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4:2-Sieg: Clevere Haie schlagen Wolfsburg

Die Haie bejubeln den Sieg in Wolfsburg. Foto: Alexandra Schmitz.
Die Haie bejubeln den Sieg in Wolfsburg. Foto: Alexandra Schmitz.

Die Kölner Haie konnten ihr Saisondebüt beim Heimspiel gegen Bremerhaven am vergangenen Freitag gewinnen – heute stand die erste Auswärtspartie der Saison an. Antreten musste man beim Vizemeister aus Wolfsburg, der über den Sommer hinweg wieder einmal Spieler aus Köln in die VW-Stadt lotsen konnte. Konnten am Freitag vor allem die Neuzugänge in der Offensive ihren Einstand geben, so trugen heute vor allem etablierte Spieler die Last in der Offensive und besiegelten den 4:2-Sieg des KEC. Die Haie gingen ohne Wiederkehrer Felix Schütz in die Partie, der aus freudigen Gründen fehlte: Er war zum zweiten Mal Vater geworden.

Frühe Führung sorgt für viel Sicherheit

Die Grizzlys aus Wolfsburg legten vom Eröffnungsbully an los wie die Feuerwehr und drängen den KEC zunächst in die Defensive. Viel Respekt schien auf Seiten der Haie vorzuherrschen. Durch einige Offensivszenen (z.B. Wruck und Latta in der in der 3. Spielminute) etablierten sich die Haie in der Partie auch offensiv. In der 4. Spielminute dann bereits die frühe Führung der Haie: Jones trug den Puck auf der linken Seite in das Offensivdrittel, spielte dann den klugen Querpass im Rücken der Abwehr auf Philip Gogulla, der von kurz über dem rechten Bullykreis abzog und Brückmann gegen die Rutschrichtung über die Stockhand überwinden konnte.

Nur kurz nach dem Treffer der nächste Aufreger: Jeffery Likens checkte Blair Jones mit dem Kopf voraus in die Bande. Dieser rächte sich für das gefährliche Spiel gleich selber, sprang unmittelbar wieder auf, schmiss seine Handschuhe weg und knöpfte sich Likens eigenhändig vor. Während Blair für die Aktion mit 2+2+10 wegen übertriebener Härte bestraft wurde, bedeutete das 2+2+2+10 für Likens das erste Überzahlspiel der Haie. Offensiv verpuffte das Powerplay der Haie, da Wolfsburg stark arbeitete und sogar den Konter über Karachun laufen konnte. Eriksson versuchte Schlimmeres zu verhindern, arbeitete mit dem Stock, doch der Pfiff bedeutete den Penalty, den Wesslau aber parieren konnte.

Mit einem schön vorgetragenen Konter dann das 2:0 für den KEC! Gogulla, Ryan Jones und Kai Hospelt gingen parallel und mit Geschwindigkeit in das Wolfsburger Drittel und konnten die Scheibe laufen lassen. Hospelt spielte von rechts kommend auf Gogulla in der Mitte, der auf Jones weiterleitete, der stoppte die Scheibe kurz mit der Kufe und spielte zurück zu Gogulla, der am langen Pfosten die Kelle reinhalten und verwandeln konnte.

Leichtes Spiel mit 2:0-Führung im Rücken

Die Haie hatten nun das Heft in der Hand, verlagerten das Spiel dauerhaft in das Drittel der Wolfsburger und kamen immer wieder zu guten Chancen. Defensiv agierten die Haie weiterhin konzentriert und sicher. Eine kurze Schrecksekunde mussten die Haie-Fans nach einem Treffer im Kehlkopfbereich von Wesslau überstehen. Der Kehlkopfschutz an der Maske erfüllte jedoch seine Aufgabe und es konnte nach einer kurzen Spielunterbrechung weitergehen. Dann kurz vor Schluss eines starken Haie-Drittels dann noch einmal größere Gefahr für das KEC-Tor, als die Grizzlys einen 2:1-Konter laufen konnten. Doch Ehrhoff arbeitete gut nach hinten, verhinderte den möglichen Pass und lies gleichzeitig keinen kontrollierten Torschuss zu, so dass der Puck am Torraum vorbeitrudelte. Die Haie beendeten das erste Drittel mit einer 2:0-Führung und waren zu diesem Zeitpunkt die bessere Mannschaft.

Wolfsburg arbeitet sich in das Spiel zurück

Beide Mannschaften starteten konzentriert in das zweite Drittel. Wolfsburg vom Start weg nun ebenbürtig und Wesslau bekam deutlich mehr Arbeit, als dies im ersten Drittel der Fall war. Aber die Haie konnten sich auf ihren Torhüter verlassen, der sich gleich mehrfach als letzter sicherer Rückhalt erwies (24., 25., 27. Spielminute). Aber auch Brückmann konnte sich mehrfach auszeichnen, darunter auch bei einer schönen Kombination von Hanowski und Shuggs in Minute 26.

