Jon, du hast gerade mal zwei Spiele absolviert, also ist es vielleicht noch ein bisschen früh für die Frage, aber wie ist dein Eindruck von der Liga bislang?
Die Liga ist sehr, sehr professionell. Besonders die Kölner Haie. Dienstag war mein erstes Heimspiel, und das war eine wirklich angenehme Überraschung. Ich meine, ich war echt überrascht, wie viele Fans da waren. Sie haben uns die ganze Zeit angefeuert. Das hat mir sehr gefallen. Es hat mich ein bisschen nervös gemacht, zum ersten Mal vor den eigenen Fans zu spielen. Aber ich glaube, es ist ganz gut gelaufen und das Team hat gut gespielt.
Nach deinem ersten Spiel in Straubing haben wir kurz über die Dinge gesprochen, die du an deinem Spiel ändern musst, um dich hier anzupassen. Wie gehst du das an?
Ich arbeite hart mit den Trainern. Die Trainer sind wirklich gut. Sie haben hohe Erwartungen an ihre Spieler. Sie listen präzise auf, was auf dem Eis gemacht werden muss. Also höre ich einfach zu und befolge ihre Erklärungen, dann sollte ich mich ziemlich schnell eingewöhnt haben. Ich bin die Sorte Mensch, die gerne hart arbeitet. Sie legen mir die Liste vor und ich mache die Sachen einfach. (lacht)
Hast du das Gefühl, dass dir gerade ein großer Teil deines Spiels genommen wird, weil du hier beim Checken vorsichtiger sein musst?
Im Moment, ja. Aber ich glaube, es braucht nur ein bisschen Zeit, um mich darauf einzustellen und zu wissen, wann ich physischer oder offensiver spielen kann. Im Moment spiele ich ein sehr ruhiges und defensives Hockey. Ich glaube, wenn ich mich ein bisschen mehr eingewöhnt habe, kann ich auch wieder ein bisschen mehr checken und aufs Tor schießen. Im Moment versuche ich lediglich, Puckverluste zu vermeiden, weil unsere Trainer Puckverluste nicht mögen. (lächelt) Und es scheint so, als würden die Fans die Puckverluste genauso bemerken wie die Trainer.
Fühlst du dich auf der großen Eisfläche schon wohl?
Ja. Ich habe früher schon auf großen Eisflächen gespielt. Als ich noch ein Kind war, gab es ein paar Teams und später im College gab es ein paar Teams, die die große Eisfläche hatten. Aber heute während einer Übung im Training habe ich definitiv gemerkt, dass die blauen Linien ein bisschen weiter voneinander entfernt sind, als ich es gewohnt bin. (lächelt) Wenn wir eine Herz-Kreislauf-Übung auf dem Eis gemacht haben, habe ich bemerkt, dass es ein bisschen weiter ist, zur blauen Linie und zurück zu kommen. (lacht) Nein, ich mag die größere Eisfläche. Ich glaube, sie wird für mein Spiel eher von Vorteil als von Nachteil sein, wenn ich mich erstmal ganz daran gewöhnt habe.
Normalerweise haben wir keine zu hohen Erwartungen an Spieler, die kurz vor der Deadline ins Team kommen. Du warst eine positive Überraschung. Da deine Stärken offensichtlich sind, habe ich angefangen, nach Schwächen zu suchen. Gibt's welche?
(lacht) Vielen Dank! Ich spiele im Moment halt noch sehr befangen, weil ich keine Fehler machen möchte. Auf der größeren Eisfläche stehe ich manchmal ein bisschen zu weit hinten. Das würde ich gerne verbessern. Aber ich habe einfach Spaß daran, einen neuen Stil anzunehmen. Es ist komplett anders mit viel mehr Spielfluss und weniger Checks. Wenn in Nordamerika jemand einen Pass spielt, dann dauert es ungefähr drei Sekunden, bis man gecheckt wird. Hier wird man überhaupt nicht gecheckt.
