderung äußerst selbstbewusst: “Ich nehme die Herausforderung gerne an, weil sie für mich keine Besonderheit ist.” Auch bringt er ein Jahr sportexterne Erfahrung mit den Kölner Netzwerken und der Presse mit, da er ein Projekt in der Messe umsetzte: “Ich bin mir sehr sicher, was auf mich zukommt. Wenn man als große deutsche Stadt vier Tageszeitungen hat, dann müssen vier Tageszeitungen so gefüttert werden, dass redaktioneller Imput entsteht.”

Behutsames Vorgehen ist bei Oliver Müller notwendig

An dieser Stelle ist es positiv zu bewerten, dass Müller verschiedene Bereiche abseits des Fußballs kennengelernt hat. Eishockey ist ein Sport, dessen Sponsoren vor allem aufgrund von Netzwerkbildung zum Verein gebracht werden und eben nicht „die Türe einrennen“. Da Müller bereits in zahlreichen Sportarten gearbeitet hat die im Schatten des Fußballs stehen, dürfte ihm die Behutsamkeit, mit der mit Sponsoren, Partnern und Förderern umgegangen und verhandelt werden muss, bekannt sein. Er trennt hier scharf zwischen dem Bereich des Fußballs und allen anderen Sportarten: “Ich habe im Fußball gearbeitet und das war zum Teil sehr angenehm, weil viele Dinge leichter fallen. Aber ich habe auch in vielen ‘Randsportarten’ gearbeitet. Die Situation mich hinzusetzen und zu warten, bis Partner kommen, die kenne ich nicht und die entspricht auch nicht meinem Naturell.”

Auch Hauptgesellschafter Frank Gotthardt weist auf diese Problematik hin, benennt aber auch ein klares Ziel: “Wir wollen natürlich nicht unsere Partner bedrängen, denn es sind Partner und wir freuen uns, dass wir sie haben. Wir wollen den Markt angehen. Das ist ein kleiner Unterschied. Der primäre Fokus ist, den Kreis der Partner zu vergrößern.”

Müller ist auch zwei Mal am Sponsoring gescheitert

Aber: Das Sport-Business ist kein einfaches Betätigungsfeld. Den Haie-Fans dürften hier noch sowohl ihre eigenen, als auch die Anstrengungen Thomas Eichins´ in Erinnerung geblieben sein, als es darum ging, die Haie in schwierigen Zeiten am Leben zu erhalten. Eine Agentur annähernd 20 Jahre zu leiten, ist sicherlich mit zahlreichen Schwierigkeiten verbunden gewesen. Als Beispiel für das bewegte Fahrwasser, durch das Müller MSC steuerten konnte, findet sich der Verlust der Werberechte des Deutschen Skiverbandes (DSV) an den Sportrechtevermarkter Sportfive. Die damals noch unter MSC International fungierende Agentur hatte sich übernommen, als sie für mehrere Millionen Euro pro Jahr die Vermarktungsrechte für diverse Skisportarten kaufte, damit aber in finanzielle Schwierigkeiten geriet.

Auch Ziel der dauerhaften Etablierung der Baden-Open verfehlte Müller. 2005 gewann er einen Hauptsponsor für das Turnier. Mehrere Jahre hielt die Kooperation und es konnten zunehmend klangvolle Namen für das Teilnehmerfeld verpflichtet werden. Doch letztlich gab es offenbar Probleme mit dem Hauptsponsor, die die Fortführung des Turniers nach 2009 unmöglich machten. Besagter Hauptsponsor war ausgerechnet die Brauerei Rothaus, welche in Eishockey-Kreisen als überaus treuer und loyaler Sponsor des EHC Freiburg bekannt ist.

Oliver Müller: Ein Fachmann für das Marketing

Unstrittig ist, dass Oliver Müller sich nicht in sportliche Belange einmischen wird. Eine transparente, klare Abgrenzung zu dem Bereich Sport, welcher von Mark Mahon geleitet wird, wird erarbeitet werden.”Die Struktur und die dementsprechend damit zusammenhängenden Verantwortungen, die gilt es zu erarbeiten”, so Müller: “Die drei Bereiche die es gibt, der sportliche Erfolg, der finanzielle Erfolg und der Erfolg des Image brauchen starke Vertreter ihrer Zunft, die auch durchaus konfrontativ im Innenverhältnis diskutieren müssen. Da ist Mark Mahon die Nummer eins im Bereich Sport und verteidigt seinen Bereich. Und so gibt es für Marketing/Vertrieb und für die finanzielle Komponente auch starke Stimmen. Und dann gilt es, durch den Interessenausgleich der Bereiche in der Geschäftsführung sicherzustellen, was für den Club das Beste ist.” Da ihn die Medien Müller – im Gegensatz zu Mahon – nicht kennen, wird er weniger in den medialen Fokus rücken als Schönberger.