Das Spiel gewann von Minute zu Minute an Fahrt und an Physis und hiervon profitierte vor allem Wolfsburg, welches sich immer mehr Spielanteile und immer mehr Torschüsse erarbeitete. Nachdem Boucher in der 30. Spielminute wegen Beinstellens das Eis verlassen musste, fast der Anschlusstreffer durch Furchner, aber Wesslau konnte noch einmal rette. Doch dann war auch er machtlos: Kristopher Foucault lauerte an der eigenen blauen Linie, wurde mustergültig von Likens bedient und konnte 1:0 auf Wesslau laufen und durch die Beine zum 2:1-Anschluss überwinden, zwei Haie kamen zu spät.

Die Haie rangen nun merklich darum, die Oberhoheit über das Spielgeschehen wiederzuerlangen und Wolfsburg wieder das Spielgeschehen aufzwingen zu können. Der KEC zog sich schneller und konsequenter zurück und versuchte, durch lange Pässe auf die Stürmer Chancen zu kreieren, ohne die Defensive zu vernachlässigen. Von den Neuzugängen im Haie-Kader zeigte heute vor allem Shugg immer wieder schöne Aktionen, wie auch in der 35. Spielminute, als er sich nach langem Pass durchsetzen und Brückmann austanzen konnte, letztlich aber an der Kufe (!) des Wolfsburgers Torhüters scheiterte. Gute Chancen aber auch weiterhin auf beiden Seiten (Voakes und Hospelt in Spielminute 39.)

Die Haie gingen mit einer dünnen 2:1-Führung aus dem Drittel. Ging das erste Drittel klar an Köln, so hatten die Grizzlys – bezogen auf die Spielanteile, Quantität und Qualität der Torschüsse – die Partie gedreht.

Clevere Haie sichern den Sieg

Im dritten Drittel lieferten sich beide Mannschaften ein Duell auf Augenhöhe, agierten jeweils aus einer gut strukturierten Defensive heraus und bemühten sich jeweils um Akzente in der Offensive. Dabei neutralisierten sich beide Teams zunächst. Aus Haie-Sicht erfreulich verstrichen die Minuten, ohne dass eine Mannschaft zwingend genug agieren konnte. Ein Weckruf der besonderen Art in der 46. Spielminute. Uvira setzt sich auf rechts durch. Er schirmte die Scheibe mit der Rückhand vom Gegenspieler ab, zog nach innen und schoss im Fallen die Scheibe an die Latte.

Dann die Chance in Überzahl für den KEC, nachdem Alex Roach für Wolfsburg auf die Strafbank musste. Zunächst waren die Haie einem hochaggressiven Unterzahlspiel der Wolfsburger ausgesetzt, konnten die Scheibe aber im Offensivdrittel halten. Als sich die Wolfsburger Unterzahlformation nach nach einem zunehmend langen Shift in die Box zurückzog, schlug die Stunde der Haie. Ryan Jones zog aus mittlerer Distanz ab, doch am Tor vorbei. Angesichts der von der Bande zurückprallenden Scheibe reagierte Kai Hospelt am schnellsten und netzte aus kurzer Distanz zum 3:1 ein.

Spannende Schlussphase: Lalonde mit der Entscheidung

Die Haie verlegten sich nun erneut auf einen deutlich defensiveren Spielstil und ließen Wolfsburg kommen. Diese brachten wiederum erneut mehr physisches Spiel in die Partie. Brenzlig wurde es aus Haie-Sicht in der 55. Spielminute, als Wolfsburg früh im Spielverlauf in Überzahl Brückmann auf die Bank holte und den sechsten Feldspieler brachte. Wesslau erwies sich wieder einmal mehrfach als Turm in der Schlacht. Doch als Wesslau in der 57. Spielminute einen Schuss von links zur Mitte hin abwehrte, stand Furchner richtig und traf zum Anschlusstreffer.

Die Antwort der Haie aber kompromisslos. Nur Sekunden nach dem Treffer war es Shawn Lalonde, der wiederum auf der rechten Seite wartete, bis ein Verteidiger Brückmann leicht die Sicht nahm. Mit einem gezielten Schuss tunnelte er den Grizzlys-Schlussmann zum 4:2. In den letzten beiden Spielminuten versuchte Wolfsburg noch einmal alles. Der KEC ließ nichts mehr anbrennen und beendet somit das erste Spielwochenende der Saison mit zwei Siegen.

Über den Autor: René Guzmán

René hat Haimspiel.de 2003 zusammen mit Dennis gegründet. Mit Tobias hat er die allererste Radioübertragung aus Iserlohn gesendet. Er war Mitglied des Vorstandes des KEC “Die Haie” e.V., 2010 war er an der Organisation der Ausstellung “Powerplay – Eishockey in Köln” zur Eishockey-WM im Deutschen Sport und Olympia-Museum beteiligt, hat seine Staatsexamensarbeit zum Thema “Eishockey in Deutschland bis 1945” verfasst und z.B. das “Wir sind Haie!”-Logo und das Logo des Haie-Fanprojekts entworfen.

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