Wie würdest du dein Spiel alles in allem beschreiben?
Ich arbeite sehr hart und bin ein Team-Player. Ich leite gerne Spielzüge ein und ich schieße gerne aufs Tor, denn wenn man nicht schießt, kann man auch nicht treffen. (lacht) Man muss aufs Tor schießen. Gute Dinge passieren, wenn man den Puck aufs Tor bringt. Ich betrachte mich also als einen kreativen Spieler, aber auch als harten Arbeiter mit Biss.
Damals im College hast du als Stürmer gespielt. Du warst ein Winger, Top-Scorer der Bowdoin Polar Bears in zwei deiner vier Jahre dort, eine Macht im Powerplay. Wann und warum bist du zum Verteidiger geworden?
Ich glaube, das war im College. Das spezielle System, das wir gespielt haben, hat mich gezwungen, mehr Verteidigung zu spielen. Und ich war immer ein Verteidiger in den Powerplays. Da habe ich meine Fähigkeiten im Rückwärts-Skaten entwickelt. Meine Eltern haben mir immer gesagt, man muss auch lernen rückwärts zu skaten, wenn man Hockey spielen will. Also habe ich da ein bisschen Verteidigung gespielt. Zur Halbzeit meiner ersten Saison bei den Arizona Sundogs hatten wir viele Ausfälle in der Verteidigung. Unsere Trainer haben gefragt: „Hat schon mal jemand Verteidigung gespielt?", und ich sagte: „Ja, ich hab's ein bisschen gespielt." (lächelt) Ich habe versucht, mir einen Namen zu machen, weil ich noch ein Rookie war. Also stellte er mich im Training in der Verteidigung auf und meinte: „Hey, du bist gar nicht so schlecht. Lass uns das mal in einem Spiel ausprobieren." Also spielte ich das in ein paar Spielen. Ich war bei einem Wechsel Stürmer, bei einem Wechsel Verteidiger. Hin und her. Den ganzen Sommer über habe ich dann für die Stürmerposition trainiert, kam zurück und dachte, ich würde im Sturm spielen. Zwei Spiele habe ich als Stürmer gemacht, dann meinte mein Trainer direkt: „Du spielst wieder Verteidigung. Du gefällst mir da besser." Mittlerweile bin ich viel lieber Verteidiger als Stürmer. So ist es jetzt seit ein paar Jahren.
Wieviel Stürmer steckt noch in dir?
(lacht) Ja, ab und zu spiele ich schon gerne Stürmer. Hin und wieder kommt der Stürmer in mir zum Vorschein und ich will einfach nur stürmen, stürmen, stürmen. Manchmal marschiere ich gerne mit dem Puck los ins Angriffsdrittel. Aber ich spiele wirklich gerne Verteidigung.
Ein ehemaliger Teamkollege von dir aus College-Zeiten ist jetzt der GM von Kölns Kooperationspartner Herne - Shannon Mcnevan. Wieviel hatte er mit deinem Wechsel nach Deutschland zu tun?
Ich weiß es gar nicht. Ich glaube, es war eine Kombination aus meiner Verbindung zu Shannon und der Tatsache, dass meine Trainer in Arizona früher mit Bill [Stewart] zusammen gespielt haben. Ein bisschen von beidem. Durch meine Verbindung zu Shannon wussten sie auf jeden Fall, dass ich verfügbar bin und gerne nach Deutschland wollte. Und da Bill meine Trainer kannte, konnte er sich vergewissern, dass ich auf diesem Niveau hier spielen kann.
Ein weiterer ehemaliger Teamkollege und dein Co-Trainer in den letzten paar Jahren, Dan Laperriere, hat eine Menge Zeit in Deutschland verbracht, als er in Duisburg, Schwenningen und Berlin spielte. Hast du auch mit ihm darüber gesprochen, hier her zu kommen?