Nach dem Kurzzeit-Intermezzo von Marketingleiter Oliver Spengler, der nur drei Monate für die Haie tätig war, dürfte der neue Geschäftsführer über genug Expertise verfügen, um dieses Gebiet zu delegieren, aber in einer Gesamtplanung stimmig einbetten zu können. Auf der Plattform XING benennt Müller in der Selbstbeschreibung als seine Top-Fähigkeiten: Verhandlungsgeschick, Vertrieb und Marketing. Alle drei sind Kriterien, die ein wirtschaftlicher Geschäftsführer auch im Eishockeysport beherrschen und in eine Gesamtkonzeption einfließen lassen muss.

Müller: “Die Haie sind eine wahnsinnig starke Marke”

Müller sieht seine eigene Arbeit insbesondere in der Vermarktung der Haie: “Aus der Außensicht sind die Haie ein wahnsinnig starke Marke. Die stärkste Marke im Eishockey in Europa, da bin ich mir sicher. Alleine die Kraft der Region; auch die Kraft der sozialen Medien, die die Haie vereinen: Das bringt ungeheuer viel Rückenwind und Enthusiasmus mit. Ich glaube, dass wir in diesem strukturellen Bereich, in diesem Vermarktungsbereich unser wahnsinnig tolles Produkt noch nicht so aufbereitet haben, dass die Wirtschaftsentscheider draußen sehen, dass diese Haie für sie als Unternehmen einen Benefit bringen und sie nicht die 581. oder 582. Werbebotschaft sind, die im Fußball-Bundesliga-Umfeld jede Woche gesendet wird.”

Die erste Aufgabe, die Müllers sich selbst gesetzt hat, ist, die Außensicht mit der Innenansicht zu  abzugleichen. Mit einem fertigen Konzept tritt Müller jedoch nicht an: “Von einer Idee oder einem Konzept zu sprechen halte ich für zu weit gegriffen. Die Idee, die ich gerne mit der Mannschaft in der Geschäftsstelle umsetzen möchte, ist, dass wir in der Kommunikation nach außen, der Kommunikation mit den Sponsoren, mit der Wirtschaft in Köln, besser auftreten. Dass wir das Produkt, das wir tatsächlich haben, welches mit einer wahnsinnigen Emotion hinterlegt ist, besser am Markt platzieren können. Dass wir es weniger erklärungsbedürftig darstellen und es uns dadurch dann gelingt, die kaufmännischen Hausaufgaben ein bisschen besser zu machen.”

Fazit: Stärkung einzelner Bereiche, behutsames Vorgehen

Mit Oliver Müller werden die Haie von nun an von einem Fachmann geführt, der sein Wissen im Sport-Buisness in annähernd zwanzig Jahren von der Pike an gelernt und bei der Leitung seiner Agentur unter Beweis gestellt hat. Er bringt vielfältige Erfahrungen aus vielen Sportarten mit, auch wenn sich Eishockey nur teilweise darunter befindet. Er ist gleichzeitig auch mit der Sponsoren-Szene, den Netzwerken, den Gegebenheiten und Besonderheiten der Stadt Köln nur teilweise mvb cvertraut. Hier muss Müller den Sommer nutzen, um zu lernen.

Eine deutlich akzentuiertere Trennung wird aller Voraussicht nach zwischen den Bereichen der sportlichen und der wirtschaftlichen Leitung gezogen. Eine Wiederholung der Verwirrung, die durch die ungeklärten Umstände der Suspendierung Patrick Hagers bis in das Live-TV transportiert wurden, wird vorgebeugt.

Der Beitrag wurde nach der Pressekonferenz am 20.04.2017 überarbeitet.

 

Über den Autor: René Guzmán

René hat Haimspiel.de 2003 zusammen mit Dennis gegründet. Mit Tobias hat er die allererste Radioübertragung aus Iserlohn gesendet. Er war Mitglied des Vorstandes des KEC "Die Haie" e.V., 2010 war er an der Organisation der Ausstellung "Powerplay - Eishockey in Köln" zur Eishockey-WM im Deutschen Sport und Olympia-Museum beteiligt, hat seine Staatsexamensarbeit zum Thema "Eishockey in Deutschland bis 1945" verfasst und z.B. das "Wir sind Haie!"-Logo und das Logo des Haie-Fanprojekts entworfen.

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1 Kommentar

  1. 20.04.2017

    Also soll Müller versuchen, die Haie zum Goldesel zu machen. Schafft er das, ok…
    wenn er aber scheitert, dann wird Gotthardt sein “Spielzeug” KEC in die Ecke werfen und wir durfen wieder Retter-Tshirts kaufen. und viel Geduld scheint Gotthardt nicht zu haben, denn seit seiner Übernahme hat er schon reichlich Personal verballert….

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