Auf jeden Fall. Ich war ständig im Gespräch mit ihm. Er hat geholfen, mich zu dem Verteidiger zu machen, der ich heute bin. Er war mein Spieler-Trainer. Ich habe mit ihm gespielt und an seiner Seite eine Meisterschaft gewonnen. Letztes Jahr war er mein Co-Trainer, also hat er viel mit mir gearbeitet. Er hat uns immer viel über die DEL erzählt, wie gut die Liga ist, wie gut und talentiert die Spieler sind. Also hat er mich mental ein bisschen vorbereitet, überhaupt darüber nachzudenken. Deshalb wollte ich immer hier spielen. Er war auch jeden Fall eine große Hilfe. Jetzt ist er Trainer in der AHL. Es ist toll für ihn, dass er voran kommt.
Vier Jahre College. Hast du einen Abschluss?
(lächelt) Ja.
In?
Wirtschaftswissenschaften.
Hattest du tatsächlich vor, in dem Bereich zu arbeiten?
Im Investmentbereich. Wenn es mit dem Hockey nicht direkt geklappt hätte, hatte ich immer vor, Vermögensberater zu werden oder irgendwas an der Börse zu machen. Aber im Moment habe ich kein sonderlich großes Bedürfnis, das zu machen. (lacht) Jeder sagt immer: „Hey, in was hast du deinen Abschluss? Wirtschaftswissenschaften?" und dann fragen sie mich darüber aus, warum die Wirtschaft im Moment so am Boden ist. Ich sage dann immer: „Weißt du, im Moment spiele ich Eishockey." (lacht)
Mitte März 2006 hast du einen Amateur Try-Out Vertrag bei den Portland Pirates unterschrieben. Wie kam das zustande?
Ich glaube, ich hatte einfach ein gutes Abschluss-Jahr im College und wollte es als Profi mit einem Amateur Try-Out versuchen, weil ich immer noch meinen College-Abschluss machen wollte. Dafür muss man durch einen Amateur Try-Out, bei dem man keine Bezahlung erhält. Es traf sich, dass zu dem Zeitpunkt das Team, das am nächsten zu meiner Schule war, jemanden brauchte. Mein Trainer wusste, dass ich spielen wollte. Also hat er mich bei ein paar Trainern angeboten. Sie haben mich für eine Woche zum Training geholt und dann gesagt: „Ok, du spielst." Ich dachte nur „Yeah!" (lächelt) Also habe ich da ein paar Erfahrungen gesammelt und bin dann zurück, um mein Examen zu beenden und meinen Abschluss zu machen. Ich habe zwar nur ein paar Spiele gemacht, aber es war eine gute Erfahrung.
Die beiden Spiele, in denen du dabei warst, waren gegen die Bridgeport Sound Tigers und die Providence Bruins. Die Pirates haben beide Partien gewonnen. Wie hast du dich in den Spielen geschlagen?
Ich hatte ein paar gute Wechsel, aber nicht allzu viel Eiszeit. Ich war noch sehr jung, also war ich einfach „die Energie", bin da raus und habe jeden gecheckt. Ich hatte nur ein paar Torchancen. Und ich hatte auch eine Strafe im zweiten Spiel. Das war vermutlich auch nicht unbedingt gut für meine Eiszeit. (lächelt) Ich bin eigentlich kein Spieler, der Strafen nimmt. Es war eine tolle Erfahrung. Das war der Startschuss für meine Profikarriere. Danach wusste ich, dass ich so lange wie möglich beim Eishockey bleiben möchte.
Die Augusta Lynx waren nie ein offizieller Kooperationspartner der Portland Pirates, aber man hat damals trotzdem zusammengearbeitet. Ich nehme an, dass du deshalb da gelandet bist?
Ja, deshalb haben sie mich da hingeschickt. Deswegen habe ich dort angefangen zu spielen. Ich hatte einen guten Start. Ich glaube, ich habe direkt in meinem ersten oder zweiten Spiel ein Tor gemacht. Aber es gab eine Menge Spieler in der Liga. Sie haben mich irgendwann nicht mehr aufgestellt, also habe ich mich nach einem anderen Team umgesehen. Ich wollte eine Veränderung und habe mich entschlossen, nach Arizona zu gehen. Ich glaube, es war Mitte Dezember, als ich bei den Sundogs unterschrieben habe.
Die Sundogs waren damals ein ganz neues Team in der CHL. Wie aufregend war es, ein Teil dieses ganzen Vorgangs zu sein, ein neues Team zu etablieren?
Die Eigner waren sehr professionell. Sie kamen aus einem Eishockey-Umfeld. Der Vater von Eric Lacroix war der Präsident der Colorado Avalanche. Sie waren sowohl in geschäftlichen Dingen als auch in hockeybezogenen Dingen sehr professionell. Wir waren viel unterwegs in der Gemeinde und in den Schulen unterwegs, um eine große Fanbasis zu schaffen. Arizona liegt ja in der Wüste, kein Eis, kein Schnee. Überraschenderweise hatten wir eine Menge Fans. Die Halle fasste knapp 5000 Zuschauer, und in den ersten beiden Jahren war sie fast immer ausverkauft. Dabei hatten die keine Ahnung vom Hockey. Wir mussten eine Menge Aufklärungsarbeit leisten. Wir mussten helfen, die Regeln des Spiels zu erklären, damit die Fans überhaupt verstanden, was auf dem Eis passiert, was ein Icing ist, was Abseits ist oder die Strafen, die Schiedsrichter, die Reihenwechsel. Die wussten gar nichts. Das hat Spaß gemacht. Es hat sehr geholfen, mit einem derart professionellen Team zu arbeiten, glaube ich. Wir haben uns Anerkennung in der Gemeinde verdient, und im Gegenzug kamen dafür gute Spieler. Die Leute wollten in Arizona spielen wegen dem schönen Wetter, der Möglichkeiten zum Golf spielen und der Nähe zu Phoenix. Dabei kam ein gutes Produkt auf dem Eis heraus. Wir haben eine Menge Spiele gewonnen.
Und ich habe außerdem eine Menge guter Freunde in der Gemeinde. Ich glaube, hier ist es ähnlich. Die Leute, die ein paar Jahre hier waren, kommen immer wieder und lieben das Team. Ich freue mich darauf, hier mehr Leute kennenzulernen und die Fans persönlich zu treffen.
Schon im zweiten Jahr seit Bestehen der Franchise habt ihr die Meisterschaft gewonnen. Im Finale habt ihr den amtierenden Meister Colorado Eagles in vier Spielen gesweept. Wie besonders war dieses Jahr?
Das war mit Abstand der Höhepunkt meiner Karriere. Wenn man eine Meisterschaft mit seinen Teamkollegen gewinnt, dann werden sie zu Brüdern. Das ist einfach so. Brüder ein Leben lang. Ich glaube, man wird sich für immer an jeden einzelnen Spieler aus diesem Team erinnern, weil es etwas so Besonderes war. Jeder trägt seinen kleinen Teil dazu bei, damit das Team gewinnt. Es war fantastisch. Ich habe viele, viele schöne Erinnerungen an meine Teamkollegen von damals. Zwei von ihnen spielen übrigens sogar in Deutschland. Alex Leavitt in Kassel und Cory Urquhart spielt für Heilbronn. Hoffentlich treffe ich sie mal, denn wir sind wirklich gute Freunde. Diese Freundschaft resultiert aus den Erinnerungen an den Gewinn dieser Meisterschaft.
Dieses Jahr läuft die Saison der Sundogs nicht besonders gut. Hattest du ein bisschen ein schlechtes Gewissen, das Team zu verlassen?
Auf jeden Fall, ja. Ich habe mich mies gefühlt. Ich hatte Angst, dass sie denken würden, ich will weg, weil wir im Tabellenkeller standen. Ich werde weiterhin verfolgen, wie es ihnen geht. Ich habe dort viele gute Erinnerungen und gute Freunde. Deswegen habe ich da auch immer wieder verlängert. Hoffentlich schaffen sie es noch in die Playoffs. Ich verfolge sie aufmerksam und hoffe, dass sie es schaffen.
Als du die Sundogs verlassen hast, hattest du nichts als Lob für deinen Coach Marco Pietroniro. Du hast gesagt, er hat dich zu dem Spieler gemacht, der du bist. In welchen konkreten Bereichen hat er dir geholfen, dein Spiel zu entwickeln?
Er und Dan Laperriere hatten auf jeden Fall ein gutes Händchen bei der Arbeit mit mir. Meine Elten haben mir natürlich eingeimpft, hart zu arbeiten und immer alles zu geben. Aber sie haben den Verteidiger geschaffen und mich geleitet. Hockey ist ein Spiel der Fehler, also versuche ich, so wenige wie möglich zu machen. Sie haben mir erlaubt, Fehler zu machen und daraus zu lernen. Sie haben mir viele Freiheiten gegeben. Ich hatte die Möglichkeit, ihn verstehen zu lernen und zu wissen, was er von mir erwartet, deshalb konnte ich auch offensiv ein bisschen besser spielen. Es funktionierte in beide Richtungen. Wir hatten eine tolle Freundschaft. Er hat mich als einen seiner Söhne angesehen. (lächelt) Er hat fünf Jungs und dann eben zwanzig Hockeyspieler. Wir waren irgendwie alle seine Söhne. Es war eine sehr familiäre Organisation. Genau wie hier waren immer alle Kinder in der Kabine, wenn das Team gewonnen hatte. Marcos Jungs waren ständig in der Halle.
Er hat für mich eine große Rolle gespielt, und natürlich auch Chris Bartolone, der auch hier in Deutschland gespielt hat. Er ist im Moment der Spieler-Trainer. Er hat in Düsseldorf und Iserlohn gespielt, war acht Jahre hier. Er ist der Kapitän. Er und auch Laperriere haben für mich eine große Rolle gespielt. Mit ihm habe ich mir ein Zimmer geteilt, wenn wir auswärts unterwegs waren. Ich habe immer zu ihm aufgeschaut, genau wie zu Laperriere. Alle drei haben mir in meiner Entwicklung geholfen.
Du bist 26, deine ganze Karriere liegt quasi noch vor dir. Als was siehst du dein Engagement hier? Willst du dich in erster Linie präsentieren? Was ist dein Ziel?
Das ist eine gute Frage. Da steht ein großes Fragezeichen am Ende. (lacht) Was auch immer kommt. Ich hoffe, dass ich mich präsentieren kann, wenn ich einfach hart arbeite. Es ist eine Chance für mich, hier in Deutschland Karriere zu machen. Ich glaube, ich möchte gerne in der DEL bleiben. Ich schaue mir diesen Club an und möchte gerne hier bleiben. Es liegt an mir. Hoffentlich kann ich dem Team helfen. Ich werde in jeder Hinsicht mein Bestes geben, auf dem Eis das bestmögliche zu zeigen und in bestmöglicher Verfassung zu sein. Es ist eine Chance, und ich freue mich darauf.
Welcher Spieler war dein Vorbild, als du aufgewachsen bist? Ich werde dir Gretzky nicht abkaufen, denn der war nie ein Montreal Canadien...
(lacht) Das Lustige ist, mein Vater war immer ein Detroit Red Wings Fan. Also bin ich seinem Beispiel gefolgt. Ich mochte Steve Yzermann. Ich war ja ein Stürmer, als ich aufwuchs. Ich habe sein Spiel immer bewundert. Ich glaube, viele Kanadier tun das. Er war ein wirklich guter Spieler sowohl in der Offensive als auch im eigenen Drittel. Weil ich inzwischen ein Verteidiger bin, bewundere ich Nik Lidström. Er hat fünf oder sechs Mal die Norris Trophy gewonnen. Er schaut immer schon zwei oder drei Schritte voraus, spielt gute Pässe aus dem eigenen Drittel und kreiert gute Chancen in der Offensive. Heute ist es also Nik Lidström. Ich sehe mir immer die Spiele an und schaue, was er so macht.
Aber ich bin inzwischen ein Fan der Montreal Canadiens, auch wenn sie dieses Jahr Mühe haben, über die 50%-Erfolgsquote zu kommen. (lacht) Übrigens ist Montreal vermutlich eine der wenigen Arenen, in denen es so ist wie ein Köln-Düsseldorf-Spiel. In Montreal ist es immer so. Sie lieben dort ihr Hockey. Da gibt es nicht einen General Manager, da gibt es quasi 21.000 General Manager oder sogar alle Montreal-Fans in der Region um Quebec. (lächelt) Die haben alle eine Meinung dazu, welcher Spieler wo spielen sollte, wer besser spielen muss und was sonst noch alles. Die Fans lassen die Spieler auf jeden Fall wissen, wenn sie gut spielen und auch wenn sie schlecht spielen, wann jemand schießen sollte und wann jemand nicht schießen sollte. Es ist lustig.
Über Gretzky müssen wir trotzdem noch reden, denn es gibt ein Foto von dir mit ihm. Ein Freund von mir hat es auf facebook entdeckt. Wann und wo wurde das gemacht?
(lächelt) Das war in Phoenix. Wir waren Kooperationspartner der Phoenix Coyotes und nicht allzu weit weg von Phoenix. Also haben wir immer Tickets bekommen. Ich liebe Hockey, liebe Sport, liebe es, Sport zu schauen, im Fernsehen oder im Internet. Also sind wir immer zu den Spielen gegangen. Ich glaube, das war in meinem ersten Jahr, weil er da noch Trainer war. Unser Radiokommentator kannte ein paar der Arbeiter in der Arena der Coyotes und kannte auch Wayne Gretzky. Einmal meinte er „Wollt ihr Jungs ihn kennenlernen?" und wir sagten nur: „JA!". Er kam runter, um uns zu treffen und hat sich eine Weile mit uns unterhalten. Er war wirklich cool. Ich kann mich noch genau daran erinnern, wie weich seine Hände sind. Ich weiß nicht, ob du das nachvollziehen kannst, aber allein ihm die Hand zu schütteln, war für uns so ein „wow.... was für eine Ehre!" (lächelt) Das war ein cooles Erlebnis. Wir konnten nicht anders, als ein Foto mit ihm zu machen und es bei facebook einzustellen. (lacht)
Wie sieht dein Leben abseits des Eises aus? Was machst du in deiner Freizeit?
Ich lese viel. Ich freue mich darauf, Deutsch zu lernen. Meine Freundin ist Deutsch-Amerikanerin. Sie spricht fließend Deutsch, also schimpft sie schon mit mir, dass ich seit - wann? - vier Tagen hier bin und noch nichts gelernt habe. Ich lese gerne, ich mag Hockey, ich verfolge alle Ligen ziemlich aufmerksam, ich spiele Gitarre, ich mag alte Autos und Motorräder. Was noch... Golf. In Arizona mag man Golf, weil es einfach so viele Golfplätze gibt. Und wenn ich die Gelegenheit habe, bin ich auch gerne bei meiner Familie. Ich habe zwei ältere Schwestern, einen älteren Bruder und vier Nichten. Ich möchte gerne ein wichtiger Teil in ihrem Leben sein.
Außer dem Wetter, was wirst du am meisten an Arizona vermissen?
Meine Freunde werden mir fehlen. Ich war eine lange Zeit dort, also hab ich eine Menge guter Freunde, die Fans der Mannschaft waren. Sie werden mich vermissen und ich werde sie vermissen. Aber alles andere war bislang toll hier. Ich mag das Essen hier sehr. Ich freue mich auf noch mehr neue Erfahrungen.
Wir bedanken uns bei Jon Landry für das Interview!